Tagebuch: Wie bringe ich Regelmäßigkeit in mein Schreiben?

Tagebuch
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Unsere Ideen, Erkenntnisse und Erinnerungen sind unglaublich flüchtig. Eben noch gedacht und gefühlt, sind sie – flups – morgen nur noch nebelige Schemen. So vergessen wir die wichtigen Momente in unserem Leben viel zu schnell wieder. Und so gehen auch Erkenntnisse und Erfahrungen unter, ohne dass wir sie in unserem zukünftigen Tun und Wirken berücksichtigen.

Was hier hilft, ist eben ein Tagebuch, in dem du die wichtigen Dinge in deinem Leben schriftlich festhältst und reflektierst.

Erinnern. Verarbeiten. Lernen. Klüger werden. Wachsen. Dazu ist ein Tagebuch da.

Dein Tagebuch hilft großartig dabei, sich an schöne Dinge zu erinnern. Und es macht so viel Spaß, deine Lieblingsmomente der Vergangenheit noch einmal zu erleben, indem du in deinem Tagebuch darüber liest. Wunderbar mit Seufzgarantie.

Dein Tagebuch ist aber auch dein eigener erhobener Zeigefinger, der dich mahnt, Fehler nicht zu oft zu wiederholen. Indem du auch über deine schlechten Entscheidungen und dein Scheitern schreibst. Und noch wichtiger: indem du darüber schreibst, was du daraus gelernt hast.

Dein Tagebuch hilft dir grundsätzlich, dein Leben und deine Gefühle besser zu durchdringen und zu verstehen. Denn durch das Schreiben nimmst du die Flüchtigkeit und die Geschwindigkeit aus deinen Empfindungen. Denn sobald deine Empfindungen langsamer sind, erkennst du die Struktur und die Muster deiner Gefühle. Und deine Seele kann durchschimmern.

Ein Tagebuch ist damit das ultimative Werkzeug, um mit dem Leben besser zurechtzukommen und um bessere Entscheidungen zu treffen.

Genau deswegen scheitern die meisten Tagebücher

Beim Tagebuch-Schreiben gibt es leider ein hässliches Problem. Die meisten von uns schaffen es nicht, die Sache regelmäßig und langfristig zu betreiben. Ein paar Tage läuft es. Aber dann kommt einem etwas dazwischen und bringt einen aus dem Rhythmus. Oder ich kann mich nach ein paar Tagen an meinen vollen oder schwachen Tagen einfach nicht aufraffen und das Schreiben verschwindet wieder aus meinem Leben.

Aber ein Tagebuch spielt seine Stärken erst dann aus, wenn man es über eine gewisse Zeit betreibt. Über Wochen, Monate und Jahre. Nicht unbedingt jeden Tag. Aber regelmäßig. Ein- oder zweimal die Woche mindestens.

Denn die großen Muster in unserem Leben finden in längeren Zeitspannen statt. Und um diese zu erfassen, braucht es Langfristigkeit. Leider bekommen die meisten von uns diese Langfristigkeit beim Tagebuch-Schreiben nicht so richtig hin.

Aber um das zu ändern, findest du hier 6 Tipps, mit denen du Dauerhaftigkeit und Regelmäßigkeit in dein Tagebuch-Schreiben bringen kannst.

Tipp 1: Erinnere dich gnadenlos

Wenn unser Alltag voll ist. Wenn es auf der Arbeit viel zu tun gibt. Wenn die Kinder die ganze Zeit quaken und etwas von einem wollen.

Dann fallen die wichtigen, aber nicht dringenden Dinge einfach hinten herunter. Tagebuch zu schreiben ist genau so ein klassisches nicht dringendes Ding. Ob ich es nun heute mache oder peng. Die Welt geht dann nicht unter. Genau wie bei vielen anderen Dingen, die wichtig für uns sind. Hier drängen sich häufig weniger wichtige Dinge in den Vordergrund.

Ja, unser Leben wird von den Dingen bestimmt, die am lautesten nach uns schreiben. Nicht von den Dingen, die uns am glücklichsten machen.

Was hier hilft, ist, uns mit Nachdruck daran zu erinnern, es trotzdem zu tun. Denn in einem vollen Alltag werden wir wahrscheinlich nicht von alleine daran denken.

Also stellen wir uns einen Wecker auf dem Handy, damit wir es nicht vergessen können.

(Mein Selbstcoaching-Tipp: Ein wachstumsorientiertes Tagebuch führen … Wie geht das?)

Oder wir legen unser Tagebuch dahin, wo wir darüber stolpern. Auf die Klobrille. Aufs Kopfkissen. Auf den Bierkasten.

Also an einen Ort, wo wir das Tagebuch in die Hand nehmen müssen und uns so daran erinnern: Ja, da war ja noch etwas. Ich wollte doch noch schreiben.

Aber wenn du mit anderen den Haushalt teilst, die nicht in dein Tagebuch schmulen sollen, platzierst du statt des Tagebuchs einfach einen Stellvertretergegenstand. Leg dir also einen Stein als Erinnerer aufs Kopfkissen.

Wichtig ist hier nur, die Erinnerung nicht abzustellen, bis du es nicht wirklich gemacht hast. Wenn du den Wecker abstellst und dir sagst „Mach ich später“ … na ja, du weißt, was dann passiert. Nämlich nichts.

Das ist also der Tipp 1: Erinnere dich gnadenlos, so dass du es nicht vergessen kannst. Weil es wichtig für dich ist.

Tipp 2: Mach eine fixe Routine daraus (mit einem Plan B)

Wenn du etwas Regelmäßiges in dein Leben bringen willst, dann mach am besten eine Routine draus.

Indem du zum gleichen Zeitpunkt immer das Gleiche tust.

Ich schreibe zum Beispiel jeden Montag und Donnerstag um 19:00 Uhr in mein Tagebuch.

So als ob du dich immer an einem fixen Termin mit Freunden zum Kaffee oder zum Skatspielen triffst. Hier gilt ja auch: Wenn man es nicht regelmäßig macht, wird nichts draus.

Deswegen machst du am besten eine Routine draus.

  • Entscheide dich, wie oft du es die Woche machen willst.
  • Entscheide dich, an welchen Tagen du es tun willst.
  • Entscheide dich, um welche Uhrzeit du schreiben willst.

Und dann nutze Tipp 1 und erinnere dich systematisch an deine Termine mit dir selbst.

Hier ist es dann auch sinnvoll, wenn du für jeden Schreibtag einen Plan B formulierst. Denn manchmal kommt einem das Leben dazwischen, so dass es dann an deinem eigentlichen Schreibtermin doch etwas Wichtigeres zu tun gibt.

Und damit du es dann doch tust, kannst du im Vorfeld einen Plan B formulieren. Indem du sowas sagst, wie: „Ich schreibe Mittwoch um 19:00 Uhr und sollte mir etwas Wichtiges dazwischenkommen, kann ich auch vor dem Einschlafen am Mittwoch noch kurz ein paar Zeilen schreiben. Oder ich schreibe dann am nächsten Tag gleich nach dem Aufstehen.“

Das wäre dann dein Plan B.

Tipp 2 lautet also: Mach eine fixe Routine aus deinem Schreiben und warte nicht darauf, dass du mal Lust hast.

Tipp 3: Klein ist wunderbar

Oft fühlen wir uns von der Größe einer Aufgabe eingeschüchtert und schieben sie dann doch lieber auf. Das gilt auch fürs Tagebuch-Schreiben.

Damit das nicht passiert, kannst du dir ein Prinzip zu eigen machen. Das Prinzip lautet:

„Lieber regelmäßig ein bisschen statt selten ganz viel“.

Schreibe also lieber 3-mal die Woche für 5 Minuten statt einmal alle 3 Monate einen ganzen Roman.

Schreibe lieber jeden Tag kurz auf, wie gut es dir auf einer Skala von 1 bis 10 geht, statt von dir zu verlangen, jedes Mal 3 Seiten zu füllen.

Wenn du Regelmäßigkeit in eine Sache bringen willst, dann überfordere dich am Anfang lieber nicht durch die Größe deiner neuen Aufgabe.

Fange lieber ganz regelmäßig mit ein paar Zeilen an, die du dafür aber regelmäßig wie ein Uhrwerk schreibst. Und später kannst du dich ja immer noch im Umfang steigern, sobald du einen Rhythmus und eine Routine in dein Schreiben hineinbekommen hast.

Tipp 3 besagt also: Lieber ein bisschen als gar nicht. Hauptsache, du bleibst im Rhythmus.

Tipp 4: Die Magie der Täglichkeit

Eine Sache jeden Tag zu machen, ist viel einfacher, als sie 2-mal die Woche zu tun. Weil du dann nicht jeden Tag mit dir verhandelst, ob du es heute tust. Weil es ja klar ist: Ich tue es jeden Tag, also heute auch.

Wenn ich etwas jeden Tag tue, gebe ich mir selbst auch viel schneller die Chance, mich an meine neue Aufgabe zu gewöhnen. Das gilt auch für das Tagebuch-Schreiben. Wenn ich jeden Tag schreibe, wird die Sache viel schneller zu einer Gewohnheit, zu einer Routine, zu etwas, das ich einfach tue, weil ich es eben tue.

Wenn du Regelmäßigkeit in dein Schreiben bringen willst, schreibe also einfach jeden Tag. Am besten immer zur gleichen Zeit (siehe Tipp 2). Und dann gilt es noch mehr als sonst, Tipp 3 zu befolgen und dich nicht zu überfordern.

Schreibe jeden Tag ein paar Gedanken und Erlebnisse auf. Oder vielleicht einfach nur ein paar Wörter.

Wenn du täglich schreiben willst, dann vereinbare mit dir ein kleines Minimum, was du also auf jeden Fall aufschreiben willst.

Vielleicht vereinbarst du mit dir als Minimum nur ein Wort, das deinen Tag am meisten beschreibt. So etwas wie: Verliebt oder Druck oder Ärger.

Oder nur einen Satz.

Du darfst natürlich mehr schreiben. Aber für die Tage, wo du maulfaul und denkfaul bist, würde ich mit mir eine sehr kleine Mindestanforderung vereinbaren.

So dass du sagen kannst: „Wenigstens habe ich heute geschrieben.“

Tipp 4 ist also: Schreibe täglich, weil es so einfacher ist.

Tag 5: Gehe strukturiert an die Sache heran

Die Angst vor dem leeren Blatt. Das passiert vielen auch beim Tagebuch. Und das lässt manche auch zu schnell aufgeben.

Was hier hilft, ist ein strukturierter Ansatz. Indem du zum Beispiel jeden Tag die gleichen Fragen als Basis beantwortest.

Fragen wie beispielsweise:

  • Wie fühle ich mich heute?
  • Ist heute etwas Erwähnenswertes passiert? Wenn ja, was genau?
  • Was habe ich heute für mein Projekt X gemacht?
  • Wie achtsam war ich heute bisher auf einer Skala von 1 bis 10?

Nimm dir also ein paar Fragen, die für dich passen, und verwende diese, um ins Schreiben zu kommen. Wenn an einem Tag etwas anderes aufs Papier will, kannst du deine Fragen auch links liegen lassen und über das andere Thema schreiben. Die strukturierten Fragen sollen ja nur ein Hilfsmittel und kein Käfig sein. Aber solche Fragen können gut dabei helfen, ins Schreiben zu kommen.

Tipp 5 lautet also: Nutze eine feste Struktur, um dir den Einstieg ins Schreiben zu erleichtern.

Tipp 6: Mach eine Challenge aus der Sache

Vielen hilft bei einer neuen, regelmäßigen Sache eines: Sie machen eine Challenge daraus.

Bei einer Challenge kitzelst du deinen Ehrgeiz und sagst zu dir:

„Ich verpflichte mich dazu, für 30 Tage dies oder jenes zu tun. Bei meiner Ehre. Aufgeben ist keine Option. Ich werde mir zeigen, dass ich es kann. Ich werde allen anderen zeigen, dass ich es kann. Ich tue das.“

Du kannst also für dich eine Tagebuch-Challenge starten. Für vielleicht 30 oder 60 oder sogar 90 Tage.

Wo du jeden Tag eine bestimmte Anzahl an Wörtern oder Seiten schreibst. Wo du jeden Tag eine bestimmte Liste von Fragen beantwortest.

So eine Challenge kann am Anfang eine Menge Energie und Motivation freisetzen. Mache doch also vielleicht aus deinem Tagebuch-Schreiben eine Challenge.

Was ich dir hier allerdings empfehlen würde, ist eines:

Verpflichte dich auch, am letzten Tag deiner Challenge eine Entscheidung zu treffen. Und zwar, ob du dich für weitere 30, 60 oder 90 Tage verpflichtest. Oder ob du genug hast und die Sache jetzt gut ist.

Es ist wichtig, dass du dir die Option offenlässt, dein Schreiben auch wieder zu beenden. Sonst weckst du die Kräfte in dir, die sich nicht so gerne etwas sagen lassen.

Aber für die Zeit deiner Challenge ist es eine Selbstverpflichtung zu schreiben.

Das ist also Tipp 6: Mach eine Challenge aus deinem Tagebuch-Projekt.

So. Jetzt weißt du, wie du mehr Regelmäßigkeit in dein Tagebuch-Schreiben hineinbringen kannst. So dass die Sache keine Eintagsfliege wird. So dass es kein Vorsatz wird, der den sprichwörtlichen Vorhof der Hölle mitpflastert.

Diese Tricks für mehr Regelmäßigkeit kannst du übrigens auch auf nahezu alle anderen Bereiche anwenden. Zum Beispiel auf Sport und Ernährung. Das nur als Hinweis.

Nun sage ich Tschüss und wünsche dir eine wunderbare und langanhaltende Tagebuch-Praxis. Mit all ihren großartigen Vorteilen für dein Leben.

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Kommentare

  • Schon lange trage ich den Plan für Tagebuchschreiben in meinem Sinn und habe nie damit angefangen, weil ich meine Unbeständigkeit kenne. Die Tricks finde ich sehr klug und gescheit. Ich werde mir ein Challenge geben und klein anfangen. Das ist wichtig, denn ich fange leicht mit zu gross an und verliere dann den Elan. Obwohl ich bereits 80 bin, habe ich immer noch Quertreiber aus meiner Kindheit, die sich immer und immer wieder aufdrängen und mich mutlos machen. Vielleicht könnte ich durch das Tagebuchschreiben mehr Durchblick bekommen. Im übrigen, ich finde die Newsletters grossartig und so menschenfreundlich und verständig, eine Aufforderung, sich selbst zu lieben und mit sich selbst nachsichtig zu sein. Danke dafür!

  • Ich denke, dass der Beitrag ganz hilfreich sein kann! Dazu kann ich nur sagen, dass es ganz richtig ist eine gewisse Routine in das Tagebuchschreiben rein zu bekommen! Der Beitrag war für mich ganz hilfreich! Trotzdem denke ich, dass es wichtig für mich ist, dass ich überhaupt etwas schreibe! Ich werde mir Mühe geben die Tipps umzusetzen und das zu meinem Vorteil!

 

Ralf Senftleben

Hallo! Schön, dass du da bist!

Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

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