Woraus ziehen Sie Ihren Selbstwert?

Wie du als Mensch klarer, stärker und robuster werden kannst:
Projekt Tagebuch

Ein schwaches Selbstwertgefühl ist für viele Menschen ein schmerzliches Thema, denn es tut weh, wenn wir das Gefühl haben, nicht liebenswert zu sein und die guten Dinge im Leben nicht verdient zu haben.

Haben Sie sich vielleicht auch schon mal ein besseres Selbstwertgefühl gewünscht?

Wenn ja, ist es vielleicht lohnenswert daran zu arbeiten, denn Menschen mit einem gesunden Selbstwertgefühl sind in der Regel deutlich glücklicher und zufriedener, als Menschen, die sich selbst nicht wertschätzen. Und sie erreichen normalerweise auch mehr im Leben und können besser mit Rückschlägen umgehen.

Die amerikanische Psychologie-Professorin Carol Dweck hat in diesem Fachgebiet viel geforscht (mit Kindern und Erwachsenen) und ist dabei auf einen erstaunlichen Zusammenhang gestoßen: Es gibt zwei gegensätzliche Grundüberzeugungen (Mindsets), die unser Selbstwertgefühl fördern oder einschränken, je nachdem, ob man an die eine Überzeugung glaubt oder an die andere.

Die eine Grundüberzeugung geht davon aus, dass wir Menschen in unseren Fähigkeiten und Talenten durch unsere Gene, durch unsere soziale Herkunft und unsere frühkindlichen Erfahrungen festgelegt sind und wir uns nur in sehr engen Grenzen weiterentwickeln und als Mensch wachsen können.

Oder anders gesagt: “Entweder man hat Talent oder man hat es nicht.”

Die andere, gegensätzliche Grundüberzeugung geht davon aus, dass Menschen zwar Talente haben, dass diese aber nur der Startpunkt sind. Wir können uns in den meisten Bereichen weiterentwickeln und weit über uns hinaus wachsen. Das erfordert zwar gezieltes, systematisches, entschlossenes Trainieren und Arbeiten an uns selbst. Aber wer bereit ist, diese Arbeit auf sich zu nehmen, der kann seine Fähigkeiten in nahezu jedem Bereich dramatisch verbessern und es vielleicht sogar zur Meisterschaft bringen.

Auf den Punkt gebracht: “Man kann nahezu alles lernen, wenn man bereit ist, sich richtig anzustrengen.

Mein Selbstcoaching-Tipp:

Tagebuch zu schreiben kann viel mehr sein als eine Aufzeichnung deiner Aktivitäten. Ein Tagebuch kann dich wirklich voranbringen. Es kann dir helfen, deinen Zielen näher zu kommen, deine Probleme zu lösen, belastende Gefühle loszulassen, Klarheit zu bekommen … Wie geht das?

Verstehen Sie mich nicht falsch. Hier geht es nicht darum, welche der Sichtweisen richtig oder falsch ist. Man kann Argumente für beide Überzeugungen ins Feld führen. Es geht hier darum, welche der beiden Überzeugungen besser für das eigene Selbstwertgefühl ist.

Haben Sie hier eine Idee? Welche der beiden Überzeugungen stärkt nach Ihrer Meinung unser Selbstwertgefühl?

Tatsächlich ist es ist die zweite Überzeugung. Wer daran glaubt, dass wir Menschen nahezu alles lernen können, hat in den meisten Fällen ein deutlich besseres und vor allem stabileres Selbstwertgefühl als die Menschen, die daran glauben, dass Talent (also etwas Vorherbestimmtes) der entscheidende Faktor ist.

Denn wenn ich daran glaube, dass Talent entscheidend ist und ich in einem Bereich keines habe (oder zu haben glaube), dann habe ich verloren, bin chancenlos und kann einpacken. Schade. Und selbst wenn ich von meinem Talent überzeugt bin, was ist dann, wenn ich mal scheitere? Hatte ich dann doch nicht so viel Talent, wie ich dachte? Bin ich dann doch ein Versager?

Diejenigen, die an das Lernen und an Weiterentwicklung glauben, ziehen ihren Selbstwert dagegen nicht aus dem, was sie bereits haben, was sie bereits sind oder aus der Anerkennung anderer. Sie beziehen ihre Selbstbestätigung aus ihren Lernerfahrungen und ihrem Wachstum. Und das bezieht sogar schmerzhafte Fehlschläge mit ein, weil auch das Lernerfahrung sind, die einem helfen, es in der Zukunft besser zu machen. Solche Menschen können erfolgreich sein oder scheitern und sie fühlen sich auf jeden Fall wertvoll, weil sie ihren Selbstwert an ihrer Bereitschaft zu lernen und sich anzustrengen festmachen.

Und jetzt kommt der Clou: Wir können unser Mindset ändern und unsere Denkweise umtrainieren. Wie das geht, können Sie in unserem Artikel über Glaubenssätze nachlesen. Falls Sie also die Überzeugung haben, dass unser Erfolg von unserem Talent abhängt, können Sie diesen Glaubenssatz auflösen und durch einen anderen, besseren ersetzen:

“Ich kann nahezu alles lernen, wenn ich mich richtig anstrenge und nicht aufgebe. Es ist o.k. zu experimentieren und Fehler zu machen. Ich lerne aus allem etwas, auch aus Fehlschlägen. Ich bin wertvoll, weil ich mich weiterentwickle, lerne und als Mensch wachse.”

Wer so denkt, dem geht es besser.

Und mehr zu dieser wertvollen Sichtweise des Wachstumsdenken erfährst du in: Eine Denkweise, die dir Erfolg und Wachstum bringt.

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Kommentare

  • Diesen Beitrag empfinde ich als eine große Ermutigung: Grundaussage “alles ist möglich” – was will ich mehr!
    Sehr wichtig, sich dies von Zeit zu Zeit vor Augen zu führen. Danke für den positiven Impuls!!! Bea

  • Talent ist eine Gnade Gottes und alles was wir können und haben verdanken wir IHM .

  • solche darstellungen finde ich immer wieder problematisch, weil es suggeriert, man könne alles wenn man nur wolle, und dabei außer acht läßt, dass es auch vom sozialen umfeld und den damit verbundenen vorstellungen, der vorhandenen sozialen und finanziellen unterstützung, sowie den verfügbaren resourcen abhängt. der erlernbarkeit stimme ich schon zu, nur für viele menschen ist die lernkurve zu steil. wenn schon mut machen, dann bitte mit der notwendigen prise realismus. der herr hargens (oder so), ein systemiker, hat mal geschrieben: es heißt ja “jeder sei seines glückes eigener schmied. aber nicht jeder ist ein schmied.”

  • Natürlich können wir fast alles lernen. Doch manche Dinge fallen uns bedeutend schwerer als andere. Am sinnvollsten ist es deshalb, uns auf unsere ganz besonderen Qualitäten und unsere guten Seiten zu besinnen, die wir alle haben. Sie zu erkennen und dann auch zu nutzen und damit bewusst Einfluss auf unser Leben zu nehmen, das ist eine der vielen Grundlagen für das eigenes Glück.

    Welches Bild hast Du von Dir selbst? Kannst Du ganz spontan sagen, was Deine Stärken sind? Und wenn ja, woran erkennst Du sie? Und wie kannst Du sie nach und nach ausbauen?

    Was liegt Dir besonders? Worauf kannst Du stolz sein? Vielleicht gelingt es Dir oft, andere Menschen für eine wichtige Sache zu begeistern, oder Du bist besonders gut geeignet für knifflige Aufgaben. Möglicherweise bist Du aber auch ein guter Zuhörer oder triffst spielend leicht wichtige Entscheidungen. Oder es geht Dir wie mir und Du liest und schreibst leidenschaftlich gern.

    Was auch immer Dich auszeichnet, ich denke, es lohnt sich, Dich heute einmal gezielt mit diesem Thema zu befassen, Deine persönlichen Vorzüge zu erkennen und Dir zu überlegen, welche Du neben den bereits vorhandenen sonst noch entfalten und gezielt einsetzen möchtest. Denn im Gegensatz zu besonderen Fähigkeiten und Begabungen wie etwa dem absoluten Gehör oder anderen Talenten, von denen Du sicher auch einige vorzuweisen hast und die zum Teil angeboren sind, kannst Du Dir nahezu alle Stärken, von denen ich hier rede, mit Entschlossenheit und vor allem mit Willenskraft aneignen und entwickeln. Das hast Du schon Dein ganzes Leben lang getan und kannst es auch weiterhin tun.

    Was willst Du? Was kannst Du?

    Am besten stellst Du erst einmal fest, wo Du im Moment gerade stehst. Die Antworten auf die folgenden Fragen können Dich schon in Richtung Deiner wahren Stärken führen oder zumindest ein interessantes Puzzle Deiner Persönlichkeit ergeben, aus dem Du mit etwas Abstand bestimmt schon ein klareres Bild sehen kannst – ein Bild Deiner ganz besonderen Eigenschaften und Vorlieben. Frage Dich selbst jetzt einmal:

    – Was habe ich als Kind am liebsten getan?
    – Wen habe ich als Kind am meisten bewundert?
    – Was waren meine liebsten Schulfächer?
    – Was ist mir schon immer leicht gefallen?
    – Was waren in der Kindheit meine glücklichsten Momente?
    – Wobei habe ich heute den meisten Spaß?
    – Was würde ich tun, wenn ich nicht mehr arbeiten müsste?
    – Was würde ich machen, wenn ich ein halbes Jahr Zeit hätte?
    – Was kann ich besser als die meisten anderen Menschen?
    – Wann habe ich meine besten Augenblicke, wann fühle ich mich ganz besonders im Einklang mit mir?
    – Was würde ich machen, wenn ich unbegrenzte Zeit und Mittel hätte?
    – Was mache ich in meiner Freizeit am liebsten?
    – Wofür setze ich mich mit großer Begeisterung ein?
    – Mit welchen Menschen bin ich besonders gerne zusammen? Und warum?
    – Wobei geht mir das Herz auf?
    – Bei welchen Anlässen oder Tätigkeiten vergesse ich die Zeit?
    – Was geht mir ganz leicht von der Hand?
    – Was würde ich tun, wenn ich nur noch vier Wochen zu leben hätte?
    – Welches sind meine Lieblingsfilme? Warum?
    – Worauf bin ich so richtig stolz?
    – Wie möchte ich in fünf Jahren leben?
    – Welches sind meine größten Erfolge im Leben?
    – Wofür gebe ich am meisten Geld aus?
    – Welche Art Bücher lese ich am liebsten?
    – Was möchte ich der Welt hinterlassen?
    – Wie sieht meine ideale Woche aus?

  • Dem kann ich nur halb zustimmen, denn wiedereinmal wird beim Selbstwert davon ausgegangen, dass man keines hat weil man etwas nicht kann (oder meint, nichts zu können und kein Talent zu haben).
    Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Ich weiß von mir was ich kann, und das ich anderen in meinem Alter einiges voraus habe worum ich auch beneidet werde. Trotzdem hab ich keinerlei Selbstwertgefühl, weil es eben noch an einem anderen entscheidenden Faktor liegt, auf den leider generell kaum eingegangen wird: der Selbstwahrnehmung! Wenn ich mich und mein Äußeres hasse, bringen mir diese vielen Tips und Bücher zur “Verbesserung der Selbstwahrnehmung” überhaupt nichts, eben weil es in 90% dieser Lektüren nur ums Talent oder Können geht.

  • Danke für den schönen Artikel.
    Auch ich bin der Meinung, dass man (fast) alles lernen kann, was anderen Menschen auch gelungen ist. Natürlich geht es bei dem Einen schneller als bei manchem Anderen, jedoch schlägt Trainingsfleiß immer Talent.
    Der Talentierteste, der nicht übt, ist dem mittelprächtig Begabten, der regelmäßig trainiert, immer unterlegen.
    Für mich ist die Ausdauer, ein Ziel mit Begeisterung zu verfolgen, der wichtigste Erfolgsfaktor.
    Diese Begeisterung erhalte ich mir, in dem ich auf die gelungenen Teilschritte schaue und mich auf die Zielerreichung freue.
    So überwinde ich auch gelegentliche Rückschläge.
    Alles Gute und gutes Gelingen
    Jürgen Gräbel

 

Ralf Senftleben

Hallo! Schön, dass du da bist!

Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

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