Bloß nicht helfen? – Wann das “Helfen” Sinn macht.

Helfen

Wenn jeder dem anderen helfen wollte, wäre allen geholfen.

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Ein Zitat, bei dem ich spontan zustimmen möchte. Ich finde helfen schön. Es tut mir gut, wenn ich jemandem helfe. Im Zug einer alten Frau den Koffer herausheben. In der Stadt, wenn mich jemand nach dem Weg fragt. Oder auch Freunden und Freundinnen in ganz unterschiedlichen Situationen. Wenn es darum geht, sich gegenseitig zu unterstützen oder Rückmeldung zu geben. Eine Idee einzubringen. Wenn jemand eine Entscheidung treffen muss. Oder sich Motivation von mir wünscht. Auch, wenn jemand mich um eine Einschätzung bittet, wie er in einer schwierigen Situation eine gute Lösung finden kann.

Sich helfen lassen tut gut

Ich mag das selbst auch. Wenn andere mich unterstützen und mir helfen. Es tut mir gut, nicht alles alleine schaffen zu müssen. Eine andere Meinung einzuholen. Oder wenn mir jemand spontan beispringt.

Jedenfalls manchmal. In ganz vielen Situationen.

Aber nicht immer.

Es gibt auch Situationen, in denen möchte ich einfach alleine klarkommen. Mein Ding machen. Eine Lösung finden. Vielleicht auch etwas ausprobieren, bei dem andere sagen: Das funktioniert nicht.

Da finde ich Hilfe nervig. Und empfinde sie als Einmischung.

Und manchmal bin ich sicher auch so. Da meine ich, jemandem helfen zu wollen. Aber ich mische mich vielleicht nur in etwas ein, das mich gar nichts angeht. Oder wo jemand gar keine Hilfe möchte.

“Nicht helfen” kann goldrichtig sein

Deswegen frage ich mich bei diesem Zitat auch, ob wirklich allen geholfen ist, wenn jeder dem anderen helfen wollte.

Und ob mir geholfen ist, wenn jeder mir helfen möchte.

Denn ich denke: Manchmal besteht auch die größte Hilfe darin, nicht helfen zu wollen.

Da fällt mir wieder die alte Frau im Zug ein. Der reiße ich ja auch nicht einfach den Koffer aus der Hand. Sondern ich warte, bis sie mich um Hilfe bittet. Oder: Ich frage sie, ob sie möchte, dass ich ihr mit dem Koffer helfe. Vielleicht ist sie ja auch topfit und ihr Koffer gar nicht schwer. Vielleicht möchte sie ihn lieber selbst tragen. Auch wenn das womöglich etwas beschwerlicher ist. Womöglich auch gerade dann. Vielleicht, um sich selbst zu beweisen, dass sie das auch alleine noch hinbekommt. Dass sie alleine reisen kann, auch wenn grad keine Hilfe parat steht.

Die Freiheit der Wahl

Gar nicht so selten geht es mir selbst ja auch so. Da wäre es vielleicht einfacher, um Hilfe zu bitten oder eine angebotene Hilfe anzunehmen. Aber ich möchte es selbst machen. Auch wenn es dann vielleicht nicht so gut läuft. Womöglich etwas schiefgeht. Oder eine Sache länger braucht. Ich wünsche mir dann, dass die anderen mich machen lassen. Ich brauche das, um mir selbst zu zeigen: Ja, ich bekomme das hin. Das stärkt mein Selbstvertrauen und damit fühle ich mich besser. Es gibt mir einfach Sicherheit, Dinge ohne Hilfe zu schaffen.

Das Zitat spricht vom „Helfen-Wollen“. Und das finde ich generell eine schöne Sache. Das klingt nach Bereitschaft. Danach, den anderen im Blick zu haben, offen zu sein, wenn jemand Hilfe braucht. Aber es kann auch bedeuten, dass man sich zurücknimmt und respektiert, dass der andere keine Hilfe haben möchte. Oder, dass ich selbst auch Hilfe ablehnen darf. Ohne dass der andere sich vor den Kopf gestoßen fühlt. Man kann sich über das „Helfen-Wollen“ des anderen freuen. Und dennoch alleine klarkommen.

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