Stress – zwei Seiten der Medaille

Du kannst deine Probleme lösen. Aus eigener Kraft. Ohne Coach und Therapeut.
Wie das geht, lernst du im Selbstcoaching-Programm.

Heute ist Montag. Am Mittwoch geht dieser Beitrag online. Und dazwischen müsste er dann nochmal zu Frau Märschel, unserer Lektorin, die den Beitrag noch korrigieren muss.

Heißt: Ich stehe gerade ein bisschen unter Druck. Und bin auch ein bisschen gestresst. Schließlich ist das nicht meine einzige Aufgabe für heute.

Aber: Ich weiß den Stress ganz gut zu nehmen. Ich suche ihn geradezu. Denn obwohl der Termin für diesen Beitrag schon seit Ende August feststeht, setze ich mich heute zum ersten Mal dran.

Weil ich weiß, dass ich unter Druck am besten arbeite. Ich kann meinem Perfektionismus keine Zeit und keinen Raum gewähren (wobei ich vom Perfektionsstreben eh nicht sonderlich betroffen bin ;-)). Es gibt keine Möglichkeit mehr, aufzuschieben. Und ich muss mich gleich tief in das Thema stürzen. Ich muss mich direkt auf das Wesentliche konzentrieren, statt mal hier und mal da etwas zu lesen und alle Informationen dann sortiert zusammenzuschreiben.

Wie passend, dass ich eh etwas über das Thema Stress schreiben wollte. Und zwar nicht Tipps, wie Sie Stress vermeiden können. Eigentlich wollte ich eher eine Lanze für den Stress brechen.

Denn Stress hat einen äußerst schlechten Ruf. Stress ist seinem Ruf zufolge etwas, was es zu verhindern gilt. Wer Stress hat, hat viel zu tun. Und ist unzufrieden. Und Stress kann krank machen.

Das alles stimmt auch. Wer zu viel Stress hat, dem geht es nicht gut. Und wer zu viel Stress hat, kann auch krank werden.

Aber Stress hat eben auch eine andere Seite. Stress kann uns beflügeln, er treibt uns zu Höchstleistungen an. Er macht uns lebendig und lässt uns auch manchmal über uns hinauswachsen. Das ist auch der Grund, weshalb Sportler oftmals in Wettkampfsituationen bessere Ergebnisse erzielen als im Training.

Nicht gut, nicht schlecht. Einfach nur Stress

Stress ist ein Symptom. Man spricht ja auch gemeinhin von einer „Stressreaktion“. Der Puls wird schneller, vielleicht ist der Nacken oder der Kiefer verspannt, man bekommt eine trockene Kehle. Oder man hält – wie ich – dann den Atem an und muss sich selbst immer wieder daran erinnern, dass man Luft zum Atmen braucht.

Diese Stressreaktion entsteht aber nicht nur, wenn Sie gerade unter Druck arbeiten. Oder wenn Sie noch im Stau stehen, während die Kinder schon längst aus dem Kindergarten abgeholt werden sollten. Oder kurz vor einem wichtigen Treffen, zu dem Sie noch so viel vorbereiten müssen.

Genau die gleichen Reaktionen haben Sie auch, wenn Sie voller Vorfreude auf eine Reise sind. Wenn Sie verliebt sind. Oder wenn Sie endlich nach einem Jahr Vorbereitung bei dem Halbmarathon antreten.

Jetzt könnte man von positivem und negativem Stress sprechen. So wurde auch eine Zeitlang unterschieden zwischen dem Stress, bei dem wir mit Freude voll aufs Ganze gehen, und dem „aufgezwungenen“ Stress, den wir zum Beispiel in Arbeitssituationen kennen (Eustress und Dysstress). Mittlerweile hat sich die Wissenschaft aber von dieser Vorstellung verabschiedet.

Denn Ihrem Körper ist egal, ob Ihnen vor etwas graut oder ob es etwas ist, worauf Sie sich freuen: Die Reaktion ist die gleiche. Stress. Mit all seinen Facetten: mit Unwohlsein und Gereiztheit. Aber er dient eben auch als Energiequelle und Leistungsverstärker.

Auch die Stressaktivitäten, die wir lieben, können zu Überlastungen und zu stressabhängigen Erkrankungen führen. So können wir nicht einmal hier große Unterschiede machen und sagen: Der eine Stress ist gut – der andere Stress ist nicht gut.

WICHTIG: Kein Stress ohne Entspannung!

Egal, ob hausgemachter Stress, ob unnötiger Stress, ob Stress, den Sie lieben, oder auferlegter Stress: Wichtig ist, dass er nicht andauernd ist.

Wer viel Stress hat, muss sich viel erholen. Wer sich viel erholt, kann mit viel Stress umgehen. Das ist das A und O. „Work hard, party hard“ – hat Ralf bei seinem Projekt Willenskraft zum Wochenende proklamiert. Das Wochenende ist zielfreie Zeit. Zeit für Erholung. Denn wer sich gut erholt, ist dann auch wieder bereit, seine Aufgaben anzugehen. Und den Stress als zusätzlichen Energieschub zu nutzen.

Es ist nicht möglich und auch nicht per se notwendig, Stress immer und grundsätzlich vermeiden zu wollen. Stress lässt sich nie gänzlich vermeiden. Und der Mensch ist körperlich wie psychisch auch darauf ausgelegt, Stresssituationen zu verarbeiten. Wenn wir uns also keinerlei Stress mehr aussetzen, wird nur unsere Schwelle, an der wir gestresst sind, einfach viel niedriger. Vermeiden ist also keine Option.

Solange wir den Stress zu unseren Gunsten nutzen können, ist er absolut in Ordnung. Dann bringt er uns dazu, uns zu motivieren. Endlich loszulegen und Energie freizusetzen.

Also versuchen Sie doch mal, Ihren Stress in Zukunft mal ein bisschen mit anderen Augen zu betrachten. Als Ihren Turbo. Oder Ihren kostenlosen Energydrink. Er macht Sie wach, klar und konzentriert. Und hilft Ihnen so, Ihr Bestes zu geben.

Und gleichzeitig (ja, das ist definitiv genauso wichtig!) schaffen Sie sich ganz bewusst ein Gegengewicht. „Zielfreie Zeit“, wie es im Projekt Willenskraft heißt. Und in dieser Zeit entspannen Sie. Beim Spazierengehen, beim Fernsehen, beim Tanzen, bei einer gemütlichen Tasse Tee und Ihrem Lieblingsbuch … Diese Entspannungszeit ist genauso verpflichtend wie das, was Ihnen „Stress“ bereitet. Und wenn Sie gerade besonders unter Druck stehen und genervt die Augen rollen angesichts dieser Zeilen: Machen Sie sich bewusst, dass das Entspannen dazu gehört. Work hard – party hard.

Mein Beitrag ist jetzt zumindest fertig. Und es ist immernoch Montag :-). Jetzt heißt es erst einmal ausruhen und einen neuen Tee kochen. Jetzt kann ich mich ganz entspannt und zufrieden auf meinen Feierabend freuen.

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Kommentare

  • Hallo Herr Miller, Hallo Frau Knoesel,

    wie Sie selbst auch schon geschrieben haben: Egal ob „Distress“ oder „Eustress“ im Körper wird dabei immer die gleiche hormonelle Reaktion hervorgerufen. Dabei ist diese Reaktion für sich genommen weder gut noch schlecht, sondern es kommt eben auf die richtige Dosis an. Und insbesondere auch auf die Balance zwischen Stress- und Erholungsphasen. So schreibt es die Stressexpertin Dr. med. Sabine Schonert-Hirz in ihrem Buch „Energie statt Stress!“ ab S.10 f.

    Auch Eustress kann aber zu Überlastung und stressbedingten Erkrankungen führen, weil jeder Körper eben seine biologischen Grenzen hat.

    Gerade in Zeiten von Burnout ist es deshalb wahrscheinlich von der medizinischen Seite aus wichtig, das ins rechte Licht zu rücken, weil man das Konzept von Hans Selye ja schnell missverstehen kann im Sinne von „Eustress ist ja vollkommen in Ordnung“.

    Aber auch „Eustress“ kann eben zum Burnout führen. Deshalb spricht man laut Sabine Schonert-Hirz in medizinischen Kreisen inzwischen wieder nur noch von Stress und meint damit die rein körperliche
    Reaktion der Ausschüttung von Hormonen.

    Herzliche Grüße
    Judith Wischhof

  • Liebe Frau Wischhoff,
    ich bin berufsmäßig mit dem Thema Stress beschäftigt. Daher kann ich Herrn Miller zustimmen, und hoffe sie könnem ihre These zu (Distress/Eustress) durch eine Info untermauern. Mir selber ist keine Aussage bekannt, dass sich die Wissenschaft davon verabschiedet, hat.
    Menschen empfinden Stress oft als unangenehm. Wenn bestimmte emotionale Faktoren eine größere Rolle spielen, kommt es zur Ausschüttung von Hormone im Gehirn wie z. B. Serotonin, Dopamin, oder Endorphin. Diese biochemische Mixtur kann dafür sorgen, dass der Mensch bestimmte Stresserlebnisse eher neutral oder als positiv oder sogar angenehm empfinden. Dies ändert allerding nicht viel an der Tatsache, dass auch hier die Kaskade der Stresshormone Adrenalin und Kortisol ausgelöst wird, die auf Dauer für den menschlichen Organismus gesundheitsgefährdend ist.

    Somit ist es nachvollziehbar, dass es die Einteilung von Eustress (guter Stress) und Distress (schlechter Stress) gibt, da dies die emotionale Färbung berücksichtigt die Menschen in dieser Situation empfinden.
    Es bleibt aber dabei, dass egal welche emotionale Färbung die Stressreaktion hervorruft, jeweils die gleiche durch Adrenalin und Kortisol hervorgerufene Körper-Reaktion stattfindet.
    Ich bin gespannt auf Ihre Antwort.
    Herzliche Grüße
    Cornelia Knoesel

  • Sehr geehrte Frau Wischhoff, Sie schreiben dass sich die Wissenschaft von den Aussagen guter/schlechter Stress verabschiedet hat. Schön eine Behauptung aufzustellen, ich finde es gut, wenn zumindest ein link vorhanden wäre, um auf neue Aussagen zu kommen, die die Arbeiten von Hans Seyle auf diesem Gebiet in Frage stellen bzw. modifizieren. Da ich mich bei uns hausintern mit dieser Thematik beschäftige, bin ich für Neuerungen immer dankbar. Mit einer bloßen Behauptung kann ich nichts anfangen. Danke wenn das in einem künftigen Newsletter noch nachgereicht wird.
    Sonnige Grüße aus München
    Joseph Miller

  • hallo Frau Wischhof,

    Ihr Artikel hat mir sehr gut gefallen. Jetzt ist mir auch klarer, warum ich mich oft in stressige Situationen begebe, wie in der Münchner Innenstadt Radzufahren oder in große Menschenmengen kurz zu gehen, obwohl ich das gar nicht mag: dadurch sinkt meine Stresstoleranz nicht ab. Bei einer Freundin sehe ich, dass sie imer mehr und früher genervt ist, weil sie immer mehr meidet, was sie stresst. Mein Traum ist allerdings, möglichst oft achtsam sein zu können, dadurch ist man auch sehr aufmerksam und konzentriert, allerdings ohne Stressreaktion. Jetzt muß ich nur noch rausfinden, wie ich meine Achtsamkeit in Gang setzen kann.

    viele Grüße
    Monika

  • Die besten Mittel gegen Stress sind meiner Meinung nach ein liebevolles Umfeld und Freude an den Dingen. Denn wo Liebe und Fröhlichkeit herrschen, hat der Stress kaum eine Chance. Nicht zuletzt kann man Stress vermeiden, wenn man negative Gedanken, zum Beispiel einer Situation nicht gewachsen zu sein, erst gar nicht zuläßt. Stress entsteht im Kopf. Wenn man dagegen verzichtet, sich persönliches Deseaster schon im Vornhinein auszumalen, hat der Stress weniger Raum.

  • Hallo, ich will hier mal formlos meine Gedanken kund tun nach dem Lesen dieses Artikels.
    Seit langem habe ich mal wieder einen Artikel komplett und in ruhe durchlesen können. Das bedeutet für mich immer er ist so geschrieben das er interessant ist und anspricht und wohl auch gerade das Thema trifft welches mich interessiert.
    Danke Frau Wischhof.
    Was mir hängen geblieben ist, ist die “Zielfreie Zeit”. Sich bei der ganzen Zielorientierung mal davon ab zu koppeln um zu erholen oder eben was anderes zu machen als einem Ziel hinterher zu jagen ist eine interessante Sichtweise. Aber ist der Wunsch am Wochenende sich regelmäßig zu erholen nicht auch wieder ein Ziel das verfolgt wird und wird die Zielfreie Zeit dann doch wieder von einem Ziel belegt?
    Aber vielleicht ist es ja wie Zielfrei wenn man nicht vielen Zielen gleichzeitig nachjagt sondern nur einem Ziel dem Entspannen und Kraftschöpfen.

  • kann ich nur unterstreichen. Vor meinem Sommerurlaub, den TAg zuvor war ich sehr gereizt weil ich permanent dachte, ich werde mit packen nicht fertig, ich vergesse was, muss soviel noch erledigen. Im Flugzeug war das vergessen. Oder nun , da eine überaus stressige Arbeitswoche hinter mir liegt. Dafür darf ich heute mein Buch lesen :-) Auch wenn noch Hausarbeit auf mich wartet, das gönne ich mir jetzt.

  • Eine Psychologin schritt während eines Stress-Management Seminars durch den Zuschauerraum. Als sie ein Wasserglas hoch hielt, erwarteten die Zuhörer die typische Frage: „Ist dieses Glas halb leer oder halb voll?“ Stattdessen fragte sie mit einem Lächeln auf dem Gesicht: „Wie schwer ist dieses Glas?“

    Die Antworten pendelten sich zwischen 200g bis 500g ein.

    Die Psychologin antwortete: „Das absolute Gewicht spielt keine Rolle. Es hängt davon ab, wie lange ich es halten muss. Halte ich es für eine Minute, ist es kein Problem. Wenn ich es für eine Stunde halten muss, werde ich einen leichten Schmerz im Arm verspüren. Muss ich es für einen ganzen Tag halten, wäre mein Arm taub und paralysiert. Das Gewicht des Glases ändert sich nicht, aber umso länger ich es halte, desto schwerer wird es.“ Sie fuhr fort: „Stress und Sorgen im Leben sind wie dieses Glas mit Wasser. Denke über sie eine kurze Zeit nach und sie hinterlassen keine Spuren. Denke über sie etwas länger nach und sie werden anfangen dich zu verletzen. Wenn du über deine Sorgen den ganzen Tag nachdenkst, wirst du dich irgendwann wie paralysiert fühlen und nicht mehr in der Lage sein, irgendetwas zu tun.“

    Es ist wirklich wichtig sich in Erinnerung zu rufen, den Stress und die Sorgen auch mal Beiseite zu schieben. Tragt sie nicht in den Abend und in die Nacht hinein. Denkt daran, dass Glas einfach mal abzusetzen!

    • Thomas Holzer

      Auf die bekannte Frage: “Ist das Glas halb voll oder halb leer?” kann eine Antwort auch sein: “Das Glas ist zu groß!”
      In Verbindung mit Stress könnte das bedeuten, dass man erst gar nicht soviel Stress entstehen lässt, dann wäre das Glas auch leichter….

 

Ralf Senftleben

Hallo! Schön, dass du da bist!

Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

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