Von der Aufmerksamkeit

Nan-in war ein Zen-Meister. Seine Schüler lernten normalerweise mindestens zehn Jahre bei ihm, bevor sie selbst zum Lehrer wurden.

Tenno, einer seiner Schüler, besuchte seinen Meister, nachdem er im Anschluss an seine Lehrzeit selbst zum Lehrenden geworden war. Da es ein regnerischer Tag war, hatte Tenno Holzschuhe und einen Regenschirm bei sich.

Als er zu Nan-in getreten und ihn begrüßt hatte, sagte dieser: “Ich nehme an, dass du deine Holzschuhe im Vorraum gelassen hast. Sag mir doch, ob du deinen Regenschirm rechts oder links von den Schuhen abgestellt hast.”

Tenno war verwirrt und konnte die Frage nicht beantworten. Er erkannte, dass er nicht in der Lage war, seine Aufmerksamkeit in jedem Moment bei sich zu haben. Und so studierte er noch weitere sechs Jahre bei Nan-in.

Ursprünglich aus Ohne Worte – ohne Schweigen
von Paul Reps, gefunden in: Zen der
plötzlichen Erleuchtung
von Bruno Martin,
leicht umgeschrieben.

 

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Kommentare

  • Achtsamkeit hat mit dem Moment-des-Seins zu tun. Es hat damit zu tun, dass man den/jeden Moment bewusst wahr nimmt, bewusst beobachtet, innen wie auch außen alles bewusst wahr nimmt, ohne zu werten, ohne zu bewerten, ohne zu be- oder zu verurteilen. Es geht einfach nur darum, bewusst wahr-zu-nehmen, und zwar mit allen Sinnen. Bewusst hören/hin hören, zuhören. Bewusst riechen, schmecken. Bewusst sehen/ansehen. Bewusst etwas anfassen, tasten, ertasten etc.

    Wäre der Schüler in dem Moment, als er seinen (blauen)Schirm neben seinen (Holz)Schuhen (die keine Holzschuhe sind auf der Abbildung ;-) ), rechts neben der braunen Eingangstür abgestellt hat, bewusst bei dem gewesen, was er gerade macht bzw. gemacht hat, hätte er die Frage sofort beantworten können.

    (Wie oft wurde jetzt geschaut, ob der Schirm tatsächlich blau ist, oder ob die Schuhe auch wirklich rechts neben der Eingangstür stehen?)

    Immer achtsam sein ist eine der schwierigsten Übungen überhaupt. Man könnte es auch mit permanenter Konzentration auf das, was man gerade macht, beschreiben.

    Jetzt, in diesem Moment, schreibe ich diese Zeilen. Ich bin ganz und gar bei jedem Buchstaben, bei jedem Wort, bei jedem Satz, den ich schreibe. Jeder Satz hat meine volle Aufmerksamkeit. Nach dem Punkt des vorherigen Satzes weiß ich genau, was ich gerade geschrieben habe – ohne es noch einmal lesen zu müssen. Und ich weiß auch, dass ich während des Schreibens den Regen wahr genommen habe, der gerade vom Himmel fällt. Ich höre jemanden durch das Treppenhaus gehen, just in diesem Moment, da ich dieses bewusst und mit voller Aufmerksamkeit schreibe…

    So kann ich jetzt den Rest des Tages damit verbringen, meine Aufmerksamkeit zu schulen, zu trainieren, zu vertiefen oder wie man es auch benennen mag. Es geht bei der Achtsamkeit immer darum, im Moment – in jedem Moment – zu sein und jeden Moment bewusst wahr zu nehmen. Wahr zu nehmen was gerade geschieht, was man gerade fühlt, denkt, sagt, tut. Den g-a-n-z-e-n Moment b-e-w-u-s-s-t zu er-l-e-b-e-n – das ist Achtsamkeit. Jedenfalls für mich.

    Und während ich dieses geschrieben habe, kam Freude in mir auf. :-) Freude darüber, dass ein Moment sich wie eine Ewigkeit anfühlen kann, wenn man ihn bewusst wahr nimmt…

    Anfänglich habe ich mich damit auch schwer getan, doch jetzt betrachte ich es als ein wundervolles Geschenk.

  • Nun, diese Geschichte hat mich nicht überzeugt. Achtsamkeit bedeutet doch nicht, das wir auf alles mögliche achten. Dazu ist unser Gehirn gar nicht fähig. Wir können uns nur erstaunlich wenig merken, da unser Gehirn sehr stark filtert. Dieses ist auch lebenswichtig, da sonst sämtliche Sicherungen durchbrennen würden.
    Es kommt wohl darauf an, welche Filter man verwendet. Das macht wohl unsere Individualität aus. Leider bekommt man durch Erziehung und Ausbildung gesagt, welche Filter für uns wichtig sind, so das Individualität nicht sehr gefragt sind in unserem Gehorsamssystem.

    • Thomas schreibt am 21. Juni 2015

      Das ist ein interessanter Aspekt. Ich glaube, da ist etwas dran. Achtsamkeit hat doch nichts mit Gedächtnistraining zu tun? So wie ich es verstehe, geht es eher darum, “dabei” zu sein, wenn ich meinen Regenschirm abstelle, aber nicht darum, anschließend noch zu wissen, ob er rechts oder links neben den Schuhen steht. Andererseits, wenn ich wirklich “dabei” war, dann sollte “rechts oder links” in diesem Fall doch noch in meinem Kurzzeitgedächtnis vorhanden sein…
      Ich wünsche noch einen achtsamen Sonntag.

  • Toller Beitrag danke!

  • In der Zeit zu sein, ist in der Zeit zu sein. Ohne “Lücke”.
    Ich weiß, dass ich es meistens nicht bin und ich kenne auch keinen Menschen, der das von sich sagen könnte.
    “Simple present” ist ja auch ein weiterer Beitrag in diesem Newsletter und da zeigt es sich wieder: Das Einfache ist das Schwerste überhaupt.
    Ich möchte mich auch nicht “überfordern” und kann mich, wenn ich “present” bin, mich “simple” an “present” erinnern. Immer wieder.
    Mit liebevollem Blick und Grüßen
    Nele

  • Jeden Sonntag morgen freue ich mich über die Mail.
    Es gehört schon zum Ritual in aller Ruhe mit dem ersten Kaffee diese zu lesen.
    Vielen lieben Dank :-))

  • Obwohl ich mich schon viele Jahre mit Achtsamkeit beschäftige – dies auch bewusst praktizierte und auch weitergebe – heisst es immer wieder bei mir üben und nochmals üben. In und mit Achtsamkeit durchs Leben gehen hat eine hohe Lebensqualität – doch- es ist eigentlich schade – dass viele Menschen sich dafür keine Zeit nehmen.
    Herzliche Grüsse -und Danke für diesen weiteren Denkanstoss.

  • Wiedermal ein schöner Sonntagmorgen!

    :-D

    herzliche Grüße, Sabine

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