Wirklich schwierige Entscheidungen treffen

Schwierige Entscheidungen

Heute erzähle ich dir von einem Vortrag, den ich gesehen habe. Dieser Vortrag hat mich sehr berührt. Denn er hat mir ein Aha-Erlebnis verschafft, das ich so schnell nicht vergessen werde.

Denn ich habe begriffen,

  • wieso manche Entscheidungen so unglaublich schwer sind, dass man sie kaum treffen kann
  • welchen Denkfehler wir machen, wenn wir versuchen, schwierige Entscheidungen zu treffen
  • was wir tun können, um schwierige Entscheidungen leichter zu treffen

Was ist das Problem?

Es geht um folgendes Problem:

Du stehst vor einer Entscheidung, bei der du wirklich nicht weißt, wie du dich entscheiden sollst.

  • Ein tolles neues Stellenangebot, aber dein alter Job ist auch nicht schlecht. Solltest du den Job wechseln oder lieber nicht?
  • Deine Beziehung dümpelt irgendwie vor sich hin: zu schlecht zum Bleiben und zu gut zum Gehen. Du weißt einfach nicht, was du tun sollst?
  • Du fragst dich: Will ich ein Kind – ja oder nein? Dein Leben gefällt dir sehr gut, aber das Zeitfenster für die Familiengründung wird immer enger.
  • Eine supertolle Wohnungsanzeige. Deine Traumwohnung. Aber sie ist auf dem Land. Du hast dich immer als Städter gesehen. Was sollst du tun? Stadtmaus wird Landmaus? Oder lieber nicht?

Wir schreiben Pro-und-Contra-Listen, wägen ab und versuchen auf unterschiedlichste Weise herauszufinden, welches die bessere Entscheidung wäre. Wir versuchen weitere Optionen zu finden, aber keine davon bringt uns wirklich voran.

Was macht manche Entscheidungen so schwierig?

Ruth Chang, eine amerikanische Philosophin, bringt in Wie man schwierige Entscheidungen trifft auf den Punkt, wieso unsere Suche nach der richtigen Entscheidung oft nicht funktioniert. Jedenfalls nicht bei einer bestimmten Art von Entscheidungen.

Es gibt nämlich Entscheidungen, bei denen keine Alternative besser ist. Das sind die so genannten harten oder schwierigen Entscheidungen.

Entscheidungen, bei denen für die eine Alternative viel spricht, aber für die andere Alternative auch. Entscheidungen, bei denen du beim besten Willen nicht herausfindest, welche besser ist.

Und das liegt dann nicht an dir. Sondern daran, dass es einfach keine Entscheidungsoption gibt, die besser als die andere ist.

Schwierige Entscheidungen sind schwierig, weil keine Alternative besser ist als die andere.

Wäre eine Option besser, wäre es keine schwierige Entscheidung.

Überprüft am eigenen Leben

Als ich den Vortrag gehört habe, habe ich mich gefragt: Stimmt das? Ist das wirklich so?

Wege aus der Einsamkeit

Oder wie man es schafft, echte Freunde zu gewinnen und dadurch ehrliche Nähe und Miteinander zu spüren: Dein Projekt: Wege aus der Einsamkeit.

Denn ich fand diese einfache Erklärung im ersten Moment so verblüffend, dass ich sie kaum glauben konnte.

Ich bin kurz einige meiner schwierigen Entscheidungen durchgegangen. Entscheidungen, bei denen ich ewig hin und her gegrübelt habe. Bei denen ich einfach nicht wusste, was ich machen sollte.

Wie war es damit? … Gab es bei einigen dieser Entscheidungen wirklich keine Option, die mir besser erschienen ist?

Und ich muss sagen: Für mich stimmt das. Klar, gab es bei jeder Entscheidung unterschiedliche Möglichkeiten. Aber so richtig besser erschien mir bei den richtig schweren Entscheidungen auf den ersten Blick keine davon. Denn dann hätte ich mich ja auch ganz einfach entscheiden können.

Versuch du es doch vielleicht auch:

Denk an eine Entscheidung in der Vergangenheit, die dir richtig schwergefallen ist. Ist dir diese Entscheidung vielleicht so schwergefallen, weil es keine eindeutig bessere Alternative gab?

Oder denk an eine Entscheidung, vor der du gerade stehst. Ist sie für dich schwierig? Liegt es vielleicht daran, dass keine der Optionen eindeutig besser ist?

Und falls nicht, dann sind deine Entscheidungen vielleicht aus anderen Gründen schwer. Falls du mehr über Entscheidungsschwierigkeiten und deren Lösungen wissen willst, dann lies dazu mal meine Beiträge auf dieser Seite: Gute Entscheidungen. Gutes Leben.

Wieso sind schwierige Entscheidungen so unglaublich schwer? 

Es liegt daran, dass die Entscheidungsoptionen bei schwierigen Entscheidungen gleichwertig sind.

Die unterschiedlichen Entscheidungsalternativen stehen dabei häufig auch für verschiedene Werte.

Aber diese Werte sind uns bei schwierigen Entscheidungen eben beide wichtig.

Zum Beispiel kollidieren bei Job-Entscheidungen häufig Sicherheit und Freiheit miteinander. Beides kann dir wichtig sein und du weißt dann einfach nicht, für welche Option du dich entscheiden sollst: der neue Job mit mehr Verantwortung, aber auch dem Risiko zu scheitern. Oder der derzeitige Job, der ja auch ganz gut ist und vor allem eine gewisse Sicherheit bietet (oder zu bieten scheint, denn welcher Job ist schon sicher ;-)).

Beide Entscheidungsoptionen sind gleichwertig. Keine Alternative ist eindeutig besser. Das macht es so schwierig.

Die Lösung des Dilemmas

Klasse, jetzt weiß ich also, woran es liegt, dass schwierige Entscheidungen so schwierig sind:

  1. Es gibt keine Option, die besser ist.
  2. Die Entscheidungsalternativen erscheinen alle als gleich gut oder schlecht.
  3. Bei jeder Entscheidungsoption ist vielleicht etwas anderes richtig doll wichtig. Und genau das kann die andere Option uns eben nicht bieten. Dafür hat die andere Option wiederum etwas anderes Wertvolles zu bieten.

… und nun?

Das hilft mir ja jetzt auch nicht weiter. Dachte ich einen Moment. Aber der Vortrag ging ja zum Glück weiter ;-)

Die Lösung liegt in mir

Ruth Chang sagt: Es geht bei schwierigen Entscheidungen um eine ganz andere Frage:

Nicht: Welches ist die bessere Entscheidung?

Sondern entscheidend ist die Frage:

Welcher Mensch will ich sein?

Wieso hilft diese Frage uns bei schwierigen Entscheidungen weiter?

Wir halten nochmal fest:

Die Entscheidung ist schwer, weil es keine bessere Alternative gibt. Es gibt keine bessere Alternative, weil es für jede Alternative gute Gründe gibt.

Fragst du dich „Welcher Mensch will ich sein?“, dann findest du heraus, welche Gründe für dich wichtiger sind. Du findest heraus, welcher Mensch du sein willst und welche Entscheidung zu diesem Menschen passt.

Du bist in diesem Moment nicht mehr darauf angewiesen, welche Alternative besser ist. Sondern du entscheidest, welche Gründe für die jeweilige Alternative dir wichtiger sind. Und zwar nicht rational unter Abwägung von Pro und Contra bzw. Vor- und Nachteilen. Sondern indem du entscheidest, wer du lieber sein möchtest.

Beispiel:

  • Möchtest du der Mann sein, der bei seiner Frau bleibt, die Verantwortung, die er einmal für diese Beziehung übernommen hat, weiter trägt? Der vielleicht eine Paartherapie macht? Der versucht, seiner langjährigen Beziehung wieder eine neue Qualität zu geben? Oder:
  • Möchtest du der Mann sein, der alleine einen Neuanfang macht? Der die Beziehung hinter sich lässt? Der neu herausfindet, welches Leben noch möglich wäre? Ohne diese Partnerin?

Oder:

  • Möchtest du die Frau sein, die ein gewisses Risiko eingeht, weil sie sich unbedingt ihren Traum von der Selbständigkeit erfüllen möchte? Oder:
  • Möchtest du die Frau sein, die in ihrem Angestellten-Job bleibt, weil auch der Spaß macht und ein angenehmes Leben bietet?

Wichtig ist: Das kannst nur du entscheiden. Niemand anderes kann dir sagen, welcher Mensch du sein willst.

Du kannst es gestalten

Ist das beängstigend?

Vielleicht.

Denn wenn wir uns eingestehen, dass es keine bessere Alternative gibt. Wenn wir ehrlich sind und sagen: Nur ich kann sagen, welcher Mensch ich sein will. Dann übernehmen wir die Verantwortung für unsere Entscheidungen. Nicht die Gesellschaft, nicht der Partner, Freundinnen, Kollegen, die Chefin.

Das kann etwas Angst machen. Denn oftmals wünschen wir uns klare Hinweise: richtig, falsch, gut, schlecht, sinnvoll, Quatsch …

Aber die Verantwortung für diese schweren Entscheidungen zu übernehmen bedeutet auch frei zu sein. Wirklich frei zu sein, das eigene Leben zu gestalten.

Denn überlegen wir mal: Wenn es immer eine klar bessere Alternative gäbe … dann wäre vieles einfacher: Wir müssten einfach nur nach der besseren Alternative handeln. Klingt erst einmal toll.

Aber auch etwas geistlos oder leblos. Denn dann wären wir eher Maschinen als Menschen. Eher Marionetten als freie Frauen und Männer.

Oftmals erleben wir das ja auch. Es gibt Menschen, und wir sind es selbst vielleicht auch manchmal, die sich nach den Gut-und-richtig-Wegweisern ausrichten. Den Wegweisern anderer. Des Partners, der Eltern, der Kinder oder des Umfeldes, in dem sie sich bewegen. Kann man machen. Muss man aber nicht. Denn:

Wer selbstverantwortlich entscheidet, seine Gründe bei schwierigen Entscheidungen selbst gewichtet, der gestaltet sein Leben. Und der führt eher das Leben, das er oder sie wirklich führen möchte.

Deine guten Gründe

Wie macht man das nun? Wie findest du die Gründe, die für dich schwerer wiegen?

Gute Hinweise können deine Werte sein. Finde heraus, welche dir wichtig sind. Setze dich mit deinen Träumen auseinander.

Und frag dich vor allem: Welcher Mensch möchte ich sein?

Frag dich bei einer schweren Entscheidung:

Wenn ich Alternative A wähle,

… wie würde mein Leben aussehen?

… wie sehr würde ich dieser Mensch sein wollen?

… wie sehr würde das mein Leben positiv verändern? … Welcher Mensch möchte ich sein?

Wenn du so die einzelnen Alternativen durchgehst, bekommst du ein Gefühl dafür, ob du dieser Mensch sein möchtest.

Probier es aus. Dieses kleine Gedanken-Experiment kann dir vielleicht den entscheidenden Impuls geben, eine schwierige Entscheidung zu treffen. Und zwar so, dass du mehr und mehr das Leben lebst, das du wirklich leben willst.

Quellen

 

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Kommentare

  • super Beitrag, weil es einfach stimmt. Nur ich selbst kann entscheiden, was wirklich gut für mich ist, welcher Mensch ich sein will oder kann und muss dann für diese Entscheidungen auch die Verantwortung übernehmen.

  • Mir hat der Beitrag gut gefallen und ich habe gemerkt, dass ich “aus dem Bauch heraus” meine Entscheidungen eigentlich immer nach diesem Prinzip treffe.
    Gut gefallen hat mir auch das Thema Sowohl-als-auch-Entscheidung. Das funktioniert für mich auch in der Liebe. Ich habe mich trotz langjähriger Partnerschaft in einen anderen Mann verliebt. Wollte mich aber nicht entscheiden müssen, obwohl die Entscheidung klar gewesen wäre. Jetzt lebe ich mit meinem Partner unsere Beziehung weiter und mit dem “neuen” Mann bin ich gerade dabei mir meinen Traum von einer Selbstständigkeit zu erfüllen. So kann ich mit beiden Männern Zeit verbringen, sie lieb haben und eine intensive Beziehung haben ohne mich entscheiden zu müssen. Beide Männer kennen sich, respektieren sich und haben ein freundschaftliches Verhältnis zueinander. Und ich bin sehr glücklich keinen von beiden verloren zu haben und dass ich der Mensch sein kann, der ich bin, der eben zwei Männer liebt.

  • Ich glaube, das Thema ist noch komplexer als es hier anklingt. Der Tipp, mich zu fragen, welcher Mensch ich sein will, ist grundsätzlich ist gut, aber es ist auch nicht zu unterschätzen, dass ich erst mal herausfinden muss, welcher Mensch in BIN.
    Ich habe meine Fähigkeiten und ich habe meine Grenzen.
    Ich kann mir noch so oft vorstellen, wie gern ich z.B. ein abenteuerlustiger Mensch wäre – in der Realität bin ich es aber nicht. Abenteuerliche Reisen stressen mich und versetzen mich in Unruhe. Das ist Fakt.
    Oder wie gern ich ein unbekümmerter und lebenslustiger Mensch wäre – ich bin es aber nicht, ich bin nachdenklich und hochsensibel.
    Von solchen Wunschvorstellungen, die ja oft von der Mainstreammeinung beeinflusst sind, muss ich mich zunächst verabschieden. Und dann schauen, wie ich eigentlich bin und welch ein Mensch ich innerhalb meines So-Seins sein möchte.
    Z.B. ein Mensch, der auf abenteurlichen Reisen lächelnd verzichtet und sich im Urlaub auf eine ruhige Insel in der Nordsee zurückzieht. Und das ganz ohne Bedauern oder gar Rechtfertigungen.

    Ein weiterer Aspekt ist, dass zu verschiedenen Lebenszeiten auch Verschiedenes “dran” sein kann. Mit Anfang 20 kann es dran sein, mehrere Erfahrungen zu machen, Partnerschaften oder Studiengänge abzubrechen, Neues auszuprobieren, einfach verschiedene Erfahrungen zu machen.
    Mit 40 oder 50 dagegen ist es vielleicht dran, nicht gleich “hinzuschmeißen”, sondern Herausforderungen in Beziehungen oder im Job anzunehmen, daran zu wachsen und zu reifen und zu lernen.

    Und auch dem “Sowohl-Als auch” in einem anderen Beitrag hier stimme ich zu.

  • Danke! Mein Herz hat “ja” gesagt zu einer Entscheidung, doch im Kopf wälzte ich weiter die Alternativen.. wieder und wieder. Die Frage, welcher Mensch ich sein möchte, führt mich jedoch auf direktem Wege zurück zur Herzentscheidung- ich glaube ich habs jetzt kapiert

  • Das ist doch genau das, was ich seit Monaten unter jeden zweiten Artikel bei euch schreibe, weil es darin unberücksichtigt geblieben ist: Die Frage „Welcher Mensch will ich sein?“ ist letztlich doch nichts anderes als die Frage nach den eigenen Werten. Oder?

    Freiheit und Sicherheit sind nun einmal Werte, die nur eine kleine Schnittmenge haben, da sind Kollisionen vorprogrammiert. Genauso bei Freiheit und Partnerschaft – da bedarf es schon einer ähnlich gestrickten Partnerin; die Lösung könnte dann darin bestehen, dass man nicht zusammenzieht und sich gegenseitig viel Zeit zugesteht, die beide für sich verbringen und nicht gemeinsam. Was für die einen (aufgrund anderer Werte) unvorstellstellbar ist, kann da funktionieren.

    Wenn ein Wert Neugier ist und man viele Interessen hat, dann wird es vermutlich nix mit dem Erklimmen der Karriereleiter (weil die Neugier nach kurzer Zeit befriedigt ist, Langeweile eintritt und man sich schon bald wieder nach was anderem umschaut). Das ist dann aber nicht schlimm, wenn man sich in einem “Good enough Job” arrangiert, wie Barbara Sher es vorschlägt, und eben tatsächlich seine Neugier in der Freizeit auslebt. Oder bei alternierenden Saison-Tätigkeiten.

    “Dem Leben Richtung geben” kann man nicht nur durch Entscheidungen, sondern auch durch ein sowohl-als-auch. Ein älteres Ehepaar, das ich kenne, lebt die Sommermonate in Spanien in einer Finca und den Winter über in Deutschland. Genauso könnte man sich, um bei deinem Beispiel zu bleiben, so arrangieren, dass man im Sommer auf dem Land lebt und im Winter in der Stadt. Das heißt, oftmals besteht nur vermeintlich ein Entscheidungszwang. Unnötiger Druck, den wir zudem selbst erzeugen, weil wir meinen, uns entscheiden zu müssen. Das ist aber nicht immer wirklich so.

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