Bloß nicht helfen? – Wann das “Helfen” Sinn macht.

Helfen

Wenn jeder dem anderen helfen wollte, wäre allen geholfen.

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Ein Zitat, bei dem ich spontan zustimmen möchte. Ich finde helfen schön. Es tut mir gut, wenn ich jemandem helfe. Im Zug einer alten Frau den Koffer herausheben. In der Stadt, wenn mich jemand nach dem Weg fragt. Oder auch Freunden und Freundinnen in ganz unterschiedlichen Situationen. Wenn es darum geht, sich gegenseitig zu unterstützen oder Rückmeldung zu geben. Eine Idee einzubringen. Wenn jemand eine Entscheidung treffen muss. Oder sich Motivation von mir wünscht. Auch, wenn jemand mich um eine Einschätzung bittet, wie er in einer schwierigen Situation eine gute Lösung finden kann.

Sich helfen lassen tut gut

Ich mag das selbst auch. Wenn andere mich unterstützen und mir helfen. Es tut mir gut, nicht alles alleine schaffen zu müssen. Eine andere Meinung einzuholen. Oder wenn mir jemand spontan beispringt.

Jedenfalls manchmal. In ganz vielen Situationen.

Aber nicht immer.

Es gibt auch Situationen, in denen möchte ich einfach alleine klarkommen. Mein Ding machen. Eine Lösung finden. Vielleicht auch etwas ausprobieren, bei dem andere sagen: Das funktioniert nicht.

Da finde ich Hilfe nervig. Und empfinde sie als Einmischung.

Und manchmal bin ich sicher auch so. Da meine ich, jemandem helfen zu wollen. Aber ich mische mich vielleicht nur in etwas ein, das mich gar nichts angeht. Oder wo jemand gar keine Hilfe möchte.

“Nicht helfen” kann goldrichtig sein

Deswegen frage ich mich bei diesem Zitat auch, ob wirklich allen geholfen ist, wenn jeder dem anderen helfen wollte.

Und ob mir geholfen ist, wenn jeder mir helfen möchte.

Denn ich denke: Manchmal besteht auch die größte Hilfe darin, nicht helfen zu wollen.

Da fällt mir wieder die alte Frau im Zug ein. Der reiße ich ja auch nicht einfach den Koffer aus der Hand. Sondern ich warte, bis sie mich um Hilfe bittet. Oder: Ich frage sie, ob sie möchte, dass ich ihr mit dem Koffer helfe. Vielleicht ist sie ja auch topfit und ihr Koffer gar nicht schwer. Vielleicht möchte sie ihn lieber selbst tragen. Auch wenn das womöglich etwas beschwerlicher ist. Womöglich auch gerade dann. Vielleicht, um sich selbst zu beweisen, dass sie das auch alleine noch hinbekommt. Dass sie alleine reisen kann, auch wenn grad keine Hilfe parat steht.

Die Freiheit der Wahl

Gar nicht so selten geht es mir selbst ja auch so. Da wäre es vielleicht einfacher, um Hilfe zu bitten oder eine angebotene Hilfe anzunehmen. Aber ich möchte es selbst machen. Auch wenn es dann vielleicht nicht so gut läuft. Womöglich etwas schiefgeht. Oder eine Sache länger braucht. Ich wünsche mir dann, dass die anderen mich machen lassen. Ich brauche das, um mir selbst zu zeigen: Ja, ich bekomme das hin. Das stärkt mein Selbstvertrauen und damit fühle ich mich besser. Es gibt mir einfach Sicherheit, Dinge ohne Hilfe zu schaffen.

Das Zitat spricht vom „Helfen-Wollen“. Und das finde ich generell eine schöne Sache. Das klingt nach Bereitschaft. Danach, den anderen im Blick zu haben, offen zu sein, wenn jemand Hilfe braucht. Aber es kann auch bedeuten, dass man sich zurücknimmt und respektiert, dass der andere keine Hilfe haben möchte. Oder, dass ich selbst auch Hilfe ablehnen darf. Ohne dass der andere sich vor den Kopf gestoßen fühlt. Man kann sich über das „Helfen-Wollen“ des anderen freuen. Und dennoch alleine klarkommen.

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Kommentare

  • Ein schöner und ganz wichtiger Beitrag! :) Hut ab!

  • Ich orientiere mich an der Notwendigkeit: “gilt es tatsächlich, eine echte Not zu wenden oder nicht?” Wenn ich dieser Frage nachgehe, kommt in der Regel eine passende Antwort. Wenn keine Lösung in Sicht ist, frage ich nach, ob Hilfe erwünscht ist oder nicht.

  • Ich denke, das “Helfen wollen” ist vielschichtig.

    Ich habe in einem persönlichen Entwicklungsprozess folgende Einstellung entwickelt. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Das bedeutet, dass jemand, der mit einem riesigen Koffer unterwegs ist, auch in der Lage sein sollte, den Koffer alleine in den Zug zu kriegen.

    Oder auch behinderte Menschen, die im Alltag versuchen, klar zu kommen. Der Umgang mit behinderten / körperlich eingeschränkten Personen hat mich immer etwas verunsichert. Wie soll ich mit ihnen umgehen? Irgendwann bin ich zu dem Schluss gekommen: Normal. So wie ich mit anderen Menschen umgehe.

    Denn durch das “Helfen”, so finde ich, kann es schnell dazu kommen, dass ich anderen ihre Selbstverantwortung entziehe. Sie also “hilflos” mache, obwohl sie selbst garnicht “hilflos” sind.

    Noch schlimmer. Es kann dadurch passieren, dass man den anderen dadurch in eine Opferrolle drängt, denn durch das Helfen hat man sich selbst in die Retterrolle gebracht.

    Deswegen ist ungefragte Hilfe für mich ein “no go”. Vielleicht noch ein einfacheres Beispiel: Kennt ihr das? Eine Freundin erzählt gerade ein akutes Problem. Als “Mann” springt man sofort in die Bresche und will eine Lösungsmöglichkeit erarbeiten, also helfen. Aber eigentlich will die Freundin das garnicht. Sie möchte nur jemanden, der zuhört.

    Aus diesem Grunde warte ich darauf, angesprochen zu werden, wenn jemand Hilfe benötigt, was auch non-verbal passieren kann, z. B. durch hilfesuchende Blicke ;-).

    “Helfen” tue ich außerdem dann, wenn ich ein Unfallrisiko sehe. Wenn z. B. eine Frau gerade versucht, einen zu schweren Koffer in die Ablage zu stemmen, der dabei droht, runterzufallen.

  • Danke für die vielen Anstösse! Am besten für mich persönlich, die ich alle kaputthelfe, ist wohl die Frage, wie ich jemandem so helfe, dass er sich dann selbst helfen kann. Und auch der Rücktest, weil man so auch sieht, wer einen ausnutzt. Ich denke aber, dass es auch da unterschiedliche Typen gibt. Jemand der gerne Hilfe in Anspruch nimmt, kann auch einfach faul sein, ohne böse Gedanken. Ob Hilfe da wirklich hilft ist die andere Frage. Sie verstärkt die Abhängigkeit, das ist auch irgendwie angenehm, aber mit der Zeit so mühsam, dass der Respekt für den “Abhängigen” irgendwann verloren geht! Also aus Nächstenliebe und um der Beziehung willen öfter mal nicht helfen, ist zwar wie Entzug für beide, aber bringt frischen Wind.

  • Ja…ein ganz grosses Thema, was Viele berührt. Auch ich habe die verschiedensten Erfahrungen gemacht. Was mir oft hilft, ist das folgende Zitat von meinem Ausbilder Peter M. Dieckmann: man tut nichts nur für andere, sondern immer auch für sich selbst.
    Wenn ich mir das ins Gedächtnis rufe, wird das “Helfen wollen” und “Helfen lassen” viel leichter. Es ist ein bisschen wie bei Frau Holle..wenn der Baum schreit: schüttel mich! Dann schüttel ich ;-)

  • Zum Thema helfen – fällt mir einiges ein …

    Grundsätzlich – ich helfe gerne – ob es durch Zeitaufwand- mit meiner Hände kraft – od durch ein Gespräch ist .
    Habe damit auch die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht – und auch oft über nachfolgende Kommentare dieser Person dann geärgert / gekränkt .
    Wir Alle kennen doch diese Sorte von Mitmenschen – welche klagen und jammern …etc….und durch diese Verhaltensweise bei Ihrem Hilfsbereiten Gegenüber sofort den Alarmschalter auslösen …. da muss ich helfen …. und so bietet man seine Hilfe an – od der andre sagt ein “magisches Wort” – w.z.B .. hast du eine Ahnung was man da machen könnte / ich weiß nicht mehr weiter / keine Ahnung was ich da noch machen kann …. etc …etc…
    Zeigt man dann Möglichkeiten auf – hat man oftmals den Eindruck – egal WELCHE VORSCHLÄGE man macht …. diese Person hat an allem u etwas zu “meckern” …. das geht nicht weil … das geht nicht ….etc…
    oder die KRITIK kommt nach dem Helfen !!! ….. naja hät mich ja gewundert wenn das geklappt hätte …… etc….

    Ich selbst betreue seit letzten Dezember (2013) meinen alten Onkel ( 85)- seit dem Tot seiner Frau ….. auch wenn ich Ihn sehr gern habe –
    an manchen Tagen … fällt mir dies unendlich schwer …!!!

    Mal meckert Er am Essen rum – welches ich gekocht habe – und ich bin keine schlechte Köchin – es passt Ihm nicht wie ich das Bett mache – mal passt Ihm dies nicht – mal das nicht !
    Ist jedoch nicht imstande – auf nette Art und Weise zu sagen – du bitte ich hätte das gerne so od so …..
    Meint immer alles besser zu wissen – ist ständig am Schulmeistern – und ich habe oftmals dass Gefühl ich bin ein Volltrottel –
    ( Habe mein Leben mit all seinen Höhen und Tiefen – mit meinen 61 Jahren bis dato sehr gut bewältigt !!!!-Job-etc. )

    Diese Art von Verhaltensweisen – habe ich in Erfahrung gebracht – praktizieren viele Alte Menschen .
    ABER nicht nur diese …..
    Es gibt auch Artgenossen – welche immer wieder klagende Äußerungen machen – so nach dem Motto – niemand hilft mir – und tut`s dann doch jemand ….. sind auch diese Menschen nur am Nörgeln ….. weil sie hätten das sowieso alles viel besser gemacht …..
    – WARUM HABEN SIE ES DANN NICHT SELBST GEMACHT ????
    ….. tja manche Fehler lässt man doch lieber den anderen machen – denn dann kann man nörgeln …..
    ….. denn eigene Fehler gestehen sich solche Menschen ja nicht gerne ein ……also schickt man den Helfenden ” ins Feuer ” ……

    Es darf einem dann nicht wundern, wenn so mancher Mensch in gewissen Situationen dann tatsächlich allein dasteht …..und sich die Helfer verkrümmeln ….. / Sylvia

    • Christine schreibt am 12. November 2014

      Hallo Sylvia,
      schau mal in den Beitrag von Christine (fast am Beginn der Kommentare). Der Hinweis auf das dort genannte Buch könnte hilfreich für dich sein.
      Wenn man “einfach” versucht, den Anderen (in deinem Fall den kranken Onkel) zu verstehen – ohne dass man das gut findet, was er da nörgelt- und statt sich zu ärgern locker sagen kann: “Das ist aber schade, dass dir das Essen nicht schmeckt.”/ “Wie würdest du es denn zubereiten”/ “Würdest du gerne “Essen auf Rädern” bestellen?” usw., dann wäre es weniger anstrengend. Einer Freundin, die liebevoll ihren herrischen, griesgrämigen Vater im Pflegeheim mitbetreute, indem sie ihn häufig besuchte – aber ihm nie was recht machen konnte – gab ich mal den Hinweis, ihm ganz freundlich zu sagen, dass ihr diese Art nicht gut tut und sie mal eine Besuchspause einlegen muss. Vor dem nächsten Besuch fragte sie telefonisch an, ob er ihren Besuch wünscht, er machte ihr sofort Vorwürfe (“du kümmerst dich gar nicht mehr…!!”). Sie sagte sinngemäß, dass sie seine Enttäuschung verstehen kann, derzeit aber selber Kummer verabeiten muss und aufmunternde Worte gut tun würden. Sie würde also heute von einem Besuch Abstand nehmen.Spätere Besuche brach sie freundlich und bestimmt ab, wenn der Vater wieder fordernd wurde. Es trat ein guter Effekt ein: Das Verhältnis normalisierte sich, weil der Vater durchaus Besuch wollte und meine Freundin hörte auf, sich dafür zuständig zu fühlen, sein “Kummerkasten” zu sein.

  • Helfen ist etwas Wunderbares, wenn es von Herzen kommt und den anderen nicht bevormunden oder entmündigen will. Eltern helfen ihren Kindern oft dadurch dass sie etwas nicht tun und ihnen vertrauen. Wer einem anderen, der Hilfe braucht, zu schnell das, was zu tun ist, abnimmt, kann ihm damit sogar – ungewollt – Schaden zufügen. Gut gemeint ist nicht immer gut. Wenn ich frage, ob Hilfe gebraucht wird, ist das ein guter Weg zu erkennen, ob ich wirklich helfen soll. Ich selbst freue mich immer, wenn ich bei Schwierigkeiten geholfen bekomme, wenn ich selbst nicht weiter weiss. Letztlich geht es doch auch darum, achtsam mit mir selbst und meinen Mitmenschen zu sein und mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen. Ich versteht das Zitat im positiven Sinne so, dass es um die Hilfe geht, die ankommt, die weiterführt, die dem wirklich Hilfsbedürftigen auf- oder weiterhilft. Letztlich ist das Helfen auch ein Zeichen der Nächstenliebe. Matthias

  • Ich brauche oft Hilfe und erlebe kompetente Hilfe, wenn wer den Rollator ins Auto hebt und mir beim Einsteigen hilft. Wenn mich jemand respektvoll fragt, ob er helfen soll, kann ich je nach Situation sagen, “ja bitte” und anzeigen, in welcher Weise die Hilfe hilfreich ist. Oder aber “danke, ich komme zurecht”.
    Aber ich musste es auch erst lernen, nicht jedes Hilfsangebot anzunehmen, wenn es gerade ungelegen kommt. Und es auszuhalten, dass sich manche dann möglicherweise zurück gewiesen fühlten, in ihrem Wunsch zu helfen.
    Unangenehm ist es aber, wenn ich höre: “Nur schön langsam…” Ist sicherlich freundlich gemeint, doch es führt mir vor Augen, wie sehr ich Außenseiter bin und vielleicht andere behindere.

    Danke für alle Meinungen und Beiträge, sehr wertvoll und hilfreich!

  • Ein wirkliches interessantes Thema. Ich selber tue mich leichter mit dem Helfen als mit dem Hilfe annehmen.

    Mir ist ähnliches passiert als einer meiner Vorschreiberinnen. Als mein Mann ganz plötzlich verstarb, waren plötzlich Menschen da, die mir in Dingen helfen wollten, in denen ich gar keine Hilfe wollte oder brauchte (z. B. die Finanzen ordnen). Bei anderen Dingen, ganz alltäglichen (z. B. ein Essen für meine Kinder kochen) hätte ich in der Zeit sehr wohl Hilfe gebraucht, die mir aber niemand anbot. Es sind oft nicht die großen Dinge, sondern die ganz kleinen. Es kam mir so vor, als wollten die Menschen eher Dinge tun, die man auch sieht und sich selber damit ein gutes Gefühl vermitteln. Für mich wäre es auch sehr hilf-reich gewesen, wenn die Menschen in meinem Umfeld zu ihrer Hilf-losigkeit gestanden hätten, denn in solch einer Situation sind wir alle hilf-los. Aktionismus hilft dann niemandem.

    Für mich habe ich aus dieser Situation gelernt, dass es wichtig ist, den anderen zu fragen und nicht mit Hilfe zu überrollen. Die wichtigste Frage für mich: “Was kann ich für Dich tun?”

  • Ich helfe aus dem Bauchgefühl heraus – nach Rückfrage, ob meine Hilfe gewünscht ist.
    Meine Mutter ist viel mit ihrem Rollator unterwegs und immer froh, wenn ihr jemand bei den Treppen hilft, da meist die Aufzüge defekt sind. Sie tut sich schwer, um Hilfe zu bitte – sagt aber gerne ja, wenn sie gefragt wird.

    Bei einem der Kommentare wurde der Helfende von anderen als “leicht ausnutzbar” eingestuft.
    Ist es dann aber vorher nicht erforderlich, mit seiner Hilfeleistung vor anderen “anzugeben”?

    Wenn ich Bekannten/Kollegen oder Freunden helfe, muß ich es doch nicht an die große Glocke hängen und den Geholfenen auch noch als unfähig darstellen.

    Man erkennt doch auch relativ schnell selber, ob die Hilfe ein Ausnutzen oder ein Geben und Nehmen ist und kann sich danach richten.

    Wenn ich Fremden auf der Straße helfe, hoffe ich, dass mir im Bedarfsfall auch mal ein Fremder hilft.

    PS: das Berühren war sicher nur als liebevolle Geste und Akzeptanz gedacht…also nicht abwertend.

  • Ich habe oft Mühe, wenn mir jemand seine Hilfe anbieten möchte, die ich gar nicht brauche. Ich habe ein motorische Behinderung, mache vielleicht einmal einen Schritt seitwärts, und dann fragt man mich, ob ich Hilfe beim Gehen benötige – wahrscheinlich möchte man mich am Händchen führen. Brauche ich überhaupt nicht, und in einer Gruppe bin ich oft bei den vordersten.
    Eine andere Szene, die mir kürzlich passiert ist. Eine Frau (mit Kopftuch, aber stört mich eigentlich nicht) berührte mich immer wieder, streichelte mich. Ich liebe Berührungen nicht, vor allem von Menschen, die ich nicht gut kenne. Ich wagte es aber auch nicht, es ihr zu sagen und sie so zu beleidigen.
    Schönen Sonntag an alle.

    • Patricia Bennett schreibt am 9. November 2014

      Hallo Elisabeth,
      oh, ich kenne das “Gestreichelt-Werden” und ich blockte es mit einem Lächeln und: “Ich bin doch kein Hund, der gestreichelt werden möchte” ab. Dein Körper gehört Dir und du darfst jedem einen Übergriff verweigern – das ist keine Beleidigung. !
      Liebe Grüße
      Patricia

  • Generell zu helfen macht garantiert keinen Sinn.
    Helfen, ja, wenn man gebeten wird zu helfen.
    Außerdem können Helfer die Hilfesuchenden mit ihrer Hilfe hilflos machen und somit erlernte Hilflosigkeit – Depression: “Ich kann ja doch nichts” – herbeiführen.
    Hilfe nur solange wie nötig. Kein Helfersyndrom.
    Der Helfende muss lernen sich entbehrlich nicht umgekehrt, damit es Hilfe zur Selbsthilfe wird, nämlich zur Befähigung selbst sich zu helfen.

  • Ich glaube, dass mir das Helfersysndrom in gewisser Weise in die Wiege gelegt wurde. Muss nur immer achtgeben, bzw. mir bewußt machen, warum ich es eigentlich tue. Wenn das Bedürfnis nach Anerkennung dahintersteckt, fühlt es sich nicht wirklich gut an, u. dann ist es f. mich eine große Herausforderung meine Hilfeleistung zu lassen u. darauf zu vertrauen, dass sie, falls wirklich erforderlich andere übernehmen.
    In der Arbeit jedoch – bin Anlaufstelle f. viele meiner Kollegen/-innen – stehen ich immer gerne mit Rat u. Tat zur Hilfe, weil ich der Meinung bin, nur all das Wissen wirklich “behalten” zu können, welches man auch bereit ist weiterzugeben…
    Beziehe erst seit kurzem d. Newsletter, bin aber total begeistert, ist immer etwas dabei, was mich anspricht u. mir weiterhilft! – LG & einen schönen Sonntag!

    • Angelika schreibt am 19. November 2014

      Hallo Martina,
      Du sprichst einen sehr wichtigen Aspekt an: Helfen, um Anerkennung zu finden. Ich kenne sogar mehrere Menschen, die den anderen erst hinunterziehen, um dann als Helfer da zu sein. Und das alles, um ihr eigenes Ego zu befriedigen.

  • Hallo,
    Nicole, dein Beitrag ist klasse und bringt das Thema auf den Punkt. Ich denke Kommunikation ist alles und dann der Respekt vor dem anderen. Wenn jemand keine Hilfe möchte, ist es doch gut und richtig für ihn. Ich muss ihn deshalb ja nicht aus den Augen bzw. aus dem Sinn verlieren und wenn ich merke, dass er vielleicht doch Hilfe braucht oder beim ersten Mal nicht über seinen Schatten springen konnte, dann frage ich noch einmal. So würde ich es mir für mich wünschen. Ich denke, da gehört eine große Portion Intuition dazu.

  • … nochmal eine kleine Anekdote, die mir passiert ist:

    Ich hatte meinen großen Rollstuhlbegleithund bereits an der roten Fußgänger-Ampel abgesetzt, kam von hinten eine ältere Dame auf mich zu und piepste: “Eituttut – nicht losrollen, wir haben rot, ja?” Sehr spontan ich daraufhin zu meinem Hund: “…und Du sagst der guten Frau dann, wenn es grün wird, ok?”

    :)

  • Hallo Ihr Lieben,

    ja – einmal mehr ein interessantes Thema! Als langjährige Rollstuhlfahrerin mit gleichzeitigem 60-Stunden-Woche-Ehrenamt habe ich auch mit vielerlei “Hilfen” zu tun gehabt.

    Einerseits traute man mir so manche Hilfe, die ich in meinen Ehrenämtern zu geben hatte, nicht wirklich zu – denn ein behinderter Mensch BRAUCHT doch Hilfe, wie sollte der etwas zu GEBEN haben? :)

    Und dann solche Hilfen, über die ich nicht dankbar, sondern eher verärgert war: Wenn zum Beispiel sich jemand selbst in Gefahr brachte, weil er einen Hechtsprung über eine viel befahrene Straße machte, um kurz vor meinem noch rollenden Rolli direkt vors Rad zu springen, nur, um mir eine selbsttätige Schiebetüre öffnen zu wollen. :)

    Insofern versuche ich für mich die Hilfe-Regel einzuhalten: Welche Art des Hilfeangebots und welche Art, diese an mich heranzutragen würde ICH MIR PERSÖNLICH in dieser Situation wünschen? Und auch ein NEIN, DANKE – das kann ich selbst, ist für mich völlig ok.

    Auch eine andere Regel – die von Montessori – kann sehr wirksam sein: “Hilf mir, es SELBST zu tun!”

    Liebe Grüße und einen wunder-vollen Sonntag,
    Patricia

    • Angelika schreibt am 19. November 2014

      Hallo Patricia, genau das ist es. Hilf mir, es selbst zu tun. Aus persönlicher (also gefühlter) Erfahrung weiß ich, wie entmutigend es ist, wenn man etwas angefangen hat und jemand springt ungefragt ein, weil er meint, ich selbst könnte es nicht schaffen. Liebe Grüße Angelika

  • Ein Bekannter von mir hat das Zitat – natürlich nicht ganz ernst gemeint – so abgewandelt: “wenn jeder sich selbst helfen wollte, wäre allen geholfen.”
    Das spricht das Dilemma an, das auch im Artikel thematisiert ist:

    Wann, wem gegenüber, wie und wo ist Hilfe gut und angebracht?
    Wo aber schadet sie dem Hilfeempfangenden eher?
    Und wie weit “muss” ich als Helferin gehen? Wo beginnt meine Verantwortung für sich selbst? “Darf” ich Bitten um Hilfe ablehnen, wenn es über meine eigenen Grenzen geht? Gibt es für diese Grenzen Richtlinien oder kann das nur individuell entschieden werden?

    Wo endet die echte Hilfe und wo beginnt das “Helfer-Syndrom”, also das Helfen, um die eigene innere Leere zu füllen?
    Wo ist die Grenze zwischen Helfen und Ausgenützt-Werden? Wie kann das verhindert werden?

    All diese Fragen kommen mir dazu in den Sinn.

    Für mich ist Helfen ein schwieriges Thema.
    Nicht die unverbindlichen helfenden Handgriffe auf der Straße oder im Bus, die machen mir keine Probleme. Ich packe gern den Kinderwagen oder den Rollator mit an, um ihn aus dem Bus zu heben. Halte gerne die Tür auf, wenn jemand mit vollen Einkaufstaschen entgegenkommt etc.
    Das ist alles unverbindlich, jeder geht anschließend seiner Wege.

    Das Thema Helfen in Beziehungen ist dagegen viel schwieriger für mich. Gehört es zur Freundschaft, dass ich “immer” für den anderen da bin? Oder darf ich gewünschte Hilfsdienste auch verweigern – ohne selbst sterbenskrank im Bett zu liegen?
    “Muss” ich meine Hilfe anbieten, wenn ein Freund oder Verwandter augenscheinlich Hilfe braucht? Was ist, wenn mir das – aus welchen Gründen auch immer – schwerfällt, ich nicht will oder kann?
    Aktuelles Beispiel: “Muss” ich eine nahe Verwandte zum Weihnachtsabend einladen, damit sie nicht allein ist, auch wenn ich selbst den Abend lieber in anderer Gesellschaft verbringen wollte?

    Wo endet meine Verantwortung für den anderen, wo beginnt meine Verantwortung für mich?

    • Annemarie schreibt am 14. November 2014

      Hallo Marleen,

      danke für Deine Gedanken zum Thema Helfen.
      Manches kenne ich von mir selbst auch.

      Auf Deine letzte Frage zum Weihnachtsabend, möchte ich eingehen.
      Nein, Du musst eine nahe Verwandte nicht einladen, damit sie an diesem Tag nicht alleine ist. Du darfst Weihnachten in der Gesellschaft verbringen, mit der Du gerne feiern möchtest.

      Ich z.B. verlebe Weihnachten schon lange alleine. Im letzten Jahr wurde ich von einer Nachbarin eingeladen, zum Essen mit ihrer Familie. Über die Einladung habe ich mich sehr gefreut, doch an dem Abend habe ich mich nicht wohl gefühlt. Sollte die Einladung in diesem Jahr erneut ausgesprochen werden, werde ich freundlich “Nein, danke!” sagen und den Abend nach meinen Bedürfnissen gestalten.

      Viele Grüße

      Annemarie

  • Aktuell habe ich bezüglich dieses Themas sehr große Probleme. Ich bin selbst sehr hilfsbereit, höre öfter von anderen, dass ich mich ausnutzen lasse.
    Da ich selbst einen harten Schicksalsschlag erlitten habe, in dieser Situation auch sehr sehr dankbar für jede Hilfe war, habe ich auf diese Weise, wenn auch von anderen Menschen, sehr viel zurückbekommen.

    Was mich stört bei Hilfsbereitschaft ist, dass manche Menschen “aufrechnen”, also ICH habe geholfen, da ERWARTE ich auch, dass der andere MIR hilft. Das finde ich schade.

    Mein Problem derzeit ist ein anderes. Es gibt gute Freunde, die mir noch immer helfen wollen. Inzwischen kann ich aber auch schon wieder ganz gut alleine zurechtkommen und ich sage das dann auch. Doch trotzdem wollen die Freunde helfen, nein, sie entmündigen mich teilweise tatsächlich, entscheiden über meinen Kopf hinweg, dass ich Hilfe brauche, dringend, gesundheitlich, psychisch, finanziell usw. Doch das stimmt einfach nicht. Ich möchte selbst entscheiden, welcher Arzt z.B. und welche Therapie sich für mich richtig anfühlt. Ich möchte selbst entscheiden, ob ich mir eine Reise leisten kann oder nicht, ich möchte selbst entscheiden, ob es mir z.B. reicht, Kurse bei “zeitzuleben” zu belegen oder zu einem Therapeuten zu gehen. Ich möchte selbst entscheiden, was für MICH richtig ist und habe mich lange nicht getraut, aus Dankbarkeit über die vorangegangenen Hilfen, klar zu äußern, dass es MEIN Leben ist, über das hier gerade entschieden wird. Ich habe sogar angefangen, Rechenschaft darüber abzugeben, was ich FÜR MICH tue und ja, ich habe mich nicht mehr getraut, einfach darüber zu reden, wenn ich irgendwoanders geholfen habe.
    Z.B. dem Tierheim Futter zu schicken, oder im Urlaub Nachbars Katze zu hüten, die Blumen zu gießen, weil ich merkte, dass wurde kritisiert.

    Hilfe, das ist ein viel größeres Thema, als ich bisher angenommen hatte. Sie kann nötig sein, sie kann angeboten werden, sie kann gegeben werden, mit oder ohne Erwartung, sie kann ausgesprochen klebrig werden und das ist leider bei mir passiert. Daraus ist eine langjährige sehr gute Freundschaft sehr belastet und das macht mich traurig. Und das nur, weil ich auch wieder selbst gehen möchte.
    Schade.

    Mir fällt dazu eine Geschichte ein, die es treffender nicht ausdrücken kann:

    Der Kokon

    Eines Tages erschien eine kleine Öffnung in einem Kokon; ein Mann beobachtete den zukünftigen Schmetterling für mehrere Stunden, wie dieser kämpfte, um seinen Körper durch jenes winzige Loch zu zwängen. Dann plötzlich schien er nicht mehr weiter zu kommen.

    Es schien, als ob er so weit gekommen war, wie es ging, aber jetzt aus eigener Kraft nicht mehr weitermachen konnte. So beschloss der Mann, ihm zu helfen: Er nahm eine Schere und machte den Kokon auf. Der Schmetterling kam dadurch sehr leicht heraus.

    Aber er hatte einen verkrüppelten Körper, er war winzig und hatte verschrumpelte Flügel. Der Mann beobachtete das Geschehen weiter, weil er erwartete, dass die Flügel sich jeden Moment öffnen und sich ausdehnen würden, um den Körper des Schmetterlings zu stützen und ihm Spannkraft zu verleihen. Aber nichts davon geschah. Stattdessen verbrachte der Schmetterling den Rest seines Lebens krabbelnd mit einem verkrüppelten Körper und verschrumpelten Flügeln.

    Niemals war er fähig, zu fliegen.

    Was der Mann in seiner Güte und seinem Wohlwollen nicht verstand, dass der begrenzende Kokon und das Ringen, das erforderlich ist, damit der Schmetterling durch die kleine Öffnung kam, der Weg der Natur ist, um Flüssigkeit vom Körper des Schmetterlings in seine Flügel zu fördern. Dadurch wird er auf den Flug vorbereitet, sobald er seine Freiheit aus dem Kokon erreicht. Manchmal ist das Ringen genau das, was wir in unserem Leben benötigen. Wenn wir durch unser Leben ohne Hindernisse gehen dürfen, würde es uns lahm legen. Wir wären nicht so stark, wie wir sein könnten, und niemals fähig, zu fliegen.

    (Verfasser unbekannt)

    • Patricia Bennett schreibt am 9. November 2014

      schöne Geschichte! Danke!

    • Christina schreibt am 9. November 2014

      Hallo Sophie!
      Das ist eine sehr schöne Geschichte über das übermäßige Geben. Vielen Dank!
      Ich hoffe, dass Du auch bald wieder fliegen kannst. Und Deine Freunde und Bekannte Dich fliegen lassen können.
      Liebe Grüße,
      Christina

  • Ein wunderschöner Artikel. Kommt gerade zur rechten Zeit. Vielen Dank.

  • Ich helfe gerne und ich bekomme viel zurück im Leben, nicht immer von den Menschen selbst, denen ich geholfen habe.
    Ich frage mich auch manchmal, warum ich helfe, weil es mir ein Bedürfnis ist oder weil ich Anerkennung haben möchte etc. Alles ist legitim solange ich daraus keine Forderungen entstehen lasse.
    Wenn ich ein ungutes Gefühl spüre beim Helfen dann forsche ich in mir nach ob ich weiterhin bereit bin mit meiner Hilfe da zu sein.
    Nehmen und Bitten wollen genauso gelebt werden wie Geben und in diesem Gleichgewicht liegt meine Zufriedenheit.
    Anbieten, Fragen oder manchmal einfach Helfen damit habe ich selbst gute Erfahrungen gemacht.

  • Hallo,
    ich finde es auch schön, wenn mir geholfen wird oder besser noch, wenn man in der Familie Aufgaben im Team wahrnimmt und sich gegenseitig hilft. Was ich problematisch finde ist, wenn das unterstützende Element wegfällt und der andere einem komplett die Aufgabe aus der Hand nimmt. Dann kann man sich entmündigt fühlen.

    Denkt an das Kinde, dass seine Schuhe selbst binden möchte, weil es endlich gelernt hat, die Schleife zu binden und die Mutter trotzdem die Schleife bindet, weil sie es eilig hat. “Alleine”, schreit das Kind. Die Mutter sieht in dem Moment nur ihr eigenes Interesse.

    Oder mir fällt das Zitat aus einem Lied von Johanna von Koczian ein: “Er ist ein Macher, er wird ihr was vormachen, bis sie selbst nichts mehr machen kann.” Das Geheimnis ist wohl, auf den anderen einzugehen, einfühlsam zu verstehen, wann und wo er Hilfe braucht, ohne ihn zu entmündigen.

    Auf das Kinde bezogen: Hilfe ist dann Hilfe, wenn es die andere Person in der Entwicklung und im Leben weiterbringt.

    So, das war mein Wort zum Sonntag :). Allen einen schönen Tag!

  • Hallo,helfen ist schön,
    aber manchmal tut es vor allem gut sich selbst zu beweisen gebraucht zu werden und Dankbarkeit zu erfahrenen .
    Das ist dann leider auch nicht gesund wie ich selbst erfahren habe.
    Um die eigenen Kräfte zu schonen ist es auch wichtig abzulehnen.
    Und wie ist es mit dem eigenen Hilfe annehmen können ?
    Geben empfinde ich als viel leichter als nehmen ,oder womöglich drum bitten. Anderes Thema ?!

    • Christina schreibt am 9. November 2014

      Hallo ria, hallo alle zusammen!

      Ich finde geben auch sehr schön. Ich habe das erst lernen müssen und erkannt, welch ein schönes Gefühl es auslöst, anderen etwas zu schenken, zu geben, egal, ob Zeit zum zuhören oder etwas Materielles. Ich musste auch erst lernen, nehmen zu können. Besonders Hilfe bei Etwas annehmen zu können. Zuzugeben können, dass ich das nicht schaffe, es zuviel ist. Vor allem darum zu bitten, fällt mir immer noch schwer.
      Ich lebe (noch) in einer Beziehung, in der ich nur etwas bekomme. Das ist einerseits sehr schön, aber andererseits habe ich mich immer schlecht gefühlt, denn mein Partner kann nichts annehmen. Er gibt und gibt. Er nimmt jedoch sehr schlecht Hilfe an oder Gefälligkeiten oder Geschenke. Das ist sehr frustrierend für mich. Ich fände deshalb tatsächlich das Thema “Geben und Nehmen” können – die Balance halten zu können, ein sehr gutes und interessantes. Was sind das für Menschen, die nur Geben, aber nicht Nehmen können? Fühlen Sie sich nicht wert, etwas bekommen zu dürfen? Es gab hier in meiner Beziehung schon sehr merkwürdige Situationen, die sehr unlogisch für mich waren und unerklärbar und immer ein schlechtes Gewissen bei mir ließ, weil mir wieder gegeben wurde (Zeit, Ruhe,…) auf Kosten des Gebenden (Stress, Absagen von Kundenterminen).
      Das Thema würde mich sehr interessieren.
      Einen schönen Sonntag wünscht Euch,
      Christina

  • Aus meiner Erfahrung macht es Sinn, dann zu helfen wenn es sich für einen selber richtig anfühlt.

    Warum die ältere Dame nicht wegen des Koffers ansprechen, wenn ich meine das es richtig wäre? Vielleicht würde sie sich über die Aufmerksamkeit freuen? Wenn nicht, kann sie es sagen. Lieber etwas zuviel Freundlichkeit als zu wenig. Das kostet nichts und geht ganz einfach. :-))

  • Da fühle ich mich ein Stück weit angesprochen – aber wieder mit einer andere Sache als Thorsten: Ich helfe gerne, und fühle mich auch nicht ausgenutzt. Höre aber von engen Freunden, dass ich mich ausnutzen lassen würde, wenn ich erzähle, was ich mache. Da prallen also Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung aufeinander, und ich komme ans Zweifeln… würde mich hier über einen Rat (gerne auch einen Link zum Lesen) freuen.

    • Thorsten schreibt am 5. November 2014

      Hallo Tobias,
      ich stimme dir zu. Auch ich höre dieses Argument immer wieder. Ich versuche dann abzuwägen, ob da im entsprechenden Fall etwas dran ist oder nicht. Meine Hilfsbereitschaft gebe ich wegen eines solchen Einwurfs nicht automatisch auf. Hin und wieder und im aktuellen Fall werde ich das Gefühl ausgenutzt zu werden jedoch auch nicht ganz los.
      Viele Grüße, Thorsten.

    • Tobias schreibt am 5. November 2014

      Danke Thorsten. Ja ich wäge da auch im Einzelfall ab. In einem aktuellen Fall weiß ich aber auch, dass die Person, die mir gesagt hat, ich lasse mich ausnutzen, ne Abneigung gegen die Person hat, der ich geholfen habe. Sowas zu trennen und verständnisvoll damit umzugehen, ist auch immer nicht so ganz einfach.

      Für deine Situation mal meine Sichtweise – vielleicht hilft sie dir: Ausgenutzt werde ich, wenn ich jemandem helfe, der mir aber selber in der gleichen Situation nicht helfen würde. Das heißt: Wenn ich jemand hilfsbereitem helfe, fühle ich mich auch nicht ausgenutzt. Weil ich weiß, dass ich genau so auch auf den anderen zählen könnte.

      Wenn du dir da beim Gegenüber nicht sicher bist, kannst du ja die Hilfsbereitschaft mal testen, indem du diese Person um einen kleinen Gefallen bittest. An der Reaktion kannst du sicher ne Menge ablesen. Hab da gerade mit ner guten Freundin selber eine eher negative Erfahrung gemacht, bei einer Kleinigkeit.

  • Der Zusammenhang ist treffend dargestellt. Aktuell habe ich eher das Problem, dass ich nicht helfen möchte. Dann aber wieder doch. Ich fühle mich immer haufiger ausgenutzt, weil ich gerne helfe. Es ist ein klassisches Dilemma. Habt ihr dazu auch ein paar hilfreiche Gedanken?
    Viele Grüße, Thorsten.

    • Christine schreibt am 9. November 2014

      Mir hat in den vergangenen Jahren immer wieder das folgende Buch geholfen: “Ich muss mich nicht für alles verantwortlich fühlen” von Garry Lundberg/Joy Saunders Lundberg. Wie oft bin ich in Situationen verstrickt, in denen ich mich an die Leitsätze dieses Buches erinnern muss, um nicht wieder in alte Handlungsmuster zu verfallen. Genau heute wurde ich wieder im Familienkreis mit dem “Helfen-Thema” konfrontiert. Fast hatte ich schon wieder ein schlechtes Gewissen, weil sich andere aus der Familie fast bis zur Erschöpfung für ein Familienmitglied engagieren und ich für mich jetzt eine Grenze gesetzt habe. Ich erinnerte mich erneut an das o. g. Buch. Wirklich helfen heißt nicht, dem Hilfsbedürftigen seine Probleme abzunehmen sondern ihm dabei zu helfen, sie selber zu lösen. Das Buch gab mir praktikable Hinweise für den Umgang z.B. mit Kindern, betagten Eltern, mit “hilflosen” Mitmenschen usw.. Es ist vieles besser geworden, seit ich Grenzen setzen kann ohne kaltherzig zu werden. Helfen bereitet Freude und Genugtuung, aber es darf nicht dazu führen, dass man sich die Lasten (Probleme) des Hilfsbedürftigen auflädt und immer mehr Energie verliert.

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