Welchen Einfluss Ihre Freunde auf Sie haben

Es gibt da ein griechisches Sprichwort:

„Zeige mir Deine Freunde und ich sage Dir, wer Du bist.“

Die Menschen, mit denen wir uns umgeben, haben einen bedeutenden Einfluss auf uns. Das liegt daran, dass wir uns von diesen gewisse Verhaltensweisen abschauen. Wir imitieren unser Umfeld.

In diesem Artikel erhalten Sie Tipps, wie Sie sich ein Umfeld aufbauen können, das Ihre Interessen teilt und Ihnen dabei hilft, sich selbst weiterzuentwickeln.

Warum unser Umfeld so eine große Wirkung auf uns hat

Früher habe ich in einer „Party-WG“ gelebt. Wir sind ständig feiern gegangen. Und wenn ich es dann mal geschafft hatte, dort auszubrechen, in die Uni gegangen bin und abends nach Hause kam, fand ich eigentlich immer jemanden mit einer Flasche Bier im Wohnzimmer vor.

Und so gesellte ich mich öfter dazu, als mir eigentlich lieb war.

Ja, es war eine ereignisreiche Zeit. Aber mein Studium und meine Ziele blieben weitestgehend auf der Strecke.

Heute lebe ich auch in einer WG. Hier wohnen vier Vegetarier und alle machen sich nach dem Aufstehen erstmal einen gesunden Smoothie. Sie treiben viel Sport, sind oft an der frischen Luft und fast alle sind selbständig tätig.

Selbständig war ich auch schon, bevor ich in diese WG eingezogen bin. Aber mit der gesunden Ernährung hatte ich es nicht so. Doch irgendwann hab ich auch angefangen, mir einen gesunden Smoothie zum Frühstück zu machen. Und mache das jetzt auch jeden Tag.

Unser Umfeld prägt uns gewaltig

Und genauso, wie ich meinen Fokus automatisch mehr auf eine gesunde Lebensweise gerichtet habe, haben andere Bekannte in meinem Umfeld ihren Job gekündigt und sich selbständig gemacht – so wie ich es bin.

Was hat das jetzt miteinander zu tun?

Ganz einfach: Wir lernen am meisten durch Imitation!

Gute Entscheidung = Gutes Leben

Eine gute Entscheidung ist eine Wahl, die du hinterher nicht bereuen musst. Mit Herz und Verstand. Systematisch. Alles Wichtige berücksichtigen. Deine Entscheidung in 7 Tagen.

Schauen Sie sich Kinder an. Diese machen alles nach. Sie lernen nicht dadurch, dass wir ihnen sagen, was sie tun sollen. Sondern dadurch, dass sie sehen, was wir tun.

Wenn wir sagen: „Rauche keine Zigaretten. Das ist ungesund“

und uns fünf Minuten später eine davon selbst anstecken, was wird dann wohl einen größeren Einfluss auf das Kind haben?

Würde ein Kind alleine auf die Idee kommen, auf zwei Beinen zu laufen, wenn alle Menschen in seinem Umfeld immer auf Händen und Füßen krabbeln würden?

Höchstwahrscheinlich nicht. Denn wir nehmen automatisch Verhaltensweisen unseres Umfelds an!

Was bedeutet das jetzt für Sie?

Ganz einfach: Schaffen Sie sich ein Umfeld, das Ihnen mehr nützt als schadet.

Umgeben Sie sich mit Menschen, von denen Sie etwas lernen können. Die Sie positiv inspirieren.

Und so können Sie vorgehen:

1. Überdenken Sie Ihren Freundeskreis

Ja, das kann schon eine heikle Angelegenheit sein.

Setzen Sie sich einfach mal hin und überlegen Sie, mit welchen Menschen Sie die meiste Zeit verbringen. Und dann überlegen Sie sich, ob diese Menschen Ihnen guttun.

Inspirieren diese Menschen Sie?

Machen oder können diese Menschen Dinge, die Sie auch können möchten?

Sind Ihre Gespräche fruchtbar?

Fühlen Sie sich in deren Anwesenheit wohl?

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich möchte hier nicht dazu raten, Ihre Freunde über Bord zu werfen. Es geht lediglich darum, zu schauen, was Ihnen guttut und was weniger.

Meine Freunde von früher (die „Party“-WG) mag ich heute immer noch. Nur verbringe ich einfach weniger Zeit im Alltag mit ihnen als früher.

2. Schreiben Sie auf, was Sie gerne lernen würden

Setzen Sie sich hin und schreiben Sie eine Liste mit Dingen, die Sie vielleicht interessieren könnten. Genauso mit Themen, über die Sie mehr erfahren möchten. Oder auch mit Charakterzügen, die Sie gerne hätten.

Also schreiben Sie alles auf, wovon Sie gerne mehr in Ihrem Leben hätten.

Vielleicht interessiert Sie ein fernes Land oder Sie würden gerne mehr über bestimmte Literatur erfahren. Oder Sie möchten wissen, wie man ein Restaurant eröffnet. Oder Sie würden gerne über Philosophen diskutieren oder kochen lernen.

Egal, was es ist, schreiben Sie einfach eine Liste, in der Sie alles sammeln, was Ihnen einfällt.

3. Suchen Sie sich Vorbilder

Da Sie nun wissen, in welche Richtung Ihr Interesse geht, kommt es in Schritt drei und vier darauf an, Menschen zu finden, die diese Interessen bereits leben.

Kurz bevor ich mich als Trainer selbständig gemacht habe, habe ich beispielsweise einen anderen Trainer angerufen, der schon länger in diesem Beruf tätig ist. Ich habe mich einfach auf einen Kaffee mit ihm getroffen und mit ihm über die Branche gesprochen. Ich konnte dadurch viele Informationen sammeln. Und wir haben heute immer noch Kontakt.

Ich habe in dieser Zeit auch einen anderen Trainer kontaktiert, der mich abgewiesen hat. Er meinte, er habe keine Lust, sich mit mir zu treffen.

Das kann natürlich passieren und ist auch vollkommen o. k.

Diesen Trainer habe ich dann aber ein halbes Jahr später auf einer Veranstaltung getroffen und hatte gleich einen Gesprächsaufhänger.

Also, machen Sie sich eine Liste mit Menschen, die für Sie interessant sein könnten. Wer könnte das sein?

Vielleicht ist es jemand, der schon genau das erreicht hat, was Sie gerne erreichen würden. Jemand, der ein Unternehmen aufgebaut hat. Oder einen Beruf ausübt, der für Sie interessant ist.

Vielleicht kann jemand in Ihrem Bekanntenkreis gut kochen oder liest viele Bücher.

Schreiben Sie also hinter jedes Interessensgebiet aus Schritt zwei eine Person, die Ihnen dazu einfällt. Wenn Ihnen niemand einfällt, ist das auch in Ordnung. Dazu gibt es dann den nächsten Schritt.

Und dann können Sie eine der Personen kontaktieren und sie zum Kaffee einladen. Wenn Ihnen das unangenehm ist, können Sie auch einfach den vierten Schritt machen.

4. Suchen Sie Orte, wo sich Menschen aufhalten, die Sie interessant finden könnten

Wenn Ihnen im dritten Schritt niemand Konkretes eingefallen ist oder Sie die Person nicht kontaktieren möchten, dann suchen Sie einfach weiter. Stellen Sie sich selbst die Frage:

„Wo könnten Menschen sein, die dieselben Interessen haben wie ich?“

Vielleicht finden Sie diese in einem speziellen Sportkurs oder einem anderen Angebot. Ein Kochkurs, ein Buchclub oder ein Angebot bei der Volkshochschule. Oder Sie schauen im Internet nach Menschen, die schon erreicht haben, was Sie gerne erreichen würden.

Probieren Sie einfach eine neue Sache aus. Und dann müssen Sie ja nicht gleich mit allen Teilnehmern ins Gespräch kommen. Schon die Tatsache, dass Sie Zeit mit diesen Menschen innerhalb des Kurses verbringen, führt Sie in die gewünschte Richtung.

Zwischen meinem Auszug aus der „Party-WG“ und dem Einzug in die „gesunde“ WG, in der ich jetzt lebe, sind vier Jahre vergangen. Es muss nicht immer alles gleich jetzt geschehen. Es geht vielmehr darum, nach und nach neue Menschen kennenzulernen und neue Sachen auszuprobieren, die Sie interessieren könnten.

Fangen Sie einfach an und mit der Zeit kommen immer mehr Menschen in Ihr Umfeld, die Sie inspirieren und Sie bei Ihrer Entwicklung unterstützen.

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Über Stephan Wießler

Stephan Wießler hat früher etwas studiert, was ihm keinen Spaß gemacht hat. Danach hat er einen Beruf aufgenommen, der ihn noch weniger inspirierte.
Irgendwann hat er dann entschieden, das aus seinem Leben zu machen, was ihm wirklich am Herzen liegt. So hat er sich als Trainer, Coach und Blogger selbständig gemacht.
Da er früher überhaupt kein Selbstvertrauen hatte und dies über die Jahre mit viel Arbeit und vielen neuen Erfahrungen aufgebaut hat, besteht darin seine Expertise. Diese Erfahrungen gibt er heute in seinen Coachings, seinen Seminaren und auf seinem Blog www.stephanwiessler.de weiter.

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Kommentare

  • Hallo Stephan,

    sehr guter Artikel. Früher habe ich auch ebenfalls sehr viel Zeit auf Parties und am Glas verbracht. Heute weiß ich, dass mich mein Umfeld dazu gemacht hat. Ich bin froh damals ausgebrochen zu sein. Ich kann jedem nur empfehlen einmal bewusst über seinen Freundeskreis nachzudenken und nur noch Zeit mit Leuten zu verbringen, die einem helfen und nach vorne bringen. Anfangs wird es vielleicht schwer, weil es eine Veränderung darstellt. Weiß ich aber, was ich vom Leben wirklich will, zieh ich meist automatisch die richtigen Leute in mein Leben.

    Gruß Till

  • Die Menschen mit denen zu dich umgibt gilt oft diese Regel:
    – Entwerder Sie ziehen dich runter (schlechtes Umfeld da sie dich von deinem Erfolg abbringen)
    – Oder wenn sie sehen dass du Erfolgreich bist, ziehen sie nacht!

    Gute Freunde erkennt man daran, wenn Sie dir Tipps geben dich Stärken dir helfen wenns geht und NICHT wenn du nur einer von ihnen bist wenn du an der Kippe ziehst…

    Änder Dein Umfeld oder Änder Dein Umfeld!*

    Vielen Dank für den tollen Beitrag! :)
    Hier werden wirklich nur Themen aufgegriffen welche wirklich bedeutsam sind und im Leben eine Rolle spielen!!

    (Erklärung: Entweder du versuchst dein Umfeld (vom Charakter) zu ändern also im positiven sinne oder du änders dein Umfeld also suchst ein neues. :)

  • Karen Seelmann-Eggebert schreibt am 20. Juli 2014 Antworten

    Hallo Herr Wießler,

    danke für diesen inspirierenden Artikel. Mir fällt dazu das Zitat von m.E. Napoleon Hill ein: “Du bist immer der Durchschnitt der 5 Personen, mit denen Du die meiste Zeit verbringst.”
    Ob er allerdings der Urheber ist, kann ich nicht sagen, denn inzwischen kursiert dieses Zitat ja schon vielfach. Doch das nimmt ihm nicht an Wirkung, wie ich finde.

    Immer mal wieder setze ich mich hin und schaue mir an, wer bei mir denn diese 5 sind. Ein spannendes Erleben.

    Auch die Vorbilder suche ich mir gerne. Gut, mit dem Aufschreiben, das passiert bei mir über das “Journaling”, also nicht mit eigener Liste, sondern in dem, was ich mir täglich aufschreibe. So kann ich es dann auch gut analysieren und rückverfolgen.

    Danke auch für den Impuls, einfach mal jemanden auf einen Kaffee einzuladen, den wir inspirierend finden. Das möchte ich auch wieder aktiver in mein Leben integrieren.

    Gerne lade ich Sie also in meine Coachingpraxis Haus Maktub in der Eifel ein :-)

    Weiter so und viel Spaß mit der “Arbeit” :-)

    “Das Leben darf leicht sein!” – sage ich.

    Herzliche Eifelgrüße,

    Karen Seelmann-Eggebert

    • Stephan Wießler
      Stephan Wiessler schreibt am 11. August 2014

      Hallo Frau Seelmann-Eggebert,

      vielen Dank für die Einladung. Wer weiß, wann ich es mal in die Eifel schaffe.

      Und schön, dass mein Text Sie ein wenig inspirieren konnte.

      Beste Grüße,

      Stephan Wießler

  • Ich kenne eine andere asiatische Weisheit, die aber in die gleiche Rich-tung geht: Such’ Dir Deine Freunde, EHE Du sie brauchst!

    So lange es (vielen von uns) gut geht, verschwendet man auf Unglück jeglicher Art keine Gedanken. Umso tiefer ist das schwarze Loch, in das man dann fällt.

    Manche Leute sind DANN zu stolz, um Hilfe zu bitten/ solche anzuneh-men. Dabei sind wir soziale Wesen, die auf unser Umfeld dringend an-gewiesen sind.

    Es kann zudem nicht schaden, in regelmäßigen Abständen seinen Freundeskreis “auszumisten” nach dem Aspekt: Tut mir die Gegenwart von Person x oder y wirklich mir (meiner Seele) gut oder “bremst” sie mich in DEN Dingen, die mir PERSÖNLICH immens wichtig sind?

    Im zweiten Fall gilt es (so überdeutlichen) Klartext zu reden, dass es selbst die begriffsstutzigste Person versteht!

    Was ich gerne leben würde, reflektiere ich – oftmals – in meinen Ge-schichten, die ich seit meinem achten Lebensjahr schreibe.

    Allerdings habe ich noch nie etwas eingereicht. Zum einem ist das da-rin begründet, dass ich mich eine Zeitlang immer dahinter vor dem Mobbing meiner Klassenkameraden “verschanzt” habe. Sie waren mein “Schutz” und sind es mitunter auch heute noch.

    Zum anderen rechne ich mir gegenüber der studierten Konkurrenz kaum Chancen aus.

    Noch schwerer wiegt aber jedoch, die Angst vor eventuellen Absagen oder davor, unter den Publizisten an sog. “schwarze” Schafe zu geraten.

    Da hätte ich gerne manche meiner Figuren in “Echt” an meiner Seite.

    So bräuchte ich – beispielsweise – jemand wie Rebecca Miller-Johnson, die dem literarischen Ruhm ihrer Kindheitsfreundin Joycelyn auf die Sprünge hilft.

    Denn Joycelyn hat zunächst von ihren eigenen Werken keine hohe Meinung und hält diese vehement unter Verschluss. Rebecca überli-stet sie, in dem sie sich eins ihrer Werke mit dem Vorwand, etwas von ihr lesen zu wollen, entleiht.

    Doch Rebecca belässt es nicht beim Lesen, sondern reicht es unter ih-rem (Joycelyn’s) Namen ein und verhilft ihrer Freundin über Nacht zu li-terarischen Ruhm.

    Momentan schreibe ich an den “Weltenspringern”.

    Diese beginnen damit, dass eine junge Frau von einem – sagen wir mal – unangenehmen Typen verfolgt wird. Plötzlich findet sie eine omi-nöse Türklinke – eine wie man sie in allen Häusern vorfindet.

    Als sie ihren Verfolger nahen sieht, entsinnt sie sich ihres Fundstücks, bringt diese an einem Alleebaum an, drückt die Klinke hinunter – Se-sam, öffne Dich! Sie nimmt die Klinke ab und wirft die Tür, die unmög-lich in “echt” existieren kann, zu. Ihr Verfolger sieht nur diese besagte Tür sich schließen und umrundet fassungslos den besagten Baum.

    Irgendwann bemerkt er neben sich einen Mitarbeiter vom Bezirklichen Ordnungsdienst, der ihn ganz beiläufig fragt, ob und wie er ihm hel-fen könne.

    Immer noch unter der fassungslosen Perplexität stehend erklärt der Gefragte, dass in jenem Baum eine Frau verschwunden sei. Dieser glaubt ihm nicht und nimmt an, dass er zu viel gebechert haben könn-te.

    Er hält einen Streifenwagen an. Die Beamten nehmen ihn auf ‘s Revier mit. Dort erhält er das “Rundum-sorglos-Paket” (Pusten, Urinprobe, Drogen-Schnelltest…). Als alles unauffällig ist und er auch die Einnah-me von bewusstseinserweiternden Substanzen, die sich per Test nicht nachweisen lassen, vehement verneint, kommt man zum Schluss, dass er nicht ganz dicht sein kann und verbringt ihn in die Psychiatrie.

    Vorausging die Inspiration durch eine Autowerbung, in welcher ein Typ eine Klinke hatte, die er überall anbringen und wo durchgehen konnte.

    Ich habe mir die Frage gestellt: Was wäre, wenn es die Klinke in “echt” gäbe?

    Man stelle sich vor, man müsse über eine bestimmte Zeitepoche ein Referat (Schule/ Uni) schreiben, suchte sich ein Gemälde, aus jener Zeit – Tür auf, Tür zu – und schon ist man in der Zeit, z. B. in der Bis-marck bei uns regierte, könnte alles live mitverfolgen – wie ein Film, oh-ne dass man jedoch (aktiv) eingreifen könnte.

    Das wäre besser als jede Literatur dieses Themas!

    Es gibt viele Leute, die ich – u. a. – anderen Verzweifelten als Vorbild nenne. Bestes Beispiel: Florian Sitzmann, ein Rollifahrer, der durch ei-nen schweren Verkehrsunfall bedingt beide Beine verloren hat.

    Er war unter anderem – damals noch unter Günter Jauch – in „Sterntv“ zu Gast. Zu jener Zeit war er frisch gebackener Vater. Als er erzählte, dass er die Kleine (Tochter) windelte, konnte sich das mancher nicht vorstellen. Denn viele hatten spontan eine handelsübliche Wickelkom-mode vor ‘m geistigen Auge.

    Er entgegnete – bemerkenswerterweise – daraufhin, dass er sie auf dem Fußboden wickelte. Weiter als zum Fußboden könne sie nicht fal-len!

    Ich tanze aktiv – seit mehr als zehn Jahren, bald sogar zwei Jahrzehnte – American Square Dance – Mainstream, Plus und Line Dance (in mei-nem Fitness Center). Da treffe ich immer Gleichgesinnte.

    Im American Square Dance heisst es nicht umsonst: Freundschaft ist die größte Belohnung. Mitunter spart man dann Übernachtungskos-ten (wenn man bei einem Mittänzer Unterschlupf findet).

    Der American Square Dance ist generationsübergreifend. Das früheste Einstiegs-Alter liegt bei acht Jahren und bei entsprechender (physi-scher) Fitness kann man es bis ins hohe Alter betreiben. Die älteste Mittänzerin in meinem Square war Mitte 80!

    Man lernt – im Gegensatz zum Standardtanz – keine Tänze, sondern nur Figuren auswendig. Diese Figuren sind standardisiert. Man kann also in einem Club graduieren und auf dem gesamten Globus mittan-zen!

    Zudem geht der American Square Dance durch alle Gesellschafts-schichten. Egal, ob Schüler, Student, Hartz IV-Empfänger, “einfache” Ar-beitnehmer oder Führungskräfte (ganz bewusst so pauschal gehalten) – alle sind gleich!

    Noch ein großer Vorteil des American Square Dance gegenüber dem Standardtanz: Man ist nicht unweigerlich auf einen Partner angewie-sen, sondern man findet diesen direkt beim Tanzabend!

    Wer so gar nicht fündig wird, sucht sich Gleichgesinnte, um eine eige-ne Interessengemeinschaft (“Gruppe”) zu gründen.

    Ich war in Bremen in der Lehre. Da unser Internat etwas weit ab vom Schuss lag, boten die Sozialpädagogen verschiedene Freizeitangebote an. Nur ich vermisste eine Schreibgruppe (“Zeitung” o. ä.).

    Da lag für mich nichts näher, diese Schreibgruppe (“Tintenklexe”) ge-meinsam mit Freundinnen ins Leben zu rufen.

    Später hieß es, dass ich a dato die erste, einzige und letzte Azubi war, die eine eigene Gruppe angeboten hat.

    Natürlich freut es mich, wenn ich anderen (weiter-)helfen kann (konn-te). Ein Kumpel von mir war vor gut zwanzig Jahren an Krebs erkrankt – dabei war er 0,75 Jahr älter als meine Schwester. Ich konnte ihn moti-vieren, sich nicht einfach seinem Schicksal zu „ergeben“.

    Eine Freundin von mir wollte mit ihrem damaligen Freund via erweiter-ten Suizid aus dem Leben scheiden. Meine Mahnung, wie sie nur könn-te, quittierte sie nur lapidar: Sie habe es auch gewollt.

    Ich ermahnte sie, dass es andere Möglichkeiten für sie gäbe – Leute, die sie lieben und schätzen und an welche sie sich in ihrer Notsituati-on hinwenden sollte.

    Zudem riet ich ihr, mal im Internet den Namen Sven Senkbeil zu su-chen.

    Er war auf den Tag genau elf Jahre jünger als ich und hatte dieselbe Er-krankung. Einziger Unterschied: Während bei mir „nur“ die Mitralklap-pe geschrumpft ist, welche operativ gegen einen Kunstersatz aus Titan ausgetauscht werden konnte, war Sven zeitlebens ein Schwerstpflege-fall mit einem Lebensstandard von 0! Sven ist auch „nur“ 18 Jahre alt geworden.

    Sie war ganz erschrocken, als sie das gelesen hat.

    Glücklicherweise hat sie den Voll-Pfosten „abgeschossen“ – er ist zwi-schenzeitlich in seine saarländische Heimat zurück.

    Aber es beweist, dass es oftmals einen „Stüber“ auf eine fast ähnliche Situation bedarf, um dem Lebensweg seiner Mitmenschen eine völlig neue Richtung zu geben.

    Ein solcher Fall wird in einem in der Lesereihe „Erfahrungen“ erschie-nenen Buch behandelt, welche im Bastei Lübbe Verlag erschienen ist.

    Inhaltlich geht es um eine junge Frau, die infolge schweren sexuellen Missbrauchs in der Kindheit magersüchtig wird – zumal ihr immer die Hauptschuld am ihr widerfahrenen Unrecht „eingebläut“ wird.

    Dementsprechend gering ist ihr Selbstbewusstsein anderen gegenü-ber.

    Eines Tages stößt sie in einer Zeitschrift auf einen Artikel. In diesem geht es um eine junge Frau, die dasselbe Schicksal erlitten hatte und den Folgen der Magersucht erlegen war.

    Da macht es bei ihr plötzlich „Klick!“ und sie sagt sich: Moment mal: Ei-gentlich bin ich ja das Opfer! Momentan schade ich mehr mir selbst als den anderen!

    Folge: Daraufhin begibt sie sich in Therapie und bringt (als „geheilt“ entlassen) ihre Peiniger vor Gericht, wovor diese empfindliche juri-stische Folgen erleiden.

    Heute unterstützt sie andere junge Frauen mit dem gleichen Schicksal.

    Ganz nebenbei suche ich aus derselben Lesereihe (Erfahrungen) ein ganz bestimmtes Buch. Leider sind mir der Titel und der Name der Au-torin entfallen – mir war, als sei der fragliche Titel „Gelebte Erinne-rung“ gewesen.

    Inhaltlich geht es um Wiedergeburt.

    Eine Frau stellt fest, dass sie schon einmal in einer bestimmten Ge-gend gelebt hat. Besonders kurios ist dabei nicht nur, dass sie Gegen-den/ Häuser/ Räumlichkeiten, die sie faktisch gar nicht kennen kann, haargenau skizzieren kann. Der Clou ist dabei, dass sie sogar ihre (er-ste) Familie, die sie durch ihren Tod verlassen hatte, tatsächlich wieder-findet!

    Vielleicht kennt ja ein ZZL-Abonnent das besagte Buch und kann mir den genauen Titel/ die Autorin nennen. Wenn er/ sie es loswerden will, kaufe ich es ihm/ ihr auch gerne ab!

  • Dies ist ein mich wirklich inspirierender Artikel. Er macht Lust auf mehr, z.B. auf einen Smoothie. Was aber um alles in der Welt IST DAS? Da ich nun viele Jahre smoothielose Kost genossen habe, bin ich jetzt wirklich in Sorge um mein weiteres Wohlergehen ;-). Vielleicht wird dies ja bald mein Ernährungsmodell, aber dazu sollte ich ihn erst mal kennen gelernt haben, diesen Smoothie.

  • Interessanter Artikel, der mich angesprochen hat.
    Ein komisches Gefühl beschleicht mich aber beim Lesen, da mir die Tipps zu sehr nach “Freunde als Mittel zum Zweck” rüber kommen.

    • Stephan Wießler
      Stephan Wiessler schreibt am 15. Juli 2014

      Ja Burine da gebe ich Ihnen recht. Das kann man schon soi interpretieren. Gemeint ist es aber anders.

      Natürlich soll man die Menschen auch sympathisch finden und dann kann sich eine Freundschaft entwickeln.

  • Guter Artikel. Jetzt weiss ich, weshalb meine Freunde mich als Freund haben ;-)

  • Sehr interessanter Beitrag, das Lernen am Modell leuchtet mir absolut ein! Nur:was wäre, wenn sich der wiefe Arbeitslose im Kreise seiner “Arbeitslosenkollegen” wesentlich wohler fühlt, als unter erfolgreichen Freiberuflern, deren Werte (lies:Porsche fahren, Urlaub im Burji el Arab etc.) u.soziokulturelles Niveau er vielleicht gar nicht teilt u. auch nicht teilen will?Wie soll ich mich denn mit Menschen anfreunden, von denen ich …nur ein paar Aspekte bewundere, mir im Grunde also nur ein paar Eigenschaften abschauen möchte? Oder liegt das Problem genau hier: man muss das ganze Paket nehmen, denn nur so hat man Erfolg?

    • Stephan Wießler
      Stephan Wiessler schreibt am 13. Juli 2014

      Hallo Franca,

      das sind natürlich Extreme, die Du da heranziehst. Ich glaube, da sollte jeder ehrlich zu sich selbst sein und sich mit den Menschen umgeben, die er/sie auch wirklich interessant findet.

      Klar, Feundschaften entwickeln sich mit der Zeit und es geht nicht darum, knallhart zu kalkulieren, mit wem man jetzt eine Feundschaft haben möchte.

      Es geht einfach darum, seine Augen und Ohren offen zu halten und neue Möglichkeiten in Betracht zu ziehen.

  • Heute gibt es bei ZZL gleich ein weiteres ‘Stück Kuchen’ für mich. Nach dem ‘Wendepunkte-Video’ nun dieser gelungene Beitrag. Ich frage mich zur Zeit gerade wieder einmal: WER / WIE wäre ich eigentlich wirklich, wenn nicht diese und jene Personen auf auf meinem Lebensblättchen herum geschrieben, gekritzelt, ja: auch geschmiert hätten ? Für vergangene Begegnungen kann ich für mich heute sagen, dass da immer so ein innerer Wohlfühl-Generator anging oder eben nicht. Nur eine ‘Betriebsanleitung’ gab es dazu nicht. Die hat sich durch nicht immer erfreuliche Erfahrungen erst so nach und nach selbst aufgebaut – mit dem Herzen als ‘Dolmetscher’. Seitdem habe ich weniger damit zu tun, unwillkommene ‘Seelen-Tattoos’ zu bereinigen. Oder darüber nachzudenken, wo ich selbst so ein ‘Schmierfink’ bei anderen war. Ich bin jetzt für mich selbst eine viel bessere, aufrichtigere Freundin geworden, auf die ich gerne mal ‘höre’, aber wie es sich anfühlt, ein wirkliches ‘Original’ zu sein, weiß ich bis heute nicht…

    Allen ein schönen Sonntag,
    Regina

  • Einfach ein Klasse Beitrag. Bin jetzt im Moment dabei wichtige Entscheidungen zu treffen. Meine seit fast 30 Jahren beste Freundin ist weggezogen, Meine 2. Ausbildung hab ich jetzt beendet. was nun ? Wir verlieren oft wichtige Dinge aus den Augen ! Deine Aussagen haben mir sehr geholfen. Danke.

  • interessanter Artikel. Ich frage mich aber ob mich Freune immer inspirieren MUESSEN? oder ob Freunde einfach da sind weil sie mich verstehen (ich will damit nicht sagen, weil sie mir immer recht geben) sondern eine gesunde Auseinandersetzung nicht scheuen, mir Kontra bieten…ob sie dann rauchen ist mir eigentlich egal. In der Wohnung natürlich nicht.
    liebe Grüsse

    • Stephan Wießler
      Stephan Wiessler schreibt am 13. Juli 2014

      Hallo Adriana,

      es ist einfach so, dass wir uns Verhaltensweisen unseres Umfelds aneignen. Oft genug, ohne dass wir das wollen.

      Aber klar, man fängt nicht einfach so zu Rauchen an, wenn der beste Freund/die beste Freundin raucht. Aber der Zugang dazu ist natürlich einfacher.

  • Alles was im Artikel steht kann ich nur unterschreiben. Werde jetzt öfter mal in Ihrem Blog vorbeischauen.

    • Stephan Wießler
      Stephan Wiessler schreibt am 13. Juli 2014

      Sehr gerne :-)

  • Der Artikel ist hervorragend.

    • Stephan Wießler
      Stephan Wiessler schreibt am 13. Juli 2014

      Vielen Dank, Rosemarie.

  • Sehr guter artikel stephan :-) vielseitig und gut umsetzbar! Ich freu mich auf gesunde smoothie :-D

    • Stephan Wießler
      Stephan Wiessler schreibt am 11. Juli 2014

      Danke, Sven.

      Hast wohl noch etwas auf meiner Seite gestöbert? :-)

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