Über die Tradition

Das junge Paar war frisch verheiratet. Eines Tages beschloss die junge Frau, eine Lammkeule zu schmoren.

Bevor sie das Ganze in den Ofen schob, schnitt sie von der Keule das untere Stück ab und legte dann die zwei Teile nebeneinander in den Schmortopf.

Ihr Mann schaute ihr über die Schulter und fragte sie: “Warum machst du das?”

“Ich weiß nicht, aber meine Mutter machte das immer genau so.” war die Antwort.

Daraufhin fragte der Mann seine Schwiegermutter, warum sie das untere Stück der Keule abschnitt.

“Ich weiß nicht, aber meine Mutter machte das immer genau so.” antwortete die Schwiegermutter.

Die Großmutter war noch am Leben und so ging der Mann zu ihr und fragte auch sie, warum sie den unteren Teil der Lammkeule vor dem Schmoren abschnitt.

Und die Großmutter antwortet: “Ach, das hat einen ganz einfachen Grund: Mein Schmortopf war damals so klein, dass der ganze Braten einfach nicht hineinpasste.”

(aus  Nancy Friday “Wie meine
Mutter”
, leicht geändert)

 

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Kommentare

  • Ich erinnnere mich noch an eine ganz furchtbare Tradition, die bei uns früher Jahr um Jahr vollzogen wurde, bis ich ihr im zarten Alter von sieben ein Ende setzte: Am Heiligen Abend wurde unser schöner, großer Adventskranz im Kamin verbrannt (nur der “Rahmen” aus Tannengrün, nicht die Deko), und ich habe als Kind jedes Mal bitterlich geweint, wenn ich das gesehen habe. Ich konnte nicht verstehen, dass meine Eltern das fiese, nadelnde Ding nur auf einfache Weise loswerden wollten, ohne es vorher durchs ganze Haus zu tragen, aber dieser Verbrennungsvorgang war für mich jedes Mal ein Schock.
    Schließlich hatte mein Vater eine Idee. Er legte den Kranz draußen auf die Terrasse (meine Mutter sah geflissentlich über die verstreuten Nadeln hinweg…), garnierte ihn mit vielen gehackten Nüssen, und dann warteten wir. Irgendwann kamen die Vögel und Eichhörnchen, turnten auf dem Adventskranz herum und aßen sich satt. Ein paar Tage später schneite es, der Kranz versank im Schnee und wurde allmählich vergessen. Im Frühjahr kam er auf den Komposthaufen, ohne Tränen. So war die alte Tradition einer neuen gewichen, und ein paar anderen Familien(un)sitten erging es genauso.
    Man sollte niemals aufhören, die kleinen und großen Dinge des Lebens zu hinterfragen, denn nur so entwickeln wir uns weiter.

    Liebe Grüße,
    Chiyo ^_^

  • Habe gerade eine schöne neue Begrifflichkeit gefunden … das Lammkeulen-Argument.

    Danke dafür!

  • Ja, diese Geschichte zeigt mir eines:
    Wenn wir “volljährig” – sprich “erwachsen” – werden, sind wir es nicht automatisch.
    Wir werden erst dann erwachsen, wenn wir anfangen, unsere Lebensregeln/Glaubenssätze aus Kindertagen zu hinterfragen. Ich bin eben nicht verpflichtet, es im Leben genauso zu machen wie Mama und Papa, sondern ich darf fragen, warum sie es so gemacht haben und nicht anders…. und ich darf andere Wege ausprobieren – die Erlaubnis gebe ich mir selbst – alt genug bin ich ja jetzt ;-).

    Liebe Grüße
    Petra

    • Bob schreibt am 30. Oktober 2013

      Petra, Du sitzt ja in dem gleichen Flieger wie ich.
      Du gibst Dir die Erlaubnis, andere Wege – wie die, die Du kennen gelernt hast – auszuprobieren. Das nenn’ ich weise.
      Und dass Du nicht auf andere wartest, die Dir dafür eine Erlaubnis geben, ist ebenfalls weise.
      Hm, ich bin allerdings der Meinung, nicht nur Lebensregeln und Glaubenssätze aus Kindertagen zu hinterfragen, sondern alle, die mich, mein Handeln und mein Denken, einschränken.
      Ja, das kostet Zeit, Geduld, Toleranz…(pardon, hier setzte die Wirkung des Oberlehrerfilters ein).
      Ciao

  • Haltet mich für “was auch immer”…..das Thema passt wie die Faust aufs Auge zum u.a. heutigen Thema….Ihr wisst schon, das mit den “wichtigen” Dingen.

    Danke für diese schöne, wertvolle, aussagekräftige und weise Geschichte :)

    Herzlichst,
    Anke

  • Ich finde es gut Traditionen zu hinterfragen – das Fragen ist für mich das Wichtige daran.
    In diesem Fall der Erzählung hatte die Tradition einen pragmatischen Grund. Es gibt auch Traditionen, welche sehr sinnvolle Hintergründe haben, (bspw. das gemeinsame Abendessen bei dem über das Erlebte des Tages gesprochen wird – der Sinn – damit kann es ein Stück weit verarbeitet werden) denn aus der Tradition entwickelt sich letztendlich eine Kultur. In dieser Kultur kann bspw. das Bedürfnis nach Zugehörigkeit befriedigt werden.
    Manchmal sind die Gründe aus der sich eine Tradition entwickelt hat, in der aktuellen Zeit, nicht mehr notwendig . Diese Entscheidung trifft wohl jede_r selbst und damit auch, in welcher Kultur gelebt wird.
    Und die “Tradition an und für sich” kann ja etwas von einem Ritual haben, welche z.B. Sicherheit (-gefühl) gibt.
    Nur, Traditionen weiterzuführen ohne den Sinn dahinter zu kennen und ohne eigene Prüfung, ob es aktuell noch sinnvoll für einen ist oder “man sich quält”, weil die Tradition einen einengt/sie nicht mehr passt, das macht keinen Sinn. Das Schwierige daran ist, es selbst wahrzunehmen und zu hinterfragen. Und ggf, je nach dem in welchen Kreisen man eingebunden ist, die Fragen (das Hinterfragen) stellen zu dürfen. Denn oftmals fühlen sich die Befragten emotional angegriffen, als wenn sie selbst als Person in Frage gestellt werden. Das kann es schwierig machen, Traditionen zu Hinterfragen. Und da Menschen in der Regel keine Veränderungen mögen (ist immer emotional anstrengend) bleiben viele Traditionen so hartnäckig bestehen.

    • Bob schreibt am 30. Oktober 2013

      Malanie, warum schreibst Du nicht von Dir selbst, Deinen eigenen Gefühlen, Deinen eigenen Einstellungen, Deinen eigenen Erkenntnissen? Es hört sich sonst so furchtbar oberlehrerhaft an und ist damit sooo weit weg von mir bzw. vom Leser.
      Ciao

    • Nana schreibt am 31. Oktober 2013

      Danke für die schönen Gedanken – man muss eben alles ein bisschen differenziert sehen. Gerade heute, wo das Festhalten am Alten gar nicht so selbstverständlich ist und jeder sich seine Rituale selbst schaffen muss.

      Lieber Bob, ich wundere mich, wenn du von “furchtbar oberlehrerhaft” schreibst. Bist das nicht du, wenn du schreibst, auf welcher Ebene man kommentieren sollte? Und festlegst, was vom Leser (also von mir…) weit weg ist? Hmmm… Schreib du mal was über dich :)!

  • Wie herrlich :-) – danke für diese erfrischend heitere Geschichte, die für mich wieder mal die Dringlichkeit zeigt: “Bitte Kopf einschalten lernen!”
    Viele Grüße!

  • :-D
    Sehr guter Text!
    Der hat was…

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