6 Gründe: Wieso aufräumen und entrümpeln so schwer fällt

Fällt dir Aussortieren, Entrümpeln oder Ausmisten leicht?

Kannst du gut Dinge wegwerfen, die kaputt sind, für die du aber irgendwann mal – vielleicht auch viel – Geld bezahlt hast?

Verschenkst du gerne Dinge, die dir nicht mehr gefallen oder die du nicht mehr gebrauchen kannst?

Falls deine Antwort „Ja“ lautet: prima. Dann freue dich darüber. Du brauchst den Beitrag dann jetzt nicht unbedingt weiterzulesen :-)

Wenn du dich aber schwer damit tust, Dinge, die du nicht magst oder nicht mehr gebrauchen kannst, wegzutun, dann befindest du dich in allerbester Gesellschaft. Das geht ganz vielen Menschen so. Bestimmt weißt du das auch aus Gesprächen im Bekanntenkreis oder unter Kollegen. Denn vielen Menschen fällt es schwer, auszusortieren, sich wirklich von Dingen zu trennen oder manches wegzuwerfen.

Was ist überhaupt das Problem?

Es gibt viele gute Tipps und Ideen, wie man mit dem Ausmisten anfängt und welche Kriterien man anlegen sollte, damit das mit dem Aussortieren funktioniert. Die meisten Tipps sind wirklich gut und hilfreich. Sie sind nützlich. Trotzdem funktionieren sie oftmals nicht so einfach. Weil es nämlich gute Gründe gibt, die uns daran hindern, diese Tipps zu beherzigen und anzunehmen.

Diese Hinderungsgründe sind für viele von uns entscheidend, wenn wir mit dem Aussortieren und Wegtun nicht weiterkommen. Deswegen geht es in diesem Beitrag darum, genau diesen Gründen ein Stück mehr auf die Spur zu kommen.

Schaue dir die folgenden typischen Hinderungsgründe einmal an. Denn wenn du dir bewusst machst, was dich daran hindert, auszumisten oder auszusortieren, dann kann es dir in Zukunft leichter fallen, mit dem Aussortieren wirklich weiterzukommen. Also deinen Keller in der Tat zu entrümpeln oder es zu schaffen, dass in deinen Schränken mehr Ordnung und Übersichtlichkeit herrscht.

Hinderungsgrund 1: Ausmisten kann schmerzhaft und schwierig sein

Es gibt Menschen, denen fällt es leicht, auszusortieren, Dinge wegzugeben und sich von alten Sachen zu trennen. Aber es gibt eben auch viele Menschen, die damit Probleme haben. Für die es eben nicht nur eine Frage der Motivation ist, anzufangen.

Denn Auszumisten ist wirklich schwierig und keine leichte Aufgabe. Wenn wir aber von uns erwarten, dass Ausmisten leicht sein muss, hindert uns das in vielen Fällen daran, mit dem Ausmisten anzufangen oder es durchzuziehen. Weil wir uns dann z. B. schämen oder selbst verurteilen, dass es uns eben nicht leichtfällt.

Ein erster Schritt, mit dem Aussortieren weiterzukommen, besteht also darin, sich einzugestehen, dass es einem schwerfällt. Dass es weht tun kann, Dinge wegzutun. Denn dann weißt du, dass du eine Hürde überwinden musst, um dein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Diese Hürde zu überwinden gelingt leichter, wenn man sich zunächst eingesteht, dass sie da ist.

Wenn du diese Hürde überwinden möchtest, entscheide dich doch ganz bewusst dafür, die Erwartung, dass Aussortieren und Entrümpeln leicht sein sollten, loszulassen. Für dich ist es nicht leicht. Und das ist in Ordnung so.

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Hinderungsgrund 2: Aussortieren konfrontiert mich mit meinen Glaubenssätzen

Wir alle haben so genannte Glaubenssätze. Das sind Aussagen, die wir für wahr halten. Häufig auch, ohne sie je hinterfragt zu haben.

Man erkennt sie gut an Formulierungen wie z. B.

„Ich/man muss …“

„Ich/man kann aber doch nicht …“

„Ich/man darf nicht …“

Glaubenssätze bezüglich des Aussortierens wären zum Beispiel:

  • Man darf keine Geschenke weiterverschenken.
  • Man muss behalten, was man sich einmal für teures Geld gekauft hat. Auch wenn man es weder mag noch benutzt.
  • Man kann doch nicht Dinge, an denen Erinnerungen hängen, wegwerfen.
  • Man darf nicht wegwerfen, was jemand anderes mit viel Mühe gebastelt oder gebaut hat.

In vielen Fällen lohnt es sich, seine Glaubenssätze übers Aussortieren zu hinterfragen. Häufig stellt man dabei fest, dass sie einem nicht weiterhelfen, sondern eher im Weg stehen.

Frage dich also:

  • Welche Glaubenssätze habe ich?
  • Welche Gedanken hindern mich daran, Dinge, die ich eigentlich nicht mehr brauche und auch nicht mag, wegzugeben?
  • Wie richtig finde ich diese Gedanken?
  • Sind diese Glaubenssätze sinnvoll oder nützlich für mich?
  • Lohnt es sich, an diesem Glaubenssatz festzuhalten, oder kann ich ihn jetzt loslassen?

Wenn du bei der Reflexion über diese Fragen dahin gekommen bist, dass es keinen Sinn macht, an deinem Glaubenssatz festzuhalten, dann probiere doch einmal zumindest an einem Gegenstand aus, wie es ist, dem Glaubenssatz ganz bewusst zuwiderzuhandeln. Wirf eine Kleinigkeit weg, bei der es dir ein Glaubenssatz eigentlich verbietet. Wie fühlt es sich an? Im ersten Moment? Nach ein paar Stunden? Nach ein paar Tagen? Nach einem Monat? Höchstwahrscheinlich wirst du feststellen, dass es völlig in Ordnung ist, diese eine Sache aussortiert zu haben – was für ein befreiendes Gefühl!

Hinderungsgrund 3: Es hat Geld gekostet

Vielfach fällt es schwer, Dinge auszusortieren, weil man vielleicht einmal viel Geld für sie bezahlt hat. Womöglich hat man das Gefühl, den Wert dieser Sachen mit Füßen zu treten, wenn man sie weggibt oder sogar wegwirft. Es fühlt sich dann womöglich so an, als würde man das Geld selbst wegwerfen, das man dafür einst ausgegeben hat.

Dabei hat man das Geld eigentlich in den meisten Fällen dafür bezahlt, dass dieser Gegenstand einen ganz bestimmten Dienst erweist. Zum Beispiel eine Küchenmaschine, die einem die Arbeit erleichtert. Oder ein Fahrrad, das einem Freude macht und einen von einem Ort zum anderen bringt. Sind diese Dinge dann kaputt, veraltet, verrostet oder aus anderen Gründen nicht mehr zu gebrauchen, erfüllen sie diesen Dienst nicht mehr. Oder jedenfalls nicht mehr so, wie man es sich wünscht und vorstellt.

Den Wert, den sie einmal hatten, haben sie dann auch nicht mehr. Kann man sie dann nicht guten Gewissens weggeben?

Falls der Punkt „Es hat Geld gekostet“ es dir schwer macht, Dinge wegzugeben, frage dich z. B.:

  • Welchen Wert hat dieser Gegenstand heute noch für mich?
  • Welchen Wert gewinne ich, wenn ich den Gegenstand weggebe oder wegwerfe? (Zum Beispiel mehr Platz oder dass ich mich weniger ärgere, wenn ich immer wieder diesem Gegenstand begegne)
  • Ist das, was ich durch das Aussortieren gewinnen könnte, nicht vielleicht wertvoller für mich als der Wert dieses nicht mehr zu gebrauchenden Gegenstandes?

Um auszuprobieren, wie es sich anfühlt, etwas ehemals „Wertvolles“ wegzutun, hier ein kleines Experiment: Kaufe dir etwas Schönes: ein Kleidungsstück, ein Buch, eine CD, etwas Dekoratives. Bevor du das neue Teil auspackst, suchst du ein anderes Teil in deiner Wohnung und wirfst es weg. Zum Beispiel: ein altes Paar ausgeleierter Socken, ein Buch, das du ohnehin nie mochtest, eine CD, die du nicht mehr so gerne hörst, oder eine Deko, an der du dich sattgesehen hast. So spürst du, wie es ist, etwas mittlerweile Wertloses zu verabschieden und damit Raum für neue schöne Dinge zu schaffen.

Hinderungsgrund 4: Beim Aussortieren begegne ich belastenden Erinnerungen 

Manch ein Karton oder Dachboden wird nicht geöffnet oder aussortiert, weil sich mit dem Inhalt belastende Erinnerungen verbinden. Man möchte gar nicht mehr daran denken, was in diesem Karton ist. Oder mit welchen Erinnerungen man diese Gegenstände verbindet. Vielleicht sind es Erinnerungsgegenstände aus einer schmerzhaft zu Ende gegangenen Beziehung oder Dinge, die einen an eine schwere Zeit erinnern.

Falls dieser Punkt für dich wichtig ist, frage dich:

  • Möchte ich immer wieder über diese Dinge stolpern oder sie vielleicht doch lieber ein für alle Mal aus dem Weg räumen?
  • Kann es mir irgendeinen Vorteil bringen, mich mit diesen belastenden Erinnerungen noch ein letztes Mal auseinanderzusetzen? Wäre eine Ausmistaktion dann nicht genau der richtige Weg dafür?
  • Habe ich diesen Karton nicht doch irgendwie immer im Hinterkopf? Belastet er mich vielleicht die ganze Zeit unbewusst? Wäre es womöglich besser, sich jetzt einmal bewusst damit auseinanderzusetzen und ihn dann auch aus dem Weg und aus dem Kopf zu haben?

Ein erster guter Schritt, sich seinen belastenden Erinnerungen zu stellen, kann in einer gedanklichen Übung bestehen. Probiere aus, wie es sich anfühlt, dich alten Erinnerungen zu stellen. Erlebe dabei, dass du die unguten Gefühle, die damit einhergehen, aushalten kannst. Denke dazu für einen kleinen Moment an eine unangenehme Erinnerung. Stelle dir die vergangene Situation vor, spüre die Gefühle, die hochkommen. Und nach ein, zwei Minuten steigst du wieder aus deiner Erinnerung aus. Stehe auf, mache irgendetwas vollkommen anderes: Rufe jemanden an, schreibe eine E-Mail oder sortiere Wäsche. So erfährst du, dass du belastende Erinnerungen aushalten kannst.

Hinderungsgrund 5: Etwas wegzutun, kann andere enttäuschen

Vieles steht in Kellern, Schränken oder auf Dachböden, weil wir uns nicht trauen, es wegzuwerfen. Wir könnten andere enttäuschen, wenn wir Geschenke, Selbstgebautes oder Gebasteltes entsorgen. Was ist, wenn Tante Erna fragt, wieso die „schöne“ Vase, die sie zur Hochzeit geschenkt hat, nicht mehr auf der Fensterbank steht?

Falls das für dich ein Punkt ist, frage dich:

  • Fällt mir eine gute Antwort ein, mit der ich leben kann, wenn ich auf das fehlende Stück angesprochen werde?
  • Finde ich eine Lüge in dem Fall okay? Kann ich sagen: „Die Vase ist runtergefallen und kaputtgegangen“?
  • Wie würde es sich anfühlen, die Wahrheit zu sagen? „Ich mochte die Vase nicht mehr, deswegen habe ich sie weggetan.“
  • Wie wichtig ist es mir, andere nicht zu enttäuschen? Komme ich damit klar, wenn jemand anderes mal enttäuscht von mir ist?

Oft geht es bei diesem Punkt gar nicht darum, ganz real jemanden zu enttäuschen. Manche Menschen, bei denen man das Gefühl hat, sie zu enttäuschen, sind womöglich schon lange tot. Zum Beispiel, wenn es um die Tischdecke der Oma geht, die Oma als junges Mädchen von Hand bestickt hat. Oder um Opas alten Hammer, den er dem Enkel irgendwann einmal überlassen hat. Versteh mich nicht falsch: Hängst du an der Tischdecke oder dem Hammer, dann behalte die Erinnerungsgegenstände. Wenn dich ein Gegenstand jedoch nervt und du nichts Positives damit verbindest, darfst du ihn auch wegtun. Probiere es vielleicht einfach einmal aus. Und tu erstmal nur etwas ganz Kleines weg, bei dem du zwar ein schlechtes Gewissen verspürst, das aber nicht zu bedeutsam ist.

Hinderungsgrund 6: Aussortieren bedeutet, ein Risiko einzugehen

Wenn Menschen sich schwer damit tun, etwas wegzutun, geht es in ganz vielen Fällen um mögliche Befürchtungen. Man denkt zum Beispiel:

Wenn ich dieses Ding wegwerfe oder weggebe, dann könnte etwas Unangenehmes passieren.

Zum Beispiel:

  • Ich könnte es später bereuen.
  • Ich könnte es doch noch einmal brauchen.
  • Es könnte ein schlechtes Omen sein.

Natürlich kann man versuchen, sich nach allen Richtungen abzusichern. Sich gut zu überlegen, ob man seine Entscheidung später bereuen könnte. Sich klarzumachen, dass es purer Aberglaube ist, wenn man das Glück einer Beziehung daran hängt, dass man seine Hochzeitsgeschenke nicht wegwerfen darf.

Dennoch bleibt beim Aussortieren immer ein Risiko. Denn jede Entscheidung, etwas wegzuwerfen oder wegzugeben, ist immer einen Entscheidung. Und Entscheidungen bergen grundsätzlich das Risiko, dass die andere Option im Nachhinein besser gewesen wäre.

Es kann sein, dass man später bereut, seine alten Tagebücher und Briefe weggeworfen zu haben.

Es kann sein, dass man die dritte Tortenplatte vielleicht doch irgendwann noch einmal gebrauchen kann.

Es kann sein, dass die Beziehung in die Brüche geht und einem der Partner vorwirft, die Orchidee, die man zur Hochzeit geschenkt bekommen hat, auf dem Gewissen zu haben.

Dieses Risiko beim Aussortieren lässt sich nicht komplett vermeiden. Aber auch dabei helfen wieder ein paar Fragen:

  • Wie groß ist das Risiko ganz realistisch betrachtet?
  • Was wäre das Schlimmstmögliche, was eintreten könnte?
  • Käme ich damit zurecht? Wäre das auszuhalten?

In den meisten Fällen kommt man zu dem Schluss, dass eine Ausmistaktion womöglich mehr Chancen bietet als das Risiko, das man damit eingeht. Einfach, weil du ja nicht leichtfertig entscheiden musst. Du kannst dich an bestimmten Kriterien orientieren. Und so eine wohlüberlegte Aussortierentscheidung fällen.

Dafür haben wir hier die Checkliste: Aussortieren, Ausmisten und Entrümpeln für dich.

Wenn du jetzt deine Hinderungsgründe ein wenig unter die Lupe genommen hast, hast du vielleicht Lust bekommen, einen Ausmistversuch zu starten.

Nur zu. Denn du kannst dir selbst zugestehen, dass es alles andere als einfach ist und dass du aber auch den Mut entwickeln kannst, deine persönlichen Hinderungsgründe zu überwinden. Wenn du möchtest und das willst. Und zwar nur dann.

Vielleicht hat dir die Auseinandersetzung mit deinen Hinderungsgründen auch gezeigt, dass du wirklich gute Gründe hast, deine Dinge zu behalten. Sie eben nicht wegzugeben und auszusortieren. Auch das ist völlig in Ordnung. Dann triff ruhig die bewusste Entscheidung: Es bleibt jetzt so, wie es gerade ist. Zumindest im Moment. Und quäle dich nicht weiter mit Gewissensbissen, nur wegen der paar Kartons im Keller oder der überfüllten Schubladen ;-)

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