Immer auf der Flucht?

„Ach ne, damit will ich mich jetzt nicht beschäftigen.“

„War toll, das mal alles aussprechen zu können, aber jetzt ist auch erst mal gut. Vielleicht löst sich das Problem ja doch noch von selbst.“

„Klar, ich weiß, dass es jetzt schon eine ganze Weile schwierig ist. Aber ich hab wirklich nicht den blassesten Schimmer, was ich daran ändern kann.“

Solche oder ähnliche Sätze kennt, glaube ich, jeder, wenn es darum geht, einer schwierigen Situation aus dem Weg zu gehen. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich kenne eine ganze Reihe Menschen, die oftmals dazu neigen, Problematisches zu vermeiden und, solange das irgendwie funktioniert, vor Schwierigkeiten wegzulaufen. Und ganz ehrlich, manchmal bin ich selbst eine von diesen Leuten. Dass wir Menschen vor schwierigen Situationen und Problemen weglaufen, kann daran liegen, dass wir Angst haben oder die Hoffnung, dass sich alles schon von selbst regeln wird. Manchmal geht ja auch alles gut, wenn sich z. B. ein Konflikt in Wohlgefallen auflöst oder eine plötzliche Wende unser Problem beseitigt. Das Leben bremst die meisten von uns aber auch gern mal aus. Zum Beispiel, wenn es unvermeidbar ist, sich mit etwas auseinanderzusetzen, vor dem man bislang weggelaufen ist.

Da sagt sich jemand über mehrere Monate: „Mein Partner ist so komisch. Ihn drauf ansprechen? Bloß nicht, wer weiß, was dann kommt?“ Eines Tages erwischt es einen dann möglicherweise völlig kalt, wenn die Koffer im Flur stehen und er sagt: „Ich zieh zu meiner Freundin.“

Eine andere jammert vielleicht über Jahre: „Mein Job ist der Horror, aber ich kann mich nicht aufraffen, mir etwas Neues zu suchen.“ Irgendwann ist sie völlig ausgebrannt und der Arzt schreibt sie für eine lange Zeit krank.

Jemand anderes spürt immer mal wieder den Druck: „Mein Konto läuft immer weiter in die Miesen. Zur Schuldnerberatung gehen? Ne, das pack ich nicht.“ Möglicherweise so lange, bis der Geldautomat nichts mehr ausspuckt und der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht.

Wäre es nicht großartig, wenn es gar nicht so weit kommen würde? Wenn man das Problem mit dem Partner frühzeitig klären würde oder rechtzeitig den Schuldenberg abtragen könnte?

Verstehen Sie mich nicht falsch. Sicher hat jeder, der etwas vermeidet oder davor wegläuft, enorm gute Gründe für sein Verhalten. Meistens lösen diese guten Gründe unsere Probleme jedoch nicht und es hilft auch häufig nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Wenn wir uns hingegen mit den Sachen auseinandersetzen, vor denen wir am liebsten weglaufen, kann das viele Vorteile haben:

  • Am Anfang einer problematischen Situation lässt sich häufig noch viel leichter etwas zum Positiven verändern als später, wenn der Karren so richtig fest im Dreck sitzt. Weil ein kleines überschaubares Problem nämlich im Allgemeinen besser zu lösen ist als ein großes ausgewachsenes.
  • Man erspart sich damit in den meisten Fällen langandauernde belastende Gefühle und Gedanken, weil man das Problem frühzeitig aus der Welt schafft.
  • Das eigene Selbstvertrauen wird gestärkt, weil man seine Probleme aktiv löst und nicht darauf wartet, dass andere Menschen darüber entscheiden.
  • Wir können Schwierigkeiten gelassener angehen, weil der Zeitdruck meistens noch gering ist.

Einfach mal stehen bleiben?

Manchmal weiß man ganz genau, wovor man wegläuft. Wenn das bei Ihnen so ist, haben Sie das vielleicht daran gemerkt, dass Sie zu Beginn des Beitrags so etwas gedacht haben wie: „Oh je, genau mein Thema“ oder „Na prima, jetzt hat es mich doch eingeholt“.

Hervorragend, dann wissen Sie ja schon ganz genau, worum es bei Ihnen geht ;-). Auch wenn Sie das jetzt vielleicht nicht so toll finden, so möchte ich Sie doch ermutigen, erst einmal weiterzulesen. Falls Sie nachher lieber doch auf Distanz gehen möchten, können Sie das doch immer noch. Ich zwinge Sie jedenfalls zu nichts.

Wenn man vor seinem Problem wegläuft, ist es häufig unwahrscheinlich schwer, dieses Problem zu lösen. Eben weil man ja in dem Moment meistens lieber weiter verdrängt und nicht hinsehen möchte. Wenn Sie jetzt vielleicht an dem Punkt sind, wo Sie sagen „Nein, ich will mich damit gar nicht auseinandersetzen“, dann ist das also völlig verständlich. Dennoch können Sie ein kleines Experiment wagen, indem Sie mit sich ein kurzes Selbstgespräch führen. Damit können Sie den Kreislauf von Weglaufen und Nichthinsehen durchbrechen. Lesen Sie sich gleich ein oder mehrmals ganz bewusst das folgende kleine Selbstgespräch durch. Vielleicht lesen Sie es sich sogar laut vor.

Ich unterbreche JETZT für einen Moment die Gedanken, die mich nicht weiterbringen. Ich merke, dass ich mich im Augenblick nicht mit meinem Problem auseinandersetzen möchte. Da ist ein innerer Widerstand. Es ist jetzt grad, wie es ist. Und es ist in Ordnung so, wie es ist. Ich darf diesen inneren Widerstand spüren. Dennoch möchte ich mir genau jetzt für einen Moment mein Problem anschauen. Wenn ich das Problem weiterhin vermeide, wird alles bestimmt noch schlimmer und immer schwerer. Wenn ich mich in diesem Moment aber überwinde, dann gehe ich einen ersten Schritt hin zu der Lösung meines Problems. Wäre es nicht toll, wenn mich mein Problem weniger belasten würde? Ich könnte mich dann etwas freier und wohler fühlen. Dazu lese ich jetzt einfach diesen Text weiter und gucke mir mein Problem in den nächsten Minuten an.

Probieren Sie es vielleicht einfach mal aus. So ein Selbstgespräch kann wahre Wunder bewirken.

Vielen Menschen ist aber auch gar nicht bewusst, dass sie vor etwas weglaufen oder lieber grad den Kopf in den Sand stecken. Wenn Sie vielleicht ein wenig neugierig geworden sind und herausfinden möchten, ob Sie grad etwas vermeiden oder vor etwas weglaufen, gehen Sie doch gleich einmal die folgenden paar Schritte mit mir durch:

  1. Erkennen, dass man wegläuft
  2. Wahrnehmen, vor welchem Problem man genau wegläuft
  3. Entscheiden: Auf das Problem zugehen – oder nicht?
  4. Das Problem in kleinen Schritten anpacken
  5. Handeln und das Problem anfangen zu lösen

Erkennen, dass man wegläuft

Wie kann man nun herausfinden, ob man grad vor etwas wegläuft oder ein Problem vermeidet anzugehen? Am besten nehmen Sie sich dazu ein Blatt Papier und einen Stift und notieren sich Ihre Gedanken zu den folgenden Fragen:

  • Was beunruhigt mich?
  • Bei welchem Gedanken bekomme ich ein komisches Gefühl im Bauch?
  • In welchen Situationen in den letzten Tagen wurde ich unruhig oder fühlte ich mich nicht wohl?
  • Gab es Situationen oder Gedanken, bei denen ich z. B. auf einmal kalte Hände oder Verspannungen im Nacken hatte? Wurde mir vielleicht schwindelig oder hatte ich das Gefühl, dass es plötzlich sehr heiß ist, als ich an bestimmte Dinge oder Angelegenheiten dachte?
  • Bei welchen Gesprächsthemen lenke ich ab? Worüber möchte ich nur ungern sprechen?
  • Gibt es Themen, bei denen ich mich immer im Kreis drehe und keinen Ausweg weiß?
  • Welche Gedanken schiebe ich ganz schnell beiseite, wenn sie sich mir aufdrängen?

Damit es etwas anschaulicher wird, hab ich hier ein Beispiel für Sie:

Peter stellt sich die Fragen und schreibt auf:

  • meine Beziehung zu Bea (immer wenn ich an Bea denke, merke ich, wie sich mein Magen anspannt. Kurz vor sechs bin ich schon immer ganz nervös, weil ich weiß, dass sie gleich nach Hause kommt)
  • zum Arzt gehen (schon seit Wochen nehme ich mir vor, wegen meiner Kopfschmerzen zum Arzt zu gehen. Immer wenn ich einen Termin machen möchte, gibt es irgendwas Wichtigeres)
  • Steuererklärung (die ist längst überfällig und jedes Mal, wenn ich die Unterlagen auf meinem Schreibtisch sehe, bekomme ich Bauchgrummeln und hab ein schlechtes Gewissen)

Wahrnehmen, vor welchem Problem man genau wegläuft

Nun stehen auf Ihrem Zettel ein paar Dinge, die Ihnen auf dem Magen liegen oder Sie beunruhigen. Häufig gehen wir solche Dinge nicht an, weil dahinter bestimmte Widrigkeiten, z. B. Unsicherheiten, Ängste und Befürchtungen stecken. Diese zu kennen hilft einem ungemein, wenn man sich dem Problem stellen möchte. Weil man dann nämlich eine Lösung finden kann, mit der man die Widrigkeiten aushält oder sogar beseitigt. Und dann lässt sich auch das Problem angehen und vielleicht lösen.

Um dem Problem und den damit verbundenen Widrigkeiten noch ein bisschen besser auf die Spur zu kommen, stellen Sie sich wieder ein paar Fragen. Und zwar zu jedem Punkt auf Ihrer Liste:

  • Was ist genau das Problem hierbei?
  • Was befürchte ich konkret?
  • Glaube ich, dass mir irgendwas fehlt, um das Problem zu lösen? (Fähigkeiten, Unterstützung, Informationen)

Schreiben Sie Ihre Gedanken dazu am besten ebenfalls in Ihre Liste. So haben Sie alle wichtigen Informationen gleich auf einen Blick zusammen.

Auf Peters Liste sieht das dann zum Beispiel so aus:

  • meine Beziehung zu Bea => Ich traue mich nicht anzusprechen, dass sich etwas verändert hat. Vielleicht sagt sie mir, dass sie einen anderen hat. Ich weiß nicht, wie ich damit klarkommen soll.
  • zum Arzt gehen => Ich habe Angst, dass ich eine schlimme Diagnose bekomme. Wie sollte ich damit umgehen? Ich habe Angst zu sterben.
  • Steuererklärung => Hauskauf, Umzug, das ist alles neu und ich weiß gar nicht, wie ich das dort angeben muss. Ich befürchte, dass ich das nicht hinbekomme. Ich glaube, ich brauche noch mehr Informationen darüber, wie ich bei der Steuererklärung genau vorgehen kann.

Entscheiden: Auf das Problem zugehen – oder nicht?

Nun wissen Sie etwas genauer, wovor Sie möglicherweise weglaufen und wieso Sie diese Sache vermeiden. In diesem Schritt können Sie sich nun entscheiden, ob Sie ein oder mehrere Probleme von Ihrer Liste angehen oder sich vielleicht auch erst mal nicht damit auseinandersetzen möchten.

Manchmal gibt es ja wirklich Situationen, in denen es Sinn macht, abzuwarten. Zum Beispiel, wenn Sie wissen, dass Sie jetzt gerade ohnehin keine Zeit für die Steuererklärung haben oder Ihr Partner in den nächsten drei Tagen den Kopf nicht für ein Beziehungsgespräch frei hat, weil er sehr wichtige und schwierige berufliche Termine hat.

Wenn Sie sich bewusst dafür entscheiden, erst einmal abzuwarten, ist es auch kein Weglaufen mehr. Sie sind dann aktiv geworden und haben Ihr Leben in die Hand genommen. Und sei es nur, dass Sie sich aktiv entschieden haben, noch etwas abzuwarten. Setzen Sie sich dann aber unbedingt einen Termin, bis zu dem Sie abwarten wollen. Ohne festen Termin ist die Gefahr, dass Sie doch wieder vor dem Problem weglaufen, zu groß, weil es dann wieder in den Hintergrund gerät. Und versuchen Sie, ganz besonders ehrlich zu sich selbst zu sein. Macht es wirklich Sinn, noch abzuwarten, oder wäre es nicht vielleicht doch besser, das Problem oder die Angelegenheit, die Sie vermeiden, genau jetzt anzupacken?

Ich möchte Ihnen einen kleinen Vorschlag machen. Halten Sie doch genau jetzt an dieser Stelle einen kleinen Moment inne. Denken Sie an einen Punkt auf Ihrer Liste. Die Beziehungsschwierigkeit, ein finanzielles Problem, das, worum Sie sich schon lange kümmern müssten, eine Entscheidung, die längst überfällig ist. Schließen Sie für ein paar Sekunden die Augen und stellen Sie sich ein Szenario vor.

  1. Wie sieht Ihr Leben in ein paar Wochen aus, wenn Sie so weitermachen wie bisher? Wie ist Ihr Tagesablauf? Mit welchem Gefühl stehen Sie morgens auf? Welches Gefühl haben Sie, wenn Sie sich abends schlafen legen?
  2. Wie könnte Ihr Leben in einem halben Jahr aussehen, wenn Sie jetzt nichts ändern? Wie werden Sie sich dann morgens und abends fühlen? Was zeichnet Ihren Alltag aus?
  3. Wie leben Sie in zwei Jahren, wenn Sie weitermachen wie bisher? Was fühlen Sie dann?

Und jetzt möchte ich Sie bitten, dass Sie sich einen ganz kleinen Augenblick vorstellen, wie Ihr Alltag aussehen könnte, wenn dieses Problem gelöst wäre. Wie wäre es, wenn Sie den nagenden Gedanken an diese Sache, vor der Sie am liebsten immer weglaufen möchten, loswürden? Wenn der Gedanke und das komische Gefühl dazu einfach nicht mehr da wären, weil Sie die Angelegenheit aus der Welt geschafft hätten?

  1. Wie sieht Ihr Leben dann in ein paar Wochen aus? Wie ist Ihr Tagesablauf? Ihr Gefühl, wenn Sie morgens aufstehen oder abends schlafen gehen?
  2. Wie könnte Ihr Leben in einem halben Jahr aussehen, wenn Ihr Problem aus der Welt wäre?
  3. Was wäre in zwei Jahren? Wie würden Sie sich dann fühlen? Wie würde Ihr Alltag ablaufen, wenn Sie das Problem gelöst hätten?

Natürlich können Sie jetzt wieder in Distanz zu dieser problematischen Angelegenheit gehen und weiterleben wie bisher. Aber vielleicht möchten Sie jetzt lieber die Gelegenheit nutzen, einmal innezuhalten und zu überlegen, wie Sie ein Problem auf Ihrer Liste aktiv angehen können. Wie schaffen Sie es, sich Ihrem Problem zu stellen, ihm zu begegnen und es vielleicht sogar zu lösen?

Wenn Sie Ihr Problem angehen möchten, entscheiden Sie sich zunächst für eine Sache von Ihrer Liste. Fragen Sie sich dazu: Wo würde sich eine Veränderung am positivsten auf meinen Alltag auswirken? Oder: Welches Problem belastet mich am meisten? Kennzeichnen Sie die Sache, für die Sie sich entschieden haben, z. B. mit einem Kreuz.

Das Problem in kleinen Schritten anpacken

Sie haben jetzt also herausgefunden, vor welchem Problem oder welcher Sache Sie bislang weggelaufen sind, und sich nun entschieden, dies anzugehen.

Ganz wichtig ist, dass Sie erst einmal ins Handeln kommen. Oftmals schaffen wir es nicht, eine Sache anzugehen oder zu verändern, weil wir meinen, das ganze große Problem auf einmal in den Griff bekommen zu müssen.

Wenn Sie sich also vielleicht scheuen, Ihr Problem anzugehen, dann sagen Sie sich z. B. so was wie: „Ich brauche ja erst mal nur einen kleinen Schritt zu machen“ oder „Ich kann mich jetzt auch nur ein paar wenige Minuten damit beschäftigen. Das ist völlig in Ordnung, dadurch passiert ja noch nichts wirklich Entscheidendes“. Wir Menschen sind nämlich so gestrickt, dass es uns deutlich leichter fällt, eine kleine Hürde zu nehmen und einen minimalen Schritt zu machen, als wenn wir die großen Dinge direkt angehen. Das ist so, weil wir bei kleinen Schritten immer das Gefühl haben, uns nur ein kleines bisschen dem, wovor wir uns fürchten, zu nähern. Und ein kleines bisschen geht in den meisten Fällen ja immer irgendwie.

Fragen Sie sich nun:

Welches sind die ersten kleinen Schritte, die ich gehen kann, um meine Ängste und Unsicherheiten auszuräumen oder besser mit ihnen klarzukommen?

  • Überlegen Sie sich, was Sie zu sich selbst sagen können, um sich Ihre Befürchtungen zu nehmen. Wie würden Sie z. B. jemand anderen beruhigen, der in Ihrer Situation ist?
  • Sprechen Sie mit Ihren Freunden und fragen Sie sie um Rat.
  • Wenden Sie Entspannungstechniken an, um sich zu beruhigen. Oder treiben Sie Sport, um sich zu entspannen und mehr Energie zu bekommen.
  • Falls Sie gut durch Druck in Bewegung kommen, setzen Sie sich selbst unter Zugzwang. Erzählen Sie anderen, dass Sie Ihr Problem jetzt angehen werden. Und bitten Sie andere, bei Ihnen nachzuhaken. Gehen Sie kleine Schritte: Recherchieren Sie z. B. die Telefonnummer des Arztes, verabreden Sie sich mit Ihrer Partnerin zum Gespräch, machen Sie ein Pro-und-Contra-Liste. Suchen Sie sich Informationen, die Sie noch benötigen über Steuererklärungen, Hausrenovierungen, Unterhaltszahlungen im Trennungsfall.
  • Lernen Sie sich besser kennen, um leichter entscheiden zu können. Finden Sie heraus, was Sie wollen, welche Ziele Sie in Ihrem Leben verfolgen. Wie Sie sich Ihre Zukunft vorstellen.

Damit das mit den kleinen Schritten noch ein wenig deutlicher wird, schauen wir uns noch mal das Beispiel an:

Peter hat sich entschieden, das Problem mit seiner Partnerin Bea anzugehen. Hier noch mal, was er sich dazu aufgeschrieben hatte:

  • meine Beziehung zu Bea => Ich traue mich nicht anzusprechen, dass sich etwas verändert hat. Vielleicht sagt sie mir, dass sie einen anderen hat. Ich weiß nicht, wie ich damit klarkommen soll.

Er notiert sich:

Erste kleine Schritte:

  • mir die Angst davor nehmen, dass sie einen anderen hat (wenn es so sein sollte, komme ich damit klar)
  • dazu mit meinem Freund Udo sprechen und mir Unterstützung suchen
  • mir sagen, dass meine Unsicherheit und meine Befürchtungen schlimmer sein können, als die Wahrheit zu kennen
  • heute Abend Bea ansprechen und ihr meine Empfindungen erklären
  • einen Brief an Bea schreiben

Handeln und das Problem anfangen zu lösen

Und nun handeln Sie. Nehmen Sie sich zum Beispiel jeden Tag vor, einen kleinen Schritt von Ihrer Liste abzuarbeiten. Wichtig ist, dass Sie möglichst sicherstellen, dass Sie gar nicht wieder vor Ihrem Problem weglaufen können. Und dazu brauchen Sie Erinnerungen. Holen Sie sich dazu ruhig Unterstützung. Tragen Sie die Schritte in Ihren Terminkalender ein, lassen Sie sich von Ihrem Handy erinnern oder bitten Sie einen Freund, Sie jeden Tag zu fragen, wie es mit Ihrer Problemlösung aussieht. So werden Sie immer wieder die Erfahrung machen, dass es sich lohnt, ein Problem nicht zu ignorieren.

Und was ist bei großen Schritten?

Manch einer denkt vielleicht grad: „Das mit den kleinen Schritten ist ja alles gut und schön, aber manchmal gibt es halt Probleme, die sich nur in großen Schritten lösen lassen. Da hilft mir das jetzt auch nicht. Wenn die Situation so richtig verfahren ist, kann man daran mit solchen Minischritten auch nichts ändern.“

  • Meine Ehe ist total im Eimer und ich weiß nicht, ob ich mich trennen soll.
  • Jetzt bin ich bald vierzig und weiß nicht, ob ich Kinder möchte oder nicht und bei der Entscheidung gibt es auch nur ja oder nein.
  • Ich weiß, dass ich meine letzte Beziehung aufarbeiten müsste. Aber soll ich mir diese Quälerei wirklich antun?
  • Ich würde so gerne mein eigenes Unternehmen haben. Seit Jahren schieb ich das schon vor mir her.

Auch wenn Sie sich das vielleicht grad nicht vorstellen können. Auch bei diesen Dingen helfen einem kleine Schritte weiter. Vielleicht wird es an folgenden Beispielen etwas deutlicher:

  • Meine Ehe ist total im Eimer und ich weiß nicht, ob ich mich trennen soll => Ich fang mal ganz klein an und fahre eine Woche alleine weg. Mal sehen, wie es mir dabei geht. Oder ich versuche, mir ganz genau und ehrlich vorzustellen, wie mein Leben ohne meinen Mann aussehen würde (Pro-und-Contra-Liste, mich an die guten Zeiten erinnern). Oder ich versuche, mit meinem Mann zu einer Paarberatung zu gehen.
  • Ich weiß nicht, ob ich Kinder möchte oder nicht => Ich besuche jetzt mal öfter Familien mit kleinen Kindern, mal sehen, wie ich mich dabei fühle. Oder: Ich setze mich einen Nachmittag auf den Kinderspielplatz und gucke, wie es mir dabei geht.
  • Ich weiß, dass ich meine letzte Beziehung aufarbeiten müsste => Ich könnte ja jeden Morgen nur zwanzig Minuten damit zubringen, über die Beziehung nachzudenken. (Was ist schiefgelaufen? Mein Anteil? Sein Anteil? Wie würde ich heute mit so was umgehen?)
  • Ich würde so gerne mein eigenes Unternehmen haben. Seit Jahren schieb ich das schon vor mir her => Ich könnte ein Seminar für Existenzgründer besuchen und dabei ein wenig in mich hineinspüren, ob das was für mich sein könnte.

Vielleicht haben Sie ja Lust bekommen, zu schauen, was Sie in Ihrem Leben verändern möchten. Wo laufen Sie vor etwas weg? Welches Problem schieben Sie auf die lange Bank? Ich weiß, dass es ganz schön schwer sein kann, sich gerade den Dingen zu stellen, die man immer vermeidet und vor denen man am liebsten Reißaus nimmt. Aber genau für solche schwerwiegenden Sachen haben Sie mit diesen fünf Schritten jetzt ein praktisches Werkzeug. Probieren Sie es einfach aus und vielleicht machen Sie dann die Erfahrung, dass Ihr Problem gar nicht so erschreckend und riesig ist, wie Sie gedacht haben. Oder Sie erleben, dass sich auch die ganz dicken Probleme bewältigen lassen, wenn man sich traut hinzuschauen.

Und falls Sie jetzt in diesem Moment keine Zeit haben oder sich nicht aufraffen können, sich damit zu beschäftigen, dann schreiben Sie sich doch für Ihren nächsten freien Tag eine Erinnerung in Ihren Kalender oder programmieren Sie sich Ihr Handy. Vielleicht ist dann ja genau der richtige Zeitpunkt, um den Kopf aus dem Sand zu nehmen.

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Kommentare

  • Mein Freund läuft vor Konflikt davon
    Ich weiß mir kein Rad mehr es ist sehr schlimm immer wider backt er seine sachen und geht nach 4 Tagen ohne Kontakt und schreiben steht er wieder da ich komme mir so blöd vor einfach das mit mir machen zu lassen was kann ich machen oder was soll ich machen

  • Wirklich schön herausgearbeitet und formuliert. Das Lesen dieser Zeilen scheint mir gerade aus einem Tief herauszuhelfen. Wie Alexander schon schrieb – ich habe nicht auf das Navi geachtet und wunder mich, warum ich mich seit Tagen so mies fühle. Die Fragen lösten den Druck und machten das Tor auf… Danke für den Artikel!

  • Das ist ein sehr gelungener Artikel.

    (wie so viele. Aber ich wollte es auch mal aussprechen. So viel Weisheit… ich weiß nicht, wie ich die alle auch verwirklichen und mit mir realisieren soll…)

  • Wunderbar!
    Mir aus der Seele gesprochen.

  • Mich erinnert das ein wenig, an das Navigationssystem im Auto. Angenommen ich will nach Norden fahren und beim Navi zeigt der Pfeil nach Süden.
    In so einer Situation, fängt normalerweise keiner an, sein Navigationssystem anzuschreien und zu sagen, es wäre kaputt. Ich akzeptiere stattdessen den momentanen Standort, schaue mir die Route an und fahre wieder in die gewünschte Richtung.
    Auch wenn das Navi nicht immer nach Norden zeigt, weiß ich, dass alles Gut ist, da die Straßen natürlich Kurven haben.

    Ich finde: auch im richtigen Leben, haben wir ein inneres Navigationssystem. – unsere Emotionen. Sie geben uns die Richtung vor.
    Wenn ich vor etwas weg laufe, weiß ich nicht wohin ich will. Deshalb akzeptiere ich zuerst meinen momentanen Standort und schaue, wohin ich wirklich hin will.

    Gruß
    Alexander

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