Wie Sie ein bisschen Spannung ins Leben bringen können

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Es war ein ganz spezieller Moment, der eine tiefgründige Sehnsucht in mir gestillt hat.

Ich befand mich nachts und nahezu alleine an Deck einer Hafenfähre im Hamburger Hafen. Die Fähre steuerte elbabwärts durch die Dunkelheit und ich stand vorne am Bug, so dass mir der kalte Wind im Gesicht stand.

Außer mir hatten sich noch vier weitere hoffnungslose Romantiker und eine Fotografin ans windige Deck dieser Fähre verirrt. Die orangefarbene Beleuchtung des Hamburger Hafens tauchte die gesamte Szenerie wieder in dieses ganz besondere Licht, das jeder kennt, der zu später Stunde schon mal in Hamburg an der Elbe war.

Ein irgendwie spezieller Moment mit eindrucksvoller Umgebung und mit interessanten Menschen um mich herum. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.

Das war einer dieser Augenblicke, in denen man das Gefühl hat, das Leben so richtig zu genießen. Ein Moment, in dem ich für mich so gedacht habe: Ja, Leben, ich bin in dich verliebt.

Dabei hatte der Abend ganz anders angefangen …

Denn eigentlich hatte ich gar nichts Besonderes geplant. Dabei bin ich normalerweise eher der Typ, der nach Feierabend so gut wie immer etwas vorhat. Aber an diesem Abend war das irgendwie anders. Ich hatte so gar keine Lust, meinen üblichen Hobbys nachzugehen, sondern hatte das Gefühl, mal etwas anderes machen zu müssen.

Aber ich wusste nicht was. Mir war irgendwie langweilig und ich wusste nicht, was ich dagegen tun sollte. Gleichzeitig war ich aber irgendwie auch ziemlich rastlos.

Wenn Sie die Sehnsucht packt

Ich hatte es schon bemerkt, als ich von der Arbeit nach Hause kam. Eine starke innere Unruhe, bei der ich mir nicht erklären konnte, woher sie so plötzlich kam.

Sie war aber so stark, dass ich sie nicht einfach so ignorieren konnte.

Manchmal habe ich solche Momente, in denen mich ganz plötzlich die Sehnsucht nach etwas packt und ich aber gar nicht sagen kann, wonach. Dann werde ich rastlos und muss etwas tun, um diese Sehnsucht zu stillen.

Bei mir steckt meistens das Bedürfnis nach ein wenig „Adrenalin“ dahinter. Also nach allen Dingen, die für mich neu sind und anders. Nach Dingen, die ich noch nie getan habe. Oder über die ich keine Kontrolle habe.

Solche Dinge, die ein wenig außer der Reihe sind, machen mein Leben intensiver und sie verleihen meinem Alltag dadurch gefühlt mehr Tiefe. Aber wie kann man so etwas an einem Dienstagabend nach Feierabend umsetzen, ohne gleich Fallschirmspringen zu gehen?

Ich war da schon länger auf der Suche nach einer Möglichkeit, die sich gut in den Alltag einbauen lässt. Und dann habe ich etwas Tolles ausprobiert.

Etwas, mit dem man ganz einfach und unkompliziert ein wenig mehr Spannung in sein Leben bringen kann. Die Idee ist wirklich sehr simpel, aber funktioniert ganz hervorragend.

Also, was habe ich genau gemacht?

Spielerisch den Zufall einladen

Ganz einfach gesagt geht es darum, eine Münze zu werfen. Man überlegt sich zwei Alternativen, was man jetzt tun könnte, und lässt dann die Münze entscheiden, was man tut.

Also fragen Sie sich zum Beispiel: Gehe ich hier nach links (Kopf) oder nach rechts (Zahl)? Und die allerwichtigste Regel dabei: Man muss auf jeden Fall das tun, was die Münze entschieden hat!

Kopf – also nach links. Wenn ich merke, dass ich mit dem Weg nach links nicht zufrieden bin, kann ich die Münze direkt wieder befragen, ob ich den Weg geradeaus weitergehen soll oder da vorne wieder rechts abbiege.

Es gibt keine Regeln in diesem Spiel, außer dass man sich immer zwei Alternativen für den Münzwurf überlegt und sich dann auf jeden Fall an die Entscheidung der Münze hält. Und man darf natürlich nicht die gleiche Frage mehrfach hintereinander stellen … ;-)

Ansonsten kann sich jeder das Spiel so ausgestalten, wie es zu einem selbst passt.

Aber es ist wichtig, sich wirklich immer an die Entscheidung der Münze zu halten. Weil das Spiel sonst nicht funktioniert. Wenn man diese Regel einmal bricht, dann kann man sie immer brechen und die Entscheidung der Münze verliert ihre Verbindlichkeit.

Damit ist der Reiz des Spiels dann vorbei, weil ich dann ja wieder selbst entscheide. Wählen Sie Ihre zwei Alternativen also immer mit Bedacht. Wer clever ist, sucht sich einfach zwei Alternativen aus, auf die er Lust hat ;-)

Dank dieses kleinen Spiels bin ich am oben beschriebenen Abend auch auf der Hafenfähre gelandet und nachts über die Elbe geschippert. Das zu tun, darauf wäre ich nicht selbst gekommen.

Ich bin an dem Abend vor meine Haustür gegangen und habe die Münze befragt, ob ich Richtung Alster oder Elbe gehen soll. Dann, ob ich zu Fuß gehen soll oder hier in die Bahn steige. Und dann, ob ich in dieser oder an der nächsten Bahnstation aussteigen soll, usw.

Chaos, Achtsamkeit, Freiheit

Wenn Sie auch gerne wieder ein wenig mehr Abwechslung oder Spannung in Ihr Leben bringen wollen, dann kann ich Ihnen dieses kleine Spiel wirklich nur empfehlen! Es macht total Spaß und hat ganz viele interessante Effekte, wie ich für mich feststellen konnte.

Es fängt ganz einfach damit an, dass man vollkommen aus seinem gewohnten Trott rauskommt. Man bringt sich mit diesem Spiel wieder ein wenig mehr in Kontakt mit dem Chaos des Lebens. Ganz einfach, weil man die Kontrolle abgibt und dem Zufall eine Chance lässt. Und das ist sehr aktivierend, aber gleichzeitig auch total erholsam für den Geist, wenn man nicht immer von vornherein einen Plan hat. Sondern die Dinge ein wenig dem Zufall überlässt, ohne zu wissen, wo man jetzt landet.

Man setzt sich bei diesem Spiel gezwungenermaßen auch neuen Situationen und Eindrücken aus, die man sonst vielleicht nie bekommen hätte. Man sieht selbst Gewohntes aus einer anderen Perspektive. Einfach, weil man während dieses Spiels mit ganz offenen Augen durch die Welt rennt, auf der Suche nach guten Alternativen. Man ist dabei sehr achtsam und beachtet sein Umfeld automatisch weitaus mehr als sonst. Dadurch ist man auch viel mehr im Moment.

Ein weiterer toller Effekt: Man hört auch viel genauer in sich hinein als sonst. Weil man sich ja selbst die Frage stellt und auch für die Alternativen verantwortlich ist. Man muss sich ständig fragen: In welchem Moment stelle ich mir jetzt die nächste Entscheidungsfrage? Und worauf hätte ich denn jetzt Lust, was wären gute Alternativen für mich?

Man lernt sich in diesem Spiel dadurch auch selbst besser kennen. Denn man übt, auch mal auf sein Bauchgefühl zu hören. Und man entwickelt dadurch nach und nach ein Gespür für sich selbst. Wann es an der Zeit ist, die Münze zu werfen. Und worauf man gerade eigentlich wirklich Lust hat.

Zu guter Letzt schenkt einem dieses Spiel auch noch das Gefühl enormer Freiheit. Einfach, weil man dabei sehr offen und spontan ist. Und weil man dabei wieder die enorme Anzahl an Möglichkeiten sieht, die wir Tag für Tag haben, aber einfach nicht mehr so wahrnehmen.

Der Zufall macht das Leben spannend

Für mich war das wirklich ein ganz tolles Abendprogramm. Es hat total Spaß gemacht und mir ein unvergessliches Erlebnis beschert, bei dem ich das Gefühl hatte, das Leben in vollen Zügen aufzusaugen! Ich spiele es inzwischen öfter :-)

Das Großartige ist: Jeder kann das ohne Probleme nachmachen. Das Einzige, was Sie dafür brauchen: Offenheit, ein wenig Zeit und eine besondere Münze, die Sie zu Ihrer Entscheidungsmünze machen.

Haben Sie Lust bekommen, es mal auszuprobieren? Vielleicht stehen Sie dann ja auch bald nachts an Deck einer Fähre … Und genießen die Möglichkeiten, die Ihnen das Leben so bietet ;-)

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Kommentare

  • wirklich geniale Idee. Bringt bestimmt mehr Pepp ins Leben.

  • Die Idee gefällt mir sehr gut und ich habe sie direkt ausprobiert. Als Variante beim Autofahren treffe ich die Entscheidung anhand des Autokenzeichen eines beliebigen Fahrzeug. Ist die letzte Ziffer gerade oder ungerade. Fahre ich weiter oder biege ab.

  • Daumen hoch für diese höchst spannende und interessante Idee!

  • ….jemand, der diesen Gedanken in den 70er-Jahren angefangen hatte, war der Schreiber des “Kultbuches” der Konstruktivisten, Luke Rhinehart: Der Würfler.

    Daraus wird zwar ein teilweise zynischer Roman, der jedoch im Kern sehr nachdenklich stimmt – die Grundidee ist dieselbe: “wie kommen wir aus unseren selbstreferenziellen Mustern raus?”

    Viel Vergnügen beim Lesen

  • Das erinnert mich spontan an meine “Entdeckungsreisen” aus meiner Kindheit, bei denen auch immer richtig spannende Dinge passierten und ich mich sehr lebendig fühlte. Vielen Dank für das “Wieder-hochholen”!!

  • Ich habe von dem Spiel heute morgen gelesen und es direkt ausprobiert. Drei Entscheidungsfragen habe ich gestellt und es kam eine Radtour in eine bestimmte Richtung heraus. Also setzte ich mich aufs Rad und fuhr los. Nach kurzer Zeit sah ich vor mir einen alten Bekannten, der auch mit dem Rad unterwegs war. Wir hatten uns lange nicht gesehen und so war die Freude groß. Gemeinsam fuhren wir weiter und unterhielten uns dabei, es war einfach schön.
    Und das alles Dank einer Münze …

  • Genau diese ‘Spiel’ und die damit verbundenen Gefühle geniesse die ch auch immer wieder -eigentlich viel zu selten… Übrigens: auch mit dem Fahrrad, Auto macht das viel Spaß. Und man entdeckt so schöne Plätze und Gegenden damit.

  • Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich finde diesen Tipp mit der Münze ganz toll! Herzlichen Dank!
    Überhaupt ist diese Seite einmalig!
    Ihre Sabine Görner

  • Genau so ist es. Offen sein für alles. Je offener wir durchs Leben gehen, desto mehr öffnen wir uns für die “Zufälle” des Lebens.
    Ein sehr guter Beitrag – und frohe Ostertage.

  • Mir hat die Idee gut gefallen, die Zufallsentscheidung als positiv anzunehmen und zu befolgen. Ich denke, auch dem Verstand einmal Freizeit zu geben und nicht jede Entscheidung auf Für und Wider zu durchleuchten.
    Vielen Dank und frohe Ostern

  • ENDLICH.

    Tausend Bücher mit guten Tipps. Dieser hat einen Oscar verdient.

    Tausend mal danke.

    • Annemarie

      … dem schließe ich mich sehr gerne an.

      Herzlichen Dank für diesen Tipp!

      Allein der Gedanke daran erfüllt mich mit Freude.
      Ich probiere es aus und gehe gleich auf die Suche nach einer geeigneten Münze.

      Herzliche Grüße

      Annemarie

 

Ralf Senftleben

Hallo! Schön, dass du da bist!

Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

Aktuell lesen über 125.000 Menschen meinen wöchentlichen Newsletter, und rund 150.000 Menschen haben an meinen Selbstlernkursen und Online-Coachings teilgenommen.

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