Wunde Punkte und was wir aus ihnen lernen können

Ich hatte eine ziemlich beschissene Kindheit. Und wissen Sie was? Ich bin heute froh darüber. Denn wenn mir das Leben nicht in frühen Jahren so viele harte Brocken serviert hätte, dann wäre ich heute nicht da, wo ich bin.

Was ich zu meinem großen Glück im Laufe der Zeit gelernt habe, ist, dass in unserem Schmerz unser Entwicklungspfad liegt. In unseren wunden Punkten liegt Weisheit. Aus unseren Verletzungen können wir mehr über uns selbst und unseren Weg erfahren als aus allen Büchern und Seminaren zusammen.

Aber dazu müssen wir lernen, unseren Schmerz und unsere wunden Punkte als etwas Gutes, Nützliches und Wertvolles anzunehmen. Nur so können wir Frieden mit uns selbst machen und nur so können wir die Lektionen lernen, die in unseren Erfahrungen versteckt sind.

Viele Menschen gehen einen anderen Weg: Sie verdrängen. Sie betäuben sich. Sie lenken sich ab. Sie tun alles, um bloß nicht in Kontakt mit dem zu kommen, was sie letztlich als Mensch wachsen lassen würde. Ich habe das auch lange Zeit getan. Und man zahlt einen fiesen Preis dafür. Denn man wird mit der Zeit immer stumpfer, starrer und unbeweglicher, bis oft die ganze Lebendigkeit und Liebe aus dem eigenen Leben gewichen ist.

Es ist deswegen wichtig, sich den Schmerz zu erlauben, ihn zu spüren und ihn auszusprechen und letztlich dann loszulassen. Sonst wächst er wie ein Geschwür in einem.

Nicht dass Sie mich falsch verstehen: Ich bin kein Freund davon, jede Verletzung und jeden wunden Punkt zu Tode zu analysieren. Verstehen und Aussprechen heilen eine Wunde nicht automatisch. Manchmal passiert das. Oft aber auch nicht. Das wissen viele Menschen, die jahrelang zur Psychoanalyse gegangen sind, denen es aber trotzdem nicht besser geht.

Aber Hinspüren, Hinschauen und Akzeptieren ist oft der notwendige Anfang für einen Heilungs- und Wachstumsprozess. Wir müssen uns trauen, hinzuschauen. Wir müssen uns erlauben, in Kontakt mit unserem Schmerz zu kommen.

Ich weiß nicht, ob das Sinn für Sie macht.

Falls ja, dann möchte ich Sie jetzt einmal kurz zu einer kleinen Übung einladen. Machen Sie doch einmal Folgendes:

Schritt 1: Nehmen Sie bitte ein Stück Papier und einen Stift zur Hand. Oder machen Sie ein neues Dokument in Ihrer Textverarbeitung auf.

Schritt 2: Jetzt überlegen Sie sich bitte einen wunden Punkt in Ihrem Leben, den Sie im Augenblick als schmerzhaft erleben. Oder etwas, womit Sie sehr unzufrieden sind. Oder eine Sache, die Sie verletzt hat. Oder einen Menschen, der Sie verletzt hat. Oder eine wiederkehrende Situation, wo Sie mit Ihrem eigenen Erleben und Verhalten sehr unzufrieden sind.

Aber wählen Sie hier bitte nicht gleich Ihr großes Lebensdrama. Wenn Sie in diese Richtung gehen wollen, fangen Sie bitte zum Üben mit einer kleineren Nummer an.

Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich?

Das herauszufinden ist schwer. Aber machbar. Und wenn du es herausgefunden hast, wirst du den Unterschied merken. Jeden Tag.

Finde Dinge über dich heraus, die du nicht geahnt hast: Mit dem Selbstlernprogramm: Finde deinen Kompass.

Wichtig: Falls Sie in Psychotherapie sind, sprechen Sie bitte erst mit Ihrem Therapeuten oder Ihrer Therapeutin, ob diese Übung für Sie sinnvoll ist.

Geben Sie der Sache bitte einen Namen und schreiben Sie das Thema stichpunktartig auf. Zum Beispiel „Stress mit meinem Vater“ oder „Meine Kollegen sind unfreundlich“ oder „Unwohlsein unter Menschen“ oder „Einsamkeit“.

Schritt 3: Und jetzt sagen Sie sich bitte:

„Auch wenn es mir vielleicht schwerfällt. Ich erlaube mir für einen kurzen Augenblick, den Schmerz und die Verletzung zu spüren, nur so stark, wie ich es aushalte. Aber der Schmerz darf einmal gefühlt werden, für einen kurzen Augenblick. Ich erlaube mir das. Der Schmerz ist sowieso da und wirkt in meinem Inneren und frisst meine Energie weg. Also lasse ich ihn einmal kurz an die Oberfläche. Ich stelle mir vor, mein Schmerz ist in einem Dampfkochtopf gefangen und ich lasse ein wenig Dampf ab, damit der Druck geringer wird.“

Geben Sie sich dazu vielleicht ein oder zwei Minuten und beobachten Sie sich dabei selbst.

Und? Hat es geklappt?

Ging es?

Wie haben Sie es erlebt?

Wie war es?

Schreiben Sie Ihre Gedanken und Erfahrungen ruhig auf. Wenn wir etwas niederschreiben, bekommt es mehr Gewicht, Klarheit und Bedeutung. Nutzen Sie das.

Schritt 4: Weiter geht es. Beantworten Sie bitte jetzt die Frage:

„Welches Ihrer Bedürfnisse wird durch die schmerzhafte Situation missachtet?“

Denn Schmerz entsteht oft, wenn eines unserer Bedürfnisse nicht erfüllt wird. Zum Beispiel unser Bedürfnis nach Liebe, Geborgenheit, Anerkennung, danach, Teil von etwas zu sein, nach Miteinander, Intimität, gesehen werden wollen, Harmonie, Sicherheit, Schutz, Macht, Selbstverwirklichung.

Überlegen Sie bitte und schreiben Sie die missachteten Bedürfnisse auf.

In dieser Frage liegt pures Gold.

Zum einen bekommen Sie so mehr Klarheit, was den Schmerz eigentlich verursacht.

Und falls ein Klärungsgespräch mit jemandem ansteht, können Sie Ihren Punkt besser rüberbringen, weil Sie klarer sehen, was los ist.

Oder wenn Sie herausgefunden haben, welches Ihrer Bedürfnisse hier nicht erfüllt wird, können Sie eventuell dafür sorgen, dieses Bedürfnis auf anderen Wegen zu erfüllen. Sie können also Verantwortung für sich übernehmen und sich selbst das geben, was andere Ihnen vielleicht nicht geben können oder wollen.

Oder Sie entscheiden sich, dass Sie sich vielleicht andere Menschen oder eine andere Umgebung suchen müssen, wo Ihre Bedürfnisse besser erfüllt werden können.

Schreiben Sie Ihre Erkenntnisse und Ihren notwendigen Handlungsbedarf bitte auch wieder auf. Es lohnt sich, die Übung schriftlich zu machen, sonst verdunsten die Erkenntnisse sofort wieder.

Schritt 5: Können Sie noch? Dann noch eine Frage, die Ihren wunden Punkt vielleicht in einem anderen Licht erscheinen lässt. Fragen Sie sich:

„Gibt es etwas ganz kleines, was dieser Schmerz positives in meinem Leben verursacht hat? Was könnte das sein?“

Denn nichts im Leben ist zu 100 % gut oder zu 100 % schlecht. Jedes Ereignis hat gute und schlechte Seiten.

So bringt auch jeder wunde Punkt und jede Verletzung gute Dinge mit sich, auch wenn wir das oft erst sehr viel später erkennen.

Menschen, die ernsthaft krank werden, sagen zum Beispiel oft im Nachhinein, dass ihre Krankheit ein Glücksfall war, weil sie so gezwungen waren, ihr Leben zu hinterfragen.

Was könnte also an Ihrem wunden Punkt das Gute sein?

  • Was ist daraus Gutes entstanden?
  • Was mussten Sie deswegen lernen?
  • Wo sind Sie deswegen gewachsen?
  • Wen haben Sie deswegen kennengelernt?
  • Welche positiven Lebensumstände hätte es sonst nie gegeben?

Wenn Sie ehrlich und ohne Zynismus nach dem Geschenk in Ihrem wunden Punkt suchen, fällt es Ihnen leichter, Ihren Frieden mit der schmerzhaften Situation zu machen. Und Frieden und Akzeptieren sind eben oft der erste Schritt, um eine Sache komplett hinter sich zu lassen.

Deswegen suchen Sie in diesem 5. Schritt bitte nach den Geschenken in Ihrem Schmerz.

Schreiben Sie die Geschenke bitte auf.

Und wenn alles glattgegangen ist, hat sich Ihre Empfindung zu Ihrem wunden Punkt schon ein klein wenig geändert. Wiederholen Sie diese Übung ruhig ein paar Mal und Sie werden vielleicht bemerken, dass die Last immer weiter von Ihnen abfällt und Sie diesen wunden Punkt vielleicht schon bald loslassen können.

Das war es auch schon. Ich hoffe, diese kleine Übung hat Sie ein kleines Stück weitergebracht.

Zugegeben: Es erfordert ein bisschen Mut, sich dem eigenen Schmerz zu stellen. Aber der Weg zum Glück führt eben oft durch die Angst hindurch.

Also trauen Sie sich bitte.

Denn im Schmerz liegt Weisheit und Ihre Aufgabe ist es vielleicht, diese Weisheit zu entdecken und zu wachsen.

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Kommentare

  • Vielen Dank für diese tolle Anregung sich über seine wunden Punkte Gedanken zu machen und auch für die vielen Kommentare dazu!
    Ich für mich habe schon 2 “wunde Punkte” abgearbeitet und mir wird so richtig klar, dass diese wunden Punkte mir so viel innere Stärke gebracht haben, und ich mich heute von so vielen äußerlichen Beeinflussungen und Meinungen befreit habe und ich dadurch jetzt erst spüre wie FREI ich bin. Das ist ein wirklich schönes Geschenk, sich dess bewußt zu sein.
    Ich freue mich immer wieder sehr über die so passenden und auch oft sehr berührenden Newsletter!

  • Als ich den Text in der Mail zu lesen begann, kochte in mir sofort die Wut hoch – wieder so ein “Schmerz-als-Weg”-Kram. Ich sah sofort mein RECHT auf Wut in Gefahr, das Recht, um das ich solang gekämpft hatte. Mein RECHT auf Schmerz, das wieder einer wegreden will. Ich sah mein Thema (Familie) an und klickte ziemlich genervt auf den “Weiterlesen”-Button, nur um mir selbst zu beweisen, was das für ein doofer Text ist, der völlig im Unrecht ist (weiterlesen, das gute Ende folgt nach der Schimpftirade ;) ).
    Meine “innere Stimme” lachte etwas hysterisch darüber, dass sie ja so viel aus den schlimmen Erlebnissen als “Geschenk” mitgenommen hat – und verstummte beschämt und fast erschreckt, als sie feststellte, dass es wahr ist. Hätten mich all meine furchtbaren Erlebnisse nicht so weit gebracht, dass mir (in einem guten Sinne) die Meinung anderer endlich egal ist und ich zu dem stehe, wer ich bin und was ich will und brauche, hätte ich einen der wesentlichsten und heilsamsten Momente in meinem Leben verpasst.
    Danke für diesen Anstoß. So konnte ich das noch nie sehen.

  • Also, ich fand dieses Experiment sehr interessant, da es für mich ganz anders ausgegangen ist, als ich vorher vermutet/gehofft hatte.

    Bei den ersten Fragen wurde mir sehr klar, woher mein Unwohlsein bei meinem gewählten wunden Punkt kommt (Angst, andere zu verletzen – ich kann nicht ich selbst sein). Dann fielen mir zwei positive Dinge ein, die für mich sehr viel Gewicht haben. Der Hammer war aber die letzte Frage im Fragebogen: Bei der Vorstellung, wie ich ohne diesen wunden Punkt wäre, fühlte ich mich sofort unwohl. Auf einmal hatte ich das Gefühl, dass er etwas Wichtiges in meinem Leben ist, weil er mir Grenzen setzt und einen gewissen Halt gibt. Was wäre ich ohne meine Angst, andere zu verletzen? Wäre ich dann ein egoistischer Ellebogenmensch, dem die Gefühle andere egal sind? Gut – das ist eine Extremvorstellung, die vielleicht auch gar nicht so gemeint war. Aber sie hat mir doch sehr deutlich gezeigt, dass dieses Gefühl, das mich so oft quält, eine positive Steuerungsfunktion in meinem Verhalten übernimmt, die mir doch sehr wichtig ist.

    Mein Fazit: Ich muss diesen wunden Punkt nicht loswerden, denn er ist wichtig für mich und macht einen Teil meiner Persönlichkeit aus. Ich muss nur einen anderen Weg finden, damit umzugehen. – Also in jeder Situation abwägen, welche Befürfnisse jetzt wichtiger sind: meine oder die des anderen.

    Ich kann mir vorstellen, dass es mir leichter fallen wird, auch einmal “Nein” oder “Stopp” zu sagen, wenn ich weiß, dass ansonsten meine Befürfnisse missachtet werden und dass ich für ein Gleichgewicht zwischen meinen Befürfnissen und denen der anderen sorgen darf. Ich bin nur dann egoistisch und rücksichtslos, wenn ich wahllos und prinzipiell nach meinen eigenen Bedürfnissen lebe.

    Danke!

  • Vielen Dank für diesen praktischen und hilfreichen Text. Lässt sich übrigens nicht nur bei größeren Lebenskrisen anwenden, sondern auch bei kleinen Ärgernissen oder zur Vorsorge, sich nicht ausnutzen zu lassen. Mir hat es geholfen!

  • Mich haben die Zeilen hier alle sehr berührt. Insbesondere die, von Henriette, da ich auch in der Kindheit sehr viel psychische und physische Gewalt erleben durfte.

    Sehr spät, mit 32 Jahren, hatte ich eine 2-jährige Einzeltherapie. Ohne diese gäbe es mich heute wohl auch nicht mehr.

    Mittlerweilen bin ich zwar wesentlich gefestigter, aber ind regelmäßigen Abständen, schaffen es Personen oder Situationen, mich auf die alte Schiene zurückzuwerfen.
    Ich bin zwar fähig, dies zu erkennen, jedoch dauert es lange, wieder auf meinen Weg zurückzufinden.

    Was mir am meisten zu schaffen macht ist, dass ich bereits zum dritten Mal eine Situation erlebe, die mich sehr aus der Bahn wirft. Ich engagiere mich im Job immer zu 1000%, lasse mich ausnutzen und dann kommt das Ende. Entweder, weil ich nicht mehr kann oder mir wird aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt. Und es geht immer unfair zu.
    Zuvor heißt es immer, Du machst nen tollen Job und es wird sich für Dich auszahlen und wenn es dann soweit ist, kommt der Schlusstrich.

    Jetzt im Moment steht das wieder bevor und es ist um so härter, da mein jetziger Chef und ich mal gut befreundet waren. Er nutzt es jetzt voll aus, dass er sehr viel aus meiner Vergangenheit weiss und versucht mich bewußt auf meine alte Schiene zu drücken. Und so was nennt sich Freundschaft?

    Loslassen ist leicht gesagt, wenn die Vergangenheit einen immer wieder einholt. Ich überlege auch oft, mein Gott, warum besteht mein Leben permanent aus Kampf.
    Dann sehe ich Bilder aus der dritten Welt und werde aus meinem Selbstmitleid zurückgeholt.

    Schwer ist es trotzdem, aber irgendeinen Sinn wird es haben.
    Es tut auf jeden Fall gut, auch wenn sich das jetzt dumm anhört, hier zu hören, das es vielen ähnlich geht.

    Sandra

  • Das Thema trifft sicherlich bei vielen “einen” Nerv. Einen wunden Punkt – mag ja noch gehen … viele wunde Punkte – wird schon schwieriger …. und zu viele wunde Punkte … geht gar nicht mehr. Ich glaube, jeder Mensch verfügt über verschiedene und seine je eigenen Möglichkeiten damit um zu gehen. Ob und wie weit man/frau mit seinen wunden Punkten “fertig” werden kann, hängt wiederum von so vielen Bedingungen ab. Da lassen sich “eigentlich” gar keine gültigen Aussagen machen. Das Beste, was passieren kann, ist, tatsächlich mit ihnen Frieden schließen zu können. Loslassen passiert und kann nicht wirklich gemacht werden. Im Umgang mit meinen wunden Punkten jedenfalls ist mir aufgefallen, dass sie keine Ruhe geben. Dass sie sich immer wieder zu Wort melden, gemeldet haben. Es blieb mir gar nichts anderes übrig, als mich mit ihnen auseinander-zusetzen. Auf keinen Fall möchte und kann ich das “Leiden” an den Folgen von Verletzungen gut heißen und schön reden. So nach dem Motto: was dich nicht umbringt macht dich stark. Ich fühle mein Leben in jedem Fall von ihnen beeinträchtigt und auch wenn ich manche Stärke aus der Bewältigung von Schmerz ziehen kann und konnte, so bleiben Narben, die mich erinnern. Ich wäre froh, ein “unbeschädigtes” Leben führen zu können, weil dann mehr Energie für z.B. ganz andere Ziele zur Verfügung stehen würde. So stand immer wieder das “Heilwerden” im Zentrum – und keine Wege führ(t)en daran vorbei. Das macht(e) mich
    immer wieder traurig. Und doch sage ich auch immer wieder: nicht und niemals aufgeben. Dran bleiben. Denn darin kommt der Respekt vor mir selbst zum Ausdruck. Liebe grüße – connie

  • Auch ich kenne die wunden Punkte in mir … und immer wieder passiert es mir, dass ich es zulasse, weiter an diesen Punkten verletzt zu werden. Ich empfinde die Selbstheilung schwierig. Ich habe das Gefühl, dass ich mich selbst gar nicht dazu fähig fühle, mich in meinen Tiefen zu erreichen, um diese wunden Punkte durch loslassen heilen zu können. Entweder ich spüre sie deutlich und sie tun höllisch weh …. oder ich versuche “über den Dingen zu stehen”, doch dann fühle ich gar nichts mehr, empfinde mich als gleichgültig. Empfinde dann innere Starre, Unbeweglichkeit, keine Lebendigkeit mehr, bis hin zur Unfähigkeit zu lieben. Dieses Gefühl macht mir noch viel mehr Angst. Ich weiß vieles selbst nicht zu ändern, endlich ernst genommen zu werden, nicht mehr übergangen zu werden, immer wieder Zumutungen ertragen zu müssen. Ich glaube schon, dass ich mir das über eine Psychotherapie mal näher anschauen muss … alleine habe ich es bis jetzt nicht geschafft.
    Ich werde mir die Mühe mit dem Formular trotzdem machen.
    Herzlichen Dank.

  • daaaaanke
    am besten war der einstieg über den kochtopf ..ich hab richtig gespührt wie der druck ansteigt und am ventil überdruck entstand am kehlkopfchakra..als ich dann den knopf zum entlüften drücke kommen mir die tränen mein mund öffnet sich und ein klein bischen druck entwich…wow ..wie gigantisch ..ich danke euch ..lg tom

  • Ich habe meine Kindheit, in der vor körperlichen Übergriffen (Schwergewicht vs. Federgewicht) kein Halt gemacht wurde, seit vielen Jahren hinter mir. Mit Hilfe zahlreicher Gesprächstherapien und aufgrund des immensen Schmerzes, den ich streckenweise nicht mehr aushalten konnte, ist es mir gelungen, das ganze Elend “loszulassen”. Nur durchs Loslassen war mein Überleben gesichert. Aber um welchen Preis und was heißt das eigentlich: loslassen und warum reden so viele vom Loslassen? Bei mir führte das Loslassen dazu, dass ich stumpf geworden bin, ich spüre mich nicht mehr, ich stehe neben mir, habe mich von mir und meinen Gefühlen abgespalten. Ich kriege kaum noch Zugang zu irgendwas, nicht einmal zu mir und meinen Empfindungen. Deshalb bin ich wohl auch nicht in der Lage, mich mit einem der Punkte aus dem Formular zu beschäftigen. Sehr schade, aber so ist es. Ich wünsche es wäre anders, besser, erträglicher, verständiger.

  • Birgit Rüther-Spenner schreibt am 2. Oktober 2011 Antworten

    Es hat mir sofort die Tränen in die Augen getrieben…
    ich merke immer nur, dass es mir nicht gut geht und brauche dann so einen Hinweis (Und noch besser so ein Arbeitsblatt) um mich daran zu fragen warum.
    Ich muß lernen hinzufühlen. Es ist schwer sein Verhalten dauerhaft zu ändern…
    danke für die Erinnerung.

  • Womit ich meine Probleme habe ist die ständig ansteigende Innovazionsgeschwindigkeit, die ständig zunehmende Überwachung, die Eingriffe des Staates in die Privatsphäre (alles unter dem Vorwand der Sicherheit)- ich fühle mich dadurch in meiner persönlichen Freiheit eingeschränkt – und leider sind das alles Dinge, die nicht weniger werden, sondern immer mehr zunehmen und insofern hat mir das Formular nicht geholfen.

  • Hallo zusammen,

    ich hatte bzw. habe viele “wunde Punkte” in meinem Leben hinnehmen oder verkraften müssen. Aber, auch wenn ich dachte, warum ich, warum das mir – so bin ich doch, wie eine Schlange, Haut um Haut, immer mehr zu dem Menschen geworden, der ich heute sein kann.

    Deshalb sind Krisen stets mit Wachstum verbunden und wie hatte Xavier Naidoo so schön gesungen (in Mut zur Veränderung): Du sammelst dadurch “Bonuspunkte in diesem Lebensspiel” – ein schönes Bild für mich.

    “Liebe dich selbst und freu dich auf die nächste Krise” ist auch eine super Lektüre um sich darüber klar zu werden, dass wunde Punkte im Leben für uns eine wichtige Aufgabe parat haben.

  • Hallo Ralf,

    ich danke für die newsletter, die mein Postfach stets mit sinnvollen Zeilen füllt. Danke, dass ich die Übung ausprobieren konnte, um neue unerfüllte Bedürfnisse entdecken zu können.

    Eine kleine Störung hab ich beim Übergang zu den Geschenken, vermute, da sind noch andere unerfüllte Bedürfnisse, die noch gehört werden wollen.

    Trotzdem kann ich versuchen, darüber zu meditieren, auch wenn mir das ein bisschen schwer fällt.

    Schönen Sonntag.

    • Anette schreibt am 2. Oktober 2011

      Lieber Robert
      Da kommt mir eine Passage von Michael Ende in “Die unendliche Geschichte” in den Sinn: Bastian war nach Fantasien gekommen und führte mit dem Löwen Graograman ein wichtiges Gespräch. Es ging um den wahren Willen, wie man ihn findet. Und der Löwe sprach zu Bastian: “Du musst den Weg der Wünsche gehen, von einem zum anderen und zum nächsten. Der wird dich zu deinem wahren Willen führen.” In diesem Gespräch gibt der Löwe auch eine Warnung ab: “Auf keinem anderen Weg ist es so leicht, sich endgültig zu verlieren.”
      Ich habe diese Passage jetzt aus dem Kopf zitiert, weil ich die Fotokopie aus dem Buch einfach nicht mehr finden kann.
      Das Bewusstsein für den “Weg der Wünsche” begleitet mich auch jetzt noch.
      Eine schöne Zeit wünscht dir Anette.

  • Auch ich kann nur sagen: Vielen Dank für dieses Thema! Auch bei mir ist es momentan ziemlich akut. Dachte, ich hätte ich die Altlasten “verdaut”, dann kam ein externes Ereignis, was mich zwang, mich wieder mit der gesamten Situation zu beschäftigen und ich flippte dabei fast aus – schon wieder…
    Ja, und dann die Frage “warum reagiere ich fast agressiv darauf, dass ich jetzt wieder mich damit rumschlagen muss?” Wenn ich das mit dem Schmerz so lese, vermute ich mal, dass einfach der Schmerz so hochgekommen ist – hatte ihn wohl ganz gut verdrängt (an der Situation kann ich eh nichts ändern…).
    Nun gut, werde das mit dem Formular mal versuchen – danke für diese Anregung :-)
    viele Grüße
    Karen

    • Anette schreibt am 2. Oktober 2011

      Hallo Karen
      Manchmal begleitet uns ein Schmerz ein Leben lang. Mal tut er ungeheur weh, dann wieder lebt dieser Schmerz als wehmütige Stimmung im Untergrund weiter.
      Wobei “wehmütig” etwas mit “Mut” zu tun hat. “Weh-mutig” sein, das kann und will nicht jede/r. Und doch kann es ein sehr wertvoller Beitrag im Zusammenleben sein, dann nämlich, wenn von denen, die es betrifft, niemand mehr wagt, den Schmerz als Schmerz zu emfinden und der Trauer einen Namen zu geben. Und die Hoffnung auf Veränderung hat sich sowieso schon schlafen gelegt.
      Sollen wir also “Ja” sagen zu unserem seelischen Schmerz? Ist es der Beginn von Veränderung, Verwandlung? Ich meine: ja, das kann dann es sein.
      Aber nicht immer entwickeln sich die Dinge so. Sehr berührt hat mich dein Satz “Warum reagiere ich fast aggressiv darauf?” Und ich habe mich gefragt: Vielleicht ist diese Fast-Aggression eine ganz gesunde Reaktion auf etwas zutiefst Unzumutbares?
      Ich erinnere mich an eine Situation in meinem Leben, in denen ich eine spontane Aggression übergangen habe und verleugnet. Dabei hätte ich sie (natürlich in angemessener Form) zum Ausdruck bringen sollen. Eine klare Stellungnahme abgeben. Einen deutlichen Protest dazwischen schieben. Einen Brief mit Feuer schreiben. “Ohne mich” rufen. Heute vermute ich: Das wäre damals für alle Beteiligten zum Vorteil geraten. So aber habe ich etwas hingenommen, was ich nicht hätte hinnehmen dürfen – und war quasi mitschuldig geworden am Weiterbestehen einer wirklich unglückseligen Situation.
      Unser Körper “denkt mit”. Ich habe damals meine unterschwelligen Gefühle von Ärger und Verletztsein eifrig beiseite geschoben. Oder aus Furcht. In der Situation damals aber hätte eine gut dosierte Portion Aggression der Beginn einer Veränderung zum Guten sein können.
      Kannst du damit etwas anfangen? Ich würde mich freuen!
      Herzlich – Anette

  • Ich glaube ein Bekannter steckt gerade im Prozess,
    dass ihm so etwas wie der Wundepunkt hochgekommen ist,
    bzw. durch ein Ereignis ausgelöst wurde.

    Ausser dass die momentane Situation nicht gerade angenehm erscheint, hab ich bis jetzt nur positive Veränderungen in seinen und meinen Leben festgestellt.

    Dass das unangenehme, wenn es verdaut wird, sich in positive erkenntnis wandeln kann, habe ich in folgenden Zeilen beschrieben

    http://www.e-stories.de/gedichte-lesen.phtml?157404+73

    herzliche grüsse – franz

  • Danke, danke wirklich für diesen Beitrag.
    Ich spürte Schmerz, weil ich ein ziemlichen wunden Punkte in meinem Leben hatte und und immer noch habe.
    Allerdings bin ich ein sehr analytischer Mensch und habe es geradezu zu meinem Hobby gemacht über diesen wunden Punkt zu “analysieren”. Selbstwahrnehmung ist bei mir besonders gut ausgeprägt. Ich spüre den Schmerz und hinterfrage mich gleich, warum ich ihn spüre.

    Das Loslassen war noch nie so mein Ding.
    Ich hatte irgendwie das Gefühl: Wenn ich jetzt loslasse, dann kann ich nie wieder mich damit beschäftigen. Was mache ich also den lieben langen Tag?

    Aber ich kann auch positiv analysieren und nicht nur negativ.
    Und das beste: Ich kann weiterhin “analysieren”, aber wenn ich loslasse, weiss ich, dass da hinter mehr ist, als ich mir vorstellen kann. Mehr als diese Selbstanalyse.

    Hier geht es also nicht um die üblichen Entschuldigungen wie: Angst vor Veränderung, Anstrengung, Misserfolgsrisiko usw. Hier geht es darum, dass ich weiter meinen analysierenden Verstand nutzen will, und daher an das Problem festhalte.
    Das dies aber keine Veränderung bringt und ich den Mist immer weiter wende und drehe wird der Spaß am Analysieren zu Ende gehen. Was mache ich also dann?

    • Ralf Senftleben
      Ralf Senftleben schreibt am 28. September 2011

      Daniele, mit Zulassen ist auch nicht unbedingt nur das Analysieren gemeint. Sondern auch das spüren, sein lassen, dem Gefühl mal erlauben da zu sein und gehört, gesehen und gespürt zu werden.

      Für einen Augenblick mal Fühlen, ohne darüber Nachzudenken und ohne das Gefühl zu bewerten.

      Und wenn du es loslässt kannst du dich natürlich immer noch weiter mit der Sache beschäftigen. Oft braucht oder will man das dann aber gar nicht mehr.

      Und schau dir doch vielleicht mal das Formular an, dass wir heute veröffentlicht haben:

      https://www.zeitzuleben.de/15956-formular-wunde-punkte-und-wachstum/

      Insbesondere die Frage 4.

    • Anette schreibt am 2. Oktober 2011

      Liebe Daniele

      Du schreibst, dass Loslassen nicht so dein Ding ist. Vielleicht darf ich dir dazu einen neuen Gedanken anbieten, etwas zum analysieren, weil du doch dafür begabt bist.
      Die Idee ist: Das, was wir loslassen – und Loslassen bedeutet für mich, dass wir an etwas denken können, ohne dass unser Körper noch Schmerz oder Angst oder Wut oder Beschämung usw. empfindet – also ich will sagen: das, was wir loslassen, kehrt als neue Energie, als ein überraschender Impuls oder schlichte Lebensfreude wieder zu uns zurück. Loslassen bedeutet für mich, zuzulassen, dass etwas verwandelt wird. Du wirst die Veränderung fühlen, spüren – und dein Verstand wird vor überraschung Purzelbäume schlagen und sich auch wieder beruhigen.
      Wer oder was verwandelt? Das weiss ich nicht. Wie schnell geht es? Das weiss ich auch nicht.
      Aber die Tatsache, dass etwas verwandelt werden kann, gehört zu meinen kostbarsten Lebenserfahrungen, für die ich von Herzen dankbar bin.
      Behalte deinen wachen, analysierenden Verstand als Geschenk des Lebens an dich! Und mute ihm die Erkenntnis zu, dass Loslassen eine wirklich interessante Erfahrung sein kann. Und dann warte ab, was passiert. Ich wünsche dir Glück!

  • Das ist eine sehr weise Sicht der Dinge, besonders auf den des Schmerzes. Mir hilft es zu sagen, es ist “nur” ein Schmerz. Das hört sich hart an, aber jeder Mensch hat Wahlfreiheit, mit seinem Schmerz umzugehen. Bestes Beispiel sind für mich Kriegs- und KZ-Opfer, wie z.B. Victor Frankl, der aus dieser Erkenntnis seine Logotherapie entwickelte.

    Dennoch sind die Belastbarkeit und die vorhandenen Resilienzfaktoren eines jeden unterschiedlich. Deshalb lohnt es sich m.E., wenn man mit seinem Schmerz noch nicht so umgehen kann wie oben beschrieben, “klein” anzufangen und an einer positiveren Selbstwahrnehmung etc. zu arbeiten – Beispiele dafür gibt’s bei Zeitzuleben ja genug :-)

    Eine andere Frage, die man sich stellen kann, wenn man sich dem Schmerz noch nicht so aussetzen mag: Was nützt er mir? Diese Frage ist weder provokant noch veralbernd gemeint, sondern sie lässt sich ehrlich und nüchtern beantworten. Oft kommen dabei Dinge zum Vorschein, die man selbst nicht gedacht hätte, wie zum Beispiel dass man sich auf diese Weise vor bestimmten Dingen verschließen kann/sie nicht machen muss, dass andere keine zu hohen Ansprüche stellen, dass man als Opfer eher Streicheleinheiten bekommt, dass der Partner bleibt oder anderes. Möglicherweise entdeckt man auch, dass man Angst hat vor der Veränderung. Was passiert, wenn der Schmerz weg ist?

    Veränderung ist der Motor des Lebens. Täglich tragen wir Schmerz in uns, physischen, psychischen und/oder Weltschmerz. Veränderung zulassen heißt Schmerz fühlen und ihn loslassen, jeder auf seine Weise, in seinem Tempo, mit seiner Wahrnehmung. Mit dem Loslassen gewinnt man Freiheit, Dinge zu tun, die man vorher nicht für möglich gehalten hätte, und man gewinnt Lebensfreude.

  • Wieder ein richtiger Beitrag zum richtigen Zeitpunkt. Ich durchlebe gerade einen tiefen Schmerz, der in seiner Entstehungsgeschichte viele Geschenke für mich hatte und das hilft mir, den Schmerz zu überwinden. Ich befinde mich im Prozess des Loslassens, mal gelingt es mehr, mal weniger und manchmal gar nicht. Ich arbeite daran und wenn ich daran zurückdenke, was den Schmerz der jetzt da ist, verursacht hat, dann gewinne ich nur mehr an Stärke und es lässt mich meinen Weg, den ich jetzt gewählt habe, weitergehen.

    • Anette schreibt am 2. Oktober 2011

      Liebe/r Val
      Deine Andeutungen über deinen Schmerz haben mich berührt. Ich wünsche dir von Herzen, dass deine Art, mit dem Schmerz umzugehen, dich mit vielen beglückenden Augenblicken erfüllt und dir die Gewissheit gibt, von etwas Namenlos-Grossartigen behütet zu sein. Alles Gute dir!

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