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Nein sagen lernen: 5 Tipps, wie du “nein” sagen kannst (Seite 2 von 2)

5 Tipps nein sagen

Hier folgen weitere Tipps, die dir das “Nein-sagen” leichter machen.

Tipp 3: Mache dir klar, welchen Preis du zahlst, wenn du “ja” sagst

Dieser Tipp klang schon im ersten – also der Situationsanalyse – an, ist aber wichtig genug, auch noch einmal extra genannt zu werden. Mache dir klar, was es dich eigentlich kostet, zu oft “ja” zu sagen. Das nämlich kann dir eine gute Portion Motivation und Anreiz geben, ab sofort ein bisschen genauer zu überlegen, ob du nicht vielleicht doch einmal etwas ablehnst.

Extra-Tipp

Rechne ruhig einmal allein zusammen, wie viel Zeit es dich ganz konkret kostet, Aufgaben für andere zu erledigen. Das einmal summiert zu sehen, kann ein echter Augenöffner sein!

Kosten für zu vorschnelles Ja-sagen sind z.B.:

  • Weniger Zeit, Kraft, Energie u.ä. für deine eigenen Vorhaben und Projekte oder für die Menschen, für die du viel lieber etwas tun würdest.
  • Sehr oft Stress, weil die zusätzlichen Aufgaben ja zu denen hinzukommen, die wir eh schon erledigen müssen.
  • Häufig Ärger darüber, doch wieder nachgegeben zu haben.
  • Nach einer gewissen Zeit das nagende Gefühl, ausgenutzt zu werden.
  • U.ä.

Auch wenn Beziehungen nicht nach kaufmännischen Regeln zu bewerten sind, so sollte doch das Verhältnis im Großen und Ganzen ausgeglichen sein. Das gilt für den Job genauso wie für Freundschaften oder die Familie. Wenn du dauerhaft mehr gibst als bekommst, wirst du unzufrieden. Und hier gilt es, besser für sich zu sorgen. Indem du dir klarmachst, was es ganz konkret für dich bedeutet, immer wieder etwas für andere zu tun, kommst du in Kontakt mit deinen eigenen Bedürfnissen. Menschen, die sich schwer damit tun, “nein” zu sagen, stellen ihre eigenen Bedürfnisse oft hinten an. Auf Dauer aber höhlt das aus und macht unzufrieden. Du bist auch wichtig! Deine Zeit ist genauso wichtig wie die anderer Leute, deine Kraft ist auch nicht endlos und es steht dir – genau wie jedem anderen zu – gut für dich zu sorgen.

Tipp 4: Erlaube dir, “nein” zu sagen

Dieser Tipp knüpft unmittelbar an den vorherigen an. Dann, wenn du dir nämlich klargemacht hast, dass du für jedes “Nein”, das du nicht sagst, auch einen Preis zahlst, fällt es dir vielleicht leichter, dir selbst die Erlaubnis dafür zu geben, irgendwann auch einmal an dich und nicht nur an andere zu denken. Du bist kein schlechter Mensch, wenn du eine Bitte ablehnst. Niemand kann ständig für alle bereit stehen. Der Vorwurf, egoistisch zu sein, kommt schnell – aber gut für sich zu sorgen, ist kein Egoismus, das ist notwendige Selbsterhaltung. Du kannst anderen nur dann wirklich etwas geben, wenn du selbst genug Kraft und Energie hast – und vor allem dann, wenn du gerne tust, worum man dich bittet.

Tipp

Manchmal kann es sinnvoll sein, sich eine solche Erlaubnis schriftlich zu geben.

Erlaube dir also, auch mal “nein” zu sagen – es ist dein gutes Recht! Warte nicht darauf, dass andere Menschen dir dazu die Absolution erteilen, denn gerade diejenigen, die etwas von dir wollen, haben natürlich nur wenig Interesse daran, dass du für dich sorgst.

Tipp 5: Lerne, auf sanfte Art “nein” zu sagen

Wichtig beim Nein-sagen ist vor allem, klar zu sein, aber dabei nicht brutal. Wenn du etwas nicht tun willst, dann solltest du das so deutlich sagen, dass der andere es nicht missinterpretieren kann. Das aber kann man behutsam und freundlich tun, so dass das “Nein” nicht verletzt. Hier findest du eine Reihe von Möglichkeiten, wie du respektvoll “nein” sagen kannst:

  • Das Nein begründen – Du brauchst dich zwar nicht zu rechtfertigen, aber du kannst dein “Nein” begründen. Das macht es dem anderen leichter, es anzunehmen. Wenn sich z.B. ein Kollege zu dir setzen will, du aber gerade in einem wichtigen Gespräch vertieft bist, bei dem du keinen anderen dabeihaben möchtest, dann kannst du genau das sagen: “Oh, ansonsten jederzeit gerne – nur jetzt besprechen wir gerade etwas Persönliches.” Hier bittest du selbst um Rücksichtnahme und motivierst so dein “Nein”. Auf diese Weise wird deutlich, dass sich das “Nein” nicht gegen die Person richtet, sondern andere Ursachen hat.
  • Verständnis zeigen – Indem du Verständnis für die Bitte des anderen zeigst, wirkt jedes “Nein” schon viel weicher. Sage so etwas wie “Dass du so im Zeitstress bist, tut mir sehr leid – aber ich kann dir leider heute trotzdem nicht aushelfen.” oder “Ihr Team steht da wirklich stark unter Druck. Leider ist es trotzdem nicht möglich, dass eine Arbeitskraft von uns zu Ihnen wechselt.”
  • Bedanken – Eine schöne Geste ist, sich dafür zu bedanken, dass der andere einem die Aufgabe zutraut oder das Vertrauen in uns hat: “Ich fühle mich geehrt, dass Sie da an mich denken, aber mein Terminkalender ist leider komplett voll.” oder “Das ist ein wundervolles Kompliment, dass du mir das zutraust, aber ich kann leider nicht.”
  • Mit Humor – In manchen Situationen ist Humor eine wundervolle Möglichkeit, ein “Nein” zu verpacken. Aber Vorsicht: nicht jeder versteht jede Art von Humor! Im Zweifelsfall solltest du deshalb doch lieber eine neutrale Formulierung wählen.
  • Manchmal reicht auch ein Teil-Nein – Häufig muss man gar kein striktes “Nein” sagen. Wenn du z.B. nur heute keine Zeit hast, es dir aber nichts ausmachen würde, die Aufgabe morgen zu übernehmen, dann kannst du das genauso sagen. Oder vielleicht bist du bereit, einen Teil der Bitte zu erfüllen, dann biete das an.
  • Gegenangebot machen – Es ist auch möglich, einen Gegenvorschlag zu machen – also vielleicht eine andere Idee anzuregen, wie derjenige sein Anliegen lösen kann. Du zeigst damit, dass dir der andere nicht egal ist, machst aber auch klar, dass du nicht zur Verfügung stehst.

In der Regel reicht es aus, wenn du konsequent bei deinem “Nein” bleibst. Aber es gibt auch Zeitgenossen, die – gerade wenn diese von dir kein “Nein” gewohnt sind – hartnäckig davon ausgehen, dich doch noch “rumzukriegen”. Hier ist dann manchmal auch ein deutlicheres Wort angesagt. Auch hier kannst du die eingesetzte Strategie ansprechen, wie z.B.

  • “Du möchtest mich jetzt offenbar mit allen Mitteln dazu bringen, dass ich “ja” sage – tut mir wirklich leid, aber das zieht dieses Mal nicht.”
  • “Ihnen scheint es sehr wichtig zu sein, mich umzustimmen. Aber leider kann ich nur noch einmal wiederholen, dass es heute nicht geht.”

Und noch ein Denkanstoß zum Schluss

Und hier haben wir noch einen spannenden Denkanstoß für dich: Überprüfe einmal, wie du selbst damit umgehst, wenn jemand anders “nein” sagt.

  • Kannst du das “Nein” akzeptieren oder neigst du selbst dazu, den anderen umstimmen zu wollen?
  • Findest du es angemessen, wenn andere deinen Bitten nicht immer nachkommen oder fühlst du dich dann verletzt oder beleidigt?
  • Kannst du mit deiner Enttäuschung gut umgehen oder wirst du wütend?

Wenn du dir diese Fragen ehrlich beantwortest und ggf. hier im Sinne des “Rechts zum Nein-sagen für alle” etwas an dir arbeitest, wird es dir auch leichter fallen, dir dieses Recht selbst zu nehmen.

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