Welcher Konfliktlösungstyp bin ich?

Konflikte sind normal und gehören zum Leben. Niemand kommt dauerhaft an ihnen vorbei. Die meisten mögen sie nicht, denn sie treten ungebeten in unser Leben und stören maßgeblich unseren inneren Frieden und die Harmonie in unserem Umfeld. Das hat bedeutende Auswirkungen auf die eigene Lebensqualität. Wir regen uns auf, empfinden ungute Gefühle wie Ärger, Wut oder sogar Hass, hadern, streiten oder ziehen uns beleidigt zurück. Je nach Schwere hat ein Konflikt das Potenzial, uns enorm zu belasten, uns unglücklich oder sogar krank zu machen.

Es lohnt sich, in unsere Konfliktfähigkeit zu investieren. Jede noch so kleine Facette, die wir verbessern können, kann uns enorme Erleichterung bringen.

Der erste Schritt, um an seiner Konfliktfähigkeit zu arbeiten, ist, erst einmal herauszufinden, welcher Konfliktlösungstyp man selbst ist. Denn je nach Persönlichkeit, Erziehung und Erfahrung haben wir bisher ein eigenes Muster entwickelt, wie wir Konflikte lösen. Schauen Sie mal, wie Sie in folgenden Situationen reagieren. Entscheiden Sie sich bitte jeweils für nur eine Variante, die am ehesten auf Sie zutrifft.

Test: Welcher Konfliktlösungstyp bin ich?

1. Was würden Ihre Freunde am ehesten über Sie sagen?

  • Ich kämpfe für Fairness. (d)
  • Ich lasse mich leicht von anderen zu etwas überreden. (b)
  • Ich mache mich stark für meine Position. (a)
  • Ich bin ein Freund des Kompromisses. (c)

2. Zuhause …

  • … habe ich die Hosen an. (a)
  • … brauche ich Harmonie und gehe Streit aus dem Weg. (b)
  • … gibt bei Unstimmigkeiten jeder ein bisschen nach. (c)
  • … diskutiere ich Themen so lange, bis wir eine Lösung haben, die für alle passt. (d)

3. In der Firma …

  • … handle ich nach dem Prinzip: Leben und leben lassen. (c)
  • … habe ich kein Problem, mich den Gegebenheiten anzupassen. (b)
  • … setze ich mich beherzt für gute Lösungen im Team ein. (d)
  • … gelingt es mir meist, meine Vorstellungen zu realisieren. (a)

4. Was liegt Ihnen am meisten am Herzen?

  • Ich will eine Win-win-Situation schaffen. (d)
  • Ich möchte meine Interessen durchsetzen. (a)
  • Ich will eine schnelle, faire Lösung. (c)
  • Ich will keinen Streit. (b)

5. Meinungen haben/sagen: 

  • Ich habe zu allem eine klare Meinung und äußere sie. (a)
  • Ich vertrete meine Meinung, interessiere mich aber auch für andere Meinungen und höre aufmerksam zu. (d)
  • Ich suche bei unterschiedlichen Meinungen die goldene Mitte. (c)
  • Ich behalte meine Meinung eher für mich. (b)

6. Im Streit …

  • … fühle ich mich anderen oft unterlegen. (b)
  • … fühle ich mich mit anderen gleichwertig. (c)
  • … fühle ich mich anderen oft überlegen. (a)
  • … schätze ich mich und den anderen trotzdem sehr. (d)

7. Eine Kollegin und Sie möchten in den Pfingstferien in Urlaub gehen. Es kann aber nur eine freinehmen. 

  • Ich kämpfe beharrlich um meinen Urlaub, bis sie zurückzieht. (a)
  • Ich gebe eher nach und lasse sie in Urlaub gehen. (b)
  • Ich bemühe ich mich beharrlich um eine einvernehmliche Lösung. (d)
  • Ich schlage vor, dass jede eine Woche frei bekommt. (c)

8. Sie befinden sich in einer kontroversen Diskussion mit Kollegen. 

  • Ich hasse solche Auseinandersetzungen und halte mich zurück. (b)
  • Ich rücke im Sinne einer Lösung ein Stück von meiner Meinung ab. (c)
  • Mein Ziel ist es, die anderen von meiner Meinung zu überzeugen. (a)
  • Ich bemühe mich darum, die verschiedenen Meinungen zu verstehen. (d)

9. Sie erfahren, dass sich ein Kollege hinter Ihrem Rücken beim Chef beschwert hat. 

  • Ich bitte ihn, mir eine Chance zu geben, wenn er sich über mich ärgert. (c)
  • Ich ärgere mich über ihn, lasse es aber so stehen. (b)
  • Ich fordere ihn auf, seine Kritik in Zukunft direkt mit mir zu besprechen. (a)
  • Ich zeige ihm meinen Ärger, versuche seine Beweggründe zu verstehen und suche mit ihm eine gute Lösung für die Zukunft. (d)

10. Sie möchten mit ein paar Freunden ins Kino gehen. Es stellt sich heraus, dass es ganz verschiedene Filmvorlieben gibt. 

  • Wir werden vermutlich in meinen Film gehen. (a)
  • Ich bin flexibel, ich gehe auch in einen anderen Film. (b)
  • Da müssen wir mal sehen, wie wir das miteinander in Einklang bekommen. (d)
  • Da muss jeder bereit sein, Abstriche zu machen. (c)

11. Sie ziehen mit Ihren Teamkollegen in ein Großraumbüro. Es gibt zwei allseits begehrte Sitzplätze.

  • Ich engagiere mich für einen fairen Verteilungsprozess. (d)
  • Es können nur zwei gewinnen – mal sehen … (c)
  • Einer davon ist meiner. (a)
  • Um so etwas streite ich mich nicht. (b)

12. Bei gemeinsamen Aktionen mit Freunden …

  • … lasse ich mich gerne von den Ideen der anderen inspirieren. (b)
  • … sollte für jeden was Schönes dabei sein. (d)
  • … bin ich eher ein Leithammel. (a)
  • … bin ich unkompliziert. Hauptsache, wir machen was gemeinsam. (c)

 

Die Testauswertung hier herunterladen

Welcher Stil ist der beste? 

Bestimmt haben Sie sich beim Ausfüllen immer wieder schwergetan, Ihre Bewertung abzugeben, denn es kommt ja immer darauf an. Mancher handelt im Arbeitsumfeld anders als in seinem Privatbereich. Es macht einen Unterschied, …

… wie wichtig uns ein Thema ist

… wie wichtig uns der andere ist

… wie unsere Tagesform ist

und vieles mehr. Trotzdem haben wir Vorlieben, wie wir grundsätzlich mit unseren eigenen Zielen, Wünschen und Bedürfnissen und denen der anderen umgehen. Immer dann, wenn unterschiedliche Belange aufeinandertreffen, nicht gleichzeitig miteinander vereinbar sind, eine gegenseitige Abhängigkeit besteht und ein Handlungs- bzw. Entscheidungsdruck vorliegt, gehen wir in unserer Weise damit um.

Es gibt keinen allgemein richtigen Lösungsstil. Der Alltag stellt uns vor die unterschiedlichsten Herausforderungen, da hat jeder Stil zur rechten Zeit seine Bedeutung. Umgekehrt kann auch jede dieser Vorgehensweisen einer Situation unangemessen sein. Wann macht es also Sinn, sich durchzusetzen, eine Auseinandersetzung zu vermeiden, sich anzupassen, einen Kompromiss einzugehen oder einen Konsens zu suchen? Und wann macht es gerade keinen Sinn? Hier ein paar Hinweise dazu:

Durchsetzung ist angemessen, wenn …

  • uns etwas ausgesprochen wichtig ist
  • es um unsere Gesundheit geht
  • uns unangemessener Schaden entsteht

Durchsetzung ist nicht angemessen, wenn …

  • wir damit anderen unangemessen schaden
  • es auch eine Win-win-Lösung gäbe
  • uns ein Thema nicht wirklich wichtig ist

Anpassen ist angemessen, wenn …

  • uns ein Thema nicht wirklich wichtig ist
  • das Thema für den anderen extrem wichtig ist
  • viele Leute unter einen Hut gebracht werden müssen

Anpassen ist nicht angemessen, wenn …

  • uns etwas ausgesprochen wichtig ist
  • es um viel geht
  • wir uns immer anpassen

Kompromiss finden ist angemessen, wenn …

  • es schnell gehen muss
  • es keine „gute“ Lösung gibt
  • jeder sein Gesicht wahren soll

Kompromiss finden ist nicht angemessen, wenn …

  • es um wichtige Beziehungsthemen geht
  • mehr drin wäre
  • am Ende keiner zufrieden ist

Kooperation ist angemessen, wenn …

  • es um wichtige Beziehungsthemen geht
  • es um viel geht
  • wir eine dauerhafte gute Beziehung zum anderen wünschen

Kooperation ist nicht angemessen, wenn …

  • es schnell gehen muss
  • das Thema unwichtig ist
  • der andere unwichtig ist

Im Konflikt treffen unterschiedliche Ziele, Wünsche und Bedürfnisse aufeinander, die nicht gleichzeitig miteinander vereinbar sind. Mit Ihrem Konfliktlösungstypus haben Sie erkannt, ob Sie eher dazu neigen …

  • Ihre eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen
  • die Bedürfnisse eines anderen zu befriedigen
  • einen fairen oder schnellen Kompromiss zu finden
  • nach einer guten Lösung zu suchen, die alle Interessen vereinbart

Meine Empfehlung …

Festigen Sie nicht weiter das, was Sie bereits eh gut können, sondern experimentieren Sie mit einer neuen Qualität.

Als Durchsetzer können Sie sich in nächster Zeit darin üben, die Belange Ihres Konfliktpartners wahr- und ernst zu nehmen. Sie nehmen sich zunächst mehr Zeit, diese zu erkennen und zu verstehen. Bei der Lösungssuche machen Sie es sich zur sportlichen Aufgabe, dass diese mitberücksichtigt werden. Keine Sorge, Sie werden aufgrund Ihrer Persönlichkeit Ihre eigenen Belange nie ganz aus den Augen verlieren.

Andersherum konzentrieren Sie sich als Anpasser darauf, Ihre eigenen Belange in den Vordergrund zu stellen. Nehmen Sie sich die Zeit, sich darüber klar zu werden, und setzen Sie sich mutig und beherzt dafür ein. Auch hier keine Sorge, Sie werden aufgrund Ihrer Persönlichkeit dadurch nicht zum Egoisten mutieren.

Der Kompromissler kann bei wichtigen Themen bewusst mehr Zeit und Mühe investieren, um zunächst die jeweiligen Bedürfnisse klarer herauszuarbeiten und anschließend nach einer Lösung zu suchen, die nicht gleich auf der Hand liegt.

Der Kooperative kann sich passend zu den Situationen gezielt mal in Anpassung, mal in Durchsetzung und durchaus auch mal in Vermeidung üben.

Probieren Sie ungewohntes Verhalten aus und reflektieren Sie anschließend, was es gebracht hat. So erweitern Sie sukzessive Ihr Handlungsspektrum.

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Über Ursula Wawrzinek

Ursula Wawrzinek ist seit beinahe 20 Jahren als Beraterin, Trainerin und Coach für international aufgestellte Unternehmen tätig. Vor ein paar Jahren hat sie ihre Leidenschaft für´s Bücher schreiben entdeckt. In zwei Ratgebern, "Vom Umgang mit sturen Eseln und beleidigten Leberwürsten. Wie Sie Konflikte kreativ lösen" und "Was tun, wenn es brennt? Neue Strategien gegen Burnout", hat sie ihre praktischen Erfahrungen leicht lesbar aufbereitet. www.konfliktberaterin.de

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Kommentare

  • Man wieso sind so viele faul Stift und Zettel raus zu zücken. :D
    Klar wäre es sehr cool wenn man hier die Antworten Anklicken könnte…
    Wie @Christophe würde ich jedem Evernote empfehlen! Super App/Browseranwendung! :D
    Der Test lässt sich echt sehen, find ich cool. ^^

  • Hallo Ursula,
    kannst du mir verraten, wie der Test durchgeführt werden kann, da ich auf keinem der Fragen die Möglichkeit habe, etwas anzuklicken.

    Vielen Dank
    Silvia

    • Judith Wischhof
      Judith Wischhof schreibt am 18. Februar 2014

      Hallo Silvia,

      den Test kann man tatsächlich nur “analog” durchführen. Also einfach deine Antworten (den Buchstaben) auf einem Zettel notieren und dann zusammenzählen, wie oft du mit a), b), c), d) geantwortet hast ;-)

      Liebe Grüße
      Judith

  • “Kooperation ist nicht angemessen, wenn … der andere unwichtig ist”

    Das mögen viele Chefs so sehen. Passt aber überhaupt nicht in das postulierte Bild vom fairen Umgang miteinander und ist im Grunde diskriminierend.

  • Liebe Frau Wawrzinek,

    es ist eine schöne Zusammenstellung.
    Meine persönlichen Erfahrungen haben mir meist sehr schnell die Grenzen von schablonenhaftem Denken gezeigt. Fragebögen führen schnell auf eine falsche Spur, denn auch der Fragesteller kann sich von seinen inneren Schablonen nicht lösen.
    Meine Erfahrungen sind verschieden von den Ihren.
    Ich benötige immer Kooperation und Kompromisse. Störungen haben Vorrang. Nichtbeachtete werden alles tun um meinen persönlichen Konsens zu stören.
    Kooperation, Kompromisse, win-win haben immer Vorrang in der Konfliktlösung.

    Firmen stellen meist die Lösung in den Vordergrund, den Gewinn für das Unternehmen. Wichtiger ist dennoch die soziale Interaktion, das “Miteinander”

    Gruß
    Gerd

    • Silvia schreibt am 16. Februar 2014

      @ Gerd: Ich möchte Ihren Beitrag gerne unterstützen. Denn meiner Meinung nach ist es nicht nur in Firmen, sondern auch in der Familie wichtig, auf den Prozess zu achten: Wie gehen wir miteinander um? Wird jeder in seinen Bedürfnissen gesehen und geschätzt? Dann wird die Lösung zweitrangig. Kinder brauchen es nicht, dass Eltern ihnen immer ihren Willen lassen, sondern dass ihre Wünsche wahr- und ernstgenommen werden, auch wenn ihnen nicht in jedem Fall entsprochen werden kann oder wird.

    • Model schreibt am 16. Februar 2014

      Das kannst du so sehen und fühlst dich vermutlich auch gut damit, du ignorierst damit aber Fälle, in denen einer der Beteiligten schlicht daneben liegt. Dafür kann es verschiedene Ursachen geben, z.B. Wahrung von ungerechtfertigten Besitzständen, Egoismus, mangelndes Unrechtsbewusstsein. In den meisten Fällen aber schlicht und einfach: fehlendes Wissen, Unkenntnis, Irrtum.

      In diesen Fällen ist oft Durchsetzung angesagt (die in deiner Darstellung seltsamerweise nicht vorkommt).

      Der *Versuch* der Kooperation ist immer gut, das unterschreibe ich sofort. Win-win und vernünftige Kompromisse gibt es leider nicht immer, das wirst auch du schon gemerkt haben.

      Dass viele Menschen über alles Neue zunächst einmal meckern ist eine bekannte Erfahrung. Dass sie nach einiger Zeit sagen: war ja gar nicht schlimm, gut dass wir es so gemacht haben ebenso.

      Mit einem vorauseilenden miesen Kompromiss verdirbt man sich diese Variante.

  • hallo,

    ich lese immer begeistert die artikel, vermisse aber einen “drucken” button. bei blogs ist der üblich, einfach um artikel schnell ins pdf umwandeln zu können. ich aber auch andere machen das gerne und oft, um artikel mitzunehmen und unterwegs zu lesen.

    #1 meiner wishlist für zeitzuleben.de :o). die pdf umwandlung kann ja auch client seitig passieren, eine optimierte druckansicht wäre schon super!

    gruß thomas

    • Christophe schreibt am 16. Februar 2014

      Hallo Thomas,
      Ich möchte Ihnen Evernote empfehlen.
      Das erlaubt zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen : den Text abzuspeichern + auszudrucken.
      Mit freundlichen Grüßen,
      Christophe

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