Die 11 effektivsten Selbstcoaching-Methoden in einem Selbstlernkurs

5 Tipps zum "Nein-sagen"

5 Tipps nein sagen

Können Sie “nein” sagen? z. B.:

  • wenn andere Sie immer wieder um etwas bitten, das Sie gar nicht tun wollen,
  • wenn Sie wieder einmal eine unangenehme Arbeit für jemanden übernehmen sollen,
  • wenn jemand sich zum wiederholten Mal Geld von Ihnen pumpen möchte, ohne es je zurückzuzahlen,
  • wenn Sie von einem Verkäufer bedrängt werden, etwas zu kaufen,
  • wenn Ihre Kinder zum x-ten Mal ein Vorschuss auf ihr Taschengeld wollen,
  • oder wenn Sie keine Lust haben, an einem Familienessen teilzunehmen, von dem Sie wissen, das es eh nur wieder in Streit endet.

Klar, einige Male hilft jeder bereitwillig aus und hin und wieder sind wir natürlich auch bereit, unsere eigenen Interessen zurückzustellen. Aber irgendwann kommt für fast jeden der Punkt, wo es nötig ist, eine Bitte abzulehnen. Wenn Sie genau damit Schwierigkeiten haben, ist dieser Artikel genau das Richtige für Sie.

Sie finden hier 5 Tipps, mit denen es Ihnen leichter fallen wird, “nein” zu sagen.

Tipp 1: Nehmen Sie sich Bedenkzeit, bevor Sie eine Entscheidung treffen.

Bitten Sie ruhig um Bedenkzeit. Sie müssen nicht auf der Stelle “ja” oder “nein” sagen, auch wenn der andere das gerne möchte. Sagen Sie ruhig: “Ich muss darüber einen Moment nachdenken. Ich komme in fünf Minuten zu dir und sage dir bescheid.”

Oft sagen wir vorschnell “Ja” zu etwas, weil wir uns schlicht und einfach überrumpeln lassen. Anliegen und Bitten werden ja meist ganz schnell mal zwischendurch an uns herangetragen und bevor wir es uns versehen, haben wir zu etwas zugesagt, was uns Stunden kostet oder überhaupt keinen Spaß macht.

Deshalb ist es sehr hilfreich, sich immer einen kleinen Moment Zeit zu nehmen, um die Situation kurz zu analysieren. Gehen Sie im Geiste Fragen durch, wie z.B.:

  • Was ist das genau, was ich tun soll? Eine Arbeit, ein Gefallen, soll ich etwas geben?
  • Möchte ich das tun oder geben – oder ist es mir vielleicht zuwider?
  • Wie viel Zeit, Kraft, Energie und Lust habe ich gerade selbst?
  • Was muss eventuell leiden oder zurücktreten, wenn ich der Bitte nachkomme?
  • Wer ist es, der mich da um einen Gefallen bittet? Welche Bedeutung hat dieser Mensch für mich? In welchem Verhältnis stehen wir zueinander?
  • Wie oft habe ich schon etwas für diese Person getan und wenn das schon öfter der Fall war – möchte ich es tatsächlich noch einmal tun?
  • U.ä.

Vielleicht stellen Sie sich gleich einige solcher Checkpunkte zusammen, die Sie dann auf einen Post-it-Note schreiben, der in Blickweite platziert wird. Das ist eine gute Erinnerungsstütze, nicht mehr automatisch “ja” zu sagen, sondern sich der Situation etwas bewusster zu werden.

Tipp 2: Finden Sie heraus, warum es Ihnen so schwer fällt, “nein” zu sagen

Dass es vielen Menschen schwer fällt, auch mal eine Bitte oder ein Anliegen abzulehnen, kann die unterschiedlichsten Gründe haben. Klarheit darüber zu bekommen, was es uns ganz persönlich schwer macht, hilft dabei, genau diese Ängste, Bedenken o.ä. zu überwinden.

Hier einige Beispiele für Ursachen dafür, dass wir zu oft “Ja” sagen:

  • Die Angst, abgelehnt und nicht mehr gemocht zu werden – Eine Angst, die wir sowohl im Freundes- und Bekanntenkreis und in der Familie haben, aber auch im Job. Die meisten von uns machten schon als Kind die Erfahrung, dass manche Menschen uns nur dann mögen, wenn wir ihnen nützlich sind. Heute als Erwachsene können wir diesen Zusammenhang erkennen und müssen dieses Spiel nicht mitmachen. Fest steht, dass Sie sowieso nicht erreichen können, von allen gemocht zu werden – auch dann nicht, wenn Sie alles dafür tun. Entscheiden Sie sich dazu, dass Sie nicht von jemanden gemocht werden müssen, der Sie nicht mag, nur weil Sie nicht alles tun, was er oder sie von Ihnen will. Wählen Sie Freunde und Menschen, die Ihnen wichtig sind, mit Bedacht aus.
  • Angst vor Konsequenzen – Eine Angst, die durchaus berechtigt ist. Nicht jeder reagiert freudig, wenn Sie eine Bitte ablehnen. Es kann also durchaus zu Konflikten kommen oder im Berufsleben haben Sie vielleicht auch Angst, Ihren Job zu verlieren. Hier ist es sehr wichtig, die Situation möglichst objektiv und realistisch einzuschätzen. Es gibt tatsächlich Situationen, in denen es besser ist, “ja” zu sagen – aber diese Situationen sind sehr viel seltener, als es sich anfüllt. Machen Sie sich klar, dass Sie schon viele Konflikte in Ihrem Leben bewältigt haben und dass Konflikte zum Miteinander dazu gehören. Immer alles zu tun aus Angst vor den Reaktionen anderer, raubt Ihnen Ihre Unabhängigkeit.
  • Man will nicht egoistisch oder herzlos wirken - Diese Ursache liegt in unseren Werten begründet. Sie brauchen aber keine Angst davor zu haben, gleich ein Egoist zu sein, nur weil Sie nicht sofort springen, wenn Sie jemand um etwas bittet. Allein, dass Sie das befürchten, zeigt bereits, dass Sie sich über das Thema Gedanken machen. Wirkliche Egoisten kommen gar nicht erst darauf, es zu sein. Aber – es kann durchaus sein, dass man es Ihnen vorwirft. Doch nur weil Sie jemand als egoistisch beschimpft, sind Sie es nicht auch! Der Egoismus-Vorwurf ist sehr wirkungsvoll, wenn man andere zu etwas bringen will. Nehmen Sie diesen Manipulationsversuch aber nicht einfach so hin. Sie wissen selbst am besten, wie viel Sie für andere tun und ob Sie tatsächlich “herzlos” sind. Ein klarer Blick hilft Ihnen hier schon viel weiter. Wenn Sie sehr unsicher sind, können Sie auch eine Person dazu befragen, die Sie gut kennt – und die Ihnen vor allem wohl gesonnen ist.
  • Das Bedürfnis gebraucht zu werden - Diese Ursache liegt oft unbewusst in uns und ist deshalb gar nicht so leicht zu durchschauen. Für andere da sein zu können, gebraucht zu werden, helfen zu können – all das tut vielen Menschen sehr gut. Und es ist ja auch tatsächlich schön, anderen etwas Gutes tun zu können. Wichtig ist nur, dass Sie hier nicht die Balance verlieren und auf diese Weise ein so genanntes Helfer-Syndrom entwickeln. Damit brennen Sie nämlich über kurz oder lang selbst aus (weil Sie zu kurz kommen).
  • Angst, etwas zu versäumen - Ein Aspekt, der sehr oft übersehen wird, der aber ganz entscheidend ist. Vor allem im Freizeitbereich, aber auch im beruflichen oder familiären Umfeld treibt viele das Bedürfnis an, nur nichts zu verpassen. Und so muss man auf jede Feier, zu jeder Veranstaltung, zu jedem Treffen. Man übernimmt Aufgaben und Gefälligkeiten, weil man dadurch glaubt “im Geschehen” zu sein – und dass einem etwas entgeht, wenn es jemand anderes tut. Hier hilft nur eines: zu lernen, Prioritäten zu setzen. Finden Sie heraus, was Ihnen wirklich Spaß macht, was Ihnen etwas gibt und trainieren Sie Schritt für Schritt, auch mal zu einer Einladung “nein” zu sagen oder an einer Veranstaltung nicht teilzunehmen. Sie werden sehen, dass das Leben weitergeht, auch wenn Sie nicht überall dabei sind (das können Sie ja sowieso nicht). Und den gewonnenen Freiraum werden Sie auf ganz neue Art nutzen können.

Zu diesen inneren Ursachen kommt dann auch noch die Tatsache, dass es uns die anderen oft nicht gerade leicht machen, “nein” zu sagen.

Verständlich, denn schließlich möchten sie ja, dass wir ihrer Bitte nachkommen…

Hier einige Strategien derer, die uns zu etwas bringen wollen:

  • Schuldgefühle auslösen
  • Erpressung
  • Druck
  • Überrumpelung (s.o.)
  • Schmeicheleien
  • Mitleidstour
  • und anderes mehr.

Hier hilft nur eines: diese Strategien erkennen und entlarven. Schauen Sie genau hin, wer etwas von Ihnen will und welche Mittel diese Person einsetzt, um es zu erreichen. Hier hilft Ihnen Tipp 1, damit Sie den nötigen Abstand gewinnen und erkennen können, welche Mittel Ihr jeweiliger Gegenüber einsetzt. Haben Sie eine Strategie erkannt, können Sie diese freundlich, aber deutlich ansprechen, wie z.B.:

  • “Ich fühle mich im Moment überrumpelt, weil du von mir unter Zeitdruck eine Entscheidung möchtest. Gib mir zehn Minuten und dann sage ich dir bescheid.”
  • “Ich kann verstehen, dass es dir nicht gefällt, wenn ich jetzt “nein” sage. Ich möchte mir aber deswegen keine Schuldgefühle machen lassen.”
  • “Ihr Lob freut mich natürlich sehr und trotzdem kann ich leider diese Aufgabe heute nicht mehr für Sie erledigen.”
  • usw.

Im Folgenden finden Sie Tipps 3 bis 5 und einen Denkanstoß zum Thema.

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Kommentare

Sibylle Hoffmann schreibt am 27. April 2014

Zu diesem Satz “Ich kann verstehen, dass es dir nicht gefällt, wenn ich jetzt “nein” sage. Ich möchte mir aber deswegen keine Schuldgefühle machen lassen.” möchte ich erwähnen, dass niemand einem Schuldgefühle machen kann, man hat sie bereits selbst und daran muss etwas geändert werden! Jeder ist für seine Gefühle selbst verantwortlich!

    Ulli schreibt am 27. April 2014

    Das ist meiner Meinung nach wieder so ein Lehrsatz der Psychologie der nicht immer praktisch funktioniert. Unsere Gefühle werden ständig manipuliert. Das hat etwas mit unserem System zu tun. Es gibt Werbung um Bedürfnisse zu wecken. Der Konkurrenzdruck findet schon im Kindergarten statt. Wer nicht gut mitmacht wird runter geputzt. Es gibt viele die ohne Schuld den Arbeitsplatz verlieren, und ich glaube nicht das man seine Schuldgefühle ganz unterdrücken kann, wenn man dann zur Arge muss. Früher hatten Mütter Schuldgefühle, wenn sie nicht mindestens einen Sohn für das Vaterland verloren haben. Wir werden ständig manipuliert, und es wäre schön, wenn wir unsere Schuldgefühle einfach abstellen könnten. Mir gelingt es ganz gut diese Gefühle zu kontrollieren ( man muss ständig daran arbeiten ), weil ich das System kenne. Ich habe in Volkswirtschaftspolitik meine Diplomarbeit geschrieben, und eine psychologische Ausbildung gemacht. Deshalb glaube ich, das ich das System kenne und den Menschen dahinter. Wenn man beides versteht, kennt man auch die Gefahren und Arbeitsweisen dieses Systems. Es beruht auf Ausbeutung und arbeitet mit Schuldgefühlen.
    Mein Fazit: Schuldgefühle werden bewusst von außen eingesetzt um zu manipulieren. Man kann sie allenfalls kontrollieren, und das Wissen warum Schuldgefühle eingesetzt werden, hilft bei der Kontrolle der Schuldgefühle.

Yasmin schreibt am 27. April 2014

Liebe Sibylle, das ist ein ganz großes Missverständnis. Selbstverständlich können uns andere Menschen Gefühle verursachen! Gefühle entwickeln sich ja meist als Reaktion auf etwas, und ich denke, es ist weder möglich noch erstrebenswert, unsere Gefühlsreaktionen völlig abzuschaffen. Darüber nachdenken, ja. Sie loslassen können, auch. In der eigenen Verantwortung liegt aber nur, mit den eigenen Gefühlen so umzugehen, dass sie weder das eigene noch das Leben anderer ruinieren.

    Paul schreibt am 27. April 2014

    Hallo Yasmin,
    ich denke da gibt es ein grosses Missverstaendnis gegenueber der Aussage von Sibylle?
    Gefuehle gehoeren uns und dir kann auch niemand Gefuehle *machen*
    Gefuehle sind antrainierte Standardreaktionen auf Einfluesse der Aussenwelt. Du darfst nicht das Verursachen als Ausloeser mit dem Entstehen der Gefuehle verwechseln.
    Das reagieren auf die Aussenwelt liegt in unseren Haenden, sobald wir es erkennen. Dann gewinnen wir auch Freiheiten.

    Die Alternative ist, dass wir Marionetten sind.

    Yasmin schreibt am 14. Mai 2014

    Paul – ernsthaft? Du nennst Gefühle “antrainierte Standardreaktionen”??
    Lass mich meinen Standpunkt mit ein paar simplen, wenn auch krassen Beispielen verdeutlichen: Eine Frau, die überfallen, vergewaltigt und halb totgeschlagen wird. Der Vertrauensverlust, die Panik, die Wut, waren die wirklich schon da und sind vom Vergewaltiger nur “ausgelöst” worden? Oder: Ein Kind, das von seinen Eltern im Heim abgegeben wird, weil die jetzt doch mehr Lust auf ein anderes Leben haben. Die Einsamkeit, die Verletztheit, die Traurigkeit, waren die wirklich schon da und sind durch die Eltern nur “ausgelöst” worden? Es gibt sehr wohl Fälle, in denen Menschen anderen Gefühle MACHEN. Das muss auch klar so benannt werden. Aussagen wie “Es ist alles eine Sache der Perspektive, es gehören immer zwei dazu” etc. sind Teil einer nur sehr begrenzt gültigen Heititei-Psychologie, und in Fällen echter Traumatisierung ist es durchaus sehr therapeutisch, die Verantwortlichen (ja, i. S. von “die Schuldigen”!) klar zu benennen. Noch mal: Dass der/die Geschädigte dennoch selbst dafür verantwortlich ist, eigeninitiativ alles zu tun, damit es ihm/ihr besser geht, stimmt natürlich. Ich sage, dass man ein Opfer klar als solches benennen dürfen muss, nicht, dass es ewig in einer passiven Opferhaltung verharren muss oder sollte.

Frank schreibt am 27. April 2014

Guten Morgen. Ich habe in diesem Zusammenhang folgendes für mich gelernt. Wenn ich jemandem Hilfe oder Unterstützung gewähre, dann tue ich dies freiwillig, nach eigenem Ermessen und uneigennützig. Sollte mir jemand Hilfe und Unterstützung gewähren, dann akzeptiere ich selbige aussschließlich auf Basis der zuvor genannten Prinzipien. Dies macht es mir möglich sehr wohl Dankbarkeit, jedoch keine Schuldgefühle zu empfinden. Ich lasse mir nicht aufrechnen, wie oft jemand in seinem Leben für mich da gewesen ist oder sein will, um daraus wiederholte Hilfestellungen bei mir abzufragen. Ich habe das Recht Grenzen zu setzen und aus meinen Gründen NEIN zu sagen.

Frank schreibt am 27. April 2014

P.S. Ich habe nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht – mir selbst gegenüber – mich vor solchen Vorgehensweisen zu schützen, womit auch das Thema Eigenverantwortung im Umgang mit der ureigenen Gefühlswelt klar und eindeutig beantwortet sein sollte.

Ulli schreibt am 27. April 2014

Mit Nein sagen habe ich keine Probleme, allerdings kann es leicht passieren, das der „Freundeskreis“ schnell kleiner wird. Aber vielleicht ist dieses auch ein Vorteil. Bei den Übriggebliebenen würde ich wohl nie Nein sagen, und das aus folgenden Gründen. Erstens haben sie viel für mich getan, so das ich mich freue ihnen zu helfen. Zweitens würden sie keine unzumutbaren Forderungen stellen. Das Problem, das ich mich unter Druck gesetzt fühle, entsteht so gar nicht erst. Vielleicht ist die richtige Auswahl der Freunde schon ein Schutz vor unangenehmen Situationen.

    Silke Jahn schreibt am 27. April 2014

    Wenn Du Freunde verlierst, dann wird Platz für etwas Neues.

Anna-Maria schreibt am 27. April 2014

Der Artikel hat mich echt sehr angesprochen. Seit Jahren versuche ich immer wieder auch einmal NEIN zu sagen. Mein Problem ist jedoch, dass mich andere nicht einmal fragen müssen. Sobald mir jemand sein Problem erzählt, meine ich es für ihn lösen zu müssen! Ich komme also gar nicht in die Verlegenheit NEIN sagen zu müssen. Ich springe sofort darauf an und das nutzen anderen natürlich mittlerweile aus.
Wenn ich Hilfe bräuchte, bitte ich selten andere um Hilfe. Ich will selbst immer stark sein und es alleine schaffen. Ich bin einige Male schon schwer enttäuscht geworden und habe das Gefühl, dass ich mich nur auf mich SELBST verlassen kann.
Diese Problem verfolgt mich in allen Lebenslagen – aber immerhin merke ich es mittlerweile schon und kann dadurch versuchen es zu ändern!

Silke Jahn schreibt am 27. April 2014

Wo liegt der Unterschied zwischen rechtfertigen und begründen?

    michael schreibt am 10. Juni 2014

    rechtfertigen ist in kommunikation mit anderen, man ist jemand anderen eine erklärung schuldig oder hat zumindest das gefühl. sie ist eine begründung, aber eine begründung ist nicht zwangsläufig eine rechtfertigung, nämlich dann wenn man es zum beispiel in einem bericht etwas begründet.

Frank schreibt am 27. April 2014

…also ich für meinen Teil beziehe mich auf Einzel-, respektive Grenzfälle, die von denjenigen Machenschaften betroffen sind, bei denen ob bewusst oder unbewusst, die zuvor genannten Strategien angewendet werden. Auch ich war und bin gerne hilfsbereit und freue mich Menschen auf Basis der von mir beschriebenen Prinzipien zu unterstützen und auch ich habe noch selten eine einigermaßen nett formulierte Bitte ausgeschlagen.

Ich lasse jedoch nicht zu, dass meine Integrität, meine Loyalität und meine Gefühle der Verbundenheit aufgrund meines Status eines Freundes oder Familienmitglieds missbraucht oder dazu instrumenalisiert werden, um mich dazu zu bringen, individuelle Hilfestellungen zu leisten, in dem man mich mit dem eigenen Leid konfronitiert, mich auf der Mitleidschiene anspricht, mich empfundermaßen emotional und finanziell unter Druck setzt, indem man mir leidvolle Gedichte schickt, mir schmeichelt oder mich an gemeinsame schöne Momente erinnert. No way! Da gibt es für mich ein klar und eindeutige Grenze!

Sonja schreibt am 3. Mai 2014

Lieber Frank,

Die Kommentare zu diesem Thema sind sehr reflektiert und spannend zu lesen, aber vor allem Dein Letzter Kommentar hat mich sehr zum nachdenken und angeregt in wie weit genau diese Mechanismen bei mir funktionieren und ich doch noch zu oft ja als Nein sage, danke dafür

    Frank schreibt am 9. Mai 2014

    Liebe Sonja. Fein, dass ich zum Nachdenken anregen konnte. Höre auf deine innere Stimme und dein Herz und agiere/reagiere in diesem Zusammenhängen bestenfalls so früh als möglich, einfühlsam, durchdacht, mutig, klar, freundlich und bestimmt. Wenn irgend möglich – hab keine Angst! Und lass dir nicht einreden, dass ein solches Verhalten anmaßend, überheblich oder selbstsüchtig sei. Bullshit!

    Und auch ich bin weder die Ursache, noch trage ich die Ver-Antwortung dafür, wenn ein Mensch in meiner Nähe seine Lebensgeschichte, seinen Mittelpunkt, seinen Weg oder seinen roten Faden verliert. Spätestens an dieser Stelle bin ich schlicht und ergreifend hilf- und machtlos.

Saskia schreibt am 5. Mai 2014

Ein weiterer Aspekt kann auch die (von aussen: eingeimpfte) Ver-antwortung sein.

Ich habe fast acht Jahre meines Lebens mit einem Menschen “ver-plempert”, den ich gar nicht wollte.

Vorausging, dass ich einen Schwerbehindertenausweis mit 100 % mit den Merkmalen “h” (hilflos – meine Emder Freundin flaxt meist: Heute sind nur noch die hilflos, die mit mir konfrontiert werden) “B” (Beglei-tung), Streckenverzeichnis (steckt um den jeweiligen Wohnort einen Umkreis von 50 km, in welchem man gratis fahren kann) und dem sinngemäßen Zusatz “Bedarf ständiger Begleitung gilt als erwiesen”.

Vor allem auf das “B” hat mich meine Mutter immer “festgenagelt”!

Eines Tages wollte ich zur Messe “Du und Deine Welt”, da auch der NDR von da aus sendete.

Meine Mutter machte Terz: Entweder brächte ich ihr eine Begleit-Per-son oder ich müsse daheim bleiben.

Also habe ich ihr einen Schulkameraden als “Alibi-Begleiter” gebracht.

Damit hatte sie ihr Recht und ich meine Ruhe!

Doch plötzlich wirkte man von mehreren Seiten (Eltern, Schwester, ge-meinsame Klassenlehrerin) so auf mich ein, bis ich mich schlussend-lich “breitschlagen” ließ – wieder damit “die anderen ihr Recht und ich meine Ruhe hatte”- des lieben Frieden willen mich auf ihn einließ.

Damit begann dann aber das Unheil: Seine Mutter (damals in den Wechseljahren) betrachtete mich mehr als sein Kindermädchen, denn mehr als sein Freundin (Partnerin).

Er durfte nur fahren, wenn wir uns an “sicheren” Orten trafen wie S-/ U-/ Bushaltestellen oder vorort beim Veranstaltungsort. Wenn er aber wo nur einmal und dann nie wieder hinkam, konnte man es knicken!

So hat sie einen jungen Mann von damals angehenden 22! Jahren mit dem Auto nach Harburg gebracht!

Zwei Jahre später, als ich mit meinem Jugendcamp in Ohlstedt war, hat sie ihn so kirre gemacht, dass er nicht allein hinfindet, dass er sich gar nicht loszufahren getraut hat!

Am liebsten wäre ihr gewesen, ich wäre gekommen, hätte das “kleine” orientierungslose Jüngelchen am besten noch von der Wohnungstür abgeholt, beim Patschehändchen genommen, mit ihm nach Ohlstedt gefahren und es abends zurückgebracht! Der “Kleine” war Mitte 20!

Ebenso undenkbar waren “bewegliche” Treffpunkte. Ich konnte nicht sagen “Du nimmst um die und die Zeit von Dir aus die U2 und bist dann und dann am Jungfernstieg. Ich sitze in der S 1 Richtung Poppen-büttel, die um Zeit x einläuft, im ersten Waggon.”!

Um Himmels Willen! Wir hätten uns ja verpassen können!

Fazit: Ich musste eine KOMPLETT neue Verbindung herausschreiben und hatte ihn länger an den Hacken als ich eigentlich wollte!

Nur eigenartigerweise: Als wir zu Norbert Susemihl ins Poppenbüttler Golf-Hotel Treudelberg wollten, hatte ich ihm gesagt, wie wir hinfah-ren, dass und welchen Bus wir bis zu welcher Haltestelle nehmen. An jenem Tag habe ich verschlafen!

Aber nun stelle man sich mal das ACHTE Weltwunder vor: Da hat er doch tatsächlich GANZ ALLEIN OHNE MICH ins Treudelberg gefunden!

Also ganz so orientierungslos wie ihn Mama immer gemacht hat, war er gar nicht!

Meine Mutter war auch nicht anders, hat auch immer gesagt “Aber was ist, wenn du dich verfährst oder verläufst?!”. Ich habe dann genau so oft immer wieder zurückgegeben “Ich habe einen Mund zum Fra-gen. Ob ich zehnmal oder zwanzigmal frage: Entscheidend ist, dass ich mein Ziel erreiche!

Ausserdem gibt es Leute, die mir auf jeden Fall weiterhelfen können – sei es die Polizei oder generell Motorisierte wie Taxifahrer oder ande-re.” Wenn sie weiter gemacht hat, hiess es irgendwann “…tschau Ma-ma!” und ich war ab durch die Mitte!

Sie hat mir völlig perplex hinterher gesehen, es mir aber schlussend-lich nie verdacht. Denn nur dadurch habe ich gelernt, eigenständig mit dem ÖPNV umzugehen!

Die Trennung wurde mehr als bitter nötig, als bei mir eine Arbeitser-probung* ganz gründlich in die Grütze ging. Es spielten mehrere Fak-toren zusammen, doch der Haupt-Störfaktor saß in Hamburg. Ständig spukte mir der Gedanke durch den Kopf: Was würde aus ihm werden, wenn man mich gleich zur Ausbildung dabehielte?!

Als ich eine erneute Arbeitserprobung bewilligt bekam, hielt ich es zu-nächst für einen Irrläufer. Denn dass bei den Ämtern meist eine Hand nicht weiss, was die andere macht, ist ein offenes Geheimnis.

Da kann man es haben, dass ein Sachbearbeiter einem die beantragte Leistung/ Maßnahme versagt und ein anderer Kollege bewilligt einem selbige. Was stimmt dann? Ab- oder Zusage?

In der stillschweigenden Annahme, dass es sich bei dem Schrieb um einen Irrläufer handele, habe ich dem keine weitere Beachtung ge-schenkt.

Nun war mein damaliger kaufmännischer G-Lehrgang ebenfalls vom Arbeitsamt bewilligt worden. Daher wusste man um meinen Verbleib.

Ich hatte Textverarbeitungsunterricht, welcher im EDV-Raum statt-fand. Um in den besagten Raum zu gelangen, musste ich unweigerlich am Büro unseres Schulleiters vorbei.

Als er mich vorbeihuschen sah, rief er mich und bat mich zu sich.

Ich bin hingegangen, denn ich hatte ja nichts zu befürchten:

Meine Leistungen waren in Ordnung.
Mein Verhältnis zu meinen Klassenkameraden: durchwachsen, aber ansonsten in Ordnung.
Ich hatte keinen Ärger mit den Dozenten oder Berufsschullehrern.
Übermäßige Fehlzeiten gab es auch nicht!

Als er mich auf die (augenscheinlich) ignorierte Bewilligung ansprach, habe ich zunächst geschluckt und mich gefragt, woher er darum weiss.

Nach dem ich mich nicht gemeldet hatte, nahm das Arbeitsamt an, dass mich deren Schrieb gar nicht erreicht hat, also: auf dem Postweg verloren gegangen ist.

Er bemerkte meine Zweifel und versicherte mir, dass mein Platz bei ih-nen sicher sei und erst bei entsprechender Info neu vergeben wäre.

Ich könnte die Maßnahme ganz beruhigt antreten.

Nun wusste ich ja, dass uns unsere Dozenten/ Institution (GRONE) gut gesonnen war und uns niemals sehenden Auges in unser sicheres Ver-derben hätte rennen lassen.

Die vergangene Arbeitserprobung reflektierend fragte ich mich nach dem damaligen Haupt-Störfaktor und kam sehr schnell zum Schluss, dass mich meine (unabgeschlossene, faktisch ungewollte) Beziehung an der nötigen Konzentration behinderte.

Also habe ich Nägel mit Köpfen gemacht und mich von ihm getrennt. Er hat mir noch die Ohren voll geplärrt und mit Suizid gedroht – Pech nur, dass ich nicht auf diese Drohung eingegangen bin, sondern nur mit “Tu ‘s doch! Dann habe ich einen Deppen weniger an den Hacken!” quittiert habe.

Nach der Trennung habe ich mich gefühlt wie ein Sträfling, der sich sei-ner Steinkugel entledigt hat!

Das große “Kleinkind” lebt heute mit bald Mitte 40 bei seinen Eltern und läuft an einem sog. Dreifuß (einer Gehhilfe, die nicht umfallen kann), da er eine angebotene Hüft-Op abgelehnt hat.

Immer wenn er mich sieht, wirft er mir sehnsüchtigste Blicke zu – in der Hoffnung, dass ich zu ihm zurückkehre!

Aber seit er mich mit meinem heutigen Lebensgefährten Kristian gese-hen hat (und wir flirten dann ganz demonstrativ vor ihm! ;-)), lässt er mich in Ruhe!

Heute lasse ich mich nicht mehr in etwas drängen, wovon ich (für mich) ganz sicher weiss, dass ich nicht wirklich mit ganzem Herzen hin-ter stehen kann.

Entweder kann man hinter dem/ der Liebsten stehen oder man lässt es bleiben. Aber dann ist eine emotionale Größe und Aufrichtigkeit vonnöten zu sagen “Ich will derzeit keine Beziehung/ Ich will mit DIR keine Beziehung./ Um gleich mal Klartext zu reden: Eine Beziehung wie du sie gerne hättest und dir wünschst, kannst du knicken! Die ist nicht -heute nicht, morgen nicht, gestern oder vorgestern nicht, nicht über-morgen oder irgendwann!

Wir können gerne gute Kumpels sein und zusammen um die Häuser ziehen. Aber eine Beziehung wie du sie gerne hättest: Eher Nein als Ja!”

Punkt ist, dass man bei diesen Leuten eine (falsche) Hoffnung weckt und sie sich über etwas freuen, was sie faktisch gar nicht haben!

Ich habe auch schon einem ehemaligen Arbeitskollegen freundlich-be-stimmt Nein gesagt. Denn zu damaliger Zeit wollte ich einfach keinen Partner.

Er war mir zu sympathisch, um ihm ein halbherziges “Ja” zu geben.

Später sagte er mir, dass ihn meine Absage damals sehr getroffen hät-te. Doch schlussendlich sei er mir für meine Aufrichtigkeit sehr dank-bar, dass ich in ihm keine Hoffnungen geschürt habe, die sich per sè nicht erfüllt hätten.

* Arbeitserprobung: Vorberufliche Maßnahme

Es gibt drei vorberufliche Maßnahmen: Arbeitserprobung, Berufsfindung und den Förderlehrgang

Arbeitserprobung:

Dauer: vier Wochen
Klientel: Entweder Wissende, was sie machen wollen/ können oder bei denen ersichtlich ist, was sie machen können.

Im Hannoveraner Berufsbildungswerk war ein Maßnahme-Teilneh-mer, der bedingt durch einen Verkehrsunfall beide Beine und einen Arm verloren hatte und im Rollstuhl saß.

Dass so jemand wohl kaum in etwas Handwerklichen zu finden sein dürfte, dürfte selbst dem größten Nerd einleuchten!

Die Leute erhalten berufstypische Aufgaben (z. B. Aufsetzen eines Ge-schäftsbriefs gem. DIN Norm 508?).

Berufsfindung:

Dauer: Vierteljahr

Klientel: Unschlüssige, die entweder nicht wissen, was sie machen wol-len, oder bei denen nicht ersichtlich ist was sie (hinsichtlich ihrer Fähig-keiten) machen können.

Sie durchlaufen alle Ausbildungsbereiche und erhalten für jedes eine Beurteilung. Zum Ende der Maßnahme wird analysiert, was er/ sie (mangels “Talent” dazu) lieber lassen sollte (um eventuellen Enttäu-schungen/ Frustrationen oder Über- wie Unterforderung vorzubeu-gen) und wo er/ sie besonders gut abgeschnitten hat.

Förderlehrgang:

Dauer: Ein Jahr

Klientel: Ähnlich bei der Berufsfindung, nur muss hier noch die nötige Ausbildungsreife erlangt werden.

Im Idealfall münden alle Maßnahmen in eine überbetriebliche Lehre.

Während in den Berufsbildungswerken ausschließlich vorberufliche Maßnahmen und Erst-Berufsausbildungen absolviert werden, steht bei Berufsförderungswerken die Umschulung im Vordergrund.

Überbetriebliche Umschulungen erfolgen primär aus Gesundheits-gründen (z. B. Allergien) oder wenn der-/ diejenige aufgrund psychi-scher Traumata ihren erlernten Job nicht mehr (adäquat) ausüben kön-nen.