Vom Nachahmen…

Ein Meister erlangte eines Tages die Erleuchtung. Von da an entschied er, ein einfaches Leben zu führen, weil ihm ein solch einfaches Leben zusagte.

Die Schüler eiferten ihm nach und versuchten, nach seinem Vorbild ebenfalls ein einfaches Leben zu führen.

Doch der Meister lachte nur: “Ihr Narren! Was nützt es, mein Verhalten nachzuahmen” sagte er, “ohne sich die Motivation zu Eigen zu machen, ohne die Idee, die dahinter steht?”

Die Schüler schauten verwirrt.

Da fügte der Meister hinzu: “Glaubt Ihr denn, dass eine Ziege ein Rabbi wird, nur weil sie einen Bart trägt?”

(aus “Eine Minute Weisheit” von Anthony
de Mello, leicht überarbeitet)

 

 

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Kommentare

  • Ich habe mal die wichtigsten drei Sätze rauskopiert:
    1.) Von da an entschied er, ein einfaches Leben zu führen, weil ihm ein solch einfaches Leben zusagte.
    2.) Die Schüler eiferten ihm nach und versuchten, nach seinem Vorbild ebenfalls ein einfaches Leben zu führen.
    3.)„Ihr Narren! Was nützt es, mein Verhalten nachzuahmen ohne sich die Motivation zu Eigen zu machen, ohne die Idee, die dahinter steht?“

    1.) Die Entscheidung einer Person, “sein Ding zu machen”.
    2.) Blinde Gefolgschaft, Kadavergehorsam.
    3.) Wieso werde ich gerade an diverse Religions-Stifter erinnert? Jesus hätte diese Worte sagen können, Mohammed wären sie nicht über die Lippen gekommen.

    Schönen Sonntag noch!

  • Ganz genau – es kann sehr gut sein, dass man die Geschichte als schwer verständlich erachtet oder gar eine ganz eigene Essenz darin entdeckt. Es ist das Wesen von Geschichten, dass sie keine allgemeingültige Wahrheiten enthalten. Doch wer sie liest, der ist schon mitten auf dem Weg zur eigenen Wahrheit.

    Für mich ist das Nachahmen, Nachmachen, Abgucken und das sich ein Beispiel nehmen eine ganz wichtige Lernform. Das können wir nicht nur bei Tieren erkennen .

    Was hingegen uns Menschen möglich ist und uns u.a. “auszeichnet”, ist die Fähigkeit das Abgeguckte für sich selbst bewusst zu übersetzen, anzupassen und dabei sein eigenes Original zu werden.

    Mit anderen Worten: nicht der Bart des weisen Rabbis, sondern der Weg dorthin ist das Ziel.

    MIt einem herzliche und herbstlichen Gruss von einem, der schon seit Jahren daran ist sich seinen eigenen Bart wachsen zu lassen.

  • ich “verstehe” nicht. Worum geht es in der Geschichte? Doch nur darum, es dem Meister NICHT gleich zu tun?!? Es geht m. E. darum, das Eigene zu finden und diesem zu folgen ….. . “Triffst du Buddha unterwegs …. dann töte ihn.” => aus dem Zen. Ein Aufruf zur Freiheit, zum Frei-Sein! – Der Weg zur “Erleuchtung” braucht anscheinend Anleitung doch Erleuchtung selbst geschieht aus dir selbst heraus … und verlässt den vorgezeichneten Weg.
    Sonnige Grüße von Nele

  • Ich halte diese Geschichte für schwierig.

    Nachahmen ist Teil verschiedener Lernprozesse. Lernen am Modell, die erste Stufe der psychomotorischen Lernzieltaxonomie nach Dave… Wer nachahmt, interessiert sich für das, was jemand anderes macht. Er versucht eine Handlungs- oder Rollenübernahme und lernt durch eigene Erfahrung. Er lernt, eine Handlung oder Rolle in einer bestimmten Art und Weise auszuführen und er lernt, wenn er sich damit auseinandersetzt, ob diese Ausführung zu ihm selber passt. Ggf. passt er sich oder aber die Handlung an.

    Die Motivation dahinter ist selten bis nie die des Modells – kann sie auch gar nicht sein, da beide unterschiedliche Entwicklungen durchlaufen haben und unterschiedliche Persönlichkeiten haben. Die Motivation bspw. eines Kindes, mit einem Messer ein Brot zu schmieren, wie es die Eltern tun, ist sicherlich nicht die, sich die Hände nicht schmutzig zu machen oder sich an gesellschaftliche Normen zu halten. Es möchte “groß” sein.

    Zudem finde ich die Haltung des Meisters arrogant: Er vermittelt, dass nur seine Motivation die Richtige sei und wertet ab, spottet sogar. Das hat mit Erleuchtung meines Erachtens nur wenig zu tun…

  • ….Danke für die ziemlich direkten Aussagen zu dieser tieferen “kleinen” Geschichte. Hilft mir bei einer “Standortbestimmung” im und für einen Augenblick. :-) Irgendwie fügt sich heute wiedermal Einiges in wohltuender Ruhe und im Gedankenfluß….

    viele Grüße

    Sabine

  • Es gibt ja viele dieser kleinen Geschichten. Sie alle ähneln sich. Mir ist das aber zu dogmatisch.
    Warum nicht nacheifern?
    Spüren wie sich etwas anfühlt, testen, versuchen zu verstehen, EIGENE Gedanken dann dazu machen und den EIGENEN Weg dann gehen.

  • Eine sehr schöne Geschichte mit einer klaren Botschaft. Es gibt echt Besseres, als Dinge stumpf nachzumachen! :-)

 

Ralf Senftleben

Hallo! Schön, dass du da bist!

Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

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