Träume wie Walt Disney

Bist Du jemand, der gerne tagträumt und Luftschlösser baut, alles für möglich hält, keine Grenzen kennt? Oder betrachtest Du große Pläne eher kritisch und willst lieber bescheiden bleiben? Vielleicht trifft auch keines von beidem auf Dich zu und Du siehst Dich einfach als nüchternen Realisten. Aber was ist realistisch? Am Ende dieses Beitrages stehen die Chancen sehr gut, genau das herauszufinden. Und zwar mit der Disney-Methode, mit der Du Deine Ideen und Träume schneller umsetzen kannst. Als Vorbild dient nämlich niemand Geringerer als Walt Disney. Und der kannte sich aus – mit Träumen. Walt Disney stand auch regelmäßig vor der Frage, was realistisch ist, wenn es darum ging, neue Ideen zu entwerfen. Ihm wird nachgesagt, dass er ein Träumer war. Angeblich hat er das Träumen sogar professionell betrieben. Und zwar mit seinen inneren Anteilen. So etwas hast Du auch. Ziemlich viele sogar. Hier ein paar Beispiele.

Wir sind viele

Hinter jedem Gefühl, jeder Verhaltensweise und jedem Gedanken steckt etwas, das man als Persönlichkeitsanteil bezeichnen kann. Das prominenteste Beispiel ist der innere Schweinehund. Er ist angeblich die treibende Kraft, sich gehen zu lassen. Kennst Du auch den Bequemling? Der in Dir ist gemeint, nicht der Kollege oder Dein Partner. Falls Du jetzt mit dem Tablet in der Hand auf dem Sofa liegst, machst Du ja gerade eine angenehme Erfahrung mit ihm. Den Mutigen kennst Du auch bestimmt – zumindest vom Hörensagen. Und den Ungeduldigen? Haben jedenfalls die anderen. Du kannst Deine Anteile jederzeit besuchen. Schließe einfach kurz die Augen. Stell Dir vor, in Dir gibt es einen Konferenzraum. Dort sitzen sie alle und diskutieren. Wenn Du möchtest, kannst Du ja mal Hallo sagen und beispielsweise den Humorvollen bitten, die Hand zu heben. Und Dich dann wieder verabschieden und die Augen öffnen. Es geht in dieser Konferenz darum, wie Du Dich jetzt in diesem Moment verhalten sollst. Was Du sagen, fühlen und tun sollst. Das ist übrigens immer das Thema. Zu jeder Sekunde, in der wir wach sind. Manche dieser inneren Anteile setzen sich besonders oft durch. Sie formen deshalb unsere Persönlichkeit.

Träumen oder kritisieren?

Neben dem inneren Schweinehund gibt es einen weiteren Promi in der Runde. Er wird zwar nicht ganz so oft erwähnt, aber man kennt ihn. Würden Deine Anteile ein Magazin herausgeben, wäre er der fiese Kolumnist, der alles in Frage stellt. Nämlich Dein innerer Kritiker. Er weiß, warum etwas nicht geht. Nicht nur das. Er weiß sogar, warum Du insgesamt überhaupt nicht gehst. Seine Argumente sind heftig. Vor allem deshalb, weil in jedem Argument ein Funken Wahrheit steckt. Nur überzeichnet er alles so dermaßen, dass wir uns von ihm abwenden wollen. Falls uns das gelingt. Sein Gegenspieler ist der Träumer. Mit ihm tun sich viele Menschen schwer, ob sie ihn hilfreich oder störend finden sollen. Einerseits zeigt er Dir in Deinen Tagträumen die Zuckerseiten des Lebens und blickt weit in die Zukunft. Dort bist Du eine erfolgreiche Persönlichkeit, die große Ziele erreicht. Andererseits steckt er mit beiden Beinen fest in den Wolken – und hat deshalb Probleme, den nächsten Schritt zu gehen. Manche denken nur aus der Perspektive des Kritikers oder des Träumers. Beides führt zu nichts.

Beide können aber helfen

So gut wie jeder Mensch hat die eine oder andere Eigenschaft sehr deutlich ausgeprägt. Zum Beispiel Tagträumen oder auch selbstkritisches Denken. In vielen Situationen findet dann keine Konferenz statt, da es nichts mehr zu diskutieren gibt. Denn schon lange steht fest, dass sowieso nur dieser eine Anteil Recht hat. Warum sich welcher Anteil immer schon besser durchsetzen konnte, ist kaum zu beantworten und würde in eine therapeutische Richtung gehen. Es ist davon auszugehen, dass Walt Disney auf diese Ursachenforschung verzichtete und stattdessen nach vorne blickte. Oder besser gesagt in den Konferenzraum. Denn dort konnte er aus den unterschiedlichen Blickwinkeln des Träumers und Kritikers seine Ideen betrachten und zu realistischen Einschätzungen kommen. Vor allem der Träumer und der Kritiker waren für ihn entscheidend. Diese Anteile ließ er durch sich selbst sprechen. Auf verschiedenen Plätzen in seinem Büro.

Das Rollenspiel für erste Schritte

Zuerst schlüpfte er in die Rolle des Träumers. Hier gab es keine Grenzen, alles schien möglich. Nichts als Fantasie war hier gefragt. Und alles wurde eifrig aufgeschrieben. Danach schlüpfte er in die Rolle des Kritikers, prüfte die Gedanken des Träumers und reduzierte, verkleinerte und machte auf die Risiken aufmerksam. Natürlich auch schriftlich. Dann wechselte er in die Rolle des Realisten. Hier verglich er beide Ergebnisse und überlegte, was tatsächlich vorstellbar wäre. Nicht alles, was dem Träumer so vorschwebte, aber bestimmt viel mehr, als der Kritiker meinte. So entstanden für Walt Disney klare Pläne und Ziele. Und daraus folgten erste Schritte, die er sonst weder als Träumer noch als Kritiker hätte gehen können.

Auch große Ideen können sich realistisch anfühlen

Mit dieser Herangehensweise kann es leichter fallen, auch größere Ideen umzusetzen, da es am Ende immer etwas gibt, das man als realistisch betrachtet. Und das ist die Voraussetzung, um ins Tun zu kommen. Als Realist nutzt man die Überzeugungen des Träumers genauso wie die Argumente des Kritikers. Durch den bewussten Rollenwechsel kann man vermeiden, unbewusst in nur eine Rolle abzudriften. Selbst wenn man auch als Träumer ins Handeln kommt, ist man in dieser Rolle eher für Fehler anfällig. Deshalb kann es klug sein, auch den Kritiker in die Konferenz zu holen. Träume, ohne ein Träumer zu bleiben. Damit es nicht bei dieser Erkenntnis bleibt, findest Du hier eine Anleitung, um selbst die Disney-Methode auszuprobieren.

 Übungsanleitung

Entscheide Dich zu Beginn für eine Idee oder ein Projekt, bei dem Du weiterkommen möchtest. Schlüpfe dann in diese drei Rollen: Träumer: Hier gibt es keine Grenzen! Beschreibe in der Rolle als Träumer das Beste und Größtmögliche, das Dir einfällt. Fantasiere, denke groß, denke noch größer. Träume! Als Platz eignet sich vielleicht ein großer bequemer Sessel. Vielleicht spazierst Du aber auch langsam durch den Raum und blickst dabei aus dem Fenster. Bitte alles mitschreiben. Denn jetzt kommt der Kritiker. Und der will sich alles ganz genau ansehen. Kritiker: Was der Träumer sagte und aufschrieb, begutachtest Du in der Rolle als Kritiker durch eine ganz andere Brille. Was kann alles schiefgehen? Warum wird es schwierig? Was denkst Du, ist maximal möglich? Was rätst Du Dir als Kritiker? Wo nimmst Du als Kritiker Platz? Welche Körperhaltung hast Du als Kritiker? Tauche ganz in die Rolle ein. Auch diese Gedanken werden mitgeschrieben. Realist: Hier bist du ganz Diplomat. Du vergleichst die Notizen, ziehst eigene Schlüsse und versuchst, das Beste aus den beiden Ergebnissen für Dich herauszuholen und eine klare und realistische Einschätzung zu geben. Auch dieses Ergebnis wird schriftlich festgehalten. Vor allem das Ergebnis des Realisten ist für die Zukunft wichtig. Denn Gedanken wie „Das schaffe ich alles mit links“ können genauso hinderlich sein wie „Da muss ich noch viele Jahre hart an mir arbeiten“. Solltest Du wieder einmal in eine dieser Rollen abgleiten, hält Dich der innere Realist mit seinem Ergebnis auf Kurs. Damit vermeidest Du Stagnation genauso wie überzogenen Optimismus und Selbstüberschätzung. Die Frage, was realistisch ist, sollte eigentlich lauten: Was halte ich für realistisch? Denn darauf kommt es an. Der Träumer und der Kritiker können Dich dabei unterstützen. Zu sagen haben sie bestimmt einiges. Probiere es gleich aus. Und freue Dich auf das Ergebnis.

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Über Michael Altenhofer

Michael Altenhofer ist ein österreichischer Unternehmer und Vortragsredner zu den Themen Motivation und mentale Stärke. Bekanntheit erlangte er vor allem durch seine wöchentlichen Kolumnen für die „Krone bunt“ – Österreichs größte Tageszeitung, für die er auch heute noch schreibt.

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Kommentare

  • Liebe Leser,

    vielen Dank für Eure Nachrichten!

    @Dario: Ich denke auch, dass der Träumer jener Teil in uns ist, der nach vorne schaut und deshalb ein guter Zukunftsgestalter ist. Ob störend oder nicht, hängt vermutlich davon ab, wie präsent er ist. Denn erreicht wird etwas, wenn gehandelt wird, und nicht jeder Träumer tut das gerne.

    @Sönke: Der Rollenwechsel ist bestimmt eine Herausforderung. Deshalb auch der Tipp bzgl. unterschiedlicher Plätze und Schriftlichkeit. Dann fällt es eventuell leichter, seine Gedanken aus nur einer Perspektive fließen zu lassen. Spontanität statt langes Überlegen hilft auch, in seiner Rolle zu bleiben.

    @Ismir: Tatsächlich ist die Methode alles andere als neu. Schließlich hat Walt Disney nur bis 1966 gelebt. Übrigens: Mindmapping wurde ein paar Jahre später von Tony Buzan entwickelt. Vielleicht sind sie sich ja mal über den Weg gelaufen.

    Schöne Woche an alle und herzliche Grüße

    Michael

  • Brainstorming 4 1
    Ich will das nicht mit “alter Wein in neuen Schläuchen” schlecht reden, aber es ist doch nichts wirklich Neues in diesem Beitrag zu finden. Die Vorgehensweise ist jedenfalls exakt die, wie ich sie bei einem Mindmapping Kurs mal kennengelernt habe, als wir ein Brainstorming gemacht haben; nur dass man diese Übung auch für sich alleine machen kann. Allerdings fehlt der Hinweis, dass es womöglich zu besseren Ergebnissen führt, wenn man andere Menschen mitträumen lässt.

  • Wenn aber einer von euch nicht weiß, was er in einem bestimmten Fall tun muss, soll er Gott um Weisheit bitten. Gott wird sie ihm geben, denn er gibt gern und teilt allen großzügig aus. Er muss Gott aber in festem Vertrauen bitten und darf nicht im geringsten zweifeln. Wer zweifelt, gleicht den Meereswogen, die vom Wind gepeitscht und hin und her getrieben werden…
    Jakobus 1,5-8

  • Lieber Michael,

    nun weiß ich, was mir fehlt und was mir helfen kann, meine großen Träume, die ich bisher wegen meines strengen Kritikers und mangels Einsatzes meines “Realisten” nicht verwirklichen konnte, nun zu verwirklichen. Ich freue mich schon auf meine innere “Konferenz”, die ich bald abhalten werde. Danke für diesen Beitrag!

    Viele Grüße

    Claudia

  • Hallo Michael,

    grundsätzlich klingt diese Methode sehr logisch. Aber ich denke, dass es, gerade zu Beginn, schwierig ist, die drei Akteure Träumer, Kritiker, und Realist klar voneinander trennen zu können. Wäre es nicht sinnvoll, eine zeitlang zu trainieren, um so sicher wie möglich zu gehen, dass die Grenzen gerade von Kritiker und Realist keine fließende Einheit bilden, bevor man mit Hilfe dieser Methode vielleicht wichtige Entscheidungen trifft?
    Wer hat jetzt Vorstehendes in mir verfasst? Mein innerer Kritiker oder der Realist in mir?
    Wenn ich ehrlich bin, kann ich diese Frage so ad hoc selber nicht wirklich beantworten.

    Schöne Grüße
    Sönke

  • Hi Michael,

    ich wusste nicht, dass diese Methode einen Namen hat, da ich sie selber schon sehr lange unbewusst benutze. Wie im Artikel beschrieben wird der Träumer oft als störend empfunden. Wenn man in der Geschichte zurück blickt, sind die Träumer diejenigen gewesen, die etwas erreicht bzw. verändert haben.

    Deswegen sollte man gerade dem Träumer mehr Handlungsspielraum lassen.
    Denn nur wenn man seine Träume verwirklicht, wird man ein glückliches und erfülltes Leben leben können.

    Grüße
    Dario

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