Die Schuldfrage

Der Meister ging eine Straße entlang.

Plötzlich stürzte ein Mann aus einem Hauseingang, so dass die beiden heftig gegeneinanderprallten.

Der Mann war furchtbar wütend, schrie und schimpfte und beleidigte den Meister.

Daraufhin verbeugte sich der Meister mit einem milden Lächeln und sprach: “Ich weiß nicht, wer von uns an dem Zusammenstoß die Schuld trägt. Ich bin aber auch nicht gewillt, meine kostbare Zeit mit der Beantwortung dieser Frage zu vergeuden. Deshalb: Wenn ich die Schuld trage, entschuldige ich mich hiermit und bitte Sie für meine Unachtsamkeit um Verzeihung. Falls Sie der Schuldige waren, können Sie die Sache einfach vergessen.”

Er verbeugte sich noch einmal und ging mit einem Lächeln im Gesicht seines Weges.

(aus Mello, Anthony de:  Eine Minute Unsinn, Herder, 1998
Geschichte leicht überarbeitet)

 

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Kommentare

  • Ohne Schuldanerkenntnis ist auch keine Reue möglich. Zumindest mit sich selbst sollte man die Schuldfrage also klären, meine ich.

    Wenn jemand in einer Gruppe durch wiederholtes Fehlverhalten die Anderen immer wieder aufs Neue Zeit und Nerven kostet, wird früher oder später die Frage aufkommen, ob man den anderen weiter in der Gruppe behalten möchte.

    Insofern ist die Schuldfrage schon wichtig, nur bei der Lösung akuter Probleme ist sie selten hilfreich.

  • Es ist nicht immer wichtig die Schuldfrage bei einem unvorhersehbarem Ereignis zu klären, sondern eine einvernehmliche Lösung anzustreben.

  • Schöne Geschichte! Ich habe sie lediglich als Hinweis darauf verstanden, dass wir viel zu oft unsere Zeit damit verschwenden, bei unwichtigen Missgeschicken nach dem “Schuldigen” zu suchen.

    Ich denke nicht, dass sie als Ratschlag für schwerwiegende Dinge (wie der von Michael angeführte Missbrauch) gedacht ist.

    Aus meiner Erfahrung als IT-Consultant muss ich auch Stef zustimmen: Allzu oft scheint es wichtiger den Verursacher eines Problems (also einen “Schuldigen”) zu finden, als das Problem zu lösen …

  • Danke für die kurze, knappe aber sehr sinnvolle Erinnerung, dass es nicht wichtig ist, wer Schuld hat.. Viel zu oft verplempern wir kostbare Zeit mit solch banalen Fragen..
    Nochmals Danke!

  • Mir gefällt das Wort Verantwortung besser. Ich bin vielleicht nicht verantwortlich für das, was mir geschieht, aber dafür, wie ich damit umgehe. Und so kann auch der schwer traumatisierte Erwachsene sich Hilfe holen, um sein Trauma so gut wie möglich zu verarbeiten. Denn auch ihm würde es langfristig nicht helfen, wenn er in der Schuldfrage stecken bleiben würde.

  • Gute Geschichte! Viel zu oft vertändeln wir viel Zeit bei der mühseligen und nichtsbringenden Diskussion “wer ist Schuld”, anstatt sich der Frage “wie gehen wir damit nun am besten um” zu widmen!

  • Also, entweder leide ich unter einem zu geringen Stand an Erleuchtung, oder viele der Kommentatoren haben eine interessante Weltsicht.

    Nehmen wir an, da vergeht sich ein Vater an einem kleinen Kind, dieses trägt nun – solange unbehandelt – ein schweres Trauma mit sich herum. Hier und in anderen Fällen sehe ich es als unverzichtbar an, den Täter (und damit die Schuld) eindeutig zu benennen, schon allein um einem Phänomen Vorschub zu leisten, was ich häufig beobachtet habe: Die Opfer geben sich selbst die Schuld (oft auch, weil ausdrücklich so von Tätern gesagt) an derartigen Vorgängen und nehmen sich gerade damit die Kraft, sich aus der Ohnmacht und der Hilflosigkeit und eben aus der Opferrolle zu befreien.

    Ich höre schon die Hardcore-Esoteriker aufheulen und sagen: “Na, das hat sich die Seele des Kindes halt karmisch ausgesucht!” Darauf antworte ich nur: Das ist eine “esoterische Volte”, denn am Ende dieses Denkens komme ich wieder da an, wo ich begonnen habe: Vor mir steht dieses – mittlerweile 43 Jahre alte – traumatisierte Kind! Und das möchte sich nicht weiter fürchten vor Gefahren, die in der Kindheit vollkommen real waren, und heute aber nicht abklingen wollen, weil neurotisch verformt der Körper (dort sind diese Emotionen gespeichert) immer noch die Warnsignale gibt, obwohl die eigentliche Gefahr längst vorbei ist. Was sage ich dem? “Haste halt karmisch Pech gehabt!” wäre doch wohl herzlos – oder?

    Nun, macht das Sinn?

    • Caro schreibt am 16. August 2015

      Lieber Michael,

      danke für Deinen Einwand und das Beispiel.

      Und es gibt viele Beispiele mehr, wo Unschludige Gewalt erleben und die Schuldfrage zu stellen unsere Pflicht und Verantwortung ist, um einem friedlichen Zusammenleben zu unterstützen.

      Dünnes Eis.
      Schwierige Fragestellung.
      Es wäre m.E. wert dieses Thema an anderer Stelle noch näher zu beleuchten.

      Ralf, vielleicht habt Ihr im Team irgendwann die Möglichkeit, Reaktionen auf Gewalt aus energetisch sinnvoller Sicht zu thematisieren und für und Leser aufzubereiten?
      Das fände ich hochspannend!

    • Christine schreibt am 16. August 2015

      Michael, ich war erschrocken über deine heftige Reaktion und das drastische Beispiel.
      Ich hatte die von einem Gastautor geschriebene kleine “Aufprall-Geschichte” als Hinweis darauf verstanden, gelassener auf die kleinen Pannen im Leben zu reagieren, die nicht absichtlich verursacht wurden. Das Besinnen darauf ist gut für den Umgang miteinander.
      Das von dir genannte dramatische Ereignis basiert auf einer kriminellen Handlung, auf völligem Versagen menschlicher Tugenden und auf unfassbarem Egoismus . Da ist sehr wohl eine Schuldfrage zu klären und hart zu strafen, daran lassen auch unsere Gesetze keinen Zweifel.
      Du bemühst dich offenbar um Hilfe für die körperlich und auch nach so vielen Jahren noch immer seelisch verletzte Person. Ich wünsche dir dafür alles erdenklich Gute. Aber ich wünsche dir auch, dass du dich nicht schuldig fühlst, wenn dir das nicht gelingen sollte.

  • Ein jegliches Handeln bedeutet, dass sich etwas ergibt, was Konsequenzen nach sich zieht. Und so wechsle ich ständig die Position – von der Unschuldigen zur Schuldigen, von der Unbeteiligten zur Verantwortlichen, vom Opfer zur Täterin. Es gibt Situationen, in denen es mir wichtig scheint, wer die Verantwortung/Schuld trägt, damit überdacht werden kann, ob zukünftige Wiederholung vermieden werden kann. Und es gibt Situationen, in denen solche Fragen müssig sind. Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, scheint mir sinnvoll. Und tendenziell neige zumindest ich dazu, viel Zeit mit Unsinnigem zu vergeuden. Deshalb – Merci aus der Schweiz für diese Geschichte, die ich gerne in meinen Kursen weitergebe!

    • Gabriele schreibt am 16. August 2015

      Ich stimme Ihnen vollkommen zu !

      Eine Differenzierung finde ich sehr wichtig, denn zb. im Arbeitsbereich ist es wichtig und oftmals ein “Muss” Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen. Hier geht es um Verbesserung und Vermeidung von Fehlverhalten und nicht um vom eigenen abzulenken.
      Also wie auch bei vielem ist nichts 100% , hat viele Facetten und ist situationsbedingt.

  • ob die Schuldfrage unsinnig oder wichtig oder was sonst noch ist, ist nicht von Bedeutung.
    Wenn ich nach einem Schuldigen suche oder jemand für etwas verantwortlich machen möchte, dann will ich damit doch nur von meinem Fehlverhalten ablenken. Meine Meinung ist, erst mal vor der eigenen Tür sauber machen bevor ich bei anderen auf ihren Schmutz vor der Tür hinweise ☺️

  • bin schon das eine oder andere mal auf grund dieses denkens als oberflächig und arrogant bezeichnet worden…. trotzdem möchte ich mir meine zeit für wirklich wichtiges vorbehalten…danke für die erinnerung

  • Danke für’s Erinnern

  • Schöne Geschichte!

  • Die Schuldfrage ist Unsinn, weil es keine Schuld gibt; es gibt Verantwortung. Und die trage ich auf Grund meiner Existenz.

    • Monika schreibt am 16. August 2015

      kurz, nachvollziehbar u perfekt formuliert, Danke

  • Die Geschichte zeigt, dass wir wirklich keine unnötige Energien auf Dinge verschwenden sollen, die sowieso nicht mehr lösbar sind. Sehr schön.

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