Die Vereinbarkeitsfalle – was du tun kannst, wenn nichts mehr geht

Vereinbarkeitsfalle

Irgendwie hat sich Sabine das alles ganz anders vorgestellt. Sie wollte gerne eine Mutter sein, die ihre Kinder liebt, aber auch eine Mutter sein, die arbeitet. Diese moderne Frau, die beides gut unter einen Hut bekommt: Familie & Kinder. Warum auch nicht? Es war doch sicherlich möglich. Immer wieder liest man in Zeitschriften von Frauen, die genau das getan haben. 

Doch heute sieht es etwas anders aus. Sabine hat zwei kleine Kinder, sie arbeitet in einem Beruf, den sie liebt. Doch anstatt glücklich über ihr Leben zu sein, ist sie erschöpft. 

Sie ist müde und ausgelaugt, frustriert und traurig. So traurig. 

Denn das Leben, wie sie es sich vorgestellt hat, findet nicht statt. 

Stattdessen kämpft sie jeden Morgen damit, aus dem Bett und irgendwie durch den Tag zu kommen und all das zu erledigen, was eben zu tun ist. Es ist ihr einfach alles zu viel geworden. Und gleichzeitig quält sie das ungute Gefühl, dass sie versagt hat. 

Dabei wollte sie es doch einfach nur gut machen. Sie wollte eine Mutter sein, die sich liebevoll um die Kinder kümmert und gleichzeitig gerne ihrem eigenen Beruf nachgeht. Eine Mutter, die ihr Leben genießt. Ein gutes Vorbild für die eigenen Kinder sein.

Wieso nur ist es schiefgelaufen? Die anderen kriegen es doch auch hin, oder? Wie schaffen sie das?

Vielleicht kennst du jemanden wie Sabine, vielleicht kommt dir ihre Situation bekannt vor? Das Gefühl, keine Zeit für sich zu haben, schon völlig ausgelaugt zu sein?

Wenn alles zu viel wird, wenn man schon beim Ins-Bett-Gehen mit Schrecken an all die Dinge denkt, die man mal wieder nicht geschafft hat, und das Gedankenkarussell nicht zu stoppen ist, dann kann ein wenig Ordnung und Struktur im Alltag wahre Wunder bewirken. 

Aber wo fängt man da an? 

1. Schritt: Der Ist-Zustand und das Warum

Dies ist die wichtigste Frage überhaupt. Bitte mach keine Planung, weil deine Mutter, deine beste Freundin, dein Mann oder die Kollegin dir vorschwärmt, wie toll es ist, die Planung x von Herrn y zu machen.

Eine Planung kann dir nur helfen, wenn sie DEINE Bedürfnisse erfüllt und zu deinem Leben passt. Es gibt mittlerweile so viele Zeitmanagementsysteme, da ist auf jeden Fall auch das passende für dich dabei. Aber wenn du dir keine Gedanken machst, was im Moment nicht gut läuft in deinem Leben und warum du gerne eine Planung haben möchtest, dann fehlt dir ein wesentlicher Schritt für eine erfolgreiche Planung.

Gute Entscheidung = Gutes Leben

Eine gute Entscheidung ist eine Wahl, die du hinterher nicht bereuen musst. Mit Herz und Verstand. Systematisch. Alles Wichtige berücksichtigen. Deine Entscheidung in 7 Tagen.

Frage dich also zu Beginn Folgendes:

  • Warum willst du etwas ändern?
  • Was ist deine Erwartung an eine neue Planung?
  • Was gefällt dir im Moment nicht an deiner Situation?
  • Was würdest du mit der frei gewordenen Zeit tun? Welche Auswirkungen gibt es da?

Und analysiere, bevor du startest, wie es im Moment bei dir läuft:

  • Wo verlierst du heute deine Zeit?
  • Welche Gründe gibt es für Abweichungen vom Plan?
  • Was kommt in der Regel zu kurz?
  • Was hat dich heute Kraft und Energie gekostet?
  • Was gelingt dir in Bezug auf Organisation und Planung bereits gut?

So, nun kennst du deine Situation und deine Bedürfnisse, die deine neue Planung erfüllen sollte, ziemlich gut. Du kannst dich also auf die Suche machen nach einem System, mit dem du dich so wirklich wohl fühlst. Bei all dem, was du vielleicht auch schon kennst, kannst du dir beruhigt genau die Elemente herauspicken, die dir gefallen und die gut für dich funktionieren. Denn , es gibt nicht DIE EINE Planung. Also probiere verschiedene Dinge aus und behalte das, was dir gut hilft. 

2. Schritt: Der Gedanken-Download

Dies ist ein Tool, was dir dein Leben schon sehr viel leichter macht.

Wahrscheinlich hast du in deinem Kopf gerade mindestens 287 Gedanken darüber, was noch zu tun ist, was organisiert werden muss, was du auf keinen Fall vergessen darfst, was du alles gerne tun würdest und, und, und …

Diese Gedanken brauchen ziemlich viel Energie und Kraft. Daher empfehle ich dir, immer wieder am Tag einen Gedanken-Download zu machen und all diese „Ich müsste, sollte, möchte“-Situationen zu Papier zu bringen. Schreibe sie dir auf. Denn alles, was rauskommt aus dem Kopf und aufgeschrieben wird, beruhigt. Es steht da. Du kannst es nicht mehr vergessen.

Es steht da nicht nur, du kannst es auch gleich angehen. Es wird begreifbar und veränderbar.

Also alles raus aus dem Kopf und rauf aufs Papier. Und wenn du gerne Farben für deine unterschiedlichen Lebensbereiche oder Familienmitglieder oder den Beruf nehmen möchtest – nur zu. Sei kreativ und denke daran:

Es darf dir ruhig Spaß machen. 

Hast du alles auf dem Papier, dann kannst du erst einmal ausmisten. 

Streiche alles, was du nicht beeinflussen kannst und worauf du lediglich wartest.
Streiche alles, was du vielleicht, irgendwann einmal, bestimmt, also es wäre schön … machen solltest. Weg damit. 

Streiche alles, was du für andere tust, die dich selbst aber nur Kraft kosten, ohne dir etwas zu geben. Gemeint sind hier die Energieräuber. 

Streiche alles, was da noch so an Terminen steht, die niemandem mehr etwas bedeuten (weil z. B. die Kinder nicht mehr gerne zum Turnen gehen oder es ein altes Hobby ist).

So, jetzt steht also noch alles auf der Liste, was du tun kannst oder musst. Und jetzt kannst du eines nach dem anderen abarbeiten. Du kannst sicher sein, dass nichts davon vergessen wird, und du kannst aus dieser Liste die Dinge einfach in deine Planung übernehmen. 

3. Schritt: Die Planung

Ich schlage vor, einen Wochenplan zu verwenden für die Planung. Denn besonders, wenn man Familie und Beruf unter einen Hut bringen möchte, muss die Planungsform flexibel sein. Wer Kinder hat, weiß, es passiert immer etwas Unvorhergesehenes und es gibt immer wieder Planänderungen. Ein Wochenplan bietet dir die Flexibilität. Aber wie kann jetzt ein Wochenplan erstellt werden? Worauf ist zu achten?

  1. Trage in deinen Wochenplan alle Termine ein, die in dieser Woche anstehen. Vergiss nicht, auch aus dem Jahreskalender alle Termine hier einzutragen. Achte bitte darauf, dass du auch die Vorbereitungszeiten, Wegzeiten etc. mit einträgst.
  2. In den Wochenplaner kannst du zu jedem Termin direkt die To-dos bzw. was dafür noch zu organisieren ist, eintragen. So stellst du sicher, dass du nichts vergisst (z. B. das Geschenk zu kaufen oder einen Babysitter zu organisieren).
  3. Überlege dir für diese eine kommende Woche einen Fokus.
    Beispielsweise könnte das sein: Projekt x im Job oder auch Geburtstag des Kindes oder Urlaubsvorbereitungen. Du stellst damit die Woche unter ein Thema, was für Klarheit und Fokus sorgt.
    Trage jetzt von deiner To-do-Liste die Dinge ein, die jetzt in dieser Woche erledigt werden müssen oder die zum Fokus passen.
    Nun hast du einen Überblick über all die Zeit, die schon vergeben ist. Alles, was erledigt werden muss, alle Deadlines, alle Termine sind eingetragen.
  4. Was jetzt kommt, ist vielleicht neu für dich, und ich kann jetzt schon sehen, dass du dir denkst: Echt? Soll ich das wirklich machen?
    Und ich sage: Ja! Probier es einfach aus und bewerte erst später, ob es dir was bringt oder nicht.
    Plane fixe Zeitinseln ein für all das Unvorhergesehene, für plötzliche Extratermine, für Sonderfahrten, wie z.
     B. Einkäufe & Co. Dies sind reine Pufferzeiten. Diese helfen dir, über den Tag die Dinge umzusetzen, die du eingeplant hast. Sagen wir, du sitzt gerade im Büro und arbeitest. Dann kommt ein Anruf und deine beste Freundin kündigt sich für morgen an, weil sie dich mal wieder sehen will. Ein Blick in den Kalender sagt dir: Jip, super, das passt! Du freust dich. Allerdings solltest du vorher noch Kaffee besorgen und vielleicht ein paar Kekse. Genau dafür könntest du diesen Puffer am Nachmittag nutzen. All die unvorhersehbaren Dinge, die uns tagtäglich passieren, die können wir in die Pufferzeiten schieben. Und wenn nichts passiert: Prima, dann hast du Zeit gewonnen, z. B. für dich. 
  5. Plane Zeit für dich ein.
    Gehörst du zu den Menschen, die heftig den Kopf schütteln und sagen: Nein, das geht mir jetzt aber zu weit! Ich will mich nicht so einengen und schon am Sonntag planen, dass ich am Mittwoch eine Stunde Zeit habe … Das ist ja total unflexibel – wo bleibt da die Spontanität?
    Dann lass mich dich eines fragen: Wie viel Zeit bleibt dir jetzt gerade für dich selbst? Kannst du dir dank deiner Spontanität kleine Auszeiten zaubern? Regelmäßig? Falls ja -> Glückwunsch, dann brauchst du sie wirklich nicht einzuplanen.
    Falls du aber, wie die meisten meiner Kundinnen und auch ich, dazu neigst, all die freie Zeit noch damit zu verbringen, etwas zu erledigen, für andere etwas zu organisieren oder zu arbeiten, tja … Dann ist dies vielleicht eine Möglichkeit für dich, über diese Struktur dafür zu sorgen, dass du wenigstens ein paar Stunden pro Woche Zeit für dich hast.
    Überlege dir, wo du etwas für dich tun könntest, wie z.
     B. faul sein, zur Massage oder shoppen gehen, mit einer Freundin auf einen Kaffee oder Cocktail treffen etc.

Zum Schluss noch ein Wort

So vielen da draußen geht es wie Sabine. So viele sind erschöpft, müde und haben das Gefühl, es nicht mehr zu schaffen und nicht alles unter einen Hut zu bekommen. Vielleicht dir auch? Dann lohnt es sich, eine Form der Planung bzw. der Alltagsstruktur in dein Leben zu integrieren, die dir Zeit und Ruhe verschafft. Denn oft sind es diese kleinen Schritte, die das Gedankenkarussell stoppen, die dich wieder schlafen lassen und dir Zeit lassen für dich. Wenn du diese Zeit für dich gut nutzt, deine Batterien wieder aufladen kannst und dich gut um dich kümmerst, dann hat dies auch sofort eine Auswirkung auf deine Familie, deine Arbeitsleistung und dein Wohlbefinden. Es wird dann plötzlich leichter und du kannst dein Leben genießen.

Du wirst erleben, wie aus der Mehrfachbelastung rund um Familie & Beruf eine Mehrfachfreude wird. 

Über Katja Schmalzl

Katja Schmalzl ist systemischer Coach, Wegbegleiterin und Mutter von 2 Kindern. Du möchtest raus aus der Mehrfachbelastung rund um Familie und Beruf hin zur Mehrfachfreude?

Auf ihrer Seite katjaschmalzl.com hilft dir Katja dabei, nicht auszubrennen. Du lernst, Stress und Krisen nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft gut zu meistern. Damit du dein Leben wieder selbst in die Hand nehmen kannst. Gestärkt und selbstbewusst.

Du lebst nicht in Wien? Katja bietet Coachings über Telefon oder Skype an.

In ihrem Blog und Podcast findest du regelmäßig spannende Interviews, Gedanken zum Leben als Frau und arbeitende Mutter und umsetzbare Tipps für ein Leben, das du liebst.

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