Zu hohe Erwartungen?

Glück = Wirklichkeit minus Erwartungen

– Hinduistisches Sprichwort

Vor einiger Zeit bin ich über dieses Sprichwort gestolpert und habe es gar nicht mehr so richtig aus dem Kopf bekommen.

Im ersten Moment fühlte ich mich in meiner realistisch-pessimistischen Lebenseinstellung angesprochen. Also ich selbst würde mich eigentlich eher als Realist bezeichnen. Aber für Andere gehe ich durchaus als Pessimist durch ;-)

Ich habe einfach ganz bewusst immer eher geringe Erwartungen an die Dinge und lasse mich dann lieber positiv überraschen, als dass ich enttäuscht werde.

Die Differenz zwischen Wirklichkeit und deinen Erwartungen

Für mich sagt das Sprichwort genau das: Nimm die Wirklichkeit und ziehe das ab, was du erwartet hast. Je höher die Differenz zwischen der Wirklichkeit und deinen Erwartungen ist, umso weniger Glück empfindest du.

Ja, das ergibt einen Sinn für mich. Wenn ich samstags mit meinem Partner – einem absoluten Mega-Optimisten – Fußball schaue, dann bin ich meistens am Ende des Tages zufriedener mit dem Ergebnis als er, der so viel mehr erwartet hatte.

Und irgendwie habe ich auch immer das Gefühl: Je weniger ich von dem Ausgeh-Abend mit meiner besten Freundin erwarte, umso netter und schöner wird er.

Und je weniger überhöhte Erwartungen ich an andere Menschen stelle, umso glücklicher ist unsere Beziehung zueinander.

Die Erwartungen an dich selbst

Ich lese in diesem Sprichwort aber auch: Je weniger überhöhte Erwartungen ich an mich selbst stelle, umso glücklicher bin ich. Ich muss nicht perfekt sein. Ich bin ich. Mit allen guten und mit allen schwierigen Seiten. Mit all meinen Fehlern und all meiner Unwissenheit. Und je größer meine Erwartungen an mich sind, umso unglücklicher mache ich mich.

Und das bringt uns zu der zweiten Wahrheit, die ich in dieser einfachen Gleichung finden konnte: Es ist für mich auch eine Aufforderung zur Demut.

Sei dankbar für das, was du hast. Für das, was du bist. Habe nicht überzogene Erwartungen an das Leben. Fordere nicht immer mehr und mehr ein.

Wenn ich nämlich mal die hohen Erwartungen aus der Gleichung weglasse (quasi null Erwartungen), dann bleibt: Glück = Wirklichkeit. Wie großartig ist das denn?!

Denn das sagt mir: Genieße die Wirklichkeit. Sei einfach da. Nimm das Leben so an, wie es ist, und du wirst glücklich sein. Eine wunderbare Aussage, finde ich.

Vielleicht lässt du dich auch ein bisschen von diesem Sprichwort inspirieren. Und vielleicht kann es dir einen kleinen Hinweis darauf geben, wo dir überhöhte Erwartungen noch den Weg zum Glück versperren.

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Kommentare

  • Ich verstehe, worauf der Artikel abzielen möchte:
    “weniger Erwartung an einen selbst = weniger Selbstüberfoderung”
    , aber den Aufbau des Artikels halte ich für total daneben sowie das indische Sprichwort und die Glücks-Gleichung.

    Ich wäre lieber der enttäuschte Fußballfan, der während des Spiels lebendig mitfieberte als das leblose Hascherl daneben, welches keinerlei Erwartungen mehr an das Leben stellt, weil es verlernt hat zu Träumen sowie zu Trauern.

    Das Hascherl selbst schreibt “ich war am Ende des Tages zufriedener als mein Partner”, es schreibt nicht “ich war am Ende des Tages GLÜCKLICH”.

    Glück wird lediglich durch Liebe-Geben hervorgerufen. Auch, wenn der Fußballfan an einem Abend enttäuscht wurde, so liebt er den Verein und ist die meiste Zeit mit ihm glücklich (nicht zufrieden).
    Liebe=Lebendigkeit
    Liebe=Humor

    Niemals ist Liebe=Wenig-Erwartung sowie
    niemals Glück=Wenig-Erwartung

  • Vielleicht liegt es daran, dass ich sehr viel mit Naturwissenschaft un Mathematik zu tun habe. Wir gehen bei der Formel oben davon aus, dass die Wirklichkeit nicht oder kaum veränderbar ist, und ich deswegen meine Erwartungen kleiner mache, damit am Ende mehr Glück rauskommt. Für mich trifft das eher auf Zufriedenheit zu. Also nimm die Wirklichkeit, so wie sie ist, ziehe deine Erwartungen davon ab und du bist maximal zufrieden je kleiner deine Erwartungen waren. Ich glaube, dass Glück aber gerade dadurch maximiert wird, dass ich nicht so sehr von meinen Erwartungen abweiche und immer wieder mutig danach frage, ob die Wirklichkeit tatsächlich die Wirklichkeit ist oder nur etwas was ich als gegeben hinnehme.

  • Danke für diesen tollen Beitrag. Nicht zu hohe Erwartungen an andere zu haben, lernt man im Laufe des Lebens. Und liebevoll mit den Erwartungen an sich selbst umzugehen auch.

  • Ich denke, jeder darf Erwartungen haben. Ich darf Wünsche haben und erwarten, dass sich wenigstens einige dieser Wünsche erfüllen. Glück ist, wenn man sich über die Erfüllung einiger Wünsche freuen kann.
    Und ich darf die Erwartung an mich haben, nicht perfekt zu sein und vielleicht sogar aus einigen Fehlern zu lernen.
    Es kommt immer darauf an, wie man seine Erwartungen formuliert.

  • Liebe Judith
    Danke für den Artikel. Am besten wäre es, wenn wir gar nichts erwarten würden, dann hätte das Leben genug Platz, uns immer wieder überwachen zu können. Gleichzeitig kämen wir aus dieser Unglücksspirake heraus, due heiß läuft; wenn sich unsere Erwartungen nicht erfüllen. Wir haben keinen Einfluss auf das Tun und Denken anderer Menschen und die Erwartungen, die wir an uns selbst stellen verhindern nur allzu oft, das wir aus unserem Herzen Leben.
    Wenn es gelingt, unsere Erwartungen in Wünsche zu verwandeln, nehmen wir den Druck heraus, der in jeder Erwartung steckt. Dein Leben wird leichter, auch wenn sich nicht jeder Wunsch erfüllen mag. Namaste Emanuela

    • Emanuela

      …. Korrektur ….
      …. hätte das Leben genug Platz, uns immer wieder überraschen zu können …
      :-) sorry

  • Wenn man keine Erwartungen hat, müsste das Leben bzw. die Wirklichkeit demnach pures Glück sein – und das dem nicht so ist, dürfte auch jedem klar sein. Deshalb verstehe ich die vielen positiven Kommentare nicht.

    Aber vielleicht sollte man jeden, der das Wort Glück benutzt erst mal fragen, was er/sie eigentlich meint. Glück, dass man noch am Leben ist? Jo. Die Realität, ein einziger, nicht enden wollender Hormonrausch? Nö.

    Also zielt die “Formel” doch wohl eher darauf ab, dass man besser fährt, seine Erwartungen runter zu schrauben, dann wird man eben auch selten enttäuscht. Wenn ich keinerlei Erwartungen habe, werde ich sogar überhaupt nicht mehr enttäuscht werden. Ist das nicht eine großartige Erkenntnis? Nö. Hilft es irgend jemandem auf diesem Planeten? Nö. Warum nicht? Ganz einfach: Ein Leben ohne Erwartungen ist ein sich-treiben-lassen, Spielball von anderen und den Launen der Natur zu sein, sich selbst komplett aufzugeben. Ganz plakativ gesagt: Wenn ich mir Kleidung anziehe, steht dahinter die Erwartung, dass sie mich wärmt, schützt und mir die Scham, als Einzige(r) nackt zu sein, erspart. Wenn ich diese Erwartung nicht hätte, bräuchte ich mich nicht anzuziehen. Wenn mit der Nahrungsaufnahme nicht die Erwartung verbunden wäre, dass sie mich sättigt, bräuchte ich nicht zu essen. Und so weiter, und so fort.

    Eine Leben ohne Erwartungen ist eine Illusion. Wir alle haben Erwartungen, an uns selbst, und an andere. Und das wird sich auch nicht ändern. Es ist IMO auch richtig so. Die Frage ist also nicht, ob und wieviele Erwartungen man hat, sondern welche. Viel mehr mag ich dazu jetzt auch nicht schreiben.

  • Wenn man Erwartungen hat, macht man sich auch etwas vor. Denn da wartet man bis zum St. Nimmerleinstag, dass der andere einen glücklich macht

  • Erwarten heißt auch immer, an die Zukunft zu denken. Und schon ist sie weg, die Gegenwart, deren Erleben wohl der Schlüssel zum Glück sein mag…

  • Hallo Martina,
    Ich freue mich, das Dir meine Kommentare gefallen. Ich hoffe das ich aufgrund meiner vielen Antworten nicht wie ein Oberlehrer erscheine. Es ist einfach nur ein Meinungsaustausch, und ich glaube wir können hier viel voneinander lernen. Besonders Interessant finde ich, das viele Menschen oft die gleichen Probleme und Sorgen haben.
    Oft ist es so, das ich einen bestimmten Satz lese, und dann sprudeln die Ideen.
    Bei Dir ist es z.B. die Aussage : „ich gehe friedfertig mit mir um“. Da steckt viel drin.

    Es gelingt nämlich den meisten Menschen nicht, friedfertig mit sich umzugehen.
    Die Welt ist deshalb so schlecht, weil so viele Menschen „den Anderen so lieben wie sich selbst“.
    Warum gelingt es den meisten nicht mit sich selbst friedfertig umzugehen?
    Bis ein Mensch erst einmal Erwachsen ist, bekommt er von ziemlich vielen Menschen gesagt, was mit ihm nicht stimmt. Gelobt wird doch nur selten. Irgendwann übernehmen wir die Kritik und werden dann unser eigener Kritiker. Wir glauben dann fest daran das etwas nicht mit uns stimmt, oder das wir uns ändern müssen. Und dann befinden wir uns ständig in einem Konflikt der aggressiv macht. Dieses kann dann dazu führen, das wir dann auch andere Menschen ständig kritisieren.

    Friedfertig wird man wohl nur sein, wenn man sich selbst akzeptiert und zu seinen sogenannten Fehlern steht. Wir haben ja nicht nur „Fehler“, sondern auch jede Menge gute Seiten und unsere Talente. Das bedeutet jedoch nicht, das wir nicht an unseren „Fehlern“ arbeiten dürfen.

    Sie zu erkennen ist der erste Schritt. Das Problem liegt aber schon darin, das es kein richtig oder falsch gibt. Oft sind es doch andere die uns einen Fehler bescheinigen, nämlich weil sie sich durch eine gewisse Eigenschaft gestört fühlen. Diese Tatsache dürfte wohl auf eine große Anzahl sogenannter Fehler zutreffen.
    Es ist doch so das Eigenschaften neutral sind. Wo wäre ich ohne Aggressionen oder Wut.
    Hätte ich mein Leben selbst gestalten können, wenn ich ein „lieber“ Mensch wäre, der alles macht was man mir sagt ? Umgekehrt kann eine sogenannte positive Eigenschaft negative Auswirkungen haben. Hitler war sehr fleißig.

    Hat man eine Eigenschaft gefunden die man ändern möchte, dann sollte man dieses auch tun, allerdings richtig. Ich habe mich früher gequält und militärisch gedrillt um mir den „Teufel auszutreiben“. Diese ganze Kraft die ich hineingesteckt habe kam mir dann wie ein Bumerang in Form von Frust entgegen.
    Das Problem war, das ich das negative ständig betont habe. Das funktioniert nicht.
    Heute nehme ich die negative Eigenschaft zur Kenntnis, und ersetze sie durch eine bestimmte Handlungsweise. z.B. man könnte bei einem Wutausbruch einfach eine Runde spazieren gehen, oder ein Glas Wasser trinken, anstatt den Anderen verbal zu attackieren.
    Wichtig ist es zu wissen, das die schlechten Angewohnheiten am Anfang immer wieder auftauchen, deshalb ärgere ich mich auch nicht darüber, denn der Ärger stärkt diese Angewohnheiten. Ich weiß ja das sie im Laufe der Zeit verschwinden. Das Macht mich schon viel entspannter und nimmt dem Problem die Kraft.
    Und anstatt an das Problem zu denken, mache ich etwas was mich ablenkt und am besten auch noch entspannt. Hilfreich ist es einfach an die positiven Eigenschaften zu denken und an diesen zu arbeiten. Die negative Eigenschaft verschwindet ganz von alleine, wenn sie nicht ständig aktiviert wird.

    Eine gute und entspannte Woche

    Ulli

  • Hallo Ulli,
    ich war echt neugierig, wie oft du wieder auf die einzelnen Blogs antworten würdest. Sehr spannend! Und deshalb habe ich auch alles bis zum Schluss gelesen in der Erwartung “da kommt gleich wieder wieder ein Kommentar”. Super! Du sprichst mir aus der Seele. Über den “egoistischen Mistkerl” musst ich lachen. Aber dazu wird man schnell, wenn man die Erwartungen der anderen nicht erfüllt. Deshalb versuche ich mir immer zu sagen: “Erwarte nicht von anderen, was du von dir selbst nicht erwartest”. Damit fahre ich eigentlich ganz gut. Ich muss allerdings auch sagen, dass meine Erwartungen an andere generell nicht besonders groß sind. Deshalb gehe ich mit mir selbst auch ganz “friedfertig” um. In meiner Partnerschaft lerne ich gerade (mühsam), dass meine Ansprüche an bestimmte Fertigkeiten nicht die gleichen sind, wie die meines Partners. Inzwischen kann ich über Vieles lachen und seit dem geht es mir besser! Vielen Dank auf jeden Fall für deine Texte zum Thema!!!

  • Erwartungen – erfüllte wie unerfüllte – haben für mich grundsätzlich etwas mit Kommunikation zu tun. (was will ich und was brauch ich vom und mit dem Anderen), wir müssen echt darüber reden.

    Keiner ist für mein Glücklich-Sein zuständig oder gar verantwortlich außer ich höchst persönlich! (und zunächst mal ganz alleine. Es wurde uns kein bequemes, wohl aber ein erfülltes Leben versprochen. Und da das Leben vor mir da war, darf ich es jetzt füllen!)

    Bei Enttäuschungen oder Unerfülltem versuch ich möglichst, mein eigener Chairman zu bleiben, der sich im eigenen Geiste überlegen darf, wie er mit dieser ‘Niederlage’ umgehen möchte
    ohne negative- und Mängel Erscheinungen.

    Auch eine Enttäuschung nicht als ein Problem, sondern tief im Herzen und im wahrsten Sinne des Wortes als eine Heraus-Forderung zu empfinden, erzeugt in mir eine ganz andere Kraft und Energie.
    (und wenn dann auch noch Kreativität dazu kommt – nicht aus zu denken….)

    Und noch etwas zur Demut:
    Wirkliche Demut tut mir gut und richtet mich auf, weil sie mich eben nicht klein macht und abwertet, sondern all die Dinge an ihre richtige Stelle setzt, in eine angemessene Verhältnismäßigkeit.

    Ich bin neu hier und beteilige mich zum ersten Mal mit diesem Beitrag. Ich möchte mich so verstanden wissen, dass meine Beiträge kein Besser-Wissen bedeuten oder Belehrungen sein sollen, sondern grundsätzlich mein gelebtes Leben – und deren ständige Versuche –
    in Worte fassen.

    Allen einen guten Start in die Woche

  • Erwartungen einfach abzustellen stelle ich mir sehr schwer vor, denn wir alle haben Erwartungen an uns, an andere, an gewisse Situationen etc. Aber ab wann sind denn Erwartungen überhöht? Und wie merkt man, dass sie überhöht sind? Wenn ich etwas gut kann und es mir sehr leicht fällt z.B. die hier schon mehrfach genannte Zwiebel zu schneiden, mache ich mir vielleicht gar keine Gedanken darüber, dass jemand anders damit Probleme haben könnte. Bedeutet das, dass jede Erwartung, die ich an jemand anderen habe, eine überhöhte Erwartung ist? Ich finde das relativ schwierig und noch schwieriger finde ich es zu sehen, wann meine Erwartungen an mich selber zu hoch sind. Denn mir geht es auch ein wenig wie Steffi, wenn ich alles so nehmen wie es ist, bedeutet das dann nicht auch Stillstand?

    • Ulli

      Zitat: „wenn ich alles so nehmen wie es ist, bedeutet das dann nicht auch Stillstand?“

      Ich unterscheide grundsätzlich zwischen den Erwartungen anderer Personen und den eigenen Erwartungen an meiner Person.

      Ich wollte grundsätzlich viel im Leben, und habe die Erwartungen an mich sehr hoch angesetzt. So habe ich 90 % von den eigenen Erwartungen erreicht. Das funktioniert aber nur bei den Dingen die ich aus eigener Kraft erreichen kann. Z.B. Abschluss eines Studiums.
      Spielen andere Personen eine Rolle (z.B. Partnerschaft ) kann ich diese Ziele nicht aus eigener Kraft erreichen. Dann nämlich, wenn der „Traumpartner“ andere Vorstellungen hat. Wenn ich also jemanden bewegen möchte, das er mich mag, dann kann ich viel Zeit und Energie nutzlos verschwenden.
      Also grundsätzlich die eigenen Erwartungen von denen der Partner, Familie und Freunden unterscheiden.
      Ich setze eigene Erwartungen höher an, so das ich 90 % erreiche. Setze ich die eigenen Erwartungen bei 50 % an, werde ich vielleicht nur 40 % erreichen, oder aber mit den 50 % unzufrieden Leben.
      In wie weit ich die Erwartungen der Familie, Freunde etc. erfülle hängt davon ab, wie viel mir derjenige bedeutet. Ich lasse niemandem in Stich, lasse mich aber auch nicht ausnutzen.
      Die dritte Kategorie sind Fremde ( Nachbarn, Chef etc. ) die etwas von mir erwarten. Hierbei muss man sehr aufpassen, besonders wenn man gutmütig ist. Man wird ganz schnell zum Pausenclown wenn man nicht aufpasst.
      Je nach Kategorie verteile ich meine Knappe Energie. Die Hauptenergie stecke ich in eigene Projekte, dann folgen nahestehende Personen, und dann bleibt nicht mehr viel übrig.
      Deshalb bin ich einerseits ein sehr fleißiger und aufopfernder Mensch, andererseits ein egoistischer Misstkerl. Viele Menschen kommen mit dieser Dualität meines Wesens nicht zurecht, insbesondere nicht, wenn sie nicht zu den bevorzugten Personenkreis gehören, aber meinen sie hätten besondere Ansprüche.

  • Beim Zwiebel-Beispiel wird deutlich, dass es nicht nur um die eigene Erwartung in einer Situation geht.
    Der eine ist verärgert (ent-täuscht), dass seine als richtig empfundene Wahrheit -falscher Zwiebelschnitt- nicht erfüllt wurde, der andere ist ebenfalls verärgert, dass seine Erwartung -Anerkennung fürs Zwiebel- schneiden- nicht erfüllt wird.

    Ergo: wenn einer mit jemandem ein Problem hat, hat dieser Jemand genau das gleiche Problem mit ihm.
    = Wirklichkeit ist immer nur die eigene Wirklichkeit.

    —–
    “Wirklichkeit minus Erfahrungen/Erwartungen = Glück”
    schön wäre es, wäre es so einfach.

    Wem in seiner Wirklichkeit “Gesundheit” seine Erwartungen genommen werden, der ist zwar in seiner bereinigten Wirklichkeit angekommen, aber damit nicht “glücklich”.

    Und auch bei allem Bemühen um Demut und Dankbarkeit, also beim An-nehmen der Krankheit wird er nicht glücklich jubeln, sondern verstummen.

  • Durch die Frage, darf ich den keine Erwartungen haben, nach einer “streitigen” Situation, ist mir folgende Deffinition dazu eingefallen.
    Nicht erfüllte Erwartungen sind unausgesprochen Bitten an den anderen. Dadurch kann ich mir mein unerfüllten Bedürfnis erfüllen.
    Zu Grunde liegt der GFK-Gedanke, daß man immer versucht sich seine und des anderen Bedürfnisse zu erfüllen um in Verbindung zu kommen.

  • Mit der Interpretation dieser Gleichung hatte ich beim Lesen Schwierigkeiten. Sofern Erwartungen an andere Menschen gemeint sind, stimme ich zu. Aber warum sollte ich keine Erwartungen an mich selbst und das Leben haben? Das wäre doch gleichbedeutend mit Stillstand, und Stillstand ist irgendwann Rückschritt. Will ich immer nur in meiner Komfortzone bleiben und das Leben nehmen, wie es gerade kommt? Mir ist es lieber, Erwartungen an mich selbst zu haben und meine Komfortzone ständig zu erweitern. Das macht mich zufriedener. Und konnte mich meine Erwartungen an mich selber nicht erfüllen, halte ich es ähnlich wie Ulli und gehe den Ursachen auf den Grund, um daraus zu lernen.
    Einen schönen Sonntag!

  • Als ereignisorientierter Mensch würde ich sagen, das Ergebnis bleibt immer gleich, egal wie ich die Erwartungen ansetze. Die Enttäuschungen werden weniger, wenn ich weniger erwarte. Logisch, das ist eigentlich nur reine Mathematik.
    Ob das Glas halb leer oder voll ist, der Durst bleibt immer gleich.
    Ich habe ein anderes System um meine Enttäuschung niedrig zu halten. Wenn eine Sache schief geht, ist es wichtig für mich, ob ich Einfluss auf die Sache hatte oder nicht. Hatte ich keinen Einfluss auf die Sache (z.B. Bewerbung kommt zurück, weil ich schon zu alt für diese Stelle bin ), dann ärgere ich mich nicht darüber.
    Sachen die ich versemmelt habe, finde ich in der Tat ärgerlicher. Dann aber halte ich mich nicht sehr lange mit dem Ärger auf, sondern gehe gleich in den Analysemodus. Der Ärger verschwindet schnell durch die Ablenkung, und ich bekomme Ergebnisse die mir beim nächsten mal weiterhelfen.

    Ein Beispiel : Ich habe etwas nicht geschafft, weil ich nicht hart genug gearbeitet habe.
    Im Analysemodus stellt ich fest, das mir die Energie gefehlt hat.
    Warum fehlte die Energie ?
    1.) War die Motivation nicht hoch genug ? Lösung : Nur noch reizvolle Aufgaben übernehmen.
    2.) Habe ich zu viel Energie verschwendet, durch Ärger, wenig Schlaf etc.
    Lösung : Psychohygiene und / oder besser Zeit-und Lebensplanung.
    3.) Habe ich aus psychischen oder physischen Grund zu wenig Energie für die Aufgabe, und kann das auch nicht durch Sport oder gesunde Lebensführung ändern.
    Lösung: Man wird nun einmal auch älter, fertig !

    Ich komme oft bei meinen Analysen zu dem Ergebnis, das bei sehr vielen Dingen einfach mein Einflussbereich endet. Ist dieser Einflussbereich gering, dann stecke ich auch weniger Energie hinein.
    Es gibt natürlich Aufgaben bzw. Menschen da „sträubt sich bei mir sofort das Fell“.
    Hier unternehme ich gar nicht erst den Versuch etwas zu bewirken. Der Mensch ist nun einmal nicht unbegrenzt flexibel, auch wenn das immer wieder verlangt wird. Meistens übrigens von sehr unflexiblen Menschen, die sehr oft von alternativlos sprechen und unser Land ruinieren.
    “Ein guter General sucht sich sein Schlachtfeld sorgfältig aus, und lässt sich nicht in eine Falle locken. “

  • Vielen Dank für diese so einfache, aber vor allem treffende Gleichung

  • und zu Demut fällt mir ein:
    den Mut zu haben Dinge/Situationen zu akzeptieren wie sie sind
    den Mut zu haben, DInge/Sachen zu verändern und das Beste daraus zu machen. Für mich ist Demut auch ein Begriff für Respekt !
    Ist nicht die Erwartungshaltung, das, was uns oft scheidern lässt ? Jede Situation wird beurteilt – bewertet und analysiert. In unserem heutigen Geschäftsleben ist nur noch Druck und Leistung – dies bedeutet uch “Erwartung” in höheren Gewinn etc. etc. Und welchen Preis dafür ist man bereit zu bezahlen ? Perfektionismus in allem – und bitte – wer und was ist eigentlich “perfekt”. Darüber lohnt es sich auch nachzudenken. Muss alles immer perfekt sein ? Die Zwiebeln quer oder längst geschnitten – das Handtuch rechts oder links drapiert ? Wer entscheidet was eigentlich richtig ist ? Solche Dinge zu bemängeln zeigt auf, wie unzufrieden derjenige eigentlich ist, wenn auf solche Dinge so viel Wert gelegt wird. Meine Beobachtungen zeigen mir immer wieder, glücklich sein, geniessen können, akzeptieren ist eine Einstellung, die zu lernen ist. Oft auch ein Schwimmen gegen den Strom…
    Danke für den tollen Artikel.

    • Ulli

      Zitat: “Ist nicht die Erwartungshaltung, das, was uns oft scheidern lässt ?“

      Ist es wirklich die eigene Erwartungshaltung die uns scheitern lässt, oder ist es die Erwartungshaltung der anderen Menschen an uns, die uns scheitern lässt ?
      Es kommt auch noch verschärfend hinzu, das wir unsere eigene Erwartungshaltung (durch Manipulation von Werbung etc. ) vielleicht falsch ansetzen.

      Ich bewundere immer kleine Kinder, die wissen genau was sie wollen, weil sie noch nicht manipuliert wurden. Wenn man einem kleinen Jungen, der leidenschaftlich gerne mit Autos spielt, plötzlich eine Puppe in die Hand drückt, wird er zum Ausdruck bringen, das er entscheidet mit was er spielt.

  • ich glaube hohe erwartungen entstehen aus den wünschen die man selber so hat. und um diese wünsche zu erfüllen “braucht” man manchmal auch einen passenden partner. entsprechend läuft man durch das leben und sucht so einen partner. das leben lehr einen meist eines besseren. man muss lernen abstriche zu machen.

    die hohen erwartungen kommen sicherlich aber auch mit daher, dass z.b. arbeitgeber sehr hohe erwartungen haben. man muss gut sein in seinem job (konkurrenzdruck). also wird ordentlich vom einzelnen gefordert. diesen druck gibt man ggfs unterbewusst auch im privatleben weiter.

    bsp: eine bekannte, arbeitet viel, verdient gut, steht sehr unter druck im job (immer wieder entlassungen in der firma). sie hat also neulich eine putzfrau gesucht. diese hat jedoch nicht alles exakt so gamcht, wie erwartet. sie z.b. die handtücher falsch (anders) zusammengelegt. somit verlor sie ihren job wieder. die bekannte sagte: die putzfrau taugt nichts. ich sagte: hey, wenn nur das mit den handtüchern anders war als von dir erwartet, aber der rest ok, wo ist dein problem? schweigen.
    jetzt muss sie eben wieder selber putzen.

    so ist das nun mal. dann muss man seinen kram wieder selber machen, wenn man nie damit zufrieden ist, was ein anderer einem gibt.

    anderes beispiel: ein bekannter lud neulich zum essen ein., wir haben alle zusammen gekocht. dann hat jemand die zwiebeln “falsch” geschnitten. und es gab kritik dafür. ja hallo, dann koch doch dein essen selber. keiner stirbt, wenn die zwiebel nicht “richtig” geschnitten ist.
    …..

    und manche wundern sich, warum sie alleine sind oder alles selber machen müssen.

    • Ulli

      Ja leider ist es so, das manche den Druck den sie bekommen, auch weitergeben. Die Welt wird dadurch sicher nicht besser.
      Dieser zunehmende Leistungsdruck liegt an unserem Finanzsystem. Menschen leihen Firmen Geld, das die Firmen sie mit Zins und Zinseszinns zurückzahlen müssen.
      Diese Zinsen können nicht erwirtschaftet werden, das ist mathematisch gar nicht möglich.
      Die Produktionsfunktion ist linear, die Zinseszinns Funktion exponentiell. Das bedeutet, das die exponentielle Funkton irgendwann die lineare Funktion übertrifft, und ins unendliche läuft.
      Mit anderen Worten, irgendwann ist der Zeitpunkt erreicht, das wir noch soviel arbeiten können, und es trotzdem nicht reicht. Auch wenn man sich dann zwölf Jobs sucht. Es ist mathematisch und auch praktisch unmöglich. Deshalb hat man ständig Währungsreformen im Laufe der Geschichte. Am Anfang der Währungsreform hat man noch die Chance es zu bescheidenem Wohlstand zu bringen, wie unsere Väter. Am Ende der Periode verliert man dann alles. Davon sind dann meistens die Kinder bzw. Enkelkinder betroffen. In 20 Jahren bekommt kaum noch jemand mehr als Grundrente.

      Beim Monopoly hat irgendwann einer alles, und die anderen nichts. Wenn man jetzt aber ein neues Spiel startet, jedoch nur das Geld neu verteilt, also Hotels und Grundstücke beim Eigentümer bleiben, ist es wohl keine Frage wer das nächste Spiel gewinnt. So läuft unsere Wirtschaft.
      Wenn man dieses weiß, wird man nicht mehr so dumm sein, und seine Gesundheit opfern um wie ein Wahnsinniger zu arbeiten.
      Entschuldigt bitte den Ausflug in die Wirtschaftswelt, aber die Menschen spüren diese Auswirkungen, und im Endstadium des Systems hilft dann auch Psychologie nicht mehr, um den Menschen zu helfen. Man kann dann auch nicht mit psychologischen Tricks mehr aus sich herausholen. Ich denke aber, wenn man weiß was einen erwartet kann man besser damit umgehen.

  • Zu hohe Erwartungen an sich selbst und andere macht einfach Unglücklich.Ich bin stark,aber ich darf auch schwach sein (Robert BETZ) CD ist einfach genial

  • Wunderbar! Der Artikel bringt (für mich) eine der größten, schwierigsten und komplexesten (und mit am häufigsten gestellten) Fragen auf den Punkt. Sind es doch am Ende ganz ganz oft und immer wieder die eigenen Erwartungen, die uns vom glücklich sein abhalten.

    Danke :)

  • Schöne Gedanken zum Thema “Erwartungen an das Leben”. Danke dafür. Der Einstieg ist etwas “mathematisch”, weil hier etwas wenig Greifbares, wie Glück, Wirklichkeit und Erwartungen in eine Formel gepackt wird. – Die Gedanken dazu konnte ich gut nachvollziehen. Wer in seiner Wirklichkeit alles Perfekte als unnatürlich ausschließt, erlebt eher befriedigende Momente, als derjenige, der sehr viel vom Leben erwartet. Der Begriff Demut passt auch sehr gut zu diesem Thema, wie die Autorin Judith auch erkannt hat (zwar ist Demut ein alter, religiös geprägter Begriff, mir fällt jedoch kein besserer ein). Ich meine in diesem Fall wäre es die Demut vor dem Machbaren, dem was möglich ist in einer Situation im Rahmen einer unzulänglichen Welt. –
    Ich selbst versuche eher ein Optimist zu sein, als ein Pessimist, weil es sich leichter lebt, auch im Umgang mit anderen Menschen. Dieser Optimismus ist jedoch eher ein Zweckoptimismus, der das große Ganze betrifft. In Bezug auf konkrete Situationen bin ich wohl eher pessimistisch, wie die Autorin. Darum bin ich hinterher auch selten enttäuscht von einem Erlebnis oder Ergebnis.

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