Entscheidungshilfe: Wenn du dich nicht entscheiden kannst (oder willst!)

Ja, auf jeden Fall! Dieses Mal soll es so richtig schön in den Urlaub gehen. Vielleicht nach Zypern? Zypern klingt gut.

Das Ferienhaus ist gebucht – mit Stornierungsmöglichkeit bis 1 Woche vor Anreise. Jetzt noch schnell die Flug-Suchmaschine bemühen …

Flüge gibts zu Genüge. Die Zeiten sind okay. Die Preise auch. Aber wer weiß, vielleicht wird es ja noch etwas günstiger bis es losgeht. Lieber abwarten und nochmal beobachten, was passiert …

Die Generation „Vielleicht“

Was ich da gerade beschrieben habe – abwarten, abwägen, alle Optionen offenhalten – das alles ist keineswegs unüblich. Das habe ich bei meinem Zypern-Urlaub gemacht. Und das machen viele andere ebenso.

Fürs Wochenende gibts eine Einladung zum Spieleabend. Aber man könnte ja auch mal wieder eine richtig schöne Kneipentour machen, eine gute Freundin hat schon angefragt.

Wichtig ist: Nichts zusagen. Und nichts absagen. Lieber abwarten, welche Angebote noch so reinschneien und dann entscheiden, was das Beste ist.

Das Studium ist endlich fertig. Es kann losgehen, das Arbeitsleben. Aber wo? Einige Bewerbungsgespräche sind schon gelaufen und die Firma in Hannover hat zugesagt. Das ist toll. Aber eigentlich wäre ja die Stelle in Dortmund am besten. Oder München. Vielleicht lieber noch ein paar Tage abwarten. Vielleicht melden sie sich ja noch …

Und selbst bei der Partnersuche gibt es heute viel zu viele Möglichkeiten, als dass man sich einfach mal so für jemanden entscheiden bräuchte. Ja, das Date gestern war großartig und sie/er ist echt supersüß und total mein Typ. Aber wenn ich mich entscheide, müsste ich ja mein Tinder-Profil (für alle, die wie ich kein Smartphone haben: Das ist eine Dating-App) löschen. Aber was, wenn da noch eine bessere Option kommen würde?!

Das ist die Generation „Vielleicht“, wie sie in den Medien so gern genannt wird. Menschen, die zwischen Mitte Zwanzig und Mitte Dreißig sind. Aber auch Menschen anderer Altersgruppen kennen das, sich nicht entscheiden oder festlegen zu können (oder zu wollen!), und sich stattdessen lieber alle Optionen offen zu halten.

Ja, wir haben die Freiheit, spontan zu entscheiden. Und wir dürfen uns glücklich schätzen, dass wir alle Möglichkeiten der Welt haben. Oder nicht?!

5 Gründe gegen Entscheidungs-Aufschieberitis

Wie gesagt, ich gehöre selbst auch der Generation „Vielleicht“ an. Und ich genieße es ganz oft, viele Möglichkeiten zu haben. Und trotzdem machen die vielen Optionen, die Spontaneität und Unverbindlichkeit noch lange nicht glücklich. Ganz im Gegenteil. Oft habe ich den Eindruck, dass die vielen Optionen unserem Glück eher noch im Weg stehen.

Hier mal die Top-5-Gründe, weshalb Nicht-Entscheiden auch nicht glücklich macht:

Du kannst deine Probleme lösen.

Aus eigener Kraft. Ohne Coach und Therapeut. Wie das geht, lernst du im Selbstcoaching-Programm.

1. Es frisst Energie und Zeit, wenn wir uns nicht entscheiden

Dieser Grund ist vielleicht am einfachsten nachvollziehbar. Auch wenn du überzeugter Entscheidungs-Aufschieber bist, weißt du: Nicht-Entscheiden ist anstrengend.

Bei solchen Lappalien wie der Urlaubs- oder der Wochenendplanung ist das natürlich nicht so dramatisch. Das kostet uns vor allem Zeit, die wir mit dem Vergleichen und Abwägen verbringen. Je nachdem, wie lange wir unsere Entscheidung aufschieben und stattdessen lieber nochmal schauen, welche Alternativen es gibt oder welche die beste/günstigste Möglichkeit ist, frisst das aber auch Energie. Das kennt jeder, der wochenlang hin- und herschwankt und sich einfach nicht entscheiden kann.

Weitaus belastender ist das natürlich bei weitreichenden Entscheidungen wie der Frage, welchen Job wir machen möchten oder bei Beziehungsfragen. Denn je mehr wir zu verlieren haben, umso mehr geraten wir ins Grübeln. Und wer schon einmal vor einer schwierigen Entscheidung stand, der weiß: Grübeln ist schrecklich belastend, anstrengend, schlaf- und nervenraubend.

Natürlich, eine Entscheidung ist nicht immer einfach. Aber je länger wir daran herumgenagt haben, umso erleichterter sind wir meistens, wenn wir uns endlich mal für oder gegen etwas bewusst entscheiden können.

2. Wenn wir es selbst nicht entscheiden können oder wollen, entscheidet jemand oder etwas anderes es für uns

Klar, wenn wir uns nicht entscheiden können oder wollen, dann ist es manchmal hilfreich, wenn uns die Entscheidung abgenommen wird. Aber doch nur, wenn wir so oder so mit allen Optionen einverstanden wären.

Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung. Nämlich die Entscheidung, das Ruder aus der Hand zu geben.

Das Ende vom Lied: Wir sitzen enttäuscht zu Hause, weil die Freundin jetzt auch keine Zeit mehr für den netten Kneipenabend hat und die Spielerunde ist auch schon vollständig. Die Firma in Hannover hat keine Lust auf Mitarbeiter, die sich nicht mit vollem Herzen für ihren Job begeistern können und das tolle Date sucht sich auch lieber jemand anderen, der bereit ist, sich wirklich auf eine Beziehung einzulassen.

Und auch andere Faktoren, wie zum Beispiel die Zeit oder das Schicksal/der Zufall entscheiden für uns. Wer zu lange zögert, kriegt keine Konzerttickets mehr, verpasst die letzte Fahrmöglichkeit nach xy oder kann am Ende seiner jahrelangen Überlegungen aus biologischen Gründen keine Kinder mehr bekommen.

Ja, wenn man sich selbst alle Türen offenhalten möchte, dann macht sie im Zweifel auch jemand anderes zu.

3. Wir stecken ständig in der Schwebe 

Eine Entscheidung zu treffen heißt, mit aller Verbindlichkeit „Ja“ zu etwas zu sagen und die anderen Möglichkeiten loszulassen.

Wer aber Entscheidungen aufschiebt, andere, das Schicksal oder die aktuelle Laune entscheiden lässt, der wird immer im Zweifel bleiben. Denn er oder sie hat sich ja nicht selbst und bewusst für oder gegen etwas entschieden. Den quälen „Was wäre geworden, wenn …“-Gedanken ebenso wie die ständige Frage, ob es nicht noch bessere Optionen gäbe.

Denn wenn wir uns in Gedanken immer wieder mit dem beschäftigen, was gewesen wäre (oder vielleicht auch mit dem, was jetzt gerade besser sein könnte), dann können wir nur schwer das Gefühl aufbringen, irgendwann mal angekommen zu sein. Am richtigen Ort und mit dem richtigen Menschen zusammen zu sein.

4. Wir können nichts so richtig genießen

Dieser Grund hängt eng mit Grund 3 zusammen. Wenn wir uns nicht vollkommen für etwas entscheiden und andere Optionen loslassen, dann können wir auch nichts so richtig genießen. Dann sitzen wir beim gemütlichen Spieleabend und sind doch rastlos … Man könnte ja später noch mit der Freundin die mögliche Kneipentour machen.

Zu gerne schielen wir dann doch nochmal auf die Alternativen oder versuchen sogar, möglichst viel auf einmal zu bekommen.

Wer immer auf der Suche nach etwas Besserem ist, kann nicht das Gute genießen, das er vielleicht schon hat. Und das macht nicht glücklich, sondern unzufrieden und rastlos.

5. Mehr abwägen bringt noch lange nicht vollkommene Sicherheit

Ja klar, wir können vergleichen, wir können genau schauen, was das Günstigste/Schnellste/Beste ist. Wir können wöchentlich neue Pro- und Contra-Listen aufstellen und möglichst viele Risiken analysieren. Das kann uns ja tatsächlich auch ein kleines bisschen mehr Klarheit verschaffen. Aber die 100%ige Sicherheit werden wir nie erreichen. Dafür ist das Leben einfach zu unvorhersehbar. Und dass wir jemals alles Wissen und alle Einflussfaktoren für unsere Entscheidung zusammentragen könnten, ist entsprechend eine Illusion.

Es gibt nichts besseres als etwas Gutes

Ich war mal in einer wunderbar urigen Hütte in Bayern, die mir besonders durch ihr Motto in Erinnerung geblieben ist:

„Es gibt nix bessas ois wos guats!“
(zu hochdeutsch: „Es gibt nichts Besseres als etwas Gutes.“)

Ja, wahrscheinlich kann man sogar das ganze Leben damit zubringen, immer weiter nach den besten Optionen und Möglichkeiten zu suchen. Vielleicht ist es aber die beste Option, einfach mal mit dem Guten zufrieden zu sein. Und sich zu entscheiden. Tipps für gute Entscheidungen können dabei eine wirklich Hilfe sein.

Beim Spieleabend zuzusagen, weil es bestimmt ein guter Abend werden wird. Den guten Job annehmen und dankbar für die Chance sein. Den einen Menschen, der einem gefällt, näher kennenlernen. Und dafür auch die weitere Suche erstmal unterbrechen. Oder, um zu meiner Urlaubsplanung zurückzukehren: den guten Flug nach Zypern buchen. Dieser Urlaub ist nämlich letztendlich ausgefallen. Wir haben so lange gezögert, bis die Flüge eindeutig zu teuer wurden und wir schließlich auch das schöne Ferienhaus wieder stornieren mussten … Tja, sowas passiert, wenn man sich nicht entscheiden kann :-(

„Ja“ zu sagen zu den Möglichkeiten, die wir geschenkt bekommen und sich voll und ganz auf sie einzulassen. Vielleicht ist das eine Frage der Demut. Und vielleicht auch einfach nur eine richtig kluge Entscheidung.

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