Was deine Lieblingsbücher über dich selbst verraten

Was haben Jojo Moyes, Kerstin Gier oder Sebastian Fitzek mit dir ganz persönlich zu tun?

Sie erzählen dir etwas darüber, wer du bist, was dich ausmacht. Denn die Bücher, vor allem deine Lieblingsbücher, können dir sagen, welche Sehnsüchte du hast und wie du zu dem Menschen geworden bist, der du heute bist.

Egal, ob du Judith Hermann oder Lucinda Riley liest. Ob du John-Grisham-Fan oder Jussi-Adler Olsen-Leser bist. Oder ganz andere Autoren gerne liest. Auch, ob du ganz viele Bücher gelesen hast oder nur sporadisch liest. Das alles spielt keine Rolle. Denn in jedem Fall kannst du aus deinem bisherigen Lese-Leben, also den Büchern, die du gelesen hast, etwas Wichtiges für dich herausfinden.

Wie ich darauf komme? Das erzähle ich dir gern.

Ein Lieblingsbuch: Dein perfektes Jahr

Ich war im Urlaub, an der Nordsee, allein. Und ich hatte Zeit. Zeit, in der es keine To-dos gab, in der niemand etwas von mir wollte und ich wirklich nichts zu tun hatte. Außer abzuschalten, zu entspannen und genau das zu tun, wonach mir in jedem Moment der Sinn stand.

Der Sinn stand mir nach einem neuen Buch. In der Buchhandlung staple ich interessant aussehende Bücher aufeinander, balanciere meinen Stapel zu einem Tischchen und vergesse die Zeit in einem Korbstuhl, der bequemer ist, als er aussieht. Der Stapel enthält unter anderem: „Raumpatrouille“ von Matthias Brandt, „Das Café der guten Wünsche“ von Marie Adams, „Marlene“ von Hanni Münzer, „Dein perfektes Jahr“ von Charlotte Lucas und „Das Buch der Trauer“ von Jorge Bucay. Ich entscheide mich für „Dein perfektes Jahr“ von Charlotte Lucas. Denn ich will was Amüsantes und Unterhaltsames mit ein paar inspirierenden Gedanken. Und genau das scheint dieses Buch mir zu versprechen. Und hält es auch.

Die nächsten anderthalb Tage ist „Dein perfektes Jahr“ mein Begleiter. Am Strand, abends beim Essen, im Bett und am nächsten Vormittag wieder am Strand. Es ist romantisch, tragisch, was zum Lachen und ein bisschen anders als die Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen hatte. Zudem wunderschön gestaltet. Perfekt. Bis ich am Ende bin.

Im Liegestuhl der Strandbar lese ich noch die Danksagungen an liebe Menschen der Autorin und das wars dann. Leider. Wenn so ein wunderbares Buch zu Ende ist, bin ich immer etwas traurig. Weiß ich doch, dass ich dieses Buch nie wieder zum ersten Mal werde lesen können. Und eines zu finden, das mich ebenso froh, inspiriert und berührt zurücklässt, ist selten leicht.

Die Forschungsreise in mein Lese-Leben

Es ist Hochwasser. Ich sehe aufs Meer. Habe Zeit, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Vor meinem inneren Auge tauchen Bücher auf. Andere Lieblingsbücher, die mich ähnlich berührt und ein wenig wehmütig zurückgelassen haben. Ich erinnere mich an mein Lese-Leben. Ein Leben neben meinem normalen Leben.

Plötzlich ist da die Frage: Wie haben mich meine Bücher beeinflusst? Wie haben mich meine Lese-Erlebnisse zu der Frau gemacht, die ich heute bin?

Diese Frage bleibt auch nach dem Urlaub. Ich möchte sie beantworten. Und ich habe meine Antworten gefunden. Davon möchte ich dir hier erzählen. Ich habe mich auf eine Art Forschungsreise in mein bisheriges Lese-Leben begeben. Und vielleicht hast du Lust mich zu begleiten und dich gleichzeitig auf deine ganz persönliche Forschungsreise aufzumachen. Entdecke du doch auch dein Lese-Leben.

Es vielleicht endlich angehen. Es ist vielleicht Zeit. Das Richtige zu tun. In kleinen Schritten ist es am einfachsten. Ernährung. Gewicht. Gesundheit. Produktivität. Bewegung. Beweglichkeit. Was es auch ist: Du kannst die Sache in die Hand nehmen und es in unserem Training in kleinen Schritten schmerzfrei angehen. Dein Erfolgserlebnis. (Start: Montag 25.9 – letzte Anmeldemöglichkeit: Mittwoch 27.9.)

Eine Forschungsreise mit Ergebnissen

Im Nachhinein sage ich: Die Forschungsreise war eine sehr tolle Idee. Denn, sie hat mir richtig gutgetan.

  • Sie erfreut mich ganz tief in mir drin. Es war, als würde ich all die Bücher im Zeitraffer konzentriert durchlesen und das Wichtigste, Schönste und Berührendste erneut erleben.
  • Ich habe so viel Wichtiges über mich erfahren. Denn ich habe einen oder sogar mehrere rote Fäden in meinem Lese-Leben entdeckt. Wichtige Erkenntnisse wurden mir bewusster.
  • Ich habe neue Lese-Ideen gewonnen. Denn ich weiß, was ich in Zukunft noch mehr, anderes oder ganz Ungewohntes lesen möchte.
  • Mein Lese-Leben hat mich inspiriert. Es hat mir neue Ideen für mein reales Leben gebracht: Welche Träume möchte ich noch verwirklichen, was wünsche ich mir insgeheim, was ist mir wichtig? Was macht mich glücklich und erfüllt mich? Was unglücklich? Was stößt mich ab? Wovon möchte ich weniger in meinem Leben?

Ich erzähle dir gleich von diesem Blick auf mein Lese-Leben. Wenn du mitmachen möchtest, habe ich zu jedem Abschnitt meiner Forschungsreise einige Forschungsfragen für dich.

Für meine Forschungsreise habe ich mir ein Formular gemacht. Du kannst dir das Formular hier herunterladen und ausdrucken. Es hilft dir, den Überblick über dein Lese-Leben zu behalten und die folgenden Schritte für dich nachzuvollziehen.

Schritt 1: die Bücherliste

Für meine Bücherliste beginne ich chronologisch. Einfach, weil es für mich am naheliegendsten ist, mit dem ersten Buch zu beginnen, an das ich mich erinnere, es alleine gelesen zu haben.

Janoschs „Oh, wie schön ist Panama“. Es steht auf der Liste ganz oben. Und dann erinnere ich mich noch an: Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ und die Geschichte der Ballerina Anna Pawlowa, die damals bei uns in der Klassenbücherei stand. Den Titel des Buches weiß ich nicht mehr, kann ich auch leider nicht finden. Aber es war ein Kinderbuch über diese berühmte Ballerina, die sich ihren Zielen verschrieben hatte und dafür eindrucksvoll oder auch erschreckend viel Energie und Disziplin aufgebracht hat.

Schnell merke ich: Bei der Bücherliste ist es wichtig, den Assoziationen zu folgen. Also sich nicht sklavisch an eine chronologische oder thematische Ordnung zu halten. Denn dann würde ich zu viele Ideen verlieren. Wenn das Gehirn frei assoziieren darf, fördert es die meisten Ideen zu Tage.

Deswegen empfehle ich dir: Folge deinen Ideen, deinen Gedankensprüngen und notiere, welche Erinnerungen hochkommen.

So springe ich von der Lebensgeschichte der Ballerina zu einer anderen Lebensgeschichte. Ein Buch, das ich Jahre später gelesen habe: „Marion Dönhoff. Ein widerständiges Leben“ von Alice Schwarzer. Und dann zu „Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Rudi Dutschke. Eine Biographie“ von Gretchen Dutschke.

Du siehst, es gibt Zeitsprünge, thematische Sprünge. Und nach und nach reise ich so in Gedanken zurück durch die Zeit meines Lese-Lebens. Ich lasse meinen Gedanken freien Lauf, achte nur darauf, dass ich mir die Bücher, die meinen inneren Weg kreuzen, notiere. Und schreibe auch gleich in der zweiten Spalte „Gedanken“ auf, wenn mir etwas Wichtiges zu dem Buch einfällt.

Hier einige Beispiele:

Janosch: Oh, wie schön ist Panama

Überraschung, dass „Panama“ „zu Hause“ ist. Die Freundschaft zwischen Tiger und Bär: Wer einen Freund hat, braucht sich nicht zu fürchten. Der Ausdruck „Pilze finden“ … der Unterschied zwischen „finden“ und „suchen“. Der Tiger geht davon aus, dass er Pilze findet. Da steckt so viel Zuversicht drin.

Ragnar Kvam: Im Schatten. Die Geschichte des Hjalmar Johansen, des „dritten Mannes“ zwischen Fridtjof Nansen und Roald Amundsen

Wie dieser Mann nach einem Leben in psychischen und körperlichen Grenzregionen nicht mehr in den normalen Alltag zurückfinden konnte. Es ist wichtig, ein Zuhause zu haben, einen Ankerpunkt.

Heinz Körner: Johannes

Die Geschichte eines „Suchenden“, der durch die Begegnung mit einem „Weisen“ erkennt, dass er sein Leben ändern will. Wie will ich wirklich leben? Das ist die zentrale Frage.

Und viele, viele mehr. Nachdem ich diesen Beitrag zu schreiben begonnen habe, feuert mein Gehirn jeden Tag mehr Erinnerungen ab. Die Liste wächst und wächst. Es ist eine tolle Erfahrung zu merken, was mein Gehirn alles gespeichert hat und wie viel daraus wieder zum Vorschein kommt.

Wenn du also dein eigenes Lese-Leben erkunden möchtest, startest du am besten mit deinen Assoziationen. Beginne irgendwo mit einem Buch und dann wird sich die eine an die nächste Erinnerung anschließen. Und sicher wirst du nach und nach eine umfangreiche Liste zusammenbekommen.

Erstelle dein Lese-Leben, deine ganz persönliche Liste der von dir gelesenen Bücher. So kannst du sehen, welche Lese-Erlebnisse dich in den vergangenen Jahrzehnten begleitet haben. Du erkennst, wie du dich verändert hast. Denn die Weiterentwicklung deiner Persönlichkeit wird sich in der Auswahl deiner Bücher widerspiegeln. Und du hast mit dieser Liste eine wunderbare Basis, um durchgehenden Lebensthemen, deinen Wünschen und Sehnsüchten auf die Spur zu kommen.

Hier habe ich die versprochenen Forschungsfragen für dich. Damit kommst du bestimmt auf viele Ideen.

Forschungsfragen: 

  • Was waren die drei ersten Bücher, an die du dich erinnern kannst?
  • Welche Kategorie Bücher liest du aktuell am liebsten?
  • Solltest du jemandem von den fünf wichtigsten Büchern in deinem Leben erzählen, welche wären das?
  • Welche Bücher haben dich in deinen Lebensphasen beeindruckt? Vorlesebücher? In deiner Grundschulzeit? Als Jugendlicher? Als junger Erwachsener? …
  • An welches Buch denkst du immer wieder zurück?
  • Welches Buch nimmst du zur Hand, wenn es dir schlecht geht?
  • Was würdest du einem Menschen schenken, der sich grad in einer Umbruchphase befindet?
  • Was war dein schlimmstes Lese-Erlebnis?

Schritt 2: Durchgehende Muster entdecken

Eine Menge Bücher stehen auf meiner Liste. Natürlich ist sie nicht vollständig. Ich bin sicher: Da kommen noch welche dazu. Aber erst einmal habe ich genug, um mein Lese-Leben aus einem etwas anderen Blickwinkel zu untersuchen. Die Erkenntnisse, die ich dabei gewinne, notiere ich in den entsprechenden Spalten auf dem Formular (2–6). Falls es zu viel wird, nehme ich ein separates Blatt.

1. Lebensthemen

 

Ich frage mich: Welche Themen kommen immer wieder vor? Was begleitet mich über weite Strecken?

Als ich die Liste ansehe, springt mir ein Lebensthema förmlich in die Augen: das Thema „Ankommen“ oder auch „Zu-Hause-Sein“. In einer ganzen Reihe Bücher geht es um dieses Thema.

Harry Potter, Fredrik Halmar Johansen in Ragnar Kvams „Im Schatten“ oder „Die Dienerin“ von Margaret Forster haben mich getröstet, wenn ich mich verloren fühlte. Sie haben mich ermutigt und mir gezeigt, wie wichtig es für mich ist, dass ich mich irgendwo „zu Hause fühle“.

Ein anderes Thema, das immer wieder auftaucht, ist die Suche nach einem besseren Leben, einem Leben, in dem ich mich wohl fühle. Aus dem ich das für mich Bestmögliche mache.

Neben Begegnungen mit für mich wichtigen Menschen wurde diese Suche ausgelöst durch Heinz Körners „Johannes“ und Richard Bachs „Die Möwe Jonathan“. Beide gaben mir als Jugendliche den Impuls: „Es ist wichtig, dein Leben wirklich so zu leben, wie du es willst.“ Manch wichtige Entscheidung wäre anders ausgefallen, wenn mich diese Bücher nicht so früh schon inspiriert hätten.

Mache dich auf die Suche nach deinen Lebensthemen. Häufig nehmen wir gar nicht wahr, welches Thema, Problem oder welche Sorge uns immer wieder und wieder, oftmals über Jahre hinweg, beschäftigt. Unsere Lebensthemen zu kennen kann ein sehr guter erster Schritt sein, Dauerbrenner in unserem Leben zu lösen. Also z. B. endlich das Thema „Einsamkeit“ anzugehen. Oder den Traum von der Auszeit im Kloster zu verwirklichen. Oder sich selbst den Job zu suchen, der wirklich zu einem passt.

Welche Themen tauchen in deinem Lese-Leben auf? Sind überraschende für dich darunter? Was sind altbekannte Vertraute? Trage sie in der dritten Spalte auf dem Formular ein. Brauchst du noch ein bisschen Inspiration? Nutze die Forschungsfragen, um deinen Lebensthemen auf die Spur zu kommen.

Forschungsfragen:

  • Welche Themen häufen sich in deinem Lese-Leben?
  • Welche Muster kannst du erkennen?
  • Welche Bücher stoßen dich instinktiv ab? Erkennst du darin irgendeine Bedeutung?
  • Welche Bücher ziehen dich besonders an? Erkennst du darin etwas Bedeutsames?
  • Welche Bücher haben dein Leben maßgeblich beeinflusst?

2. Wünsche und Sehnsüchte

 

Wenn ich mir mein Lese-Leben ansehe, komme ich meinen Sehnsüchten auf die Spur. Ich erkenne, was mich interessiert und begeistert. Ich kann bewusst überprüfen: Möchte ich davon mehr in meinem Leben? Oder ist es okay so? Will ich über den Alaska-Trip vielleicht lieber nur lesen, anstatt selbst dorthin zu fahren?

Ich lese häufig Bücher, die in England oder Schottland spielen. In meinem Erwachsenenleben bin ich nie in eine dieser Regionen gereist. Das könnte ich ändern. Vielleicht führt mein nächster Urlaub mich nach Schottland?

Ich mag Bücher, bei denen sich bislang unbekannte Menschen durch Zufall an einem Ort versammeln (Deborah Moggach: „Der Club der gebrochenen Herzen“). Oder auch die „Stadtgeschichten“ von Armistead Maupin. Menschen interessieren mich. Ihre Geschichte und wie sie ihr Leben meistern. Möchte ich noch mehr Menschen in meinem Leben? Zurzeit nicht, aber meine Beziehungen sind mir sehr wichtig. Das wird mir an dieser Stelle bewusst.

Ich lese gerne Krimis oder historische Romane, die im Kunstmilieu spielen. Ich frage mich: Wo in meinem Alltag mache ich was mit Kunst? Gehe ich z. B. in ein Museum? Viel zu selten. Ich sollte wirklich mal wieder einen Besuch in der Hamburger Kunsthalle einplanen.

Wie ist es bei dir? Welche Interessen, Reiseziele oder Vorlieben erkennst du, wenn du dir dein Lese-Leben genau anschaust? Wenn du deine Wünsche und Sehnsüchte besser kennst, steigt die Chance, dass du sie erfüllen kannst. Denn dann kannst du konkret werden: Was muss ich tun, um dieses Interesse zu verfolgen? Was brauche ich, damit ich diese Idee auch in meinem Leben umsetzen kann? Notiere alles, was dir einfällt, in der vierten Spalte auf dem Formular.

Lass dich dabei von den Forschungsfragen inspirieren.

Forschungsfragen:

  • Welche Sehnsucht erkennst du in deinen Lieblingsbüchern?
  • Welche Reiseziele verbergen sich in deiner Literatur-Auswahl?
  • Welche Interessen der Figuren aus deinen Büchern würdest du gerne einmal ausprobieren
  • Welche Typen von Menschen findest du in Büchern interessant und würdest du selbst gern verkörpern?
  • Welche Interessen oder Unternehmungen könntest du ausprobieren?
  • Bei welchem Buch denkst du: Die Geschichte hätte ich gerne erlebt?
  • Wenn jemand ein Buch über dein Leben schreiben würde, welche Geschichte hätte er zu erzählen?
  • Welches wären die Tiefpunkte? Welches die Höhepunkte?

3. Figuren und Personen

Ich stelle fest, dass ich mich häufig mit dem gleichen Typ Mensch in Büchern identifiziere. Das ist sicher nichts Überraschendes. Interessant wird es, wenn ich etwas genauer hinschaue: Was macht diese Personen aus? Welche Eigenschaften haben sie?

Im nächsten Schritt kann ich darüber nachdenken: Habe ich diese Eigenschaften auch? Wünsche ich sie mir? Will ich etwas dafür tun, so zu sein? Was kann ich dafür tun? Reicht es mir, mich in Büchern damit zu identifizieren? (Nicht jeder muss mit allen Konventionen brechen, nur weil er sich mit Pippi Langstrumpf identifiziert.)

Oder auch: Wie möchte ich auf keinen Fall leben? Was finde ich ganz besonders erschreckend? Was muss ich unternehmen, damit genau das in meinem Leben nicht passiert?

Es gibt Bücher, die leben von Figuren, die es immer wieder schaffen, ihr Leben auf den Kopf zu stellen. Ich denke da z. B. an „Bridget Jones“ von Helen Fielding oder „Cora Hübsch“ in „Mondscheintarif“ von Ildikó von Kürthy. Ich fand die beiden Bücher klasse. Selten hatte ich so gelacht. Aber sie haben vielleicht ein kleines bisschen mit dazu beigetragen, dass ich mein Leben anders leben wollte. Figuren wie Bridget oder Cora inspirieren mich, mein Leben bewusster zu leben. Meinen Alltag so zu organisieren, dass er mich möglichst wenig nervt. Aber auch im Großen sehr genau hinzusehen: Mit welchen Menschen umgebe ich mich? Welchen Mann wünsche ich mir an meiner Seite? Und was kann ich ganz konkret dafür tun, dass ich das Leben führe, das ich führen möchte? Bridget und Cora haben mich aber auch inspiriert, mein Leben mit mehr Humor zu nehmen. Mit Missgeschicken weniger ernsthaft und sorgenvoll umzugehen.

Es lohnt sich wirklich, sich die Personen anzuschauen, die ein Buch für dich persönlich interessant und lesenswert machen.

Beispiele:

Finde ich Geschichten von Rebellen und Unangepassten interessant, bin aber selbst eher angepasst? Wo könnte ich mehr Rebellion leben?

Finde ich Geschichten von schillernden Menschen faszinierend? Wie könnte ich selbst ausprobieren, wie es ist, ein etwas schillernderer Mensch zu sein?

Mag ich Romane über impulsive Frauen, bin aber selbst zurückhaltend? Wie kann ich meine Impulsivität entdecken?

Lese ich gerne Geschichten von weisen und in sich ruhenden Menschen? Welche Sehnsucht wird daran sichtbar? Wie kann ich ihr folgen?

Wenn du dich auf diese Weise mit den Figuren in deinen Lieblingsbüchern auseinandersetzt, kannst du dich als Persönlichkeit leichter weiterentwickeln. Denn du bekommst auf diese Weise Impulse, die aus dir selbst, aus deinem Lese-Interesse heraus entstehen. Das sind dann keine von außen vorgegebenen Entwicklungsschritte. Du entscheidest: Welche Personen mag ich in meinen Büchern? Und was möchte ich davon bei mir verwirklichen? Und bei selbst entwickelten Entwicklungsschritten bist du motivierter und es fällt dir leichter, sie wirklich in die Tat umzusetzen.

Hier wieder einige Forschungsfragen, die dir dabei wertvolle Impulse geben können.

Forschungsfragen:

  • Welche Personen faszinieren mich? Was haben sie gemeinsam?
  • Wem wäre ich gerne etwas ähnlicher?
  • Wegen welcher Figur lese ich eine bestimmte Buchserie?
  • Was macht diese Figur aus?
  • Was gefällt mir daran? Wie sieht es bei mir mit diesen Eigenschaften oder Verhaltensweisen aus?
  • Welche Eigenschaften bewundere ich an Figuren in Büchern?
  • Wo in meinem Leben habe ich schon mal so gehandelt wie die von mir bewunderte Figur?
  • Was stößt mich an einer Figur ab? Wie möchte ich auf keinen Fall sein?

4. Bücherwünsche

Meine Bücher helfen mir zu erkennen: Was macht mich glücklich, wenn ich lese? Welche Art Geschichten wünsche ich mir? Welche Figuren sprechen mich am meisten an? Was an einer Geschichte löst bei mir Behagen und Wohlbefinden aus?

Beispiele:

  • Wenn eine Lösung aufgeht, zum Beispiel bei Krimis.
  • Wenn ein Buch eine gemütliche und geborgene Atmosphäre vermittelt.
  • Wenn es um tragfähige Freundschaften geht.
  • Wenn Figuren sich aus Zwängen befreien.
  • Wenn jemand mit einer schwierigen Situation fertigwird und lernt, das Beste aus ihr zu machen.
  • Wenn sich ein Paar findet und zueinander steht, ohne dass sich jemand dafür verbiegen muss.

Ich erkenne darin meine Bedürfnisse. Meine Bedürfnisse nach einer bestimmten Art Bücher. Aber auch Bedürfnisse, die ich selbst in meinem ganz normalen Alltag habe. Diese Erkenntnisse helfen mir, meinen Alltag noch mehr darauf auszurichten, was mir guttut, wovon ich mir mehr im Leben wünsche.

Forschungsfragen:

  • Was macht dich in Büchern glücklich?
  • Welche Landschaften, Städte, Orte lösen bei dir Wohlbefinden aus, wenn eine Handlung dort spielt?
  • Bei welchen Tätigkeiten schaust du deinen Figuren am liebsten zu? Sollen sie gärtnern, kochen, die Welt retten …?
  • Wobei denkst du: „Nein, bloß das nicht!“? Welche Geschichten magst du überhaupt nicht? (Rückblenden, Skurriles, …)
  • Welche Bedürfnisse werden bei deinen Lese-Vorlieben deutlich? Welche möchtest du stärker in deinem Alltag haben? Was möchtest du verändern?

Schritt 3: Ein Fazit ziehen

Am Ende ziehe ich ein Fazit.

Ich schreibe mir auf:

Was möchte ich ganz konkret tun? Was ergibt sich aus der Forschungsreise in mein Lese-Leben?

Beispiel:

Ich erkenne, dass eine meiner Sehnsüchte und Wünsche in einem gemütlichen Zuhause besteht. Da bin ich auch schon echt gut. Aber geht das noch besser? Möchte ich noch mehr?

Ja, ich könnte mir öfter einen Blumenstrauß kaufen und mir ab und zu einen Lese-Abend mit schöner Musik gönnen … das wäre was.

Außerdem habe ich festgestellt, wie wichtig mir meine Beziehungen sind. Und, dass sie doch noch viel zu oft in meinem täglichen Einerlei untergehen.

Und es gibt ein Reiseziel, das ich unbedingt ins Auge fassen sollte.

Also notiere ich in der letzten Spalte meines Formulars unter „Fazit“:

  • es mir öfter gemütlich und schön machen: Blumen kaufen, Lese-Abend, neuen Tee aussuchen
  • meine Freundschaft zu K. und F. besser pflegen: Verabreden!!
  • Reiseziel „Schottland“ fürs nächste Jahr konkret ins Auge fassen

Mein Lese-Leben zu erforschen hat mir wertvolle Erkenntnisse gebracht. Vor allem hat es mir aber auch richtig viel Spaß gemacht. Und es wird weitergehen, da bin ich ganz sicher. Denn jeden Tag kommen neue Erinnerungen hoch. An Figuren, die in Geschichten vorkamen, die ich vor Jahren gelesen habe: den Piloten John Robert Shaw in dem Roman „Der lange Winter am Ende der Welt“ oder Katja Winter in Sabine Kornbichlers „Rosen und Steine“ … und, und, und.

Welche Figuren bevölkern deine Erinnerungen? Wer hat dich begleitet? Dein Leben bereichert, dich inspiriert? Welches Buch hat dein Leben verändert?

Wenn du magst, schreib deine liebsten und interessantesten Bücher in die Kommentare. Ich freu mich über deine Buch-Ideen.

 

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Die Abkürzung? Ist das realistisch? Schmerzfreie Veränderung (fast) ohne Willenskraft und Selbstdisziplin Gewicht. Gesundheit. Produktivität. Bewegung. Beweglichkeit. Was es auch ist: Mit unserer neuen Methode lernst du, wie es geht Dein Erfolgserlebnis. (100% Geld-Zurück-Garantie. Start: Montag 25.9 – letzte Anmeldemöglichkeit: Mittwoch 27.9.)

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Kommentare

  • Mich hat das Buch “Soweit die Füße tragen” von J.M. Bauer geprägt. Die Strecke, die ein Kriegsgefangener vom Ostkap und Alaskas durch ganz Sibirien, den Ural und den Kaukasus zurücklegt, um mit Narben an Körper und Seele schließlich über die Grenze Persiens, von wo aus er zuletzt doch noch heimkehren kann. Diese Odysee durch Steppe und Eis, duch Maschen der Wächter dauerte drei volle Jahre – wohl einer der einsamsten Alleingänge, die die Geschichte eines Mannes aufzeigt. Wahre Begebenheit.

    Da war mein Problem auf einmal auf 1% gesunken. Dieses Buch hat mich und mein Leben verändert. Bei jedem Problem werde ich daran erinnert, was dieser Mann dutchmachen musste und welch Willen ihn ans Ziel gebracht hat.
    Hut ab! Ich lese immer wieder gerne.

    Herlichen Dank für diesen Beitrag.

    Grüße

    Laura T.

  • Ich lese immer wieder gerne “scheinbare” Kinderbücher wie Momo, Die unendliche Geschichte, Krabat, Jim Knopf, der Räuber Hotzenplotz, die kleine Hexe oder auch Märchen.
    “Scheinbare” Kinderbücher sind dies für mich deshalb, weil man sie auch mit Erwachsenenaugen lesen kann und sich vieles für den Erwachsenenalltag (was auch immer ein Erwachsener sein soll) abschauen kann.
    Nächstes Jahr werde ich 60 Jahre (alt? jung?) – das nur so noch als Hintergrundinfo.

  • Vielen Dank fűr diesen Beitrag, sehr interessant!

  • Mir fällt sofort die Trilogie “Der Herr der Ringe” von Tolkien ein. Ich habe sie Ende der 70ger Jahre auf einer Amerikareise geschenkt bekommen und sofort verschlungen. Als ich sie durchhatte, direkt wieder von vorne angefangen, und das genau sieben mal hintereinander! Dann war es gut, danach habe ich sie nie wieder gelesen, und auch die Filme fand ich nur mäßig interessant.
    Ich habe überlegt, was wohl das Faszinierende damals für mich war: es ist wohl das Thema Hoffnung – gegen allen äußeren Anschein weitermachen und dann, sogar durch die Niederlage hindurch, doch noch gewinnen. Es hat eine tiefe Sehnsucht in mir, einen Mangel, von dem ich vorher gar nichts wusste, gestillt. Wie groß er war zeigt, dass es sieben Durchgängen bedurfte…
    Eins der ersten Bücher, an die ich mich erinnere, ist “Weltall, Erde, Mensch”, ein naturwissenschaftliches Buch mit großen Tafeln ausgestorbener Tiere, das sich mein Bruder und ich oft angesehen haben. Ich glaube, das hat sowohl bei ihm wie auch bei mir das Interesse an der Evolution des Lebens auf der Erde geweckt, das uns bis heute geblieben ist.

  • Ich finde es absolut zutreffend, denn in jeder Lebensphase, in der große Veränderungen bevor standen (aber noch nicht richtig bewusst waren) griff ich zu Büchern, die mich in meiner Entscheidungsfindung unterstützten (im Beruf vor dem Jobwechsel zB: Mein Chef ist ein Arschloch – ihrer auch? Motivationsklassiker, wenn es “rund” ging; vor meinen “großen” Trennungen und danach: diverse Lebensbücher, teilweise Esoterik wie zB “The Secret” oder eines meiner absoluten Lebensbücher “Eat – pray – love”).
    Ich nutze den Sommerurlaub immer für eine “Palette” an unterschiedlichen Büchern: jeweils ein Biografie (zB Gottschalk, Hannelore Elsner), Lustiges (zB Ildiko von Kürthy, Susanne Fröhlich) und dann Tiefsinniges (Charlotte Link “Das Leben meiner Schwester”, “Still Alice”, “Ein ganzes halbes Jahr”) – die Summe gibt dann einen tiefen Einblick auf alles, was mich bewegt!

  • Das ist ja mal eine tolle Sache! Bücher und dahinter schauen, was sie mit mir machen…

    Meine aktuelle Leseempfehlung: “Das Lavendelzimmer” von Nina George
    (triggert bei mir das Thema “mehrere Menschen lieben” an)

  • Eine solche Reise habe ich mal anhand meiner Allmachtsphantasien durchgeführt. Allerdings nicht ganz so strukturiert, wie es hier angeregt wird, sondern eher “zufällig” bei der “Inventur” des Kopfkinos aus mehreren Monaten schwerpunktmäßig auf dem Sofa ersonnen.

    Die spannendste Erkenntnis der Anlyse bestand darin, dass ich in meinen phantasien ziemlich konsequent ein Element in mein Leben gepackt hatte, von dem ich realweltlich nicht äußerte sondern das auch fest von mir glaubte, dass dieses Element mir gar nichts bedeuten würde. Selbstbeschiss par excellance, wie es sich gehört ;-)

  • 1. Goethes Faust – 1 Klassiker, nicht ohne Grund
    2. Theodor Fontanes Effi Briest – 1 Klassiker, der eine Person beschreibt, die mit gesellschaftlichen Konventionen bricht;
    zeitgemäß leider auch schlecht endet, was in heutiger Zeit zum Glück anders wäre.
    3. Die Weiße Rose über Sophie Scholl, die jugendliche Widerstandskämpferin im Dritten Reich
    4. Die Welle – das Prinzip wie im Dritten Reich, wie es passieren konnte und wie es wieder passieren könnte, das Prinzip der Manipulation & Gehirnwäsche erschreckend zum Schluss des Buches entlarvt
    5. Das Parfüm von Patrick Süßkind – die Geschichte eines Mörders mit extrem ausgeprägten Geruchssinn, sehr spannend
    6. Ghandi. Mein Leben

  • Dieser Beitrag kommt “wie gerufen” für mich. Mir fehlt zurzeit etwas Orientierung, die Frage ist: wer bin ich wirklich und was brauche ich für ein erfülltes Leben. Ich habe beim Lesen des Beitrags spontan viele Erinnerungen gefunden. Bücher waren und sind für mich wesentliche Begleiter und ich erkenne, wie sich Lebensthemen je nach Lebensphase darstellen. Meine Werte und Träume habe ich augenscheinlich durch frühe Leseerfahrungen gebildet. Es macht mich glücklich und dankbar, dass ich immer freien Zugang zu Büchern hatte. Ich beginne jetzt, diesen großen Schatz an Leseerfahrungen zu heben – das scheint mir ein spannendes Abenteuer zu werden. Für mich scheint es die absolut passende Methode, mehr über mich zu erfahren. Danke für diese sehr schöne Anregung :-)

  • Danke für diese wunderbare Idee! Das ist so ziemlich das Beste was ich zum Thema Selbstfindung gelesen habe. Weil es zu mir passt. Ich habe schon immer gelesen. Und ein sehr kurzes Resumeé ergab, dass ich sehr unterschiedliche Bücher gelesen habe. Deshalb bin ich nun neugierig auf die Suche zu gehen, was ich wann gelesen habe und “wo” ich gerade stand (Wünsche, Sehnsüchte, Lernerfolge).
    Ich bin schon ganz gespannt auf die Suche zu gehen und zu Finden.
    Einen schönen Sonntag!

  • Eines meiner Lieblingsbücher als Kind war “Galja, die Tänzerin” und es ging darin um die spätere Primaballerina Galina Ulanowa. Sie war so sehr dünn und bekam im Sommer bei Verwandten auf dem Land immer Zuckerei. Vielleicht erinnert sich die Autorin daran? Dann war es das Buch, welches sie meinte.
    Prima Beitrag, bin schon etwas älter und nehme immer noch viel mit. Weil das Leben uns auch immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. Bei mir aktuell: Eintritt in den Ruhestand, schwere Krankheit überstanden und Trennung nach 40 Ehejahren….

  • MIr fällt bei dem Beitrag spontan ein Buch ein, das ich vor vielen Jahren las:
    Sergio Bambaren- ” Der träumende Delphin”. Ich erinnere mich, das mich diese Lektüre sehr zufrieden und glücklich gemacht hat. Es geht darin um einen Delphin, der auf der Suche nach der perfekten Welle seinen gewohnten Kreis verlässt und sein Glück in der Ferne sucht. Vielleicht hat mir das damals den Mut gegeben, meinen eigenen Träumen zu folgen, neues auszuprobieren, auch mal zu scheitern und schließlich in mir zu ruhen und zu mir zu stehen. Ich habe das Buch irgendwann verliehen und leider nicht zurück bekommen. Würde es gerne noch einmal lesen.

  • Vielen Dank. Dieser Betrag inspiriert mich und ein anderer Blick auf das was ich am liebsten tue, lesen. Diese Matrix werde ich gerne nutzen.

  • Eine großartige Idee, die Bücher als Wegweiser zu nehmen! Es ist auch interessant, dass man sich Menschen mit einem ähnlichen Buchgeschmack irgendwie auf verschwörerische Art verbunden fühlt. Ganz konkret würde ich dich, Julia, gerne mal kennenlernen!

    • Wiebke schreibt am 16. Oktober 2016

      Sorry! Ich meinte natürlich nicht Julia sondern Nicole!

  • Dieser Beitrag hat mir sehr geholfen, mir darüber im klaren zu werden, was ich mir selbst von einem guten Buch erwarte und das auch selbst beim schreiben zu berücksichtigen. Ebenso, was noch in meinem Leben fehlt und was ich noch gerne umsetzen würde. Herzlichen Dank!

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