Ein bemerkenswerter Ansatz, um mit schmerzhaftem Leiden umzugehen

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Meine Großtante ist in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Eine rüstige und sehr lebenslustige Frau. Groß geworden in einer Familie, in der immer sehr viel gelacht wurde. Sie trinkt gern mal einen Rotwein. Und manchmal geht sie abends noch mit Kindern und Enkeln in die Kneipe auf ein Glas Wein und hört dort Livemusik. Von all ihren Geschwistern lebt jetzt nur noch sie. Sie selbst hat 8 Kinder zur Welt gebracht.

Vor kurzem verstarb eine ihrer Töchter an einer schweren Krankheit. Und das war inzwischen leider das dritte ihrer Kinder, das noch vor der eigenen Mutter stirbt.

Ich kann mir nicht ausmalen, wie schmerzhaft diese Erfahrung sein muss. Doch Resilienzforscher sagen übereinstimmend, dass es für Menschen keinen größeren seelischen Schmerz gibt als den, sein eigenes Kind zu verlieren.

Dieser Schmerz ist wohl kaum fassbar und begreifbar, außer man hat es selbst schon erlebt. Meine Großtante hat es nun bereits 3 Mal ertragen müssen. Aber irgendwie hat sie trotzdem weiterleben können und wollen.

Ich frage mich, wie sie das macht. Sie muss mit dieser unendlich großen Bürde zurechtkommen. Und sie schafft es irgendwie auch. Dafür wird sie von vielen Menschen bewundert.

Doch es gibt ja auch weitaus weniger schwere Fälle, wo Menschen einen Umgang mit ihrem Schmerz und Leid finden müssen: Wo es um weitaus „alltäglichere“ Probleme geht.

Wenn das Maß voll ist

Neulich z. B. habe ich mich mit einem Freund unterhalten, der eine wirklich große Enttäuschung erlebt hat. Eine Enttäuschung, die ihn aus der Bahn geworfen hat. Nach einer gewissen „Leidenszeit“ hat er jedoch seinen Umgang damit gefunden.

(Selbstbewusster werden. Vertrauen in dich selbst haben. Und mutig für deine eigenen Bedürfnisse einstehen → Projekt: Innere Stärke.)

Kurz nachdem er diese Enttäuschung verdaut hatte, folgte bereits die nächste Enttäuschung. Und darauf direkt die nächste. Natürlich war er da in letzter Zeit wohl auch etwas „dünnhäutiger“, er hatte ja gerade erst eine große Enttäuschung erlebt. Doch nun waren es gleich drei große Enttäuschungen hintereinander.

In unserem Gespräch sah er mich an und sagte: „2015, das ist für mich bisher das Jahr der großen Enttäuschungen! Ich habe das Gefühl, mein Leben besteht gerade NUR daraus!“

Ich wollte gerne etwas sagen, um ihn aufzumuntern. So in die Richtung: „Warte nur ab, es wird sich alles noch zu deinem Guten wenden. Irgendwann ergibt das alles noch einen Sinn für dich …“

Aber ich wusste, dass diese Worte dem nicht gerecht werden würden. Denn es gibt einfach Momente im Leben, in denen das Maß voll ist. Momente, in denen man das Gefühl hat, das Leben meint es einfach nicht gut mit uns.

Alles hat eine Grenze

Natürlich sind große Enttäuschungen im Job oder in der Partnerschaft etwas ganz anderes als das Leid, das man empfindet, wenn man 3 seiner eigenen Kinder verliert.

Doch dass im engsten Familienkreis schwerer Streit herrscht oder dass man seinen Job verliert oder dass die Partnerschaft zerbricht, das kann jedem von uns schnell mal passieren. Und wenn es dann – wie bei meinem Freund – in einer so schnellen Abfolge passiert, dann kann selbst der stärkste Mensch schwach werden und unter der ganzen Last zusammensacken.

Vielleicht warst du selbst ja auch schon mal in einer solchen grenzwertigen Situation. Oder du hast hautnah miterlebt, wie mehrere Nackenschläge in schneller Abfolge einen sonst sehr positiv eingestellten Menschen in kurzer Zeit tief herunterziehen können.

Das Leid macht uns zu Menschen

Der Dalai-Lama hat mal gesagt:

„Schmerz ist unvermeidlich, Leiden ist Entscheidungssache.“

Aber das hat für mich nur bedingt Gültigkeit … Ja, manche Menschen schaffen sich ihr Leid auch durch ihr eigenes Denken. Wenn sie sich z. B. unnötigerweise über „Nichtigkeiten“ aufregen. Daran kann man ja arbeiten und das ist den meisten Menschen auch bewusst.

Aber wenn z. B. eine sehr geliebte Person stirbt, dann ist der Fall in meinen Augen ein anderer. Dann ist das sehr schmerzvoll. Und es bedeutet für jeden von uns auch automatisch, zu leiden. Das macht uns menschlich.

Schmerzen zu empfinden und zu leiden, das ist also gewissermaßen Teil unseres menschlichen Schicksals. Denn es gehört einfach zum Leben dazu.

Was tun, wenn wir leiden?

Wie können wir also mit Schmerz und Leid gut umgehen, wenn es doch fester Bestandteil unseres Lebens ist? Was können wir tun, um uns selbst in der Hinsicht das Leben ein wenig zu erleichtern?

Eine wirklich schlaue Antwort darauf habe ich leider auch nicht.

Doch ich habe in letzter Zeit viel über dieses Thema gelesen. Und letztendlich sind meine Gedanken immer wieder an einem Ausspruch von Viktor Frankl, dem Begründer der Logotherapie, hängen geblieben.

Sinngemäß hat er gesagt:

„Das unvermeidbare Leiden in Würde zu ertragen, das ist eine Leistung, die den Menschen ausmacht.“

Das Leid ist uns Menschen allen gemein, es ist unvermeidbar für uns. Doch unser Leid in Würde zu ertragen … das ist eine wahre Lebensaufgabe.

Als ich so darüber nachdachte, was es bedeutet, das Leid in Würde zu ertragen, entstand bei mir sofort ein Bild im Kopf: meine Großtante.

Sie leidet, doch sie tut es nicht allein. Sie umgibt sich gern und viel mit ihren Liebsten. Sie lacht mit ihnen und sie trauert auch mit ihnen. Sie wird getröstet und sie spendet viel Trost.

Auch in Zeiten der Trauer schätzt sie den Tag noch wert. Bald wird sie vielleicht wieder ihr Glas Rotwein trinken. Und nach etwas mehr Zeit wird sie vielleicht auch wieder mit ihren Kindern und Enkeln in der Kneipe sitzen und einem Musiker lauschen. So wie sie es früher schon getan hat.

Für mich ist sie ein tolles Vorbild dafür, dass Menschen diese immense Leistung wirklich vollbringen können: Dem unvermeidlichen Leid mit Würde zu begegnen. Mit einer inneren Haltung, die das Leid anerkennt, aber trotzdem auch das Leben ehrt.

Das Leid in Würde ertragen. Was bedeutet das für dich?

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Kommentare

  • Um auf Viktor E. Frankl zurückzukommen. Er war ein außergewöhnlicher Psychiater, der mehrere KZ-Lager überlebt hat und fast seine komplette Familie verlor. Er ist dadurch sehr authentisch. Seine Leistung war, dass er trotzdem Ja zum Leben sagte (so nannte er auch eines seiner beeindruckenden Werde). Nun, was meint er damit, wenn er sinngemäß sagte: “Leid mit Würde zu ertragen”. Er bechreibt eine Leistung des Menschen, der grausamsten Schicksalstunde noch einen Sinn abzuverlangen. Ich würde mich für dieses Thema wahrscheinlich nicht interessieren, wenn ich nicht selbst und schon sehr früh mit vielen Schicksalsschlägen konfrontiert worden wäre. Und je älter man wird – die Fälle werden zunehmen bis man selbst vor der Vergänglichkeit steht. Wenn ein gebliebter Mensch also schwer erkannt oder gar viel zu früh stirbt – also welchen Sinn sollte es machen, überhaupt noch eine Sinnhaftigkeit abzuverlangen? Und da kommt eine andere Frage auf. Wenn man einen Mensch liebt, dann sagt und fühlt man: “Ich würde für diesen Menschen lieber mein Leben geben, als das dieser stirbt” Aber was tut man diesem gebliebten Menschen damit Gutes? Schließlich muss dieser dann das Leid ertragen, einen gebliebten Menschen verloren zu haben. Also wo kann man da einen Sinn ergründen?
    Als ich einmal darüber nachdachte, fand ich ein sehr schönes Beispiel zum Umgang bzw. für die Bewältigung mit der Vergänglichkeit bei Frankl.
    Er fragte eine Frau, die kurz vor dem Ende ihres Lebens war sinngemäß: ” Sagen Sie, kann irgendetwas, dass Sie im Leben Schönes erlebt haben, dieses ungeschehen machen, es wegnehmen oder auslöschen? Oder kann jemand aus der Welt schaffen, was Sie tapfer und mutig durchgestanden haben?” Die Frau sah ein, dass das niemand kann und war zu Tränen gerührt. Mir macht das in gewissen Momenten wieder Mut, wie z.B. das Aushalten, das Ertragen von Leid als eine grosse Leistung zu verstehen. Oder auch andere schöne Dinge, die waren und jetzt unwiderbringbar sind. Die Vorstellung, dass diese Dinge, Leistungen ja trotzdem da sind, sicher eingebettet in die Vergangenheit, die keiner mehr wegnehmen, auslöschen kann, lässt mich so manchen Zweifel, so manche Trauer, Wut oder Ohnmacht besser annehmen. Ein besonders schönes Beispiel möchte ich an dieser Stelle noch einmal zitieren, Ein Mann der seine gelebte Frau verlor und darüber nicht hinwegkam wurde von Frankl gefragt: ” Was wäre geschehen, wenn nicht Ihre Frau sondern Sie zuerst gegangen wären?” Sagte der Mann:”Ja wie furchtbar wäre es gewesen, wenn sie so leiden müsste.” Darauf Frankl: “Nun sehen Sie, dieses Leid ist ihrer Frau erspart geblieben und Sie müssen zugeben, dass Sie es sind,, der es ihr erspart, indem Sie’s auf sich nehmen müssen .” Für mich ist dieses Beispiel einer der schönsten Beweise der Liebe und ein Ausdruck dafür, im Leid die noch einmal Möglichkeit zu sehen, über sich selbst hinauszuwachsen, einen Sinn zu ergründen und daran eine Aufgabe zu knüpfen. Aus dieser Sichtweise heraus verstehe ich Leid in Würde zu ertragen als eine Form des Ausdrucks großer Ehre.

  • Ich bin in einem zerrütteten Familienverhältnis aufgewachsen und ich kann wirklich sagen, dass ich aufgrund der Erfahrung stark traumatisiert bin.
    Ich habe 16 Jahre meines Lebens einfach so verdrängen müssen und irgendwann wurde ich durch das ständige Leugnen, Verdrängen, Resignieren stark depressiv.
    2010 kam ich dann mit Cannabis in Berührung, konnte einiges ausgraben und landete irgendwann in der Psychiatrie wegen einer starken psychischen Störung.

    Den einen Tag in meinem Leben werde ich nie vergessen.
    Es war ein sehr schöner Tag für meine Zukunft, aber ein grausamer Tag in dem Zeitpunkt. Ich lag in meinem Bett und konnte die letzten Tage nicht wirklich gut schlafen. Ich lag da, hörte etwas Musik, versuchte zu schlafen und jedesmal wenn ich meine Augen schloss sah ich Bilder aus der Vergangenheit. Früher, als Kind konnte ich den Schmerz nie wirklich akzeptieren und verdrängte es auf einen späteren Zeitpunkt und der Punkt war gekommen. Ich konnte den Schmerz akzeptieren, konnte sehen woher ich komme und was ich erlebt habe.
    Der Schmerz rüttelte mich wach. Ich sah was ich erlebte und konnte mich selbst besser verstehen. Warum ich so destruktiv bin, warum ich der bin der ich heute bin.

    Seitdem Leide ich. Es vergeht kein Tag ohne ein Teil meiner Vergangenheit zu bewältigen. Kein Tag ohne schmerzen und ohne Leid, aber ich bin dennoch glücklich.
    Mein altes Ich hätte aufgeben, wäre in Anbetracht der Situation maßlos überfordert und würde in eine starke Depression verfallen. Früher reichte ein Blick an meine aktuelle Lage und war sofort unglücklich, aber heute ist es genau umgekehrt.

    Ich blicke auf meine finstere Vergangenheit und ich ziehe daraus eine immense Kraft. Ich fülle die innere Leere die über die Jahre entstand mit eine nie versiegenden Quelle und dass ist leid, aber ich weiß, dass der Tag kommen wird, an dem ich mich mit positiven Gefühlen füllen werde.

    Solange heißt es aber für mich…. Leide weiter und die Veränderung in meinem Leben wir kommen.

  • “Leid in Würde ertragen” ist für mich eher ein Verdrängen des Schmerzes. Ich denke, eine gute Basis für zukünftige Besserung ist, das schmerzende Ereignis akzeptieren, wie es ist. Denn Vergangenheit läßt sich nicht mehr ändern! Mit Akzeptanz hast Du einen realistischen Startpunkt für eine bessere Zukunft.

  • Leid in Würde ertragen… Vor vier Jahren habe ich einen Schritt in meinem Leben gewagt, der viel Mut erforderte. Trennung nach 42 Jahren Ehe. Diesen Schritt habe ich getan, weil das vorangegangene Leid und die Folgen von Betrug, die zur totalen Armut geführt hätten. Ich habe mit Ruhe und konsequentem Nachdenken getan. Gesprochen habe ich mit Menschen meines Vertrauens. Auch nachdem die Familie mit Aufruhr und Unverständnis (bis heute) darauf reagierte, schweige ich zu den ursächlichen Verletzungen. Mein Fazit ist, wenn ich unruhig und gesprächig gewesen wäre, hätten man Verletzungen ausgeteilt und nichts ist schlimmer als Rechtfertigungen, die niemals gehört noch nachvollzogen werden. Sie dienen niemandem. Das Leid muss ich mit mir austragen und verarbeiten. Das wird dauern, doch das Leben kann soooo schön sein…danach. Nach dem dunklen Tunnel öffnet er sich und das Licht erscheint wieder und das Leben ist wieder lebensWERT.
    Anne

  • Danke für diesen Artikel und die vielen Anregungen und Denkanstöße in den Kommentaren. Ich möchte euch auch kurz schreiben, was mir in schwierigen Zeiten hilft bzw. geholfen hat, denn auch mein Leben scheint seit über einem Jahr aus den Fugen geraten zu sein und einer KRise folgt die nächste. Das wohl wichtigste Zitat, auf welches ich jeden Tag an meiner Wohnzimmerwand schaue, lautet:
    “Der Weise fragt: was habe ich bisher getan um mein Leiden zu beenden, bzw. was kann ich noch tun, damit es besser wird? Der Törichte fragt: Wer hat mir das angetan?” Verantwortung für sich und sein Tun übernehmen und aktiv nach Lösungen zu suchen statt sich auf das Problem zu fokussieren, hat mir schon sehr oft weitergeholfen. Und auch wenn es nicht klappt, kann man sich am Ende sagen, ich habe mir nichts vorzuwerfen, ich habe es versucht. Verantwortung übernehmen gilt sicher nicht im FAlle des Verlustes von lieben Menschen, aber auch hier kann man sich fragen, ob man im Reinen mit sich und diesem Menschen war oder vielleicht Dinge ungeklärt geblieben sind und daraus letztlich wieder lernen, um es im weiteren LEben besser oder zumindest anders zu machen. DAs Wachsen an den Krisen finde ich einen ganz wichtigen Punkt. Das funktioniert aber nur, wenn wir unseren SChmerz annehmen und anschauen, was genau dahinter steckt. Und darum geht es doch schließlich im Leben – persönliche Weiterentwicklung – oder??? Dankbarkeit kann helfen, wenn man im Falle eines Verlustes nicht nur auf das schaut, was man verloren hat sondern die Perspektive ändert und dankbar für das SChöne ist, was man hatte. Auch den Aspekt der Polarität finde ich sehr wichtig, denn wir können nur “wissen” was Freude bedeutet, wenn wir auch das Leid kennen.
    Und so könnte ich noch ewig weiterschreiben … FAZIT: es gibt wie immer keine Patenlösung für alle Krisen, jeder muss seinen guten WEg finden. DANKE für eure Aufmerksamkeit und alles Gute für Euch.

  • Hallo
    Ich muß nochmals auf das Buch “Die Hütte-Ein Wochenende mit Gott” von Bestsellerautor William Paul Young verweisen weil es tröstend und erklärend ist. Folgende Geschichte wird darin erzählt: Die Tochter wird entführt und ermordet. Der trauernde und verbitterte Vater erhält die Einladung Gott für ein Wochenende zu besuchen wo er die Möglichkeit hat Gott zur Rechenschaft aufzufordern. Die Antworten die er dort erhält sind einfach genial und sollten das Gottesbild jedes Menschen verändern.

  • Lieber Mathias, wieso fragst du deine Großtante nicht mal danach, wie sie mit Schmerz und Leid umgeht? Du kennst eine Person die du so bewunderst – frag sie! :)

  • Zur Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen fiel mir ein chinesisches Spricihwort ein, das ich sehr schön finde und mit Ihnen teilen möchte: “Du kannst die Vögel der Trauer nicht daran hindern, über deinem Haupt zu kreisen; wohl aber daran, in deinem Haar Nester zu bauen.”
    G.

  • Habe über den Beitrag von Corinna nachgedacht – was haben Würde und Leiden miteinander zu tun? vielleicht ist Würde eine Charaktereigenschaft, die man entweder hat oder nicht? – Ich habe das schwerste Jahr meines 60-jährigen Lebens hinter mir, dass nicht gerade arm an Leiden war – aber im letzten Jahr bin ich durch die Hölle gegangen. Und ich habe es so erlebt: Im akuten Leiden ist nur das Leiden selbst, es gibt nichts anderes, da ist kein Raum IRGEND etwas anderes. In dieser Situation BIN ICH DAS LEIDEN. – Jetzt habe ich wohl das Schlimmste hinter mir; beginne zudenken, dass es eine Zukunft gibt. Nein, gut geht es mir nicht. Aber jetzt kann ich mein Leiden in Würde tragen; jetzt ist das Leiden zu einem Teil meines Lebens geworden, und nicht mehr das Leben selbst.

  • Schmerz und Leid haben im Buddhismus verschiedene Bedeutungen.
    Leid entsteht dann, wenn ich den Schmerz nicht annehmen will, wenn das , was mir im Leben widerfahren ist, nicht akzeptieren will.
    Wenn ich die schmerzhaften Herausforderungen des Lebens annehmen kann und die Verluste betrauere, dann wird der Schmerz eventuell sogar abgemildert.

    • Mirijam

      Danke für die klärenden/klaren Worte. Das buddhistische Verhältnis zu Leid wird oft falsch verstanden. Ich erlebe es selbst immer wieder, dass mein Leid milder wird, wenn ich annehmen und trauern kann. Das gelingt nicht immer, doch dafür bin ich ein Mensch.

      Mirijam

  • Auch ich habe schon sehr viel Leid ertragen müssen im Moment schwebt mein Schwiegervater zwischen Leben und Tod und meine älteste Tochter geht mit 25 Jahren in ein Kloster obwohl ich sie so dringend brauche In den letzten 20 Jahren habe ich so viel verloren immer wieder kam der Schicksalshammer auch ich habe Angst was oder wen ich als nächstes verliere
    Viele Grüße Stefanie

  • Das ist nur ein schöner Text, wenn man selbst in einer solchen Situation nicht steckt oder wenn man einen gewissen Abstand zum Leid hat.
    Mein Mann ist vor vier Monaten gestorben, schnell und dramatisch im Kreis von uns, seinen zwei Kindern und mir.
    Tiefes Leid macht zutiefst würdelos. Wenn das ganze Leben in Scherben liegt und alles genommen wurde, was Dir lieb und teuer war, der Mann, der Vater, die Zukunft, einfach Alles, was Dein Leben ausgemacht hat, dann gibt es keinen Platz für Würde. Dann gibt es nur noch tiefen Schmerz, Zusammenbrüche und Angst vor der Zukunft, Angst vor jedem neuen Tag, den man weiter lebt und den man gar nicht haben will.
    Würde ich das Letzte, worüber ich mir im Moment Gedanken mache, Würde ist etwas für glückliche Menschen.

    • Mathias

      Hallo liebe Corinna,

      ich stelle es mir unvorstellbar schwer vor, was du und ihr erlebt. Ich wünsche dir und deinen Kindern die Kraft jeden neuen Tag durchzustehen. Und, dass ihr Menschen an eurer Seite habt, die euch dabei begleiten.

      Von Herzen alles Gute

      Mathias

  • Zitat:“Denn es gibt einfach Momente im Leben, in denen das Maß voll ist. Momente, in denen man das Gefühl hat, das Leben meint es einfach nicht gut mit uns.“

    Ja solche Momente gibt es, aber es ist nicht das Leben das es nicht gut mit uns meint, sondern das System. Und zwar geht es um Probleme die man nicht mehr selbst lösen kann, und darauf angewiesen ist, das jemand seine Verantwortung übernimmt und seinen Job macht. Als wäre es dann nicht schlimm genug, muss man sich „Ratschläge“ von Menschen anhören, die sich auf der untersten Bildungsstufe bewegen, und sich seit ihrer Geburt nicht weiterentwickelt haben.

    Vor dem Leben habe ich Respekt und Ehrfurcht, das Leben ist hart und nicht immer gerecht aber es ist unser Freund, genauso wie Mutter Erde. Nennen wir es doch beim Namen, die Menschen sind die Arschlöcher. Wenn auch nur eine geringe Prozentzahl, aber sie richten eine Menge Schaden an. Irgendwie sind sie so penetrant wie ausgelaufene Druckertinte.

  • Lieber C.
    es gibt eine wunderbare Geschichte vom Himmlischen Reisebüro, vor einigen Jahren bei Aloha erschienen. Demzufolge sind wir alle kleine Engel, die ihre Neugierde auf die Erde getrieben hat um sich weiterzuentwickeln. Wir haben uns schon lange vor unserer Geburt für dieses Leben entschieden, um Polarität zu erleben. Wenn wir beides, das Schöne und das Schmerzhafte, annehmen, anerkennen, dann geht es weiter. Und es geht immer weiter. Mir hat in der Vergangenheit eine Aufstellung geholfen, Belastendes aufzulösen. Alles Gute!
    Su.

    • c.

      Hallo Su, ich danke dir für die Info! Lg

  • Hallo,
    ja das ist ein wunderbarer Text. Ich arbeite in einer Reha-Klinik und nehme an vieler Leute Schicksale teil. Selber habe ich auch einige Schicksalsschläge hinter mir und habe trotz allem den Mut nicht verloren.
    Die negativen Gedanken, die dabei oft auftreten, die erst einmal annehmen und nicht gleich wegstoßen, ist denke ich, wichtig um alles einigermaßen gut zu überstehen. So jedenfalls ist es für mich gut und hilfreich.
    Dabei helfen so Texte und Kommentare w.o.
    Danke, immer wieder.

  • Es ist schön zu lesen das es Menschen gibt die so etwas können. Ich versuche es, bekomme es leider nicht hin. Verlor plötzlich und unerwartet meine Mutter, drei Monate später meinen Bruder, dazwischen meinen Job wegen Krankheit wo ich rechtlich noch gegen an ging, ein dreiviertel Jahr später mein Opa usw. Im abstand von knapp einem Jahr. Jeder Jahreswechsel macht seid dem Angst wer der nächste ist. Es gab noch viele andere Sachen in der Zeit. Versuchter sexueller übergriff mit Verletzungen u….. Nun ist nach einiger Zeit noch meine Vergangenheit auf gegangen was ich immer brav verdrengte. Ptbs, ( seelische Misshandlung) und selbstverletstes Verhalten usw. Allein, ….. Aber nun zum eigentlichen Punkt, ich ziehe vor jedem meinen Hut, der das so schafft wie in der Geschichte geschrieben ist mit dem tiefen Schmerz umgehen zu können.

    • Inga

      Hallo c. ,
      da musstet du aber wirklich viel hinnehmen. mit all dem umgehen zu müssen stelle ich mir sehr hart vor. Ich selber bin erst 20 Jahre alt, wurde aber auch schon mit vielen Enttäuschungen und Leid konfrontiert und mache mir auch oft Gedanken dazu, wie man möglichst gut damit umgehen kann. Als ich deinen Beitrag gesehen habe, dachte ich mir, dass du doch schon sehr viel machst, um mit dem Leid umgehen zu können. Du hast versucht dich gegen deine Kündigung zu wehren, du bist auf dieser Website unterwegs und liest Texte wie diesen, um neue Wege für dich zu finden. Und vielleicht hast du du auch noch mehr gemacht, das weiß ich ja nicht, und das ist doch schonmal wirklich super! Das wollte ich dir einmal rückmelden, weil ich beim Lesen den Eindruck hatte, dass dir das eventuell noch gar nicht bewusst ist. Und bei all den Ereignissen kann ich mir vorstellen, dass die Vorstellung helfen könnte, dass alles in einem größeren zeitlichen Raum zu betrachten. Dir ist so viel passiert, dass es dementsprechend auch viel Zeit benötigen wird, um die Wunden heilen zu lassen. Dass man da manchmal das Gefühl hat, es geht nicht vorran, kann ich gut nachvollziehen. Und dass nun alte Wunden von früher aufbrechen ist im ersten Moment vermutlich auch doof, aber wenn man es in dem größeren Zeitraum betrachten, kann es auch eine Chance sein ( mit viel Zeit natürlich) Altes endgültig loszulassen und gelassener durch all die Erfahrungen und somit auch zufriedener in die Zukunft zu blicken. Ich wünsche dir alles Gute dabei :-)

  • Hallo,
    ja, ich kann hier auch empfehlen das Buch von Christian Firus “Verabredung mit dem Glück”. Dort sind viele interessante Denkansätze zu finden, wie man mit schwierigen Lebensumständen umzugehen lernen kann.

  • Das ist ein bemerkenswerter Text, der mich jetzt nachdenklich in den Abend entläßt. Danke

 

Ralf Senftleben

Hallo! Schön, dass du da bist!

Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

Aktuell lesen über 125.000 Menschen meinen wöchentlichen Newsletter, und rund 150.000 Menschen haben an meinen Selbstlernkursen und Online-Coachings teilgenommen.

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