Lernchen und Lesel

Es war einmal ein kleines Wesen. Und das war unglaublich wissbegierig und neugierig. Es fand einfach alles interessant und wollte ständig dazulernen.

Die Leute nannten das Wesen “Lernchen”, denn die Lieblingsfrage des Lernchens war “Warum ist das so?” und der am häufigsten verwendete Satz: “Erklär mir bitte, wie das geht.”

Manche der Erwachsenen fanden das Lernchen niedlich. Sie freuten sich über die Fragen und beantworteten sie gerne. Anderen ging es ziemlich auf die Nerven. Doch das Lernchen ließ sich von nichts und niemanden beirren. Es fragte sich munter durch die Welt mit seinem unstillbaren Hunger nach Wissen.

Manchmal aber war das Lernchen traurig. Denn die anderen Kinder mochten es nicht sehr, sondern hänselten es. Für sie war das Lernchen ein Streber. Sie sahen nicht, dass es dem Lernchen nicht um gute Noten ging (die kamen einfach dazu), sondern dass es entdeckt hatte, wie spannend die Welt und das Leben waren. Das Lernchen konnte gar nicht begreifen, dass sich niemand sonst so für das Lernen begeistern konnte, wie es selbst.

Eines Tages kam nun jemand Neues in die Stadt. Und schnell machte ein Gerücht die Runde: es handelte sich um jemanden, der ununterbrochen las!

Das Lernchen spitzte die Ohren, wenn die Leute vom “Lesel” sprachen und über ihn spotteten.

“Wie kann man nur ständig lesen?” fragten sie sich und schüttelten die Köpfe. Sie waren zwar beeindruckt davon, was der Lesel alles wusste und erzählen konnte, aber das gaben sie nicht zu, denn jemand, der so klug und belesen ist, ist den meisten Menschen unheimlich.

Nicht so dem Lernchen.

Es lief schnurstracks zum Lesel. Und damit begann eine wundervolle Freundschaft.

Das Lernchen stellte dem Lesel unendlich viele Fragen. Manche konnte der Lesel aus dem Stand beantworten. Bei anderen musste er erst in eine Bibliothek gehen. Doch nie ließ er auch nur eine Frage des Lernchens unbeantwortet. Und das Lernchen wurde nie müde, Fragen zu finden und zu stellen.

Glaubt mir, den beiden wurde niemals langweilig! Und noch heute stellt das Lernchen seine Fragen und der Lesel liest, um sie alle beantworten zu können…

Von Kari Stern

 

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Kommentare

  • sehr weise Geschichte… nicht nur über Fragen und Lernen, sondern auch über Vorurteile, die wir doch immer wieder gerne über andere hegen und uns selten die Mühe machen das positive gewisser Eigenarten zu erkennen….

  • berninger.jutta@gmail.com schreibt am 5. Februar 2013 Antworten

    Danke für diese wunderschöne und nachdenkliche Geschichte – ich denke, viele Erwachsene solltzen sich so etwas immer mal wieder votr Augen halten um die Kinder, diese kleinen und großen Wunder, in ihrer Entwicklung unterstützen zu können.

  • Ilona Gasabelli-Schwarzenburg schreibt am 4. Februar 2013 Antworten

    Wunderschön. Ich werde den Artikel meiner kleinen Enkeltochter vorlesen. Sie kommt dieses Jahr in die Schule und freut sich schon sehr darauf, Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen.

  • Bezaubernde Geschichte.
    Ich höre nicht auf zu Lernen und zu Lesen :-)

  • Es ist immer wieder interessant.
    Die Frage, die uns als Erwachsene (insbesondere als Eltern) irgendwann einmal an die Nerven gegangen ist, lautete “WARUM”
    Aber diese Frage “WARUM” hat uns als Kinder, als Jugendliche, junge Menschen und auch heute noch bis ins hohe Alter, am weitesten gebracht!
    Ja, da stellt sich wirklich die Frage, “Lernen wir so lange wir leben, oder leben wir solange wir lernen?”

    • Hendrik schreibt am 3. Februar 2013

      “Lernen wir so lange wir leben, oder leben wir solange wir lernen?”

      Hallo Detlef.

      Vorgestern war das gleiche Thema im MDR Figaro (Sachsen Anhalt) als Hörerforum. Ich fand es mit meinen 51 Jahren sehr spannend, diese beiden Fragen auf eine sehr interessante Art beantwortet zu bekommen. Und es war viel dabei was das Lernen im Alter betrifft.

      Ich selbst denke, dass ich nie aufhöre zu lernen.

      Heinz-Hendrik

  • Danke für die schöne Geschichte. Gerade wir Erwachsenen meinen oft, schon alles zu wissen. Fragen zu stellen hilft oft sehr weiter.
    Allen hier einen schönen Sonntag
    Brigitte Hettenkofer

  • Danke für diese tolle Geschichte. Sie ist nicht nur für Kinder geeignet, sondern auch für uns Erwachsene. Ich kenne sehr viele Menschen, die zu mir kommen, die keine Lust haben oder sich die Zeit nehmen Bücher zu lesen und damit ihren Horizont erweitern. In meiner Kinderzeit übergab mir mein Vater den Schlüssel zum Bücherschrank höchst feierlich – und ich durfte jedes Buch, das dort stand lesen – und fragen, fragen und fragen. Heute – da darf ich darauf antworten – und frage auch immer noch…..

  • Miteinander, Füreinander, Zueinander ist mein Motto. Dank der endlosen Geduld meines Vaters mir jede gestellte Frage vernünftig und altersgerecht zu erklären, lernte ich schon als Kleinkind wie wichtig, aber auch interessant es ist, Neues zu erfahren.
    Jetzt bin ich schon vielfache Oma und glücklich, all das Erfahrene und Erlesene mit unerschöpflicher Begeisterung an meine Lebens- und Wissenshungrigen “Zwerge” weitergeben zu können.
    …tu es doch auch!!!! Es ist wunderbar in fordernde Kinderaugen zu schauen und dieses dankbare Strahlen mit jeder Antwort zu verstärken.

  • Eine sehr schöne Geschichte über das Leben in einem positivem Miteinander.
    In einem Mieinander, dass aus den gegenseitigen Stärken des Anderen profitiert. Jeder ist irgendwie gut in etwas. Und jeder hat seinen Platz in dieser Gesellschaft. Man muss diesen Platz nur finden.

    • Irmtraud Schröder schreibt am 1. Februar 2013

      Komisch, könnte meine Kindheit sein

  • Diese Geschichte werde ich meinen Erstklässlern vorlesen und mit ihnen besprechen!
    Eingesetzt in meinen (Präventiv-)Gesprächskreisen innerhalb der Betreuung in der Ganztagsschule.
    Es macht Spaß mit Kindern anhand solcher Geschichten über den “positiven Umgang miteinander” zu sprechen und es ist immer wieder spannend zu hören, was die Kleinsten schon zu diesen wichtigen Themen beitragen können und was sie schon erlebt haben.

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